Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
»Ah, ich verstehe. Und nun wollt ihr einen neuen Auftrag, wie? — Habt ihr nicht Lust, nach Bihar zurückzugehen?«
Michel sah auf einmal, daß in den Augen des Mannes, von dem die Geschicke ganz Indiens abhingen, seltsame Lichter funkelten. Ein Ausdruck von Hohn lag auf seinen Zügen. Der Pfeifer war ganz Abwehr.
»No, Sir«, entgegnete er ruhig. »Wir haben genug von Indien. Unser Anliegen ist es, Euch zu bitten, uns aus Euren Diensten zu entlassen und uns unser Gehalt auszuzahlen.« »Ah, ihr wollt nicht mehr für die Kompanie arbeiten?« »No, Sir.«
»Und warum nicht?«
»Müssen wir ein Entlassungsgesuch begründen? Wir sind keine Offiziere.« »Nun, es zeugt nicht gerade von Vertrauen, wenn ihr sang- und klanglos scheidet. Wir haben euch die Möglichkeit gegeben, eure Fähigkeiten bei uns gut bezahlt zu bekommen. Das war uns eine Freude. Ist euer Schweigen nun der Dank dafür?«
Die beiden, oder zumindest Michel, hätten darüber stutzig werden müssen, daß sie kaum zu warten brauchten, um zum Generalgouverneur von Ostindien vorgelassen zu werden. Für eine Audienz bei Seiner Herrlichkeit mußte man sich im allgemeinen tagelang vorbereiten. Gewährt wurde sie dann erst, wenn Seine Herrlichkeit es für richtig hielt.
Und heute, am ersten Morgen nach ihrer Ankunft hatte er Zeit, so viel Zeit, daß es jedem, der die Gepflogenheiten der hohen Herren in Kalkutta kannte, unbedingt aufgefallen wäre.
»Wir haben getan, was in unseren Kräften stand. Aber wir möchten wieder ungebunden sein.«
»Hat euch der Dienst für uns nicht gefallen?«
Michel zögerte mit der Antwort. Aber dann meinte er fest:
»Nein, er hat uns nicht gefallen. Ich bin aus meinemVaterland gegangen, weil ich die Unterdrückung hasse. Ich kann hier nicht meine Hand dazu hergeben, anderen etwas anzutun, was ich zu Hause nicht dulden wollte.«
Hastings erhob sich und blickte ihn spöttisch an. »So, Unterdrückung nennt Ihr es, wenn wir den Indern die Errungenschaften der Zivilisation bringen?« Michel lachte bitter auf.
»Nehmt Euch zusammen, Mr. Baum! Ihr könnt nicht etwas verlachen, was uns heiliger Ernst ist. Wir sind keine Anfänger. Wir wissen genau, was zu tun ist. Zur Ehre Englands und des Königs.« »Pah! England wird sich für die Ehre bedanken. Sagt lieber, Ihr tut es für ein paar Profitgeier, die in London sitzen und vorgeben, daß sie ihre Tantiemen für England verdienen. Nein, Sir Warren, was ich gesehen habe, reicht aus. Es ist kein Dienst an der Menschheit, wenn man die Kulturen anderer mit den modernsten Errungenschaften der Zivilisation, mit den Kanonen nämlich, in Trümmerhaufen verwandelt.«
Hastings ging langsam auf ihn zu. »Wir wollen nicht rechten. Ich lasse mich mit meinen Untergebenen nicht in philosophische Gespräche über Recht oder Unrecht ein.« »Ich bin nicht Euer Untergebener, sondern Euer Angestellter. Das ist ein Unterschied.« »Für uns ist es kein Unterschied, ob ein Angestellter oder ein Untergebener Verrat an der Kompanie übt.« »Verrat?«
»Ja. Ihr habt den Radscha von Bihar nach Diamond Harbour gebracht und ihn auf eins Eurer Schiffe geschmuggelt. Gegen den Radscha war aber Haftbefehl ergangen. Ihr wußtet, daß er noch lebte, Ihr hattet ihn bei Euch. Ihr hättet ihn uns bringen müssen.«
»Ich habe ihn selbst aus den Flammen seines Palastes gerettet. Und ich rette niemanden, damit er nachher von Euerm ehrenwerten Mr. Oberrichter abgeurteilt und womöglich gehenkt wird.« »Ihr gebt das also zu?«
»Natürlich. Und ich würde das immer wieder tun.«
»Spart Euch Eure Ausfälle. Ihr könnt diese Dinge dem Gericht erzählen. Wir haben Euch nichts mehr zu sagen. Nur sovieclass="underline" der Radscha ist gestern an Bord der »Lundi« verhaftet worden. Und der saubere Kapitän ist seitdem verschwunden. Eine feine Gesellschaft, die Seeräuber, die Eure Freunde sind. Piraten hängt man in England am Hals auf, bis sie tot sind.« Michel war aufgestanden. Er steckte die Hände in die Taschen und lachte dem Generalgouverneur ins Gesicht.
»Hoffentlich hält man später nicht einmal Euch selbst für einen Piraten, Sir Warren. Es hat den Anschein, als wollt Ihr uns um unser sauer verdientes Gehalt bringen. Ich werde in London Klage gegen Euch erheben; denn hier bekomme ich ja doch kein Recht. Ich hörte bereits, daß Euer Oberrichter aus dem gleichen Holz geschnitzt ist wie Ihr. All right, lebt wohl, Sir. Wir sprechen uns in London wieder. Good bye. — Komm, Ojo.« Aber Hastings war noch nicht fertig.
»Ihr sagt, Ihr würdet hier kein Recht bekommen.« Seine Stimme war nicht laut, hatte aber einen unangenehmen zischenden Klang. »Ihr habt auch nicht verdient, daß man Euch Euer Recht gibt.
Hier gilt das Recht der Kompanie. Das aber ist unteilbar. Und nach unseren Gesetzen seid Ihr ein Verräter. Eure Unterschrift unter dem Vertrag, den Ihr mit uns geschlossen habt, steht an Eides Statt.Woher nehmt Ihr eigentlich das Recht, Euch so aufzuspielen?«
Michel und Ojo hatten die Tür erreicht. Michel wandte sich noch einmal um und antwortete schneidend:
»Aus meinem Gewissen, Sir Warren Hastings, nirgendwo sonst her. Nur aus meinem Gewissen!«
Hastings räusperte sich und machte eine verabschiedende Handbewegung. Michel und Ojo gingen ohne Gruß und — wurden im Vorzimmer verhaftet.
Die Wache mußte schon seit geraumer Zeit hier gewesen sein; denn die Soldaten standen in lockerer Haltung herum.
Ojo schlug den ihm am nächsten Stehenden nieder. Er wollte sich gerade auf einen weiteren stürzen, als Michels Stimme ihn zurückrief: »Es hat keinen Zweck, Diaz. Wir können hier nichts ausrichten. Du hast es diesmal nicht mit Arabern oder mit Türken zu tun. Das hier sind zivilisierte Soldaten.« Bittere Ironie schwang bei seinen letzten Worten in der Stimme.
Sie wurden ins Gefängnis abgeführt. Jardin sah sie und folgte heimlich. Aber er stellte bald fest, daß er im Augenblick nichts für sie tun konnte.
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Es war in jenen Tagen so, daß die Gerichte der Kompanie gegen korruptive Elemente in den eigenen Reihen sehr milde Urteile fällten, gegen Ausländer, die in ihren Diensten standen, etwas strengere, sofern es Weiße waren, unbarmherzige Urteile jedoch gegen Eingeborene. Michel und Ojo wurden zur Verbüßung einer Haftstrafe mit anschließender Ausweisung und zur Einziehung ihres Vermögens, soweit sie welches besaßen, verurteilt. Tscham bekamen sie gar nicht zu Gesicht. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt. So saßen sie in ihrer Zelle und brüteten vor sich hin.
»Feine Gesellschaft«, sagte Ojo. »Ich konnte die Engländer nie besonders gut leiden.«
»Du darfst nicht verallgemeinern, Diaz. Denke an Lord Hawbury. Er ist auch einer.«