Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Историческая проза » Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska. - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
1 ... 74 75 76 77 78 79 80 81 82 ... 152
Перейти на страницу:

»Und Weinberg? Sie sind der Wissenschaftler. Haben Sie eine Erklärung dafür, wie so etwas vonstattengehen kann?«

»Nein, Igor Igorewitsch, ich weiß es nicht«, gab der Jude ehrlich zu, wobei er es tunlichst vermied, seinen Glauben ins Spiel zu bringen. »Aber gerade das macht die Sache für mich interessant. Wenn es dem

Mann gelingen würde, Schenkendorff zu heilen, würde ich den Vorgang aus der Sicht eines Naturwissenschaftlers protokollieren, und damit bekämen wir vielleicht eine Ahnung, wie es funktioniert.«

»Und wenn es nicht funktioniert?«

Weinberg atmete tief durch und bedachte den Lagerkommandanten mit einem durchdringenden Blick. »Dann können wir wenigstens sagen, dass wir nichts unversucht gelassen haben.«

Drei weitere quälende Tage gingen ins Land, bis Tschirin, der junge Tunguse, mit einer Ladung Holz ins Lager kam. Er hockte auf einem prächtigen Rentier und führte einen langen Zug von gut zwanzig anderen Rentieren an. Im Sommer war es unmöglich, auf den eingefahrenen Wegen einen Wagen statt eines Schlittens zu benutzen. Knietiefer Morast und unzählige Schlaglöcher hätten jede Achse gebrochen. Jenseits der üblichen Lagerregeln durfte Pjotr den jungen Tungusen am Eingangsportal begrüßen. Tschirin erkannte ihn sofort und sprang von seinem Rentier ab. Er trug eine bunt verzierte tungusische Lederhose und ein Hemd, an dem Perlen und Federn baumelten. Das schwarze Haar hatte er zu einem Zopf gebunden. Seine weißen Zähne leuchteten in seinem sonnengebräunten Gesicht, als er den Mund zu einem breiten Grinsen verzog.

Als Pjotr ihn im Beisein von zwei Wachleuten umarmte, konnte er spüren, dass der Tunguse sich aufrichtig freute, ihn bei guter Gesundheit zu sehen. Umso entsetzter war Tschirin, als Pjotr ihm von Leonards Schicksal berichtete.

»Ich kann nicht für meinen Vater sprechen, ob er bereit ist, einem Russen zu helfen. Zumal er in diesem Lager lebt. Aber ich werde versuchen, ihn von eurer Rechtschaffenheit zu überzeugen, damit er die Geister, die von Leonards Seele Besitz ergriffen haben, wieder vertreibt. Schließlich habe ich es euch versprochen.«

Pjotr spürte Verzweiflung in sich aufsteigen. »Leonard ist kein Russe, sondern ein Deutscher, und ich bitte dich inständig, bei deinem Vater ein gutes Wort für ihn einzulegen«, beschwor er den jungen Jämschtschik. »Wenn er uns nicht helfen will, ist Leonard verloren. Es geht hier nicht um den Fortschritt unserer Arbeit, sondern vor allem um Leonards Überleben. Er hat eine Frau, die er liebt und die sein

Kind unter dem Herzen trägt. Sie lebt in einem Lager in Tomsk, und man wird sie vermutlich töten, wenn er dem Zaren nicht mehr nützlich sein kann. Tschirin, es ist sehr wichtig. Wir haben sogar den Lagerkommandanten dazu überreden können, dass er uns die Erlaubnis erteilt hat, deinen Vater in der Sache zu empfangen.«

Tschirin überlegte nicht lange. »Gut«, sagte er leise. »Ich werde tun, was in meiner Macht steht.«

Es dauerte noch einen Tag und eine Nacht, bis Tschutschana, einer der mächtigsten Schamanen Sibiriens, mit großem Gefolge im Tal ohne Wiederkehr erschien. Bereits von weitem waren die Glöckchen der Rentiere zu hören, als die bunte Truppe gegen Nachmittag das Lager erreichte. Tschutschana hatte nicht nur seinen persönlichen Gehilfen mitgebracht, sondern neben seinem einzigen Sohn weitere zwölf Männer seiner Sippe, die ihm Kraft und Schutz verleihen sollten.

