Der Turm
- Автор: Tellkamp Uwe
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Der Turm». Краткое содержание книги:
«Wäre Zusammenrücken möglich?«fragte Eschschloraque, dabei lächelte er, es gelang ihm gut, dieses Lächeln, fand Meno. Es war ein wenig skeptisch, Bescheidenheit und Würde mischten sich darin, es war ohne verletzte Eitelkeit und ohne Herablassung. Er bekam einen Platz auf der Sitzbank, übereck neben Meno und Schevola, unter der geschnitzten Figur eines Nachtwächters mit Schweiflaterne, Waldhorn und wurmstichigen Augen. Schevola beugte sich zu Meno, flüsterte:»Haben Sie den Artikel gelesen, den er über Ihr Buch veröffentlicht hat?«
«Nein.«
«Nein?«Sie schien erstaunt zu sein.»Er hat Sie angegriffen. Sie, Altberg und ich seien eine fragwürdige romantische Fraktion.«»Nein. Für ihn ist es Medizin, mir verdunkelt es den Tag. Warum sollte ich es also lesen? Ich bin kein Masochist.«
«Aber wenn Sie mit dem, was er schreibt, konfrontiert werden?«
«Dann kann ich es nicht ändern. Aber erst dann.«
«Und Sie ertragen es, mit ihm an einem Tisch zu sitzen?«
Meno lächelte gequält.»Sehen Sie, so ist das in dieser kleinen Fakultät. Tagsüber Lanzenstechen, und abends hebt man ein Bier miteinander. Sie werden sich daran gewöhnen müssen.«
«Und das stört Sie nicht?«
«Wer sagt, daß es mich nicht stört? Aber — «
«Sie haben Frau und Kind. «Schevola winkte ab.
«Sie sind recht schnell mit Ihrem Urteil. «Meno trank sein Bier aus.»Hüten Sie sich davor, wenn ich Ihnen den Rat geben darf. So etwas ist zwar reizvoll moralisch und sorgt für einen ehrlichen Herzschlag, aber es tut der Literatur nicht gut. Darüber sollten wir uns auch in bezug auf Ihren Text unterhalten.«
«Was tut der Literatur nicht gut?«Eschschloraques Stimme war heiser, vielleicht lag es am dichten Zigarettenrauch, der das Lokal füllte. Er trug ein seidenes Tuch um den Hals und hatte es im offenen Kragen des weißen Hemds zu einem chevaleresken Knoten geschlungen.
«Das Moralisieren«, erwiderte Meno und schaute Eschschloraque an.»Mit einem anderen Wort: das Bescheidwissen.«
Eschschloraque betrachtete ihn prüfend, rieb sich sacht über die sorgfältig rasierten Wangen. Munderloh beugte sich vor.
«Herr Eschschloraque, ich interessiere mich für Sie.«
«Das nenne ich ritterlich das Visier gehoben. Dank dafür und für den Mut, Ihre Schüchternheit durch so direktes Anklopfen einzugestehen«, erwiderte Eschschloraque und trank dem Verleger zu.»Fräulein Schevola beispielsweise, über die Ihnen Freund Schiffner so viel Schönes zu berichten wußte, ist gar nicht schüchtern. Deshalb sind ihre Schwarzgedanken vorerst verborgen. Ich darf einen weiteren psychologischen Sprung wagen: Das Problem ist der Zensor, der recht hat, meine Liebe. — Im übrigen, Herr Munderloh: Wie wird mir denn? Ihr Haus, so geistreich ohne mich?«
«Ich meinte es persönlich — wenn Sie gestatten. Stalinismus und Esprit, wie geht das zusammen?«
Eschschloraque lächelte.»Schlaf schneller, Genosse, dein Bett wird schon gebraucht! — Na, Herr Rohde, Erinnerungen an alte Kommunalka-Zeiten?«
«Aber Sie können doch nicht … die Toten«, sagte der Frankfurter Pressechef ungläubig.