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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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„Ah, Besuch, Mama!“

„Allerdings Besuch, mein Sohn“, antwortete sie so unbefangen wie möglich; „und zwar höchst lieben und ehrenvollen Besuch. Feldmarschall von Blücher, Exzellenz, und der Herr Lieutenant von Königsau – mein Sohn.“

Mit diesen Worten stellte sie die drei Herren einander vor. Blücher zog mit einem eigentümlichen Lächeln die Spitzen seines Schnurrbartes aus, und Königsau nahm von der Vorstellung nur mit einem kurzen, stolzen Kopfnicken Notiz. Dieser Mangel an Höflichkeit gab dem Zorn des Kapitäns neue Nahrung. Er sagte:

„Ich habe nicht gewußt, daß Deutsche bei dir Zutritt haben!“

„Die Herren haben mich überrascht, und zwar in freudigster Weise. Du siehst in Herrn von Königsau nicht nur den Mann, welcher deine Wohnung verteidigte, sondern auch den Bräutigam deiner Schwester.“

„Du sagst mir da etwas ganz Unbegreifliches. Ich entsinne mich nicht, irgend jemanden mit der Verteidigung meiner Wohnung beauftragt zu haben, und bin also keinem Menschen dafür Dank schuldig. Und was den anderen Punkt betrifft, so darf ich doch wohl annehmen, eine gültige Stimme zu besitzen, falls es sich um eine Lebensgestaltung meiner Schwester handelt.“

Das klang herausfordernd; dennoch sagte die Mutter in mildem Ton:

„Ich will dir nicht widersprechen, zumal ich vollständig überzeugt bin, daß du nicht anstehen wirst, Margots Wahl zu billigen.“

„Und wenn ich sie nun nicht billige, Mama?“ fragte er mit Nachdruck.

„Das würde uns zwar betrüben, doch nichts an der Tatsache ändern.“

Da trat er einen Schritt vor und sagte im zornigsten Ton:

„Es gilt doch den Versuch, ob wirklich nichts zu ändern wäre. Hast du gewußt, daß ich diese beiden Herren kenne?“

„Ja.“

„Und daß sie mich beleidigt haben?“

„Nein, sondern daß du sie beleidigt hast.“

„Streiten wir uns nicht über Ansichten. Ich höre, daß du unser Zerwürfnis kennst und dennoch meine Gegner nicht nur bei dir empfängst, sondern in ihrem Interesse sogar über die Hand Margots verfügst. Ich lege mein Veto ein und erkläre die Verlobung für null und nichtig!“

Da trat Margot auf ihn zu und sagte in zwar milder, aber doch fester Weise:

„Du scheinst die Verhältnisse nicht richtig zu beurteilen, Albin. Es mag sein, daß dir eine mitberatende Stimme zusteht, wenn es sich um eine Neugestaltung meines Schicksals handelt; aber höre wohl, nur eine mitberatende, und auch nur soweit, als ich es in schwesterlicher Rücksicht dir gestatte. Zu befehlen hast du mir jedenfalls geradesowenig, als ich dir zu gehorchen habe –“

„Ah, ich werde dich vom Gegenteil überzeugen!“ unterbrach er sie.

„Versuche es“, antwortete sie; „ich werde dies sehr ruhig abwarten. Über meine Hand habe ich allein zu bestimmen. Du hast sie zum Gegenstand eines niedrigen Schachers machen wollen und Mutter und mich als deine Sklavinnen betrachtet, welche du verkaufen kannst. Es ist dir nicht gelungen, wir sind frei, und es ist für dich am klügsten, die bestehenden Tatsachen einfach anzuerkennen.“

„Meinst du?“ hohnlächelte er. „Sage mir zunächst, wem diese Wohnung gehört?“

„Doch uns.“

„Nein. Wer hat sie gemietet?“

„Du.“

„Gut, ich bin also der Besitzer. Es hat kein Mensch das Recht, ohne meine Erlaubnis Zutritt zu nehmen. Meine Herren, ich ersuche Sie, diese Räume zu verlassen. Setzen Sie sich nicht der Gefahr aus, wegen Hausfriedensbruchs belangt zu werden.“

Da stieß Blücher ein laut schallendes, herzliches Gelächter aus.

„Alle Teufel, das klingt gefährlich! Der alte Blücher vor Gericht als Hausfriedensbrecher! Wie er sich da wohl ausnehmen würde! Hören Sie, machen Sie sich doch um Gottes willen nicht so unendlich lächerlich, sondern vernehmen Sie, was ich Ihnen in aller Güte zu sagen habe.“

„Ich mag nichts hören!“ klang die Antwort.

„So werden Sie fühlen müssen!“

„Ah! Was?“

„Das ist es eben, was ich Ihnen sagen will, und was Sie doch wohl anhören werden müssen. Ihre häuslichen Verhältnisse gehen mich nichts an; ob Sie Herr Ihrer Schwester und Herr dieser Wohnung sind, das ist mir auch ganz egal; nicht egal aber ist es mir, wenn Sie fortfahren, mich zu beschimpfen und zu beleidigen. Sie verlangen von mir, diese Räume zu verlassen, und ich stelle als Antwort das gleiche Verlangen an Sie. Sie haben mich öffentlich beschimpft; Sie haben ebenso öffentlich die deutsche Nation beleidigt; es kostet mich ein einziges Wort, einen einzigen Wink, Sie in Untersuchungshaft zu bringen und verurteilen zu lassen. Sie haben diesem Herrn die Genugtuung verweigert und sind infolgedessen von ihm geohrfeigt worden. Ein Wort von mir an Ihr Generalkommando, so werden Sie aus dem Heer ausgestoßen und infam kassiert. Sie sind mir gegenüber ein Zwerg; ich habe es verschmäht, mich mit Ihnen herumzuhudeln, nun Sie aber selbst hier nicht Verstand zeigen, so muß ich Ihnen denselben beibringen. Verlassen Sie dieses Zimmer sofort, sonst gebe ich Ihnen mein Ehrenwort, daß Sie in einer Stunde sich in Untersuchungshaft befinden und in einigen Tagen aus der Armee gestoßen werden. Noch sind wir Deutschen Herren von Paris, und ich habe ganz und gar nicht die Absicht, einen kleinen Kapitän glauben zu lassen, daß wir uns vor ihm fürchten!“

Eine solche Zurechtweisung hatte der Kapitän nicht erwartet. Er zögerte einige Augenblicke, zu antworten, da er sich aber nicht sofort ergeben wollte, sagte er dann:

„Welcher von uns beiden Feldmarschall ist und welcher Kapitän, das ist gleichgültig. Wir stehen uns Mann gegen Mann gegenüber, und da fürchte ich Sie nicht!“

„Gehen Sie!“ gebot Blücher, indem er mit der Hand nach der Tür zeigte.

„Ich wiederhole, daß ich als Bruder –“

„Hinaus!“ unterbrach ihn der Alte.

„Daß ich als Bruder das Recht habe, über meine Schwester zu –“

„Hinaus!“

Dieses letzte ‚Hinaus‘ war in einem Ton gerufen, gegen welchen es absolut keinen Widerstand gab. Diese zwei Silben waren nicht etwa überlaut gebrüllt, aber sie drangen durch Mark und Bein; sie hatten einen so entschiedenen, schneidigen Ton, daß es dem Franzosen war, als ob er mit Fäusten ergriffen und aus dem Zimmer gestoßen werde. Er öffnete die Tür und ging. Er hatte nur von dem Eindruck, welchen der Befehl des Marschalls machte, die furchtsamen Bewegungen eines Wesens, welches mit Füßen aus der Tür gestoßen wird. Aber draußen, in dem Vorsaal angekommen, ballte er die Hand, erhob sie drohend rückwärts und knirschte:

„Das will ich euch eintränken, das sollt ihr mir büßen! Diese Blamage sollt ihr mir so teuer bezahlen, daß euch Hören und Sehen vergehen wird.“

Richemonte trat in seine Wohnung, in welcher ihn der Baron erwartete. Dieser bemerkte die Erregung, welche auf dem von Zorn verzerrten Gesicht zu lesen war, und fragte:

„Ah, hat man es mit Ihnen ebenso gemacht wie mit mir? Diese Deutschen haben den Platz behauptet, wie ich sehe?“

„Wie wollen Sie dies sehen?“ fragte der andere ergrimmt.

„Nun“, lachte der Baron, „Sie haben ja ganz das Äußere eines Schulknaben, welcher die Rute erhalten hat. Das bemerkt man, ohne Menschenkenner zu sein.“

„Holte Sie der Teufel!“ fluchte Richemonte.

„Ist dies wirkliche Ihre Meinung?“ klang die boshafte Frage.

„Ja, ganz ernstlich.“

„Nun, so will ich, ehe er mich holt, meine irdischen Angelegenheiten in Ordnung bringen, so wie es sich für einen Geschäftsmann schickt und ziemt. Hier, lieber Freund, habe ich einige Papiere, in welche Einsicht zu nehmen ich Sie bitte.“

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