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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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Er klingelte und wurde eingelassen. Margot kam ihm entgegengeeilt und bewillkommnete ihn mit einem herzlichen Kuß. Während der innigen Umarmung fühlte sie die harte Schutzwehr unter seinem Mantel. Sie legte die Hand darauf, blickte ihn erschrocken an und fragte in ängstlichem Ton:

„Was ist das, Hugo?“

„Nichts, mein Kind“, antwortete er beruhigend; „nur ein Panzer.“

„Ein Panzer? Warum legst du ihn an?“

„Du brauchst keine Sorge zu haben, mein Herz. Ich sollte ihn für einen Freund, welcher bei den Kürassieren steht, aus der Reparatur mitbringen, und ich habe ihn nur deshalb angelegt, weil es zu unbequem gewesen wäre, ihn in der Hand zu tragen.“

Er schien seinen Zweck erreicht zu haben, wenigstens sagte sie kein Wort, welches einen Zweifel verraten hätte. Aber die Liebe sieht scharf, und ein Weib ist oft viel scharfsinniger als ein Mann; es errät auf der Stelle, was der Mann erst nach längerem Sinnen, Schließen und Grübeln erreicht.

Königsau legte im Vorzimmer Mantel, Panzer und Hut ab und trat in den Salon. Kaum jedoch befand er sich mit der Mutter in angeregtem Gespräch, so verließ Margot die beiden und suchte das Dienstmädchen auf; sie erkundigte sich bei ihm:

„Ist mein Bruder zu Hause?“

„Bis jetzt war er da; aber soeben hörte ich ihn gehen“, lautete die Antwort.

„Hast du ihn sicher gehört?“

„Ja.“

„Es kann jemand anderer gewesen sein. Gehe hinüber und überzeuge dich!“

Die Dienerin hatte die Wohnung des Kapitäns mit in Ordnung zu halten; darum besaß sie einen Schlüssel zu derselben, da sie ihre Arbeiten nur in seiner Abwesenheit besorgen durfte. Sie ging hinüber und kehrte bald darauf mit der Nachricht zurück, daß der Kapitän wirklich gegangen sei. Er hatte sich überzeugt, daß der Deutsche gekommen sei, und da es ihm zu langweilig erschien, einsam zu warten, bis dieser das Haus verlassen werde, so hatte er es vorgezogen, einstweilen ein Café aufzusuchen und dann sein Opfer auf der Straße zu erwarten und zu überfallen.

Margot nahm jetzt den Schlüssel und ein Licht und begab sich nach der Wohnung des Stiefbruders. Wie von einer Eingebung getrieben, durchschritt sie mit dem sie begleitenden Mädchen das vordere Gemach und trat in die zweite Stube, in welcher der Kapitän zu arbeiten pflegte. Sie leuchtete mit dem Licht an die Wand, an welcher die Waffen hingen, und bemerkte einen leeren Nagel. Sie konnte sich nicht sofort besinnen, was hier gehangen hatte, und sie fragte darum das Mädchen:

„Du pflegst auch diese Waffen abzustauben?“

„Ja.“

„Kennst du sie alle?“

„Ich glaube. Ich habe sie ja sehr oft in den Händen gehabt.“

„Besinne dich, was an diesem leeren Nagel gehangen hat!“

Die Gefragte blickte ihre Herrin an, einigermaßen befremdet darüber, daß diese sich so plötzlich um die Waffensammlung des Bruders bekümmere, sann aber doch einige Zeit nach und antwortete dann im Ton des Überlegens:

„Ich weiß es für den Augenblick wirklich nicht genau; aber warten Sie, Mademoiselle! Hier die Flinten, da die Pistolen, dort die Degen und dann die Jagdmesser und – ah, ich habe es! Hier hing ein Dolch.“

„Ein Dolch?“ fragte Margot, welche ihr Erschrecken kaum verbergen konnte.

„Ja, ein Dolch, dessen Griff von schwarzem Holz, die Klinge aber von Glas war. Ich habe mich oft darüber gewundert, warum man solche Dinge aus Glas und nicht aus Eisen gemacht hat. Das Glas ist ja so sehr leicht zerbrechlich.“

„Ja, er hatte einen venezianischen Dolch“, sagte Margot. „Komm, es ist gut!“

Sie wußte gar wohl, warum man diese Klingen von Glas macht. Sobald die Spitze auf den Knochen trifft, bricht sie ab, und die Wunde wird dadurch doppelt gefährlich, vielleicht sogar absolut tödlich. Warum hatte der Bruder diesen Dolch mit sich genommen? Sie erriet es. Sie wußte, daß er kein Herz, kein Gemüt hatte; sie kannte ihn als einen harten Egoisten, der selbst ein Menschenleben nicht schonen würde, wenn dasselbe seinen Zwecken im Weg stand. Er hatte seine kalte, allen Gefühlen bare Herzlosigkeit ja schon bereits in seinem Verhalten gegen sie und die Mutter bewiesen.

