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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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„Ich glaube es, denn ich weiß, wie Sie fechten. Wenn er nun jetzt noch fiele?“

Der Gefragte blickte den Sprecher rasch an, dann sagte er:

„Sie meinen, daß ich ihn jetzt noch fordern solle? Das geht nicht, das ist unmöglich.“

„Ich meine etwas anderes“, meinte der Baron langsam und zögernd.

„Was?“

„Könnte dieser Mensch nicht fallen auch ohne Duell?“

Der Kapitän wurde blutrot im Gesicht. Er wandte sich rasch zum Fenster und blickte lange wortlos hinaus. Dann drehte er sich um, trat auf den Baron zu und fragte:

„Sie meinen, daß ich ihn hinterrücks töten soll?“

Der Gefragte lächelte überlegen, zuckte die Achseln und antwortete mit scharfer Betonung:

„Ich sage nichts, sondern ich meine nur folgendes: Der Weg zum Schuldturm ist Ihnen sicher; sollte aber bis morgen früh der Lieutenant Königsau gestorben sein, so vernichte ich die Hälfte Ihrer Akzepte. Die andere Hälfte folgt nach, sobald ich mit Ihrer Schwester verlobt bin.“

Die Augen des Kapitäns zogen sich zusammen, und sein Schnurrbart stieg in die Höhe, so daß es war, als ob er die Zähne fletschen wollte. Es war ganz dasselbe Mienenspiel, welches man auch noch in seinem Greisenalter auf Schloß Ortry an ihm beobachtete. Sein Gesicht hatte dabei das Aussehen eines wilden Tieres, welches mit dem Gebiß drohte.

„Das ist deutlich gesprochen, trotzdem Sie nichts sagen wollen“, meinte er schließlich.

„Ich bin zufrieden, wenn ich verstanden worden bin. Was antworten Sie?“

Da faßte der Kapitän den anderen beim Arm, blickte ihn finster an und fragte:

„Sie würden Wort halten in Beziehung der Wechsel?“

„Ja.“

„Und Sie glauben, des Sieges bei meiner Schwester sicher zu sein, falls dieser Königsau stirbt?“

„Vollständig sicher.“

„Gut, abgemacht! Dieser Mensch ist erstens ein Deutscher und zweitens mein Feind. Er soll mir und Ihnen nicht länger im Weg stehen.“

„Wie wollen Sie es anfangen?“

„Nichts leichter als das. Er wird natürlich den Abend bei seiner Braut verbringen.“

„Jedenfalls.“

„Liebende sollen sich sehr viel zu sagen haben. Er wird also sehr spät nach Hause gehen.“

„Dies ist vorauszusehen.“

„Nun gut; er wird zwar nach Hause gehen, aber nicht nach Hause kommen.“

Der Baron nickte schadenfroh. Der Überfall mochte enden, wie er wollte, so hatte er dann den Kapitän in der Hand, mehr noch als jetzt. Er sagte, scheinbar besorgt:

„Ich bin mit Ihnen zufrieden, habe aber zu Ihrem Besten eine Bemerkung zu machen.“

„Reden Sie!“

„Es gibt Fälle, in denen es sehr geraten erscheint, eine Verkleidung anzulegen.“

„Pah!“ sagte der Kapitän in wegwerfendem Ton. „Sie scheinen mich für einen Dummkopf zu halten. Ich weiß ebensogut wie Sie, was geraten ist oder nicht.“

„Nun gut, so sind wir also einig.“

„Ich hoffe es.“

„So kann ich Sie verlassen. Wo und wann werde ich das Resultat erfahren?“

„Kommen Sie heute abend nach unserem Kaffeehaus. Sie werden mich da früher oder später sehen. Auf alle Fälle hoffe ich, in Ihnen einen Zeugen zu finden, mit dessen Hilfe es mir möglich ist, mein Alibi und also meine Schuldlosigkeit zu beweisen.“