Lobow empfing den in Kreisen der Tungusen hochgestellten Mann mit diplomatischen Ehren. Er ließ die Wachmannschaften in Zweierreihen antreten und behandelte seinen ungewöhnlichen Gast mit äußerster Höflichkeit, obwohl ihm der Kerl mit den ausgemergelten dunklen Gesichtszügen mehr als seltsam erschien. Seine stechend grauen Augen wirkten unheimlich, und seine Aufmachung - ein Lederumhang aus Rentierhaut mit etlichen Knochen und Federn - tat ihr Übriges. Auf dem Kopf trug er eine Art ledernen Helm mit einer Wolfsschnauze daran, die auf Höhe der Stirn über sein Gesicht herausragte und mit seiner hervorspringenden Falkennase in Konkurrenz trat. An der Seite wippten zwei Wolfsohren bei seinen schnellen Schritten um die Wette. Lobow fragte sich ernsthaft, wie der Mann an Schenkendorffs Zustand etwas ändern sollte. Laut Primanov wurde der Zustand des jungen Deutschen immer kritischer; es würde nur noch eine Frage der Zeit sein, bis er endgültig verstarb.

Tschutschana begab sich wie ein König mit seinem Gefolge quer durch das Lager hin zu der Baracke, wo man Leonard isoliert von allen übrigen Insassen untergebracht hatte. Obwohl ihm niemand gesagt hatte, wo der Patient zu finden sei, blieb der Schamane auf Anhieb vor der richtigen Hütte stehen. Ein Zeichen, wie Pjotr hoffnungsvoll bestätigte, als Weinberg ihn fragend anschaute.

Tschutschanas Männer bildeten vor dem Eingang der Baracke einen Halbkreis und zündeten aus einem Vorrat von mitgeführtem Tannenholz ein Feuer an. Lobow, der kein offenes Feuer im Lager duldete, war nahe dran zu protestieren, doch Primanov hielt ihn zurück.

»Darf unser Arzt die Zeremonie begleiten?«

Lobows Frage war töricht, wie Pjotr befand. Er konnte sich denken, dass ein Schamane sich nicht in die Karten schauen ließ. Sein Gehilfe schüttelte wie erwartet den Kopf.

»Dies ist ein schwerer Fall«, verkündete Tschutschanas kleinwüchsiger Begleiter mit hochnäsiger Stimme. »Es kann sein, dass die Geister und Dämonen ein Opfer fordern. Deshalb rate ich niemandem, den Kreis der Zwölf zu durchbrechen, bevor unser Meister sein Werk vollendet hat.«

Tschutschana sah sich nicht um, als er ganz allein das Gebäude betrat. In seiner Hand befanden sich lediglich eine Trommel und ein qualmender Tannenzweig, an dem das Feuer erloschen war. Die Tür schloss sich hinter dem weisen Mann, und sofort trat ein Raunen unter den Zuschauern ein, das auf ein zorniges Zeichen seines Gehilfen sofort wieder verstummte.

»Jetzt heißt es beten«, flüsterte Aslan, der in einer Traube von Menschen hinter dem Kreis der zwölf Männer die Rückkehr des weisen Mannes erwartete.

Leonard schwebte seit Tagen im Raum. Das hatte zumindest den Vorteil, dass er keine Schmerzen mehr verspürte und sein geistiges Augenlicht einwandfrei funktionierte und er alles von oben betrachten konnte: den Arzt, wie er sich mühte, ihn ins Leben zurückzuholen; die Krankenschwester, die regelmäßig die Windeln wechselte und ihm mit einem Gummischlauch Tee einflößte; Pjotr, Weinberg und Aslan, die ihn täglich besuchten - und ja, auch Kissanka, die ihm allabendlich ein Klagelied sang. Wie gerne hätte er sie in den Arm genommen und getröstet! Er hatte ihr verziehen, ihr und ihrem gewalttätigen Vater, dessen Geist ihm immer häufiger Gesellschaft leistete, weil auch dessen Leib kein sicherer Hort mehr zu sein schien. Manchmal schwebten sie gemeinsam über das Lager, bis hoch zu den Hängen des Pijaja-Gebirges, zusammen mit den Adlern, die den Abendwind nutzten, um ihre Kreise zu drehen.

Dann stellte sich ein Gefühl des vollkommenen Friedens ein, und weder Leonard noch der alte Wassiljoff konnten verstehen, warum die Welt so verrückt war, sich selbst zu zerstören, warum Menschen andere Menschen hassten, ja sie sogar töteten und warum sie es zuließen, dass ihre Seelen, vom Neid vergiftet, das eigene Herz zerfraßen, bis es aufhörte zu schlagen - und warum niemand die wahre Schönheit des Lebens erkannte, die weit jenseits der irdischen Schönheit lag.

1 ... 74 75 76 77 78 79 80 81 82 ... 152
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)