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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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„Na“, fuhr er fort, „das Mädchen wird ja rot wie Zinnober! Es denkt sich also schon, wonach ich Appetit habe. Wird meine Bitte gewährt sein, Mademoiselle?“

„Exzellenz haben sie ja noch gar nicht ausgesprochen“, antwortete die Gefragte, noch tiefer glühend.

„Gut, so will es sagen; einen Kuß fordere ich als Belohnung.“

Da zog ein lustiges, schelmisches Lächeln über ihr Gesicht, und sie antwortete:

„Einen Kuß? Von wem? Von meinem Bräutigam?“

„Von dem da? Fällt mir gar nicht ein! Was habe ich mit seinem Schnurrbart zu schaffen! Nein, von Ihnen selbst, Mademoiselle. Ich bin allerdings kein Lieutenant, der Ihnen das Köpfchen verdreht, aber so einen konventionellen, großväterlichen Kuß wird Ihr schönes Mäulchen doch vielleicht fertigbringen. Nicht?“

„Vielleicht“, antwortete sie. „Aber da möchten wir denn doch diesen Lieutenant erst vorher um Erlaubnis bitten!“

„Den?“ fragte er in komischem Stolze. „Warum den? Fällt mir gar nicht ein! Ich habe Paris und Frankreich erobert, ohne einen Lieutenant um Erlaubnis zu fragen. Soll ich mich wegen zweier Lippen an ihn wenden, die doch auch zu meiner Eroberung gehören? Nein. Immer vorwärts, sage ich, und so auch hier. Geben Sie getrost Ihr liebes Mäulchen her! Ich werde es nicht ganz abbeißen, sondern ihm einen Teil davon übriglassen.“

Er erhob sich vom Sofa und trat auf das Mädchen zu. Dieses erglühte zwar bis in den Nacken hinab, aber es kam ihm doch zwei Schritte entgegen.

„Exzellenz“, sagte Margot, „ein Kuß von Ihnen ist die höchste Ehre, welche einer Dame werden kann. In diesem Sinne wage ich es, Ihrem Befehl zu gehorchen.“

„Papperlapapp, ich meine das anders. Aber, na, nur erst her mit dem Ehrenschmatz, dann wird sich das übrige finden.“

Er schritt mit der Courtoisie eines Höflings aus der Zeit Ludwig des Vierzehnten auf sie zu und küßte sie leise und höflich auf die Wange, dann aber sagt er:

„So, das war der Feldmarschall. Nun aber kommt der gute Gebhard Leberecht Blücher dran, der einmal sehen will, ob er nur um seinetwillen und nicht um des Marschalls willen einen herzhaften Kuß erhält. Was meinen Sie, Margotchen?“

„Oh, er ist so lieb und gut, daß er zwei erhalten soll, anstatt einen!“

Dies sagend, legte sie zutraulich, als ob er ihr Vater sei, die Arme um seinen Hals, drückte sich mit ungeheuchelter Zärtlichkeit an ihn und küßte ihn ein-, zwei-, dreimal so herzhaft, wie er es gewünscht hatte, auf die Lippen.

„Alle Wetter“, sagte er, „das war eine Delikatesse, wie sie unsereiner jetzt so oft nicht mehr findet!“

Seine Augen glänzten feucht vor Rührung. Er hielt sie noch bei dem Händchen fest und fragte:

„Kam das wirklich aus dem Herzen, du kleine, süße Hexe?“

„Ja, Exzellenz“, beteuerte sie.

„Nun, dann habe Dank, meine Tochter! Du hast mir altem Kerl eine Freude gemacht, so groß, wie du es gar nicht denkst. Ich werde euch nicht vergessen und erwarte, daß ihr an mich denkt, wenn ihr einmal einen tüchtigen Jungen habt, zu dem Ihr einen Paten braucht. Wenn der alte Blücher Pate steht, so wird wohl unser Herrgott Einsehen haben und einen ganz besonderen Segen darauf legen, da ich armer Teufel doch nichts geben kann als mein Ja und Amen! Nun aber ist mein Geschäft hier beendet, und ich habe noch anderes zu tun, wobei ich leider keinen Kuß zu erwarten habe. Wie steht es, mein Junge, du bleibst doch noch hier?“

Königsau war mit Blücher gekommen; es wäre der größte Verstoß gewesen, wenn er ihn jetzt hätte allein gehen lassen; daher sagte er, obgleich er am liebsten noch recht lange bei der Geliebten geblieben wäre:

„Wenn Exzellenz erlauben, schließe ich mich Ihnen an. Auch ich habe noch Dienstliches zu tun.“

„So mache es rasch ab! Der Dienst hier bei der Herzdame wird dir doch wohl der angenehmste sein, und ich hoffe, daß du dir nichts zuschulden kommen läßt!“

Königsau mußte Margot versprechen, am Abend wiederzukommen; dann verabschiedeten sich die beiden von den Damen, welche die Ehre, den berühmten Feldmarschall bei sich gesehen zu haben, sehr wohl zu schätzen wußten.

