Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
»Das kannst du nicht wissen!«
»Das ist doch gleichgültig. Die Tatsache, daß wir sie aus gutem Grund geschaffen haben, bleibt! Wir haben viel gelernt! Die Schöpfung liegt in der Seele dessen, der die Macht ausübt! Es ist lediglich die Intensität des Wunsches und die richtige Steuerung der Bedürfnisse, die noch notwendig ist! Dieses Mal können wir es richtig machen!«
Er brach ab und wartete auf ihre Antwort. Sie sahen einander schweigend an. Dann atmete Wren tief durch und griff hinab, um seine Hand von dem Stab zu nehmen. »Ich glaube nicht, daß du noch mehr sagen solltest.«
Sein Lächeln war bitter und ironisch. »Es gab eine Situation, da warst du ärgerlich, weil ich nicht genug gesagt hatte.«
»Gavilan«, flüsterte sie.
»Glaubst du, daß dies alles einfach verschwindet, wenn wir nicht darüber reden, daß sich alles irgendwie von selbst klären wird?«
Sie schüttelte langsam und traurig den Kopf.
Er beugte sich zu ihr, und seine Hände schlössen sich fest um ihre. Sie versuchte nicht, sie fortzuziehen, denn sie war gleichzeitig fasziniert und abgestoßen von dem, was sie in seinen Augen sah. Sie spürte, daß in ihr Kummer hochstieg. »Hör mir zu, Wren«, sagte er und schüttelte den Kopf über etwas, das sie offenbar nicht wahrnahm. »Es gibt eine besondere Bindung zwischen uns. Ich habe das vom ersten Moment an gespürt, als ich dich sah. In jener Nacht bereits, als du nach Arborlon kamst und dich noch fragtest, warum du gesandt worden warst. Ich wußte es. Ich wußte es schon damals, aber es war zu früh, darüber zu sprechen. Du bist Alleynes Tochter und hast das Elessedilblut. Du hast Mut und Stärke. Du hast bereits mehr getan, als irgend jemand je von dir hätte verlangen können.
Aber, Wren, nichts davon ist wirklich dein Problem. Die Elfen sind nicht dein Volk, und Arborlon ist nicht deine Stadt. Ich weiß das. Ich weiß, wie fremd dir alles sein muß. Ellenroh hat allerdings nie verstanden, daß man niemanden bitten kann, Verantwortung für Dinge zu übernehmen, wenn der oder die Betreffende mit dieser Verantwortung nicht aufgewachsen ist. Sie hat nie verstanden, daß sie jemanden niemals genauso zurückhaben kann, wie er früher war, wenn sie ihn erst einmal fortgesandt hat. So hat sie Alleyne verloren! Nun, sieh. Sie hat dir den Ruhkstab und den Loden übergeben, die Elfen und Arborlon, die ganze Zukunft eines Volkes, und dir befohlen, Königin zu sein. Aber du willst in Wirklichkeit doch gar nichts davon, nicht wahr?«
»Das wollte ich nicht«, gab sie zu. »Früher.«
Ihm entging ihr Zögern. »Dann gib es auf! Mach Schluß damit! Laß mich den Stab und den Stein nehmen und sie gebrauchen, wie sie gebraucht werden sollten – um gegen die Monster zu kämpfen, die uns verfolgen, um diejenigen zu zerstören, die Morrowindl in diesen Alptraum verwandelt haben!«
»Welche Monster?« fragte sie sanft.
»Was?«
»Welche Monster? Die Dämonen oder die Elfen? Welche meinst du?«
Er sah sie verständnislos an, und sie fühlte, wie sich ihr Herz zusammenkrampfte. Seine Augen waren klar und ärgerlich, und sein Gesicht war angespannt. Er schien so überzeugt. »Die Elfen«, flüsterte sie, »sind diejenigen, die Morrowindl zerstört haben.«
»Nein«, antwortete er sofort und ohne zu zögern.
»Sie haben die Dämonen geschaffen, Gavilan.«
Er schüttelte heftig den Kopf. »Alte Männer haben sie in einer anderen Zeit geschaffen. Ein Fehler wie dieser wird sicher nicht wieder passieren. Ich würde es nicht zulassen. Die Magie kann besser angewandt werden, Wren. Du weißt, daß das wahr ist. Haben die Ohmsfords nicht immer einen Weg gefunden? Haben nicht auch die Druiden das getan? Laß es mich versuchen! Ich kann diesen Wesen gegenübertreten, ich kann tun, was notwendig ist! Du willst den Stab nicht, das hast du selbst gesagt! Gib ihn mir!«
Sie schüttelte den Kopf. »Ich kann nicht.«
Gavilan versteifte sich, und seine Hände zogen sich zurück. »Warum nicht, Wren? Sag mir, warum nicht.«
Sie konnte es ihm natürlich nicht sagen. Sie konnte die Worte nicht finden, und selbst wenn sie die Worte hätte finden können, wäre sie nicht in der Lage gewesen, sie auszusprechen.
