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Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
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»Sie werden es nicht bereuen, Nataschas Bekanntschaft gemacht zu haben«, sagte ich. »Sie wünscht selbst lebhaft, Sie kennenzulernen, und das ist auch nötig, schon damit sie weiß, wem sie ihren Aljoscha übergibt. Grämen Sie sich über diese ganze Angelegenheit nicht zu sehr. Die Zeit wird auch ohne Ihre Sorgen die Lösung bringen. Sie fahren ja doch aufs Land?«

»Ja, bald, vielleicht in einem Monat«, antwortete sie; »und ich weiß, daß der Fürst darauf bestehen wird.«

»Was meinen Sie, wird Aljoscha mit Ihnen fahren?«

»Sehen Sie, daran hatte ich soeben auch gedacht!« sagte sie, mich unverwandt anblickend. »Glauben Sie nicht, daß er mitkommen wird?«

»Ganz bestimmt.«

»Mein Gott, was aus alledem noch werden wird, das weiß ich nicht! Hören Sie, Iwan Petrowitsch, ich werde Ihnen von allem, was vorfällt, schreiben; ich werde Ihnen oft und viel schreiben. Ich bin nun einmal Ihr Quälgeist geworden. Werden Sie vorher noch oft zu uns kommen?«

»Das weiß ich nicht, Katerina Fjodorowna; das wird von den Umständen abhängen. Vielleicht werde ich überhaupt nicht wieder herkommen.«

»Warum denn nicht?«

»Das können verschiedene Ursachen bewirken, besonders meine Beziehungen zum Fürsten.«

»Er ist ein unehrlicher Mensch!« erwiderte Katja in entschiedenem Ton. »Aber wissen Sie, Iwan Petrowitsch, wie wär's, wenn ich zu Ihnen käme? Würde das von mir gut gehandelt sein oder nicht?«

»Wie denken Sie selbst darüber?«

»Ich glaube, gut. Ich käme einfach so gelegentlich zu Ihnen hin...« fügte sie lächelnd hinzu. »Ich sage das, weil ich Sie nicht nur hochschätze, sondern auch sehr gern habe... Und ich kann von Ihnen vieles lernen. Und ich habe Sie sehr gern... Ich brauche mich doch nicht darüber zu schämen, daß ich so zu Ihnen spreche?«

»Was gibt's da zu schämen? Auch Sie sind mir heb und wert wie eine nahe Verwandte.«

»Sie wollen also mein Freund sein?«

»Das will ich, gewiß!« antwortete ich.

»Nun, die da würden bestimmt sagen, daß ich mich schämen müsse und daß sich ein junges Mädchen nicht so benehmen dürfe«, bemerkte sie, indem sie wieder mit den Augen nach der Gesellschaft am Teetisch hindeutete.

Ich schiebe hier die Bemerkung ein, daß der Fürst uns anscheinend absichtlich allein ließ, damit wir uns nach Belieben miteinander aussprechen könnten.

»Ich weiß ja sehr gut«, fügte sie hinzu, »der Fürst hat es auf mein Geld abgesehen. Von mir glauben sie, daß ich noch ein vollständiges Kind sei, und sagen mir das sogar geradezu. Ich jedoch glaube das nicht. Ich bin kein Kind mehr. Sie sind sonderbare Menschen; sie sind ja selbst wie Kinder; wozu machen sie sich nur soviel Mühe und Sorge?«

»Katerina Fjodorowna, ich wollte Sie noch fragen: was sind das für Leute, Lew und Boris, die Aljoscha so oft besucht?«

»Es sind entfernte Verwandte von mir. Sie sind sehr kluge und sehr ehrenhafte Menschen; aber sie reden furchtbar viel... Ich kenne sie genau...«

Sie lächelte.

»Ist es wahr, daß Sie ihnen zu gegebener Zeit eine Million schenken wollen?«

»Nun, sehen Sie, zum Beispiel gleich diese Million! Da schwatzen sie nun schon so viel von ihr, daß es gar nicht mehr zu ertragen ist. Gewiß, ich gebe mit Freuden für alle nützlichen Zwecke etwas her; wozu hat man denn sonst das viele Geld, nicht wahr? Vorläufig jedoch bin ich ja noch gar nicht in der Lage, etwas herzugeben; sie aber verteilen es jetzt schon und überlegen und schreien und disputieren über die beste Verwendung und zanken sich sogar deswegen; es ist ein ganz wunderliches Benehmen. Sie haben es gar zu eilig. Aber doch sind sie so offenherzige und... verständige Menschen. Sie lernen fleißig. Das ist immer besser als die Art, in der manche anderen leben. Nicht wahr?«

So sprachen wir noch über vieles miteinander. Sie erzählte mir beinahe ihre ganze Lebensgeschichte und hörte mit lebhaftem Interesse meine Erzählungen an. Immer verlangte sie, ich solle ihr noch mehr von Natascha und Aljoscha erzählen. Es war schon zwölf Uhr, als der Fürst zu mir trat und mir zu verstehen gab, daß es Zeit sei aufzubrechen. Ich empfahl mich. Katja drückte mir herzlich die Hand und sah mich bedeutsam an. Die Gräfin bat mich, meinen Besuch zu wiederholen; ich ging mit dem Fürsten zusammen hinaus.

