Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
1 ... 75 76 77 78 79 80 81 82 83 ... 120
Перейти на страницу:

Aber Katja unterbrach ihn und ließ ihn nicht zu Ende reden. Sie machte ihm heftige Vorwürfe und bewies ihm, daß sein Vater nur deswegen Natascha zuerst gelobt habe, um ihn durch seine scheinbare Güte zu täuschen, und nur in der Absicht, heimlich und unmerklich Aljoscha selbst gegen sie aufzuwiegeln und so ihre Verbindung zu zerreißen. Sie setzte ihm mit ebensoviel Wärme als Klugheit auseinander, daß Natascha ihn liebe, daß aber keine Liebe das verzeihen könne, was er ihr antue, und daß der wahre Egoist hierbei er selbst, Aljoscha, sei. Allmählich brachte Katja ihn in einen Zustand schrecklicher Traurigkeit und tiefer Reue; er saß mit niedergeschlagenen Augen und einer Märtyrermiene neben uns, gab keine Antworten mehr und schien völlig vernichtet zu sein. Aber Katja war unerbittlich. Ich betrachtete sie mit größter Spannung. Es war mein lebhafter Wunsch, dieses seltsame Mädchen sobald wie möglich kennenzulernen. Sie war noch vollständig Kind, aber ein merkwürdiges Kind mit bestimmten Ansichten, festen Grundsätzen und einer leidenschaftlichen angeborenen Liebe zum Guten und zur Gerechtigkeit. Wenn man sie wirklich noch ein Kind nennen konnte, so gehörte sie zu der Kategorie der denkenden Kinder, die in unseren Familien ziemlich zahlreich sind. Es war klar, daß sie schon viel nachgedacht hatte. Es mußte interessant sein, in dieses denkende Köpfchen hineinzublicken und zu sehen, wie sich dort rein kindliche Ideen und Vorstellungen mit ernsten, aus eigener Erfahrung gewonnenen Gefühlen und Lebensbeobachtungen (denn Katja hatte schon gelebt) mischten und zugleich auch mit Ideen, die ihr noch unverständlich waren und nicht ihrer Erfahrung entstammten, sondern ihr theoretisch, in Büchern, imponiert hatten; diese letzteren Ideen waren wahrscheinlich sehr zahlreich, und sie bildete sich wohl ein, durch eigene Erfahrung zu ihnen gelangt zu sein. Im Verlauf dieses ganzen Abends und in der Folgezeit habe ich, wie ich glaube, Katja ziemlich gut kennengelernt. Ihr Herz war leicht erregbar und den Affekten zugänglich. In manchen Fällen verschmähte sie gewissermaßen die Kunst der Selbstbeherrschung, stellte die Wahrheit über alles, hielt den gesamten Zwang des gesellschaftlichen Lebens für törichte konventionelle Form und war, wie es schien, auf diese Anschauung stolz, wie man das bei vielen temperamentvollen Menschen findet, sogar bei solchen, die über die Jahre der Jugend schon hinaus sind. Aber gerade das verlieh ihr einen besonderen Reiz. Sie liebte es sehr, nachzudenken und nach der Wahrheit zu forschen, verfuhr aber dabei so frei von aller Pedanterie und mit so kindlicher Munterkeit, daß man gleich beim ersten Blick dieses ihr originelles Benehmen nett fand und sich mit ihm aussöhnte. Ich dachte an Lew und Boris, und es schien mir, daß das alles durchaus in der Natur der Dinge liege. Und merkwürdig: ihr Gesicht, an dem ich beim ersten Blick nichts besonders Schönes wahrgenommen hatte, wurde gleich an diesem Abend mit jedem Augenblick für mich immer schöner und anziehender. Diese naive Verquickung von Kind und denkendem Weib, dieser kindliche und im höchsten Grad aufrichtige Durst nach Wahrheit und Gerechtigkeit und dieser unerschütterliche Glaube an den Erfolg des eigenen Strebens, all dies erleuchtete ihr Gesicht gleichsam von innen heraus mit einem schönen Licht und verlieh ihm eine hohe, geistige Schönheit, und man begriff, daß es einem nicht so schnell gelingen konnte, diese Schönheit, die sich nicht jedem gewöhnlichen, gleichgültigen Blick darbot, in ihrem ganzen Umfang und Inhalt zu erfassen. Und es wurde mir verständlich, daß Aljoscha sich zu ihr leidenschaftlich hingezogen fühlen mußte. Er, der nicht selbst denken und urteilen konnte, liebte gerade diejenigen, die für ihn dachten und dies sogar gern taten; Katja aber hatte ihn schon ganz unter ihre Vormundschaft genommen. Sein Herz war von unerschütterlichem Edelsinn und unterwarf sich allem, was ehrenhaft und schön war; Katja aber hatte schon mit all der Offenheit, die eine Folge ihres kindlichen Wesens und ihrer Sympathie mit ihm war, ihn in ihren Gesprächen vieles von ihrer Seele sehen lassen. Er besaß nicht eine Spur von eigener Willenskraft; sie dagegen hatte einen sehr energischen, kräftigen, feurig aufflammenden Willen; Aljoscha aber konnte sich nur an jemand anschließen, der imstande war, ihn zu beherrschen und ihm geradezu zu befehlen. Dies war es auch zum Teil gewesen, was ihn in der ersten Zeit seiner Verbindung mit Natascha an diese gefesselt hatte; aber Katja hatte etwas sehr Wesentliches vor Natascha voraus: sie war selbst noch Kind, und es war zu erwarten, daß sie noch lange Kind bleiben würde. Diese ihre Kindlichkeit, ihr klarer Verstand und gleichzeitig ein gewisser Mangel an Urteilskraft, alle diese Momente machten sie zu Aljoschas Geistesverwandter. Er fühlte das, und daher übte Katerina auf ihn eine immer stärker werdende Anziehungskraft aus. Ich bin überzeugt, daß, wenn sie miteinander unter vier Augen sprachen, sie neben ernsten Auseinandersetzungen Katjas über »Propaganda« sich auch manchmal über Spielsachen unterhielten. Und obgleich Katja ihn wahrscheinlich sehr oft abkanzelte und ihn schon ganz in ihrer Botmäßigkeit hielt, so fühlte er sich im Verkehr mit ihr doch behaglicher als mit Natascha. Sie waren gleichartiger, und das war die Hauptsache. »Hör auf, Katja, hör auf; genug davon; das Resultat ist immer, daß du recht hast und ich unrecht. Das kommt daher, daß deine Seele reiner ist als die meine«, sagte Aljoscha, indem er aufstand und ihr zum Abschied die Hand reichte. »Ich will sofort zu ihr, ohne erst zu Lew zu fahren.«

»Bei Lew hast du auch gar nichts zu tun; daß du aber jetzt folgsam bist und zu ihr fährst, das ist sehr liebenswürdig von dir.«

»Und du bist tausendmal liebenswürdiger als alle«, antwortete Aljoscha betrübt. »Iwan Petrowitsoh, ich möchte noch ein paar Worte mit Ihnen reden.« Wir traten einige Schritte zur Seite.

»Ich habe mich heute unwürdig benommen«, flüsterte er mir zu; »ich habe mich gemein betragen; ich muß mich vor allen Menschen der Welt schämen und habe mich am allermeisten gegen die beiden vergangen. Heute nach dem Mittagessen machte mich mein Vater mit Mademoiselle Alexandrine bekannt, einer Französin, einem entzückenden Weib. Ich... ließ mich hinreißen und... nun, was soll ich noch weiter sagen, ich bin nicht mehr wert, mit ihnen zu verkehren... Leben Sie wohl, Iwan Petrowitsch!«

»Er ist ein guter, edel denkender Mensch«, sagte Katja eilig, als ich mich wieder zu ihr setzte; »aber über ihn werden wir später noch viel zu sprechen haben; jetzt müssen wir uns vor allen Dingen über einen Punkt einigen: wie denken Sie über den Fürsten?«

»Ich halte ihn für einen sehr schlechten Menschen.«

»Ich ebenfalls. Also sind wir darin einer Meinung; dadurch werden uns die weiteren Erörterungen erleichtert werden. Nun zu Natalja Nikolajewna!... Wissen Sie, Iwan Petrowitsch, ich sitze hier sozusagen im Dunkeln und habe auf Sie gewartet wie auf das Licht. Sie müssen mir das alles erklären; denn gerade in diesem Hauptpunkt beruht mein Urteil nur auf Mutmaßungen, auf dem, was mir Aljoscha erzählt hat. Und außer ihm hatte ich bisher niemand, von dem ich hätte etwas erfahren können. Sagen Sie erstens (und das ist die Hauptsache), wie denken Sie darüber: werden Aljoscha und Natascha miteinander glücklich sein? Das muß ich vor allen Dingen wissen, um mir ein endgültiges Urteil zu bilden; erst dann werde ich wissen, wie ich selbst zu handeln habe.«

»Wie kann man aber das mit Sicherheit sagen?«

»Mit Sicherheit kann man es natürlich nicht sagen«, unterbrach sie mich. »Aber was ist Ihre Ansicht? Denn Sie sind ein sehr verständiger Mensch.«

»Meiner Ansicht nach können sie miteinander nicht glücklich sein.«

»Warum denn nicht?«

»Sie sind nicht gleichartig.«

»Das hatte ich mir doch gedacht!« Sie faltete wie in tiefem Kummer die Hände.

»Setzen Sie mir das eingehender auseinander! Hören Sie: Ich möchte schrecklich gern mit Natascha zusammenkommen; denn ich habe mit ihr vieles zu besprechen und meine, daß wir beide, sie und ich, für alle schwebenden Fragen die richtige Lösung finden werden. Jetzt aber muß ich mir immer nur so im Kopf ein Bild von ihr machen: sie ist gewiß furchtbar klug, ernst, wahrheitsliebend und schön. Nicht wahr?« »Ja.«

1 ... 75 76 77 78 79 80 81 82 83 ... 120
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)