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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Es ist die einzige natürliche Erklärung. An Gespenster glaube ich nicht.«

Schweigen war in der Kajüte. Jeder hing seinen Gedanken nach. Nach einer Weile sagte Micheclass="underline"

»Werdet Ihr Tscham verbergen können, solange Ihr im Hafen seid?«

»O ja. Er ist hier sicher.«

»Gut, Alfonso, ich habe Vertrauen zu Euch. Ojo und ich müssen jetzt zuerst einmal nach Kalkutta.«

Kurz bevor sie die Kajüte verließen, entfernte sich eilig eine Gestalt, die in der Nähe der Tür herumgelungerthatte. Der Mann sprang mit großen Schritten über die Stiege ans Oberdeck und beschäftigte sich gleich darauf angelegentlich mit einer Taurolle.

Früh am nächsten Morgen stieß das Boot vom Schiff ab. Michel und Ojo waren zur Reise gerüstet. —

Tscham saß in der Kapitänskajüte. Er fühlte sich noch nicht so ganz sicher. Freilich, gegen den kleinen Kapitän hatte er kein Mißtrauen. Aber die Mannschaft — würden sich die Matrosen nicht wundern, daß ein fremder Gast an Bord war? Waren sie verläßlich? Tscham ging unruhig in der Kajüte auf und ab. Gegen Mittag kam Jardin herunter und sagte:

»Es wird gut sein, wenn Ihr Euch jetzt irgendwo verbergt. Ich erhielt vom Hafenkommandanten gerade die Nachricht, daß die Kommission eingetroffen ist. Wir müssen jede Minute damit rechnen, daß die Herrschaften an Bord kommen.« »Wo wollt Ihr, daß ich mich verberge?«

»Am besten, Ihr steigt so lange hinab in den Kielraum. Ich werde Euch zu gegebener Zeit wieder befreien.«

Es klopfte.

»Maldito, wer will jetzt etwas von mir?«

Er öffnete die Tür einen Spalt. Der Bootsmannsmaat Sterling stand vor ihm. »Was wollt Ihr?« fragte der kleine Alfonso ungehalten. Sterling nahm den Hut ab und meinte:

»Ich habe heute nachmittag wachfrei, Captain. Ich möchte um Landurlaub bitten.« Während er sprach, wanderten seine Augen suchend hin und her.

»Das geht nicht, Sterling, wir bekommen wahrscheinlich in wenigen Minuten hohen Besuch. Da kann ich keinen Bootsmannsmaat beurlauben.«

»Es wird mit dem Besuch nicht so schlimm werden, Captain. Hilger vertritt mich. Niemand wird mich vermissen.«

»All right, dann geht meinetwegen.« »Danke, Captain.«

Jardin warf die Tür zu. Er mochte diesen Sterling nicht. Der Kerl war aufdringlich und hatte falsche Augen.

57

Im Büro des Hafenkommandanten saßen drei Herren der Versicherungsgesellschaft von Lloyd, die auch in Kalkutta eine Zweigniederlassung hatte. Der eine der Herren fragte den Kommandanten:

»Ihr habt also nicht den Eindruck, Sir David, daß sich die zwei Schiffe aus dem Staub gemacht haben, damit ihre Freunde sie als vermißt melden und die Versicherungssumme einkassieren können.«

Sir David Royce antwortete:

»Das kann ich mir nicht denken. Ja, wenn die »Lundi« und die »Dimanche« verlorengegangen wären und die beiden anderen Schiffe hier aufgetaucht wären, um diesen Schwindel auszuführen, dann hätte ich auch meine Bedenken gehabt; denn die Flottillenchefin ist ein kluges Weib, deren List wir sicher nicht gewachsen wären. Aber so——«

»Trotzdem«, meinte einer. »Wir wollen den Kapitän Jardin genau vernehmen. Bei Lloyd glaubt man nicht an solche Zufälle, zumal alle vier ihre Ladung bei unserer Zweigstelle in Singapur mit einer viel zu hohen Summe versichert haben.«

»Hm«, sagte Sir David. Seine Stirn umwölkte sich. Er mochte diese zusammengewürfelten Leute der Flottille gern. »Ihr könnt natürlich recht haben, Gentlemen. Ich will da auch nicht dreinreden. Aber ich bin nur ein Hafenkommandant und kein Detektiv. Das beste wird sein, ihr laßt euch hinausrudern und hört, was der Kapitän Jardin zu sagen hat.«

Die Tür öffnete sich, und ein vierter Zivilist trat ein. Die Anwesenden erhoben sich höflich. Sir Edward William stand im Raum.