Ich kann mich nicht enthalten, eine seltsame und vielleicht gar nicht zur Sache gehörige Bemerkung hier herzusetzen. Aus meinem dreistündigen Gespräch mit Katja hatte ich unter anderem die wunderliche, aber zugleich feste Überzeugung gewonnen, daß sie noch bis zu dem Grad völlig Kind war, daß sie von den besonderen Beziehungen zwischen Mann und Frau keine Kenntnis besaß. Manchen ihrer Darlegungen und überhaupt dem ernsten Ton, mit dem sie über viele sehr wichtige Dinge sprach, verlieh das eine unfreiwillige Komik.

Zehntes Kapitel

»Wissen Sie was?« sagte der Fürst zu mir, als er sich mit mir in den Wagen setzte, »wie wär's, wenn wir jetzt soupierten? Wie denken Sie darüber?«

»Ich weiß wirklich nicht, Fürst«, antwortete ich unentschlossen. »Ich esse nie zu Abend...«

»Nun, selbstverständlich wollen wir beim Abendessen auch miteinander reden«, fügte er hinzu, indem er mir unverwandt und listig gerade in die Augen sah.

Das war nicht mißzuverstehen! »Er will sich mit mir aussprechen« dachte ich; »und mir ist das gerade sehr erwünschte.« Ich willigte ein.

»Also abgemacht. Nach der Großen Morskaja zu B.!«

»Ein Restaurant?« fragte ich, etwas unangenehm berührt.

»Ja. Was ist dabei? Ich soupiere nur selten zu Hause. Erlauben Sie mir denn nicht, Sie einzuladen?«

»Aber ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß ich nie zu Abend esse.«

»Nun, einmal können Sie schon eine Ausnahme machen. Überdies lade ich Sie ja ein...«

Das hieß: ›Ich werde für dich bezahlen‹; ich war überzeugt, daß er das absichtlich hinzufügte. Ich ließ mich von ihm mitnehmen, nahm mir aber vor, im Restaurant für mich selbst zu bezahlen. Wir kamen hin. Der Fürst nahm ein besonderes Zimmer und wählte mit Geschmack und Sachkenntnis zwei, drei Gerichte aus. Diese Gerichte waren teuer, ebenso wie die Flasche seinen Tischweines, die er bringen ließ. All das paßte nicht für mein Portemonnaie. Ich warf einen Blick auf die Karte und bestellte mir ein halbes Haselhuhn und ein Glas Lafitte. Der Fürst war entrüstet.

»Sie wollen nicht mit mir soupieren! Das ist ja geradezu lächerlich. Pardon, mon ami; aber das ist... eine empörende Pedanterie. Das ist eine ganz kleinliche Eigenliebe. Es scheint fast, als ob da die Standesinteressen ins Spiel kämen; ich möchte darauf wetten, daß es der Fall ist. Ich versichere Ihnen, daß Sie mich beleidigen.«

Aber ich bestand auf meinem Willen.

»Nun, wie Sie wollen«, sagte er. »Ich will Sie nicht nötigen... Sagen Sie, Iwan Petrowitsch, kann ich mit Ihnen ganz freundschaftlich reden?«

»Ich bitte darum.«

»Nun also, meiner Ansicht nach schaden Sie durch eine solche Pedanterie sich selbst. In derselben Weise schaden sich auch alle Ihre Berufsgenossen. Sie sind Schriftsteller und müssen dazu die Welt kennen; aber Sie ziehen sich von allem zurück. Ich rede jetzt nicht von Haselhühnern; aber Ihr Streben geht ja dahin, jede Berührung mit unseren Kreisen vollständig zu vermeiden, und das ist entschieden nachteilig. Ganz abgesehen davon, daß Sie in materieller Hinsicht viel verlieren (ich meine die Karriere), ist doch schon zu erwägen, daß Sie das, was Sie schildern wollen, kennenlernen müssen, und in den Novellen kommen doch auch Grafen und Fürsten und Boudoirs vor... Aber was rede ich da! Bei euch neueren Schriftstellern ist ja immer nur die Rede von Armut, von verlorenen Mänteln, von Revisoren, von hitzigen Offizieren und Beamten, von alten Zeiten und vom Sektiererwesen, ich weiß, ich weiß...«

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