Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
»Yes, Exzellenz«, verbeugte sich Sir David leicht und gab seine Befehle.
58
Jardin stand im Steuerhaus und unterhielt sich mit dem Steuermann. In diesem Augenblick rief eine der Wachen:
»Hallo, Captain, die Kommission scheint zu kommen. Das Boot zeigt die Flagge der Hafenbehörde.«
Jardin eilte hinaus und blieb an der Reling stehen.
»Laßt das Fallreep hinab«, befahl er. Dann wandte er sich an den Ersten. »Laßt die Leute antreten und macht ein Pfeifkonzert, wenn die hohen Herren an Bord kommen. Ich bin gleich wieder da.«
»Aye, aye, Captain.«
Alfonso Jardin eilte in seine Kajüte.
»Mr. Tscham«, sagte er hastig, »kommt mit! Die Kommission ist im Anrollen. Ihr müßt in den Kielraum.«
Tscham nickte. Viel Zeit hatten sie nicht mehr. Jardin ergriff ein Tau, hielt es fest, und Tscham ließ sich schnell daran hinunter.
»All right, ich befreie Euch bald wieder aus diesem Loch. Verliert nicht die Geduld.«
Er warf die Klappe zu und rannte in seine Kabine. Mit hastigen Handgriffen beseitigte er dort die letzten Spuren von Tschams Anwesenheit.
Er erreichte das Oberdeck zur selben Zeit, als die Bootsmannspfeifen mit ihrem ab- und anschwellenden Ton die Gäste willkommen hießen.
Jardin blieb erstaunt stehen, als er sah, daß es sich bei den Ankömmlingen lediglich um untergeordnete Polizeiorgane des Hafens handelte. Inspektor Bate lächelte über den Empfang. Dieser kleine Spanier schien selbst vor einem Mann mit einem weit unter dem Rang eines Kapitäns stehenden Dienstgrad Respekt zu haben, wenn dieser zu den Hafenbehörden gehörte. Geringschätzig sagte der Inspektor:
»Wir haben Auftrag, das Schiff zu durchsuchen, Captain.«
Jardin begriff nicht sogleich. Aber nachdem er sich von seinem ersten Erstaunen erholt hatte, fragte er:
»Das Schiff wollt Ihr durchsuchen? Wozu? Glaubt Ihr, wir haben die »Trueno« und die »Mapeika« in unserem Kielraum versteckt? Seid Ihr nicht einer der Hafeninspektoren?« »Ja. Der Kommandant schickte mich zur Ausführung des Befehls an Bord. Wollt Ihr mir Schwierigkeiten machen?«
»Zeigt mir Eure Beglaubigung vom Generalgouverneur. Mir wurde ausdrücklich versichert, daß die Untersuchungskommission aus höheren Beamten bestehe, die eigens von Kalkutta nach hier geschickt werden sollten.«
»Ich glaube, Ihr habt mich mißverstanden, Mr. Jardin. Wir sind nicht die Untersuchungskommission. Wir sollen lediglich Euer Schiff durchsuchen. Eine ganz alltägliche Polizeiangelegenheit.«
Jetzt stutzte Jardin. Weshalb diese Durchsuchung? Die Zinnbarren waren ordnungsgemäß registriert und entladen worden. Der Kleine wollte Zeit gewinnen. Er .zwang ein breites Lachen auf sein Gesicht.
»So, ihr seid nicht die hohen Herren, die wir erwartet haben. Well, dann muß ich erst meine Leute wegtreten lassen.«
Er wandte sich augenzwinkernd an den Ersten Offizier. »Schickt die Leute in ihre Kojen.« »Aye, aye, Sir.«
Bate ärgerte sich. Er war also doch keine so respektgebietende Persönlichkeit, wie er eben noch geglaubt hatte.
Als das Kommando »Wegtreten!« verklungen war, stieg ein donnerndes Lachen aus den Kehlen der Besatzung, das sich über die Polizisten und ihren Inspektor ergoß.
Bate biß die Lippen zusammen.
»Können wir nun beginnen?« fragte er Jardin.
»Womit?«
»Mit der Durchsuchung natürlich.«
»Doch nicht etwa mit der Durchsuchung meines Schiffes?« »Natürlich. Was sonst?«
»Was sonst? — Sehr einfach. Seht zu, daß Ihr so schnell wie möglich wieder in Euer Boot kommt. Seit wann darf die Hafenpolizei einfach Schiffe durchsuchen, wann es ihr beliebt?« Bate ließ sich nicht einschüchtern.
»Ihr scheint zu vergessen, daß Ihr einen Vertrag mit der Ostindien-Kompanie habt. Solange dieser Vertrag gültig ist, übt die Kompanie die Hoheitsrechte auf Euerm Schiff aus. Was soll also die Weigerung?«
Jardin krauste die Stirn. Er wußte zwar nichts von solchen Rechten; aber er war an den Vertrag gebunden. Die Hafenbehörden waren Behörden der Kompanie.
»Was sucht Ihr eigentlich hier?«
»Ihr sollt einen Verbrecher an Bord haben.«
»Einen Verbrecher? Davon müßte ich etwas wissen.«
»Stellt Euch nicht dumm«, meinte Bate aufgebracht.
»Herr!« fuhr ihn Alfonso an und reckte mächtig die Glieder, um etwas größer zu erscheinen. »In welchem Ton redet Ihr mit einem Kapitän!«
Bate hielt sich zurück. Es war ihm nicht befohlen worden, unnötig grob zu werden.
»Ihr müßt doch verstehen, daß ich nur meine Pflicht erfülle, Captain. Ich habe den Befehl, Euer Schiff zu durchsuchen und muß es tun.—Bitte, habt ein Einsehen.«
»So ist das schon viel besser«, meinte Jardin und stemmte energisch die Hände in die Seiten.
»Macht Euch an die Arbeit. Ihr werdet keinen Verbrecher finden.«
»So?« Bate konnte sich doch nicht zurückhalten. »Seid Ihr dessen sicher, daß sich der Ex-Radscha vonBihar nicht an Bord befindet?«
Jardins Überraschung spiegelte sich in seinem Gesicht wider.
»Liefert ihn freiwillig aus; dann können wir uns und Euch die Durchsuchung ersparen.« Jardin faßte sich. Als Vertragspartner der Kompanie war er verpflichtet, sich den Anweisungen aus Kalkutta zu beugen. Aber waren nicht der Pfeifer und Ojo auch Vertragspartner? Und sie hatten den Radscha vor der Kompanie gerettet. Andererseits hatte Jardin in erster Linie die Verantwortung für sein Schiff. Er war ratlos. Jetzt fehlte ihm — wie so oft — der verehrte Senor Doktor, der eine solche Situation sicherlich mit Leichtigkeit gemeistert hätte. »Nun, wie habt Ihr Euch entschlossen?«
»Sucht« sagte Jardin barsch. »Ihr werdet nichts finden. Eure Annahme, der Radscha sei hier an Bord, kann nur der Phantasie eines Verrückten entsprungen sein.«