»Nun, sind sich die Gentlemen in ihrer Meinung einig?«

»No, Exzellenz«, sagte der eine der Versicherungsleute. »Sir David glaubt nicht an einen Betrug.«

»Ich eigentlich auch nicht«, sagte William. »Aber wir müssen die Angelegenheit aufklären; denn der Generalgouverneur hat mich hierher geschickt, damit ich ihm meinen eigenen Eindruck übermitteln kann.«

In diesem Augenblick hörte man draußen lautes Schimpfen. Dann klangen polternde Schritte. Royce öffnete die Tür und schrie zwei Soldaten und einen Matrosen an, die sich zu zanken schienen.

»Damned, gebt Ruhe! Sonst setzt es Strafdienst.«

»Ich will zum Kommandanten!« rief der Matrose wütend. »Laßt mich durch, ihr blöden Kerle!« »Was will der Mann?« fragte Royce.

»Ich habe eine wichtige Meldung zu machen.« Royce gab den beiden Soldaten einen Wink. Der Matrose schoß auf ihn zu.

»Ihr müßt sofort einen Boten nach Kalkutta schicken, Sir! Die Meldung ist sehr wichtig.« »Wer seid Ihr denn eigentlich?« »Bootsmannsmaat Sterling auf der »Lundi«.«

»Ah«, sagte William und trat vor. »Freue mich, Euch zu sehen, Sterling.« Er wandte sich an die anderen. »Ihr müßt nämlich wissen, daß Sterling ein Vertrauensmann ist, der in unserem Auftrag bei der Flottille angeheuert hat. Es ist immer gut, wenn man sich durch eigene Leute informieren kann.«

Er schüttelte Sterling die Hand.

»Oh, gut, daß ich Euch selbst treffe, Sir Edward«, sagte Sterling. »Wißt Ihr, wer sich seit gestern nachmittag an Bord der »Lundi« versteckt hält?«

»Keine Ahnung.«

Sterling machte eine Kunstpause.

»Ihr ratet es nie und nimmer. Es ist — ein junger Radscha, der sich angeblich verborgen halten muß. Soviel konnte ich wenigstens erlauschen.«

William trat einen Schritt zurück.

»Ihr irrt Euch doch bestimmt nicht?«

»Nein. Ich weiß, daß sie ihn Tscham nannten.«

»Tscham? — Teufel, wenn ich nicht genau wüßte, daß der Radscha von Bihar tot ist, so würde ich Stein und Bein schwören, daß er es ist! Wie ist er zu euch an Bord gekommen?« »Zwei Männer brachten ihn gestern. Wir mußten zu ihrem Empfang das ganze Schiff bewimpeln und drei Cheers ausbringen. Unser Kapitän fiel dem einen um den Hals und nannte ihn amigo. Sie redeten anfangs nur Spanisch miteinander.« »Die Namen wißt Ihr nicht?«

»Nein. Der Kapitän redete den jüngeren mit Senor Doktor an.« William starrte Sterling an.

»Dann ist es tatsächlich der Radscha von Bihar. In ganz Indien gibt es nur einen »Senor Doktor«. Sie nennen ihn auch den Pfeifer. — Well, der Zusammenhang ist mir jetztklar. Befinden sich jener Senor Doktor und der amigo des Kapitäns ebenfalls an Bord?« »Nein, sie brachen heute früh nach Kalkutta auf.« »Sir David«, wandte sich William an den Kommandanten, »Ihr müßt sofort Hafenpolizei hinüberschicken, um den Radscha zu verhaften. Ich glaube, die Herren von Lloyd werden sich mit ihren Untersuchungen noch etwas gedulden müssen.«

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Главный герой
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