»Ich habe ein Versprechen gegeben«, sagte sie statt dessen und wünschte, daß er die Angelegenheit ruhen lassen würde, daß er seine Forderung aufgeben und erkennen würde, wie falsch es von ihm war, darum zu bitten.
»Du hast es versprochen?« keuchte er. »Wem?«
»Der Königin«, beharrte sie stur.
»Der Königin? Schatten, Wren, was sind die schon wert? Die Königin ist tot!«
Und da schlug sie ihn und traf ihn hart ins Gesicht. Es war ein Schlag, der seinen Kopf zurückfliegen ließ. Er blieb einen Moment abgewandt und richtete sich dann auf. »Du kannst mich ruhig noch einmal schlagen, wenn du dich danach besser fühlst.«
»Ich fühle mich furchtbar«, flüsterte sie, wand sich innerlich und wurde zu Eis. »Aber das hättest du nicht sagen dürfen.«
Er betrachtete sie einen Moment verbittert, und sie verspürte den Wunsch, ihn so wiederzubekommen, wie er gewesen war, als sie noch in Arborlon waren, als er charmant und freundlich gewesen war, ein Freund, den sie brauchte und der sie vor dem Hohen Konzil geküßt und sich um sie gesorgt hatte.
Sein hübsches Gesicht war angespannt vor Entschlossenheit. »Du mußt mich die Magie des Loden benutzen lassen, Wren.«
Sie schüttelte fest den Kopf. »Nein.«
Er drängte aggressiv vorwärts, fast als wolle er sie angreifen. »Wenn du es nicht tust, werden wir nicht überleben. Wir können es nicht. Du hast nicht das...«
»Nicht, Gavilan«, warf sie ein, und ihre Hand legte sich schnell auf seine Lippen. »Sag es nicht! Sag nichts mehr!«
Die plötzliche Geste ließ sie beide einen Moment innehalten, und der Wind, der in einer plötzlichen Böe vorbeiblies, ließ Wren erzittern. Langsam nahm sie ihre Hand fort. »Geh schlafen«, drängte sie und kämpfte um Festigkeit in ihrer Stimme. »Du bist müde.«
Er lehnte sich leicht zurück. Es war nur eine kleine Bewegung, eine, die ihn nur Zentimeter von ihr entfernte – und doch konnte sie das Zerreißen des Bandes zwischen ihnen genauso deutlich spüren, als wären es Seile, die mit einem Messer durchschnitten werden.
»Ich werde gehen«, sagte er ruhig, aber mit unüberhörbarem Ärger in der Stimme. Er erhob sich und schaute zu ihr hinab. »Ich war dein Freund. Ich wäre es noch immer, wenn du mich lassen würdest.«
»Ich weiß«, sagte sie.
Er blieb einen Moment, wo er war, als sei er unentschlossen, was er als nächstes tun sollte, ob er bleiben oder gehen sollte, ob er sprechen oder schweigen sollte. Er schaute durch die Dunkelheit zurück in den Dunst. »Hier werde ich nicht sterben«, flüsterte er.
Dann wandte er sich um und ging davon. Wren blieb sitzen, wo sie war, und sah ihm nach, bis er nicht mehr zu sehen war. Tränen traten in ihre Augen, aber sie wischte sie schnell fort. Gavilan hatte sie verletzt, und das machte sie wütend. Er brachte sie dazu, alles anzuzweifeln, was sie beschlossen hatte, und sich zu fragen, ob sie überhaupt wußte, was sie tat. Er brachte sie dazu, sich dumm zu fühlen und selbstsüchtig und naiv. Sie wünschte, sie wäre niemals losgegangen, um mit dem Schatten Allanons zu sprechen, niemals nach Morrowindl gekommen und hätte niemals die Elfen und ihre Stadt und den Schrecken ihrer Existenz entdeckt – sie wünschte, daß nichts davon jemals geschehen wäre.
Sie wünschte, sie hätte niemals ihre Großmutter getroffen.
Nein! wies sie sich scharf zurecht. Wünsche dir das niemals wieder!
Aber tief in ihrem Inneren tat sie es doch.
20
Der Tag, der heraufzog, wurde nur verstohlen sichtbar und wurde von den Schatten der schwindenden Nacht grau umhüllt, als er auf der Suche nach dem Morgen unsicher aus dem Gestern herauskroch. Die Gefährten standen auf und begrüßten ihn mit müden Augen. Verzagt spürten sie das Verrinnen der Zeit und damit ihrer Chancen wie einen Kettenpanzer, der sie hinabzuziehen drohte. Sie schulterten ihre Umhänge und Rucksäcke und Waffen und brachen erneut auf, eingehüllt in das Schweigen ihrer Gedanken, die grimmigen Gesichter der drohenden Mauer aus Angst und Zweifeln entgegengereckt.