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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Wenn ich doch nur eine Nacht schlafen könnte, dachte Wren, während sie versuchte, ihre Müdigkeit fortzublinzeln. Nur eine.

In der letzten Nacht hatte sie nur wenig Erholung gehabt, denn sie war wieder ruhelos gewesen, als sie in der Stille wach lag, umlagert von Dämonen aller Formen und Arten, von Dämonen, die die Gesichter jener trugen, die ihr am nächsten gestanden hatten oder standen, von Freunden und Familie, von den Schwindlern in ihrem Leben. Sie flüsterten ihr Worte zu, neckten und foppten sie und warnten sie vor Geheimnissen, die sie nicht kennen konnte. Sie ließen sie Spuren verfolgen und Lasten tragen, und dann verschwanden sie von ihrer Seite wie der Morgennebel.

Ihre Hände umklammerten den Ruhkstab, auf den sie sich stützte, während sie kletterte. Vertraue niemandem, zischte die Addershag erneut aus ihrer Erinnerung.

Der Aufstieg war kurz, denn sie waren am Tag zuvor auf ihrem Weg aus den Lavatunneln nahe am Gipfel herausgekommen, der Grat war bereits in Sichtweite. Sie erreichten ihn daher jetzt schnell, indem sie die letzte Strecke des zerstörten Pfades hinaufkletterten. Schließlich standen sie oben auf der Bergwand und hielten inne, um zurück in den Nebel zu schauen, der das Land, das sie durchquert hatten, einhüllte – es war, als erwarteten sie etwas zu sehen, was dort auf sie wartete. Aber es war nichts zu erkennen, alles war von Wolken und Nebel bedeckt, eine Welt und ein Leben, die in der Vergangenheit verschwunden waren. Sie konnten es im Geiste noch immer sehen und es sich vorstellen, als sei es in die Luft vor ihnen gezeichnet. Sie konnten sich erinnern, was es sie gekostet hatte, hindurchzugelangen, was es ihnen abverlangt hatte und wie wenig es zurückgegeben hatte. Sie betrachteten es noch einen Augenblick und wandten sich dann schnell ab.

Dann gingen sie durch schmale Durchgänge zwischen den Felsen hindurch, die von Bäumen durchsetzt waren, die sich wie Finger vom Blackledge erhoben, bis alles abrupt in einem zerklüfteten Gewirr von Schluchten und Graten endete, die sich teilten und sich in sich selbst zurückfalteten, große Furchen in der Haut des Landes. Ein Lavafluß aus dem Schlund Killeshans hatte diesen Weg vor einigen Jahren passiert und den Gipfel freigefegt. Alles war verbrannt, bis auf eine Ansammlung silbriger Baumstämme, die kahl und skelettartig hervorstanden, einige in seltsamen Winkeln umgestürzt, andere in unseliger Verzweiflung gegeneinander gestützt. Gestrüpp wuchs in verkümmerten Flecken aus der Lava heraus, und Moosteppiche verdunkelten die schattige Seite rauher Spalten.

Stresa führte sie an den Rand dieser abstoßenden Welt und blieb auf einer kleinen Anhöhe stehen, wo er seine Stacheln vorsichtig aufstellte. Die Gefährten schauten freudlos auf das, was vor ihnen lag, lauschten und hörten nichts, schauten und sahen nichts und spürten die Gegenwart des Todes an jeder Ecke. Verwüstung breitete sich vor ihnen aus, eine weite und leere Landschaft, die in graues Schweigen gehüllt war.

Auf Wrens Schulter setzte sich Faun steif auf und beugte sich mit gespitzten Ohren vor. Sie konnte spüren, wie der Baumschreier zitterte.

»Was für ein Ort ist das hier?« fragte Gavilan.

Ein schweres Rumpeln erreichte sie für einen Augenblick und ließ sie nordwärts schauen, dorthin, wo die Masse Killeshans dunkel aufragte und ihnen so nahe erschien wie bei ihrem Auszug aus Arborlon. Das Rumpeln nahm ab und erstarb.

Stresa wandte sich langsam um. »Dies ist der Harrow«, sagte er. »Hssttt! Hier leben die Drakuls.«

Das war eine Art Dämonen – oder Schattenwesen –, wie sich Wren erinnerte. Stresa hatte sie bereits erwähnt. Sie seien gefährlich, hatte er zu verstehen gegeben.

»Drakuls«, wiederholte Gavilan mit Besorgnis in der Stimme.

Der Killeshan rumpelte erneut und diesmal eindringlicher als zuvor. Es war eine unnötige Erinnerung an seine Gegenwart, an den Groll, den er gegen sie hegte, weil sie die Magie fortgenommen hatten und das Gleichgewicht der Dinge unterbrochen hatten. Morrowindl erschauerte zur Antwort.

»Erzähle mir von den Drakuls«, wies Wren den Stachelkater ruhig an.

Stresas Augen fixierten sie. »Es sind Dämonen, wie die anderen. Phfffft! Sie schlafen bei Tageslicht und kommen nachts zur Nahrungsaufnahme hervor. Sie entziehen den Wesen, die sie fangen, das Leben – das Blut, die Körperflüssigkeiten. Sie verwandeln – hsssst – einige in Wesen wie sie selbst.« Die stumpfe Nase verzog sich. »Sie jagen wie Geister, nehmen aber Gestalt an, um Nahrung aufzunehmen. Als Geister können sie auch nicht verletzt werden.« Er spie angewidert aus.

»Wir werden darum herumgehen«, verkündete Triss sofort.

Stresa spie erneut aus, als wolle der Geschmack nicht vergehen. »Darum herum! Phhhhh! Es gibt kein Darum-herum! Im Norden verläuft der Harrow Meilen auf Meilen zum Killeshan zurück – zurück zu dem Tal und den Dämonen, die uns verfolgen. Grrrrr. Im Süden erstreckt sich der Harrow bis zu den Klippen. Die Drakuls jagen auch an ihren Ausläufern. Auf jeden Fall würden wir niemals – hrrrrr – darum herum gelangen, bevor die Nacht hereinbricht, aber das müßten wir schaffen, wenn wir überleben wollen. Ihn bei Tageslicht zu durchqueren, ist unsere einzige Chance.«

»Während die Drakuls schlafen?« fragte Wren sofort.

»Ja, Wren von den Elfen«, grollte der Stachelkater sanft. »Während sie schlafen. Und selbst dann – hsssttt – wird es nicht ganz sicher sein. Die Drakuls sind selbst dann noch da – als Stimmen aus der Luft, als Gesichter aus dem Nebel, als Empfindungen und Ahnungen und Ängste und Zweifel. Phffffft. Sie werden versuchen, uns abzulenken und zu locken und uns innerhalb des Harrow festzuhalten, bis die Nacht hereinbricht.«

Wren schaute hinaus in die verwüstete Landschaft und in den Dunst, der vom Himmel bis zur Erde reichte. Erneut gefangen, dachte sie, die ganze Insel ist eine Falle.

»Es steht uns kein anderer Weg offen?«

Stresa antwortete nicht – er brauchte es nicht.

»Und auf der anderen Seite des Harrow?«

»Der In Ju. Und dahinter die Strande.«

Triss war neben sie getreten. Sein hageres Gesicht war angespannt. »Aurin Striate hat oft von den Drakuls gesprochen«, erzählte er ruhig und sah sie eindringlich an. »Er sagte, es gäbe keinen Schutz gegen sie.«

»Aber sie schlafen jetzt«, erwiderte sie genauso ruhig.

Seine grauen Augen wandten sich ab. »Ist das wirklich so?«

Ein erneutes Rumpeln erschütterte tief und drohend die Insel. Es war wie ein Riese, der sich erhebt, der ärgerlich erwacht. Sein Donner rollte, während sich die Beben steigerten. Risse bildeten sich im Boden um sie herum, und Felsgestein und Sand fielen in die Leere. Dampf und Asche wurden aus Killeshans Schlund ausgestoßen, schossen in turmhohen Geysiren himmelwärts und regneten in einem Bogen nieder und verschwanden im Dunst. Feuer bahnte sich unheilvoll seinen Weg vom Rand des Vulkans herab, nur ein Tröpfeln, kaum sichtbar in den Nebeln.

Garth suchte Wrens Aufmerksamkeit durch eine einfache Bewegung seiner Schulter. Seine Finger gestikulierten. Beeile dich, Wren. Die Insel fängt an, sich auseinanderzuschütteln.

Sie sah sie nacheinander an – Garth, so rätselhaft und ungerührt wie immer, der beständige Triss, der jetzt ihr Beschützer war, nachdem er diese Aufgabe angenommen hatte. Dal voller Unruhe, während er hinaus in den Nebel schaute – sie hatte ihn noch niemals sprechen hören, Eowen, ein weißer Schatten vor dem Grau, die aussah, als würde sie darin verschwinden, und Gavilan, widerstrebend, unberechenbar, gehetzt, für sie verloren.

»Wie lange werden wir brauchen, um hindurchzukommen?« fragte sie Stresa. Faun kletterte von ihrer Schulter und lief fort.

»Einen halben Tag, vielleicht ein wenig mehr«, gab der Stachelkater an.

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