„Ich stehe gern zu Diensten und hoffe, daß unser Plan Erfolg haben wird. Adieu, Kapitän!“

„Adieu, Baron!“

Der Baron ging. Er hegte die feste Überzeugung, daß der Kapitän das seinige tun werde, die Mißachtung, mit welcher man sie beide behandelt hatte, zu rächen. Derselbe blieb in seinem Zimmer zurück, schritt eine Zeitlang in demselben auf und ab und trat dann in ein Nebengemach, in welchem er zu arbeiten pflegte. Diese Arbeit bestand allerdings nur in der Anfertigung eines Briefes oder in dem flüchtigen Durchblättern irgendeines Romanes. Dort hingen verschiedene Waffen an der Wand.

Der Kapitän nahm eine Pistole herab, untersuchte dieselbe und murmelte dabei:

„Es ist die beste, welche ich habe. Mit ihr habe ich noch keinen Fehlschuß getan. Sie würde mich auch heute nicht verlassen. Soll ich mich ihrer bedienen? Hm! Es ist viel Lärm bei solch einem Schuß, und das könnte gefährlich werden. Nein!“

Er hing sie wieder an den Nagel und griff nach einer Stockflinte, welche daneben hing.

„Diese Windbüchse machte kein Geräusch; es wäre besser, sie zu nehmen, auch schießt man aus ihr öfters, ohne laden zu müssen, aber leider ist sie nicht zuverlässig. Nein, auch sie nicht; ich muß sichergehen, denn der Kerl darf mir auf keinen Fall entkommen.“

Er hängte die heimtückische Waffe wieder an die Wand und suchte weiter.

„Ah, da ist ein alter venezianischer Banditendolch! Er ist scharf und spitz und aus dem besten Glas gemacht. Beim Stoß bricht die Spitze ab und bleibt in der Wunde stecken, so daß eine Heilung unmöglich ist, wenn nicht eine sehr schwierige und geschickte Operation das Opfer von dem tödlichen Glas befreit. Ein fester und kräftiger Stoß genügt. Diese Waffe ist sicher und still. Kein Laut erschallt, sie werde ich nehmen und keine andere.“

Während er in dieser Weise überlegte, wie er seinen Feind am sichersten töten könne, befand sich dieser in der glücklichsten Stimmung bei der Geliebten. Er stand wieder mit ihr am Fenster und hielt sie innig umschlungen, indes der Marschall bei der Mutter saß und sich mit ihr von seinen und ihren Erlebnissen unterhielt. Der Alte konnte sehr liebenswürdig sein, wenn er wollte, und heute war er es im höchsten Grad. Die drei anderen waren über ihn entzückt; er selbst sprach sich immer tiefer in die beste Stimmung hinein und sagte endlich, einen Blick auf das schöne Mädchen werfend:

„Sehen Sie einmal hin, Madame! Da stehen die beiden und halten sich fest, als ob eine ganze Armee anmarschiert käme, um sie zu trennen. Aber so ist die Liebe, und so sind die jungen Leute! Na, erröten Sie nicht, Mademoiselle! Ich bin auch einmal jung gewesen. Jetzt aber freilich bin ich ein alter Eisbär geworden, um den sich keiner mehr bekümmern mag!“

Da faßte sich Margot ein Herz und antwortete:

„Exzellenz meinen doch nicht, daß nur die Jugend imstande sei, Liebe zu erwecken?“

„Ja, gerade dies meine ich, mein Kind.“

„Da haben Exzellenz sicher unrecht!“

„Meinen Sie? Können Sie mir Beweise bringen?“

„Ja. Es ist eine alte Erfahrung, daß es Damen gibt, welche für bejahrte Herren schwärmen können. Ich kenne einige meiner Freundinnen, deren Ideal nicht ein Jüngling, sondern ein gereifter Mann ist.“

Blücher nickte mit seinem schