Der stolze Orinoco
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:
»Er lebt. Gott sei Dank, er lebt!«
In der That begann der Sergeant Martial wieder schwach zu athmen; gleichzeitig erhob er auch einen Arm, ließ ihn aber kraftlos wieder sinken. Dann schlug er für eine Secunde die Augen auf und richtete den Blick auf den Missionär.
»Sie. Sie, mein Oberst!. Da unten. Alfaniz!«
Kaum hatte er, von krampfhaften Zuckungen unterbrochen, diese wenigen Worte geflüstert, so schwand ihm auch schon wieder das Bewußtsein.
Der Pater Esperante erhob sich; in seinem Kopfe jagten sich verwirrte, unverständliche Gedanken, die ihn in unaussprechlicher Weise erregten. Der Sergeant Martial hier. der junge Mann, den er zur Aufsuchung seines Vaters begleitete und der doch jetzt nicht bei ihm war. Beide in diesem entlegensten Theile von Venezuela, wer sollte ihm die Erklärung so vieler unerklärlicher Dinge bringen, wenn der Unglückliche starb, ohne vorher noch einmal haben sprechen zu können? Doch nein. er durfte nicht sterben!. Der Missionär würde ihn noch einmal retten, wie er ihn schon früher auf dem Schlachtfelde gerettet hatte. Er wollte ihn dem Tode abringen.
Auf seinen Wink kam einer der zweirädrigen Wagen heran, auf dem der Sergeant Martial auf eine Streu aus trocknem Grase gebettet wurde.
Weder Augen noch Lippen des Verwundeten thaten sich dabei auf. So schwach dieser aber auch war, seine leise Athmung erlitt keine weitere Unterbrechung.
Der Marsch wurde nun fortgesetzt. Der Pater Esperante hielt sich nahe bei dem Wagen, worauf sein alter Waffenkamerad ruhte, den er nach so langer Trennung doch sofort wiedererkannt hatte. sein Sergeant, den er vor vierzehn Jahren dort in der Bretagne zurückgelassen hatte, aus der der Oberst ohne den Gedanken an eine spätere Rückkehr fortgegangen war. ihn fand er hier wieder. in weltverlorenem Lande. getroffen von einer Kugel. vielleicht aus der Hand des schurkischen Alfaniz.
»Gomo hat sich, dachte er, also doch nicht geirrt, als er vom Sergeanten Martial sprach. Doch was sagte er denn weiter?. Ein Kind. jener Sohn, der seinen Vater suchte. Ein Sohn?. Ein Sohn?«
Er wendete sich nochmals an den jungen Indianer, der an seiner Seite ging.
»Der Soldat wäre nicht allein hierher gekommen, hast Du mir gesagt. Er hatte einen jungen Mann bei sich?.
- Ja. meinen Freund Jean.
- Und Beide wollten sich nach der Mission begeben?
- Ja wohl. wegen des Oberst von Kermor.
- Und der junge Mann wäre der Sohn dieses Oberst?
- Gewiß, sein Sohn.«
Bei diesen so unzweideutigen Antworten fühlte der Pater Esperante sein Herz hämmern, als ob es davon zerspringen sollte. Was konnte er aber anders thun, als abwarten? Vielleicht lichtete sich das Geheimniß noch vor dem Ende des heutigen Tages.
Jetzt lag vor ihm nur das eine Ziel, die Quivas anzugreifen, wenn sie noch im Lager am Pic Maunoir angetroffen wurden -und die wenigen, vom Sergeanten Martial mühsam hervorgebrachten Worte gaben ja die Gewißheit, daß Alfaniz sich dort befand - nur die Aufgabe, dem Elenden seine Gefangenen zu entreißen. Die Guaharibos gingen in Sturmschritt über, während die Wagen mit hinreichender Bedeckung zurückblieben.
Der ehemalige Oberst, der sich zum Missionär von Santa-Juana verwandelt hatte, durfte wohl auf den durchschlagendsten Erfolg rechnen, wenn er jetzt als Führer seiner muthigen Indianer diese die Verbrecherbande angreifen ließ.
Kurz vor acht Uhr hielt der Pater Esperante an, und die Guaharibos unterbrachen ihren Vormarsch, als sie hinter einer Biegung des Flusses eine geräumige Lichtung im Walde erreicht hatten.
Gegenüber, auf dem andern Ufer, erhob sich der Pic Maunoir. In der nächsten Nachbarschaft des Flusses war niemand zu sehen, auf dem Orinoco lag kein Fahrzeug.
Auf der andern Seite der Biegung aber stieg - es herrschte jetzt völlige Windstille - lothrecht eine Rauchsäule in die Höhe.
An jener Stelle, vielleicht kaum fünfzig Meter weiter hin und auf dem linken Ufer des Rio Torrida, befand sich also jedenfalls ein Lager.
Das konnte nur das der Quivas sein, doch wollte man sich davon erst überzeugen.
Einige Guaharibos krochen vorsichtig durch die nächsten Büsche, kamen aber schon nach drei Minuten zurück mit der
Meldung, daß Alfaniz mit seiner Bande so nahe vor ihnen lagerte.
Die Truppe des Pater Esperante schloß sich nun auf der Lichtung enger zusammen. Die Wagen waren nachgekommen, und der, der den Sergeanten Martial trug, erhielt seinen Platz in der Mitte der übrigen.
Nachdem er sich noch überzeugt hatte, daß im Zustande des Verwundeten keine Verschlimmerung eingetreten war, traf der Oberst von Kermor seine Anordnungen, Alfaniz und dessen Spießgesellen zu umgehen. Die Berittenen ließ er dazu schräg über die Lichtung vorgehen, um die Quivas einzuschließen und sie bis zum letzten Mann vernichten zu können.
Wenige Augenblicke später erhob sich ein furchtbares Geschrei, dem sofort das Krachen von Feuerwaffen folgte.
Die Guaharibos hatten sich auf Alfaniz gestürzt, ehe dieser noch zu wirksamer Vertheidigung Zeit fand. Waren sich beide Parteien an Zahl auch gleich, so waren die Guaharibos doch besser bewaffnet und wurden besser befehligt. Die Waffen, über die der Spanier verfügte, rührten nur von der Plünderung der Piroguen her und bestanden außer einigen Revolvern, die Jacques Helloch dort zurückgelassen hatte, nur aus denen, die den Gefangenen abgenommen worden waren.
Der Kampf konnte nicht lange dauern, und er währte auch wirklich nur kurze Zeit. Von dem Augenblicke, wo die Bande sich hatte überraschen lassen, war sie auch geschlagen. So flüchteten denn auch die meisten Quivas nach schwachem Widerstande von der Stelle, indem die einen in den Wald hinein stürmten, die andern durch das fast trockne Flußbett liefen, um die gegenüberliegende Savanne zu erreichen - die meisten aber waren schon tödlich von Kugeln getroffen.
Gleichzeitig hatten sich übrigens Jacques Helloch, Germain Paterne, Valdez, Marchal und die Leute von den Falcas auf die sie bewachenden Quivas gestürzt.
Gomo war der erste, der mit dem Rufe »Santa-Juana! Santa-Juana!« auf sie zueilte.
So tobte denn der Kampf bald nur noch in der Mitte des Lagerplatzes.
Hier vertheidigten sich Alfaniz, die aus Cayenne entsprungenen Sträflinge und einige von den Quivas mit Revolverschüssen, mit dem Erfolge, daß einzelne Guaharibos Verwundungen davontrugen, die sich glücklicherweise nicht als besonders schwer erwiesen.
Da sah man den Pater Esperante mitten auf eine den Spanier umgebende Gruppe zusprengen.
Jeanne von Kermor fühlte sich unwiderstehlich zu dem Missionär hingezogen, doch hielt sie Jacques Helloch zurück.
Von den Quivas verlassen, von denen man nur noch Geschrei aus einiger Entfernung hörte, wehrte sich Alfaniz zwar noch wie ein Wüthender, zwei seiner Bagnogenossen wurden aber bald an seiner Seite niedergestreckt.
Der Pater Esperante befand sich jetzt dem Spanier Auge in Auge gegenüber, und mit einer Handbewegung gebot er den Guaharibos Einhalt, die diesen schon umringt hatten.
Da wurde es ringsum still, man hörte nur die mächtige Stimme des Pater Esperante.
»Alfaniz, sagte er, seht, ich bin es!
- Der Missionär von Santa-Juana!« rief der Spanier.
Schon hatte er den Revolver erhoben, um Feuer zu geben, als Jacques Helloch ihn am Arme packte, so daß die Kugel ihr Ziel verfehlte.
»Ja, Alfaniz, der Pater von der Mission Santa-Juana. doch auch der Oberst von Kermor!«
Da Alfaniz eben Jean, den er für den Sohn des Oberst hielt, nur wenige Schritt von sich entfernt sah, zielte er auf diesen. Doch bevor er abdrücken konnte, krachte ein Schuß, und der
Schurke stürzte, vom Pater Esperante getroffen, lautlos zusammen.
Jeanne hatte sich in die Arme des Oberst von Kermor geworfen - sie nannte ihn ihren Vater.
Der Missionär, der in dem jungen Manne doch nicht seine leibliche Tochter erkennen konnte, welche er längst für todt hielt und auch niemals gesehen hatte, antwortete wiederholt: