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Электронная книга - «Der stolze Orinoco». Краткое содержание книги:

Durch ein Unglück wurde eine Familie zerrissen, und nun sucht die Tochter als Erwachsene ihren vermißten Vater, der sie wiederum für tot hält -mitten im Quellgebiet des unerforschten Orinoco findet man die ersten Spuren. Ein mächtiger Indianderstamm lebt unter der Herrschaft eines weißen Häuptlings, und eine Bande Verbrecher bedroht diesen Stamm, als die Expedition gerade eintriftt. Es kommt zum Kampf, und die Verbrecher werden glücklich besiegt.
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Jacques Helloch ließ nun, schräg nach Nordosten zu und indem er dem Fuße der Sierra Parima gegen fünfzig Kilometer weit nachging, den Finger über die Landkarte gleiten. Darauf zeichnete er mit Bleistift ein Kreuz ein und sagte:

»Hier muß die Mission doch liegen?.

- Ja wohl. eben da.

- Und der Rio Torrida fließt von dieser Stelle aus herunter?

- Ja. ganz wie es hier angegeben ist.

- Kommt er nicht eigentlich von weiter oben her?

- Gewiß, von weiter oben; wir sind zuweilen bis da hinauf gekommen.

- Santa-Juana liegt demnach an seinem linken Ufer?

- Wie Sie sagen.

- Dann werden wir also den Rio noch überschreiten müssen, da wir uns jetzt auf dessen rechten Ufer befinden.

- Das wird nöthig sein. es geht aber ganz leicht.

- Wie denn?

- Ja. etwas weiter stromauf ist eine Uebergangsstelle mit großen Steinen im Flußbett, über die man bei niedrigem Wasser bequem gehen kann. eine Furt, die die Furt von Frascaes genannt wird.

- Du kennst die Stelle?

- Ja, Herr Helloch; und ehe die Sonne im Mittag steht, werden wir sie erreicht haben.«

Die Antworten des jungen Indianers lauteten bezüglich der Uebergangsstelle so bestimmt, weil er selbst wiederholt ebenda den Fluß überschritten hatte.

Seine Aufschlüsse waren freilich dazu angethan, Jacques Helloch recht ernsthaft zu beunruhigen. Gestattete es die Furt von Frascaes seiner Gesellschaft, über den Fluß nach dem linken Ufer zu gelangen, so konnten auch die Quivas nach dem rechten Ufer herüberkommen. Jacques Helloch und seine Gefährten sollten also nicht bis zur Höhe der Mission den natürlichen Schutz durch den Rio genießen.

Die Verhältnisse verschlimmerten sich hierdurch nicht wenig. Dennoch war das kein Grund zur Umkehr, da die Möglichkeit eines Ueberfalles damit auch nicht abgewendet gewesen wäre. Erst in Santa-Juana befand sich die kleine Truppe in Sicherheit. in Santa-Juana mußte sie vor Ablauf von vierundzwanzig Stunden ankommen.

»Und Du meinst, fragte Jacques Helloch zum Schluß, daß wir die Furt von Frascaes schon gegen Mittag erreichen könnten?

- Gewiß. wenn wir sofort aufbrechen!«

Die Strecke, die das Lager von der Furt trennte, mochte etwa ein Dutzend Kilometer betragen, und da einmal beschlossen war, einen beschleunigten Schritt in der Hoffnung einzuschlagen, noch diese Nacht am Ziele zu sein, konnte es nicht schwer sein, die Furt vor der ersten kurzen Rast zu überschreiten.

Jetzt hieß es also: Unverzüglich vorwärts! Alles war bereit; die Säcke auf den Schultern der beiden Bootsleute, die Decken zusammengerollt auf dem Rücken der Reisenden, die Botanisiertrommel Germain Paterne's am Riemen und die Waffen schußfertig.

»Sie denken, Herr Helloch, fragte der Sergeant Martial, daß es möglich sein wird, in zehn bis zwölf Stunden nach Santa-Juana zu gelangen?

- Das glaub' ich, wenn Sie die Beine, die nachher ausruhen können jetzt ordentlich rühren.

- O, an mir soll's nicht fehlen, Herr Helloch. Doch wird er es im Stande sein. er. Jean?

- Ihr Neffe, Sergeant Martial? fiel Germain Paterne ein. Ach, ich bitte Sie, der überholt uns im Wettlaufe! Man sieht es ja, daß er eine gute Schule genossen hat! Sie haben ihm Soldatenbeine gemacht, und er hat einen Turnerschritt!«

Bisher wußte Gomo noch nicht, welches Band einer -angeblichen - Verwandtschaft den Sohn des Oberst von Kermor mit dem Sergeanten Martial verknüpfte. Jetzt sah er den letztere scharf an.

»Sie sind sein Onkel?

- Nun ja. so ein wenig, Kleiner!

- Also der Bruder seines Vaters?

- Sein leibhaftiger Bruder, und daher kommt es auch, daß Jean mein Neffe ist, begreifst Du das?«

Der Knabe neigte den Kopf, als Zeichen, daß er ihn verstanden habe.

Das Wetter war recht trübe. Tief unten zogen, von einem Nordostwinde getrieben, regendrohende Wolken über den Himmel. Unter dem grauen Schleier verschwand der Gipfel der Sierra Parima vollständig und auch nach Süden hin war die Spitze des Pic Maunoir durch die Bäume nicht mehr zu sehen.

Jacques Helloch warf einen unruhigen Blick nach der Seite des Horizontes, von der der Wind herkam. Nach den ersten Strahlen beim Aufgang der Sonne hatte sich der Himmel schnell mit sich ansammelnden Dunstmassen überzogen, die beim Aufsteigen nur noch dichter wurden. Kam es jetzt zu einem jener heftigen Regengüsse, die so häufig die südlichen Savannen überfluthen, so mußte das Fortkommen der kleinen Gesellschaft verlangsamt werden und es wurde dann schwierig, Santa-Juana vor dem nächsten Tage zu erreichen.

Die kleine Truppe folgte nun wieder dem Pfade zwischen dem Rio und dem Rande des undurchdringlichen Waldes, wobei die gestrige Reihenfolge - mit dem Schiffer Valdez und Jacques Helloch an der Spitze - eingehalten wurde. Beide hatten zum letzten Male das gegenüberliegende Ufer betrachtet. Es war gänzlich verlassen, verlassen auch die Baumdickichte, die sich nach links hin ausdehnten. Kein lebendes Wesen war zu sehen, außer der lauten Welt der Vögel, deren Gesang die aufsteigende Sonne - unter Begleitung der gräßlichen Heulaffen - begrüßte. Alle klammerten sich an die Hoffnung, gegen Mitternacht die Mission zu erreichen, was freilich nur durch einen beschleunigten Marsch - der höchstens zu Mittag von einer kurzen Rast unterbrochen wurde - möglich war. Es hieß also tüchtig ausschreiten, und jeder that das auch ohne Murren. Bei dem von Dünsten verschleierten Himmel erreichte die Wärme keine belästigend hohen Grade, und das war ein Glück, da das Ufer von keinem Baum beschattet wurde. Von Zeit zu Zeit drehte sich Jacques Helloch, den eine innere Unruhe verzehrte, einmal um und sagte:

»Wir gehen doch nicht zu schnell für Sie, lieber Jean?

- O nein, Herr Helloch, nein, erhielt er dann zur Antwort. Aengstigen Sie sich nicht um mich und auch nicht um meinen Freund Gomo, der die Füße eines Hirsches zu haben scheint.

- Herr Jean, erklärte dazu Gomo, wenn es nöthig wäre, könnte ich noch vor heut' Abend in Santa-Juana sein.

- Alle Wetter... was Du für ein Schnellläufer bist!« rief Germain Paterne, der keine solche Schnelligkeit entwickeln konnte und zuweilen hinter den Andern zurückblieb.

Jacques Helloch nahm darauf freilich keine besondre Rücksicht, sondern rief und trieb ihn fortwährend an:

»Vorwärts, Germain, Du kommst ins Hintertreffen!«

Dann erwiderte der andre:

»O, eine Stunde mehr oder weniger, das macht uns doch nichts aus!

- Weißt Du das so bestimmt?«

Da das Germain Paterne aber nicht wußte, mußte er wohl oder übel gehorchen und that denn das auch nach Kräften.

Einen Augenblick lang hatte sich Jacques Helloch mit der letzten Antwort des jungen Indianers beschäftigt: »vor dem Abend - hatte Gomo behauptet - könnte ich noch in Santa-Juana sein«.

Gomo verpflichtete sich also, binnen sechs bis sieben Stunden die Mission von Santa-Juana zu erreichen. War das nicht ein Umstand, aus dem Vortheil zu ziehen wäre?.

Unterwegs machte Jacques Helloch auch Valdez Mittheilung von dieser Antwort.

»Ja, in sechs bis sieben Stunden, sagte er, könnte der Pater Esperante unterrichtet sein, daß unsre kleine Gesellschaft auf dem Wege nach Santa-Juana ist. Er würde gewiß nicht zögern, uns Verstärkung entgegen zu schicken. Vielleicht käme er gar selbst.

- Höchst wahrscheinlich, meinte Valdez; doch wenn wir dieses Kind gehen lassen, berauben wir uns des einzigen Führers, und den, glaub' ich, können wir nicht entbehren, da er allein das Land hier kennt.

- Sie haben Recht, Valdez, Gomo ist uns nothwendig, und vorzüglich, wenn wir an die Furt von Frascaes kommen.

- Da werden wir gegen Mittag sein; haben wir dann die Furt hinter uns, so werden wir ja sehen.

- Ja wohl, da wird sich's ja zeigen, Valdez. Vielleicht droht uns Gefahr gerade an jener Uebergangsstelle.«

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