Als die beiden Offiziere aus dem Vorsaal traten, öffnete sich die gegenüberliegende Tür, und der Kapitän erschien; er stand im Begriff, seine Wohnung zu verlassen, fuhr aber wieder zurück, als er die beiden bemerkte. Er hatte sich dabei so wenig in der Gewalt, daß sein Gesicht die ganze Fülle des Hasses zeigte, welcher ihn gegen den Lieutenant von Königsau erfüllte.

Als dieser mit Blücher die Straße erreicht hatte, fragte ihn der letztere:

„Hast du den Blick gesehen, welchen der Franzmann auf dich warf, mein Junge?“

„Ja.“

„Nun, was sagst du dazu?“

„Nichts. Dieser Kerl geht mich nichts an!“

„Nimm es nicht so leicht!“ warnte Blücher.

„Er kann mir nichts anhaben.“

„In offener, ehrlicher Weise allerdings nicht, aber sein Gesicht gefällt mir ganz und gar nicht. Weißt du, was in seinen Augen zu lesen war?“

„Haß natürlich.“

„Haß und Rache, glühende Rachsucht. Mir scheint, daß du dich vor ihm in acht nehmen sollst. Dieser Mensch ist ein Bösewicht, das steht ihm an der Stirn geschrieben.“

„Exzellenz mögen recht haben“, sagte Königsau nachdenklich. „Er ist dem Baron bedeutende Summen schuldig, und dieser scheint geneigt gewesen zu sein, sie ihm zu schenken, falls er Margots Hand erhält. Aus dem Gespräch, welches ich belauscht habe, geht das deutlich hervor. Ja, der Baron wollte ihm sogar noch eine bare Summe auszahlen, obgleich ich es kaum glaube, daß er ein ehrliches Spiel mit ihm treibt.“

„Nun, so schließe einmal weiter! Ich will sehen, ob du nicht auf den Kopf gefallen bist.“

„Der Baron drohte vorhin, ihm die Wechsel zu präsentieren. Tut er das, so kommt der Kapitän in das Schuldgefängnis und muß aus der Armee treten. Er wird alles aufbieten, diese Schande zu vermeiden.“

„Und auf welche Weise kann dies am sichersten geschehen?“

„Dadurch, daß er mich zur Seite räumt.“

„Ja, nur dadurch. Du bist also doch der Dümmste nicht, mein Junge. Seine Augen funkelten wie Katzenaugen, und sein Schnurrbart zog sich in die Höhe, als ob du gebissen werden solltest. Der Kerl plant Schlechtes, er will dir an den Kragen, das war ja ganz deutlich zu sehen. Nimm dich in acht. Du willst heute abend wirklich zu deinem Schatz?“

„Ja.“

„Nun, so gehe ja nicht unbewaffnet.“

Sie trennten sich, und Königsau schritt nach seiner Wohnung, heimlich über den Alten lachend, der da mitten auf dem Trottoir vor der Tür hatte wissen wollen, auf welche Weise er seine Liebeserklärung gemacht habe.

Die Warnung Blüchers ging ihm durch den Kopf. Er vergegenwärtigte sich im stillen noch einmal die ganze Situation; er dachte an das Gesicht, welches der Kapitän gezeigt hatte, und mußte sich sagen, daß daraus die offenste Mordlust zu lesen gewesen war. Er nahm sich vor, höchst vorsichtig zu sein. Die Bevölkerung von Paris war den Deutschen nicht hold; es kamen täglich kleinere Tumulte und Kundgebungen vor, die Sicherheit war eine zweifelhafte; er sandte, als er nach Hause gekommen war, seinen Diener zu einem befreundeten Offizier von den Kürassieren, um anzufragen, ob dieser ihm für heute abend seinen Panzer leihen wolle. Der Betreffende hatte zwar verwundert gelächelt, aber das Verlangte doch ganz bereitwilligst hergegeben.

Als Königsau später zu der Geliebten ging, trug er Zivil, um nicht sogleich erkannt werden zu können, dazu den Küraß unter dem Mantel und eine geladene Pistole in der Tasche. Auch machte er einen Umweg und erreichte so von der anderen Seite die Straße, in welcher die beiden Damen wohnten.

Auf dem Vorsaal brannte eine Lampe. Beim Schein derselben glaubte er zu gewahren, daß die Tür, hinter welcher sich die Wohnung des Kapitäns befand, um eine ganze schmale Lücke offen stehe, und es war ihm, als ob er ein von innen fest an diese Lücke gedrücktes Auge auf sich funkeln sehe. Er vermied jedoch, dies näher zu untersuchen, da er nicht wissen lassen wollte, daß er auf seiner Hut sei.

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