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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Im Vorhergehenden war von den Culturen die Rede, die in so hohem Maße zum Gedeihen der Mission von Santa-Juana beitrugen. Hierin lag aber nicht die einzige Quelle ihres Reichthums. An die bebauten Felder stießen weite Ebenen, wo große Rinderherden weideten, deren Ernährung durch den Graswuchs der Savannen ebenso wie durch die Ilanerapalme der Wälder gesichert war. Diese Viehzucht bildete einen wichtigen Handelszweig, wie das übrigens in allen andern Provinzen Venezuelas der Fall ist. Die Guaharibos besaßen auch eine Anzahl jener Pferde, die sich früher zu Tausenden in der Umgebung der Ranchos umhertummelten, und von diesen dienten die einen als Zugthiere und die andern zu den Ausflügen der Guaharibos, die in kurzer Zeit vortreffliche Reiter wurden und dann auch die weitern Umgebungen der Ortschaft nicht selten durchstreiften.

Der Pater Esperante entsprach ganz dem Bilde, das Herr Mirabal der junge Gomo und auch der falsche Jorres von ihm entworfen hatten. Seine Züge, seine Haltung und seine Bewegungen verriethen den thatkräftigen Mann, der seinem Willen bei jeder Gelegenheit Ausdruck zu geben wußte - kurz, den Führer, der das Befehlen gewöhnt war. Er besaß eine von hoher Einsicht unterstützte Energie. Sein festes und ruhiges Auge verrieth schon die Güte seines Gemüthes, die sich auch durch das häufige Lächeln der Lippen zeigte, welche dann und wann zwischen dem von den Jahren gebleichten Barte zu sehen waren. Er war muthig und hochherzig in gleichem Grade -zwei Eigenschaften, die ja so häufig zu einer einzigen verschmelzen. Obwohl er die Sechzig überschritten hatte, zeugten seine stramme Haltung, seine breiten Schultern, seine hochgewölbte Brust und seine kräftigen Gliedmaßen für die große Widerstands- und Leistungsfähigkeit des Mannes, der noch geistig und körperlich auf der Höhe des Lebens stand.

Was der Missionär vorher gewesen wäre, ehe er sich seiner schweren Aufgabe als Verbreiter christlicher Lehren widmete, hätte niemand sagen können. Er bewahrte darüber unverbrüchliches Schweigen. Nur dann und wann konnte man aus düstern Schatten, die über sein männliches Antlitz zogen, vielleicht schließen, daß ihn schmerzliche Erinnerungen an eine unvergeßliche Vergangenheit erfüllten. Der Pater Esperante war bei seinem Unternehmen übrigens von seinem jüngeren Gehilfen sehr wesentlich unterstützt worden. Der Bruder Angelos war ihm mit Leib und Seele ergeben und konnte mit Recht einen nicht geringen Theil des Erfolges des frommen Werkes beanspruchen.

Neben diesen Beiden bildeten einige aus den dazu geeignetsten Indianern erwählte Personen die Beamtenschaft des Dorfes, wenn man auch sagen konnte, daß der Pater Esperante, der gleichzeitig Gemeindevorstand und Priester war, der die Kinder taufte, die Ehen schloß und einsegnete, wie er den Sterbenden in ihrem letzten Stündlein beistand, in seiner Person alle Aemter der Mission vereinigte.

Er mußte sich für seine Bemühungen auch reichlich entschädigt fühlen, wenn er sah, wie herrlich sein Werk gediehen und gewachsen war. Dieser Schöpfung war gewiß die Lebensdauer gesichert, wenn die einstigen Nachfolger des Missionärs dieselben Wege wandelten, die er stets innegehalten hatte.

Seit dem letzten Angriffe der Quivas hatte nichts die Ruhe der Bewohner von Santa-Juana gestört, und allem Anscheine nach sollten sie auch in Zukunft von der Wiederholung eines solchen verschont bleiben.

Gegen fünf Uhr am Nachmittag des 1. November, dem Tage, nachdem Jacques Helloch und seine Gefährten in Alfaniz' Hände gefallen waren, entstand im Dorf jedoch, wenn nicht eine Panik, so doch eine gewisse Beunruhigung.

Es war nämlich ein junger Indianer aufgetaucht, der in aller Eile, als ob er verfolgt würde, von der Savanne her herangestürmt kam.

Einige Guaharibos traten aus ihren Häusern, und sobald der junge Indianer sie gewahr wurde, rief er fast ängstlichen Tones:

»Pater Esperante! Pater Esperante!«

Sofort führte ihn Bruder Angelos dem Missionär zu.

Dieser erkannte auf den ersten Blick den Knaben, der, als er mit seinem Vater in Santa-Juana wohnte, die Schule der Mission fleißig besucht hatte.

»Du. Gomo?« fragte er.

Dieser konnte zunächst kaum ein Wort hervorbringen.

»Woher kommst Du denn?

- Ich bin entflohen. heute früh. und bin gelaufen, was ich konnte, um hierher zu kommen.«

Dem jungen Indianer versagte fast der Athem.

»Ruh' Dich erst aus, mein Kind, ermahnte ihn der Missionär, Du stirbst wohl beinahe vor Hunger. Willst Du etwas essen?

- Nicht ehe ich Ihnen gesagt habe, warum ich gekommen bin. Es bedarf schleunigster Hilfe.

- Hilfe?.

- Dort unten sind Quivas. drei Stunden von hier. in der Sierra. nahe beim Flusse.

- Was? Quivas? rief Bruder Angelos.

- Und ihr Häuptling ebenfalls, setzte Gomo hinzu.

- Ihr Anführer, wiederholte Pater Esperante, der entwichene Sträfling, der schreckliche Alfaniz.

- Er ist vor wenigen Tagen wieder zu ihnen gestoßen, und vorgestern kurz nach Mittag haben sie eine Gesellschaft von Reisenden überfallen, die ich nach Santa-Juana führte.

- Reisende, die nach der Mission wollten?

- Ja, ehrwürdiger Vater, französische Reisende.

- Franzosen!«

Das Gesicht des Missionärs überflog eine plötzliche Blässe, und dann schloß er einen Augenblick die Lider.

Hierauf ergriff er den jungen Indianer bei der Hand, zog ihn nahe zu sich heran und sagte zu ihm mit einer Stimme, die vor unwillkürlicher Erregung zitterte:

»Sage mir Alles, was Du weißt!«

Gomo fuhr nun fort:

»Vor vier Tagen betrat ein Mann die Hütte, die mein Vater und ich in der Nähe des Orinoco bewohnten. Er fragte uns, wo sich die Quivas befänden und ob wir ihn zu ihnen führen wollten. Das waren dieselben, die unser Dorf San-Salvador zerstört und meine Mutter getödtet hatten. Mein Vater schlug sein Verlangen ab, und da schoß er auch ihn mit einem Revolver nieder.

- Er ist getödtet worden! murmelte Bruder Angelos.

- Ja, durch den Mann. Alfaniz.

- Alfaniz!. Und woher kam denn der elende Schurke? fragte der Pater Esperante.

- Von San-Fernando.

- Wie war er aber den Orinoco herausgekommen?

- Als Bootsmann, als Ruderknecht, unter dem Namen Jorres, an Bord einer der beiden Piroguen, die die Reisenden brachten.

- Und Du sagst, das wären Franzosen?

- Ja, gewiß, Franzosen, die nicht weiter als bis zum Rio Torrida hinausfahren konnten. Sie haben ihre Piroguen an der

Flußmündung zurückgelassen, und einer von ihnen, ihr Führer, der von dem Schiffer einer der Falcas begleitet war, hat mich im Walde neben der Leiche meines Vaters aufgefunden. Sie fühlten Mitleid mit mir. begruben meinen Vater und nahmen mich dann mit sich. Darauf ersuchten sie mich, sie nach Santa-Juana zu führen. Wir sind also aufgebrochen. und waren vorgestern an der Furt von Frascaes angelangt, als die Quivas uns überfielen und Alle gefangen nahmen.

- Und dann? forschte der Pater Esperante weiter.

- Dann?. Dann zogen die Quivas nach der Sierra zu, und erst heute Morgen habe ich ihnen entfliehen können.«

Der Missionär hatte dem jungen Indianer mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört. Das Blitzen seiner Augen bewies, wie der Zorn gegen die Verbrecherrotte in ihm aufloderte.

»Du sagst also, mein Kind, fragte er noch ein drittes Mal, daß jene Reisenden Franzosen waren?

- Ja, ehrwürdiger Vater.

- Und wie viele?

- Vier.

- Wer war sonst noch mit ihnen?

- Der Schiffer von einer der Piroguen, ein Baniva, namens Valdez, und zwei Bootsleute, die das Gepäck trugen.

- Woher kamen sie denn?

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