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Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
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Er trat sachte zu mir heran, berührte mich an der Schulter und bat mich, auf ein paar Worte mitzukommen. Ich erriet, daß er von Katja geschickt war. So war es auch. Einen Augenblick darauf saß ich bereits neben ihr. Anfangs blickte sie mich nur unverwandt an, wie wenn sie im stillen sagte: ›Also so siehst du aus!‹, und im ersten Augenblick fanden wir beide nicht die richtigen Worte, um das Gespräch zu beginnen. Ich war jedoch überzeugt, daß sie nur anzufangen brauchte, um dann nicht wieder aufzuhören, und wenn es bis zum anderen Morgen dauerte. Es huschte mir ein Gedanke an das ›fünf- bis sechsstündige Gespräch‹ durch den Kopf, das Aljoscha einmal erwähnt hatte. Aljoscha saß bei uns und wartete mit Ungeduld darauf, daß wir anfangen würden zu reden.

»Warum redet ihr denn nicht?« fragte er, indem er uns lächelnd anblickte. »Nun sind sie zusammengekommen und schweigen!«

»Ach, Aljoscha, wie du auch bist... wir werden gleich miteinander reden«, antwortete Katja. »Wir haben ja so vieles zusammen zu besprechen, Iwan Petrowitsch, daß ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll. Wir sind sehr spät miteinander bekannt geworden; es hätte schon viel früher geschehen sollen; ich kenne Sie allerdings schon lange. Und ich habe so sehr gewünscht, Sie zu sehen. Ich habe sogar schon daran gedacht, Ihnen einen Brief zu schreiben...«

»Worüber denn?« fragte ich, unwillkürlich lächelnd. »Über alles mögliche«, antwortete sie ganz ernsthaft. »Zum Beispiel darüber, ob es richtig ist, was er von Natalja Nikolajewna erzählt, daß sie es nicht übelnimmt, wenn er sie gerade in dieser Zeit allein läßt. Nun, darf sich denn jemand so benehmen, wie er es tut? Nun, warum sitzt du denn hier, sag doch mal!«

»Ach, mein Gott, ich werde ja gleich hinfahren. Ich habe ja gesagt, daß ich nur noch einen Augenblick hierbleiben und sehen will, wie ihr beide miteinander redet, und dann will ich sofort hin.«

»Aber was tun wir beide denn hier zusammen, was dich so interessiert? Nun, da sitzen wir, hast du es gesehen? Und so ist er immer«, fügte sie, leise errötend, hinzu und wies mit dem Finger auf ihn. »›Ein Augenblickchen,‹ sagt er, ›nur ein Augenblickchen!‹, aber ehe man es sich versieht, hat er bis Mitternacht dagesessen, und dann ist es für andere Besuche zu spät. Er sagt: ›Sie wird nicht böse darüber; sie hat ein gutes Herz!‹ Das ist seine Denkungsweise! Nun, ist das hübsch? Ist das edel?«

»Nun, meinetwegen, ich will hinfahren«, antwortete Aljoscha in kläglichem Ton. »Ich wäre nur so gern noch ein bißchen bei euch geblieben...«

»Was hast du denn von uns? Wir müssen vielmehr über viele Dinge unter vier Augen sprechen. Aber höre, nimm das nicht übel; es ist eben notwendig; versteh das wohl!«

»Wenn das notwendig ist, dann will ich sogleich... was ist dabei übelzunehmen? Ich will nur noch auf ein Augenblickchen zu Lew und dann gleich zu ihr. Noch eins, Iwan Petrowitsch«, fuhr er fort, während er nach seinem Hut griff, »Sie wissen, daß mein Vater auf das Geld verzichten will, das er in dem Prozeß mit Ichmenew gewonnen hat?«

»Ja, ich weiß es; er hat es mir gesagt.«

»Wie edel er daran handelt! Katja glaubt nicht, daß das edel von ihm gehandelt ist. Setzen Sie ihr das doch auseinander! Leb wohl, Katja, und, bitte, zweifle nicht daran, daß ich Natascha liebe. Und warum gebt ihr alle mir solche Vorschriften und macht mir Vorwürfe und beobachtet mein Tun und Lassen, gerade als stände ich unter eurer Aufsicht? Sie weiß, wie sehr ich sie liebe, und hat Vertrauen zu mir, und ich weiß, daß sie zu mir Vertrauen hat. Ich liebe sie ohne alle Künsteleien, ohne alle Verpflichtungen. Ich weiß nicht, wie ich sie liebe. Ich liebe sie einfach. Und darum ist gar kein Grund vorhanden, mich wie einen Verbrecher ins Verhör zu nehmen. Da, frage nur Iwan Petrowitsch; jetzt ist er hier und wird es dir bestätigen, daß Natascha eifersüchtig ist und daß sie mich zwar sehr liebt, daß aber in ihrer Liebe doch viel Egoismus steckt, weil sie mir nichts zum Opfer bringen will.«

»Wie meinen Sie das?« fragte ich erstaunt; ich traute meinen Ohren nicht.

»Was redest du da, Aljoscha?« rief Katja, beinah schreiend, und schlug die Hände zusammen.

»Nun ja; was gibt's da sich zu wundern? Iwan Petrowitsch weiß es. Sie verlangt immer, daß ich bei ihr bleiben soll. Und wenn sie es auch nicht mit Worten verlangt, so ist doch deutlich, daß sie es gern möchte.«

»Schämst du dich denn nicht? Schämst du dich denn nicht?« sagte Katja, die vor Zorn ganz rot geworden war.

»Warum soll ich mich denn schämen? Aber wirklich, wie du auch bist, Katja! Ich liebe sie ja mehr, als sie glaubt; aber wenn sie mich in der richtigen Art liebte, so wie ich sie liebe, dann brächte sie mir gewiß ihr Vergnügen zum Opfer. Sie schickt mich allerdings selbst weg; aber ich sehe es ihr ja am Gesicht an, daß ihr das schmerzlich ist; also ist es für mich ganz dasselbe, wie wenn sie mich zurückhielte.«

»Nein, da steckt etwas dahinter!« rief Katja, indem sie sich mit zornfunkelnden Augen wieder an mich wandte. »Gestehe, Aljoscha, gestehe sofort: alles das hat dir dein Vater gesagt? Heute gesagt? Und bitte, suche mich nicht zu täuschen: ich bekomme es doch sofort heraus! Ist es so oder nicht?«

»Nun ja, er hat es zu mir gesagt«, antwortete Aljoscha verlegen. »Aber was ist dabei? Er hat mit mir heute so freundlich und herzlich gesprochen; und sie hat er mir gegenüber immer gelobt, so daß ich ordentlich erstaunt war: sie hat ihn beleidigt, und er lobt sie noch!«

»Und Sie, Sie haben ihm geglaubt«, sagte ich, »Sie, dem sie alles gegeben hat, was sie nur geben konnte? Ja selbst jetzt, noch heute, war ihre einzige Sorge, Sie könnten sich bei ihr unbehaglich fühlen und sie könnte Ihnen an dem Besuch bei Katerina Fjodorowna hinderlich sein! Das hat sie mir selbst heute gesagt. Und auf einmal haben Sie diesen Lügenreden Glauben geschenkt! Schämen Sie sich denn nicht?«

»Du Undankbarer! Aber er schämt sich ja nie, über nichts!« sagte Katja mit einer wegwerfenden Handbewegung nach ihm hin, als ob er ein total verdorbener Mensch wäre.

»Aber was wollt ihr denn eigentlich?« fuhr Aljoscha in kläglichem Ton fort. »Und so bist du immer, Katja! Immer findest du an mir nur Schlechtes... Von Iwan Petrowitsch will ich schon gar nicht reden! Ihr glaubt, daß ich Natascha nicht liebe. Das mit ihrem Egoismus habe ich anders gemeint. Ich wollte nur sagen, daß sie mich gar zu sehr liebt, in einer maßlosen Weise, und daß sie dadurch sowohl mir als auch sich selbst das Leben schwer macht. Mein Vater aber wird mich nie betrügen, selbst wenn er es wollte. Ich lasse mich nicht betrügen. Er hat überhaupt nicht gesagt, daß sie eine Egoistin wäre, im schlimmen Sinn des Wortes; ich habe ihn ganz gut verstanden. Er hat alles genau so gesagt, wie ich es jetzt wiedergegeben habe: ihre Liebe zu mir sei so groß und übermäßig, daß sie geradezu zum Egoismus werde; sie mache dadurch sowohl mir als auch sich selbst das Leben schwer, und das werde später für mich noch schlimmer werden. Na, damit hat er doch die Wahrheit gesagt, aus Liebe zu mir, und darin liegt doch nichts Beleidigendes für Natascha; im Gegenteil hat er anerkannt, daß ihre Liebe sehr groß ist, ja übermäßig, geradezu sinnlos...«

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