Als sie drüben wieder die eigene Wohnung betrat, forschte sie vergebens in den edlen Zügen des Geliebten. Sie konnte nicht das mindeste Zeichen von Angst oder Besorgnis in ihnen entdecken. Sie gaben nur den frohen Ausdruck des unendlichen Glücks wieder, welches sein Inneres erfüllte, und sein Auge lachte ihr so offen und unbefangen entgegen, daß sie beinahe überzeugt war, sie allein sei es, welche erraten habe, in welcher Gefahr er stehe.

Sollte sie ihn warnen? Sollte sie eine frohe, glückliche Stimmung vernichten? Sollte sie vielleicht ohne allen Grund und alle Ursache ihren Bruder, der so schon in so tiefem Mißkredit stand, auch noch in den Verdacht des Meuchelmordes bringen? Sollte sie glauben, daß Königsau ihr wirklich die Wahrheit gesagt habe und den Panzer nur zufällig trage? Oder hatte er, ohne daß sie wußte, auf welche Veranlassung hin, ganz denselben Verdacht geschöpft, den auch sie hegte? Hatte er es vorgezogen, ihr davon keine Mitteilung zu machen, weil er sie nicht beängstigen wollte? Diese Fragen gingen durch ihre Seele, während sie sich möglichst heiter mit ihm unterhielt, um ihre Unruhe zu verbergen.

Aber da kam ihr ein Gedanke. Hatte Königsau wirklich Verdacht geschöpft, so trug er nicht nur den Panzer, sondern jedenfalls noch eine andere Waffe bei sich. Es ergab sich sehr bald ein Grund, sich zu entfernen, und so griff sie im Vorzimmer in die Taschen seines Mantels, welcher dort hing. Sie waren leer. Bereits wollte sie sich beruhigen, da aber dachte sie daran, daß er eine Verteidigungswaffe wohl kaum in den Mantel stecken werde, den er überwarf, und dessen Taschen also nur unbequem zu erreichen seien. Eine Waffe steckt man nur dahin, wo man sie augenblicklich ergreifen kann.

Darum kehrte sie in den Salon zurück, ohne ganz befriedigt zu sein; aber als er einmal neben ihr stand und seinen Arm um sie legte, lehnte sie ihr Köpfchen zärtlich an seine Schultern und fuhr leise und wie liebkosend an seiner Brust herab. Ja, da fühlte sie es. In seiner Brusttasche, welche sehr tief zu sein schien, stak eine Pistole. Sie fühlte die Umrisse desselben ganz genau, ohne daß er es bemerkte, wie ihre Hand mehrere Male leise tastend zu dieser Stelle zurückkehrte.

Jetzt nun wußte sie, daß er ihren Verdacht teilte, und nun trieb es sie, zu sprechen. Sie pflegte vor ihrer Mutter kein Geheimnis zu haben, und so ließ sie sich von der Gegenwart derselben nicht beirren. Sie legte die Hand an seine Tasche und fragte:

„Was hast du hier verborgen, lieber Hugo?“

Er bemerkte erst jetzt, worauf ihre Aufmerksamkeit gerichtet gewesen war; er konnte eine kleine Verlegenheit nicht verbergen, antwortete aber anscheinend unbefangen:

„Hier in dieser Tasche? Das ist meine Pistole, Kind.“

„Eine Pistole? Warum hast du sie bei dir?“

„Aus bloßer Gewohnheit. Du wirst glauben, daß wir Offiziere gewöhnt sind, Waffen zu führen, zumal in einer Stadt, welche wir erobert haben, und deren Bewohner uns infolgedessen wohl nicht sehr freundlich gesinnt sein werden.“

„So hegst du Besorgnis?“

„Das eigentlich nicht, aber wir stehen auf dem Kriegsfuß und sehen uns vor, selbst wenn wir Zivil angelegt haben. Du weißt ja, daß ihr selbst bei der Demonstration letzthin in Gefahr gekommen seid. Und wieviel mehr müssen wir, die Feinde, Veranlassung haben, auf der Hut zu sein.“

„Denkst du dabei an eine bestimmte Persönlichkeit?“

„Nein, Margot.“

Er gab sich Mühe, so aufrichtig wie möglich zu erscheinen, und es gelang ihm dies ziemlich gut, so daß sie wirklich annahm, daß er aus allgemeiner Vorsicht die Waffe zu sich gesteckt habe. Aber sie war dennoch nicht vollständig befriedigt und fragte:

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