Im Auftrag Seiner Majestät
- Автор: Май Карл
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Im Auftrag Seiner Majestät». Краткое содержание книги:
Da legte Königsau den Arm um Margot und sagte:
„Madame, die Liebe fragt nie nach der Zeit; sie kommt, sie ist da, plötzlich, vollständig und allmächtig; man kann ihr nicht widerstehen. Ich habe erkannt, daß Margot mein Herz, mein ganzes Leben gehört. Sie ist Ihr bestes, Ihr einziges Gut, Madame; ich komme nicht, es Ihnen zu rauben, sondern es soll Ihnen gehören für immerdar; nur sollen Sie zu der Tochter noch einen Sohn nehmen, dessen größte Aufgabe es sein wird, Sie beide glücklich zu machen.“
„Und du, Margot, du liebst ihn wirklich?“ fragte die Mutter ihre Tochter.
„Oh, wie sehr, Mama“, antwortete diese, indem sie den Geliebten innig umarmte. „Er hat sein ganzes Vermögen geopfert, um uns zu retten!“
„Dann kann ich die Summe nicht annehmen“, sagte die Mutter.
„Du irrst, Margot“, fiel Königsau ein. „Ich habe kein Opfer zu bringen; ich brauche meine Besitzung nicht zu verkaufen, wie ich noch gestern für nötig hielt. Ich werde dir später erzählen, wie ich in den Besitz dieser Summe gekommen bin; aber Exzellenz wird mir beistimmen, daß Mama alles nehmen kann, ohne mir den mindesten Schaden oder Verlust zuzufügen.“
„Ja, das bestätige ich“, sagte der Fürst. „Dieser verteufelte Junge ist zu dem Geld gekommen wie Adam zur Eva, nämlich geradezu im Schlaf. Er kann es verschenken, oder zum Fenster hinauswerfen, ganz wie es ihm gefällig ist und ohne daß er sich dann eine Entbehrung aufzulegen braucht.“
„Aber eine solche Summe, Herr Lieutenant!“ sagte sie. „Ich muß Ihnen sagen, daß es mir unmöglich sein wird, sie Ihnen zurückzuerstatten.“
„Diese Summe hat für mich ja nicht den Wert, welchen ich auf ihre Freundschaft lege“, antwortete Königsau. „Wenn Sie die Güte haben wollen, unsere Liebe zu billigen, so erhalte ich von Ihnen ein Glück, welches ich für Millionen nicht verkaufen möchte. Ich bleibe also Ihr Schuldner und bitte Sie von ganzem Herzen, mit dem, was ich Ihnen so herzlich gern biete, Ihren Gläubiger zu befriedigen und sich von der Sorge zu befreien, welche Ihnen bisher das Leben in so arger Weise verbittert hat.“
Da reichte sie ihm die Hand und sagte, mit Tränen der Rührung und Freude in den Augen:
„Sie sind ein edler Mann, Herr von Königsau, und es wäre eine große Undankbarkeit von mir, Sie dadurch zu betrüben, daß ich Ihr Anerbieten zurückweise. Ich nehme es also an und lege Ihnen dafür mein liebes, mein einziges Kind an das Herz. Gott segne Sie und lasse Sie das Glück finden, welches ich täglich für Sie von ihm erbitten werde. Ich werde Ihnen, da Sie keine Eltern mehr haben, eine treue Mutter sein und mich reich fühlen, neben der Tochter einen Sohn zu besitzen, wie Sie es sind.“
Sie legte die Hände der beiden zusammen und segnete sie. Margot umschlang sie innig und vergoß Tränen des Glücks, Königsau fühlte, daß er heute eine Seligkeit erobert habe, wie sie größer auf Erden nicht geboten werden kann; Blücher aber sagte:
„Kinder, nehmt auch meinen Segen; er wird vielleicht nicht viel wert sein, aber Schaden kann er euch wohl auch nicht bringen. Sie aber, Moßieh Edelmann, haben nun gesehen, wie ihre Angelegenheit steht. Sie sind überflüssig. Nehmen Sie das Geld, geben Sie die Wechsel heraus, und dann verschwinden Sie hinter den Kulissen, sonst passiert etwas, was Ihnen schon längst hätte passieren sollen.“
Die Augen des Barons funkelten vor Grimm. Er steckte das Geld zu sich und sagte:
„Ah, Sie glauben, gesiegt zu haben? Sehen Sie sich vor, daß Sie sich nicht irren. Was ich einmal erlangen will, das pflege ich nicht so leicht aufzugeben. Noch ist Margot nicht die Frau eines Deutschen. Man wird sehen, was die Zukunft bringt.“
„Was, du willst noch drohen!“ rief Blücher, indem er auf ihn zutrat. „Trappe schleunigst ab, sonst zeige ich dir das Loch, Moßieh Schurke!“
Der Franzose warf die Wechsel wütend in die Stube und ging. Er sah ein, daß gegenwärtig nichts mehr zu tun sei, aber er nahm sich vor, das Spiel noch nicht aufzugeben. Als er die Treppe hinabstieg, kam ein anderer dieselbe herauf. Es war der Kapitän, Margots Stiefbruder.
„Ah, Sie hier, Baron?“ fragte der letztere. „Wollen Sie zu mir?“
„Ich war bei Ihrer Mutter“, lautete die Antwort.
Die Worte wurden wie atemlos und in einem Ton gesprochen, welcher dem Kapitän auffallen mußte; darum fragte er:
„Was haben Sie? Ist Ihnen etwas Unangenehmes begegnet?“
„Nein, o nein, sondern im Gegenteil etwas sehr Angenehmes!“
„Was? Sie sind ja ganz und gar echauffiert.“
„Ihre Mutter hat mich bezahlt.“
„Bezahlt?“ meinte Richemonte erstaunt. „Unmöglich!“
„Nicht möglich, sondern wirklich. Ich habe soeben mein Geld erhalten.“
„Alles?“
„Alles!“
„Sie foppen mich! Woher will Mutter hundertundfünfzigtausend Franken nehmen?“
„Von dem Liebhaber ihrer Tochter.“
„Unsinn! Margot hat keinen Liebhaber.“
„Gehen Sie hinein, wenn Sie Lust haben, ihre Verlobung zu feiern!“
Der Kapitän blickte den anderen forschend an.
„Wie kommen Sie mir vor, Baron“, sagte er. „Verlobung? Sie sind doch nicht krank oder verrückt, sonst würde ich denken, daß Sie entweder im Fieber oder im Wahnsinn sprechen!“
„Ich bin auch im Fieber, aber im Fieber des Grimms und der Wut. Ich phantasiere trotzdem nicht, denn es ist die volle Wahrheit, daß Margot soeben verlobt worden ist.“
„Ah! Welch eine Nachricht! Verlobt, ohne mich! Mit wem denn?“
„Sie werden sich unendlich freuen, wenn Sie es hören. Raten Sie, Kapitän.“
„Pah, treiben wir keine Narrenspossen! Wer ist der Kerl?“
„Ein guter Bekannter von Ihnen.“
„Den Namen! Rasch!“
„Den kennen Sie bereits. Der Mann steht Ihnen sehr nahe, denn seine Hand ist bereits mit Ihren Wangen in eine sehr intime Berührung gekommen.“
Da stutzte der Kapitän.
„Sie wollen doch nicht sagen –“, meinte er. „Sprechen Sie von jenem Deutschen?“
„Ja.“
„Von dem Lieutenant von Königsau?“
„Ja.“
„Dieser Mensch ist bei meiner Mutter?“
„Versteht sich.“
„Er kennt Margot?“
„Er hat soeben um ihre Hand angehalten, und Ihre Mutter hat ihm das Jawort gegeben.“
Da fuhr der Kapitän zurück, als ob er ein Gespenst gesehen habe.
„Baron, Sie befinden sich dennoch im Delirium!“ rief er.
„Oh, ich bin im Gegenteil sehr bei Verstand. Sehen Sie sich die Szene doch selbst an!“
„Donnerwetter, Sie reden also doch die Wahrheit? Da muß ich allerdings schleunigst dazwischenplatzen wie eine Bombe. Ein jeder soll meine Schwester bekommen, nur dieser Mensch nicht! Er soll mir Rechenschaft geben, auf welche Weise er sie überlistet hat!“
„Sehr einfach! Er hat ihr das Geld gegeben, mich zu bezahlen.“
„Ah, von ihm ist es?“
„Von ihm.“
„So gehe ich gleich zu Mama. Hier ist mein Schlüssel, Baron. Treten Sie einstweilen bei mir ein; warten Sie auf mich. Ich bin überzeugt, daß ich Ihnen die Nachricht bringen werde, diesen Deutschen zur Treppe hinabgeworfen zu haben.“
SIEBENTES KAPITEL
Mordanschläge
Er sprang die Stufen hinauf und riß stürmisch an der Klingel der Vorsaaltür seiner Mutter, während der Baron sich die gegenüberliegende Wohnung öffnete. Das Dienstmädchen kam und schloß auf. Als es den Sohn seiner Herrin erblickte, wagte es nicht, ihn zurückzuweisen.
„Wo ist Mama?“
„Im Salon.“
„Gut.“
Er stürmte an dem Mädchen vorüber, riß die Tür auf und blieb erstaunt stehen. An dem einen Fenster stand Königsau in inniger Umschlingung mit Margot, und auf dem Sofa saß die Mutter mit – dem Feldmarschall Blücher. Das hatte der Kapitän nicht erwartet. Die Anwesenheit dieses Mannes legte einen Dämpfer auf seinen Vorsatz, als Herr der Situation aufzutreten. Er grüßte mit einer Verbeugung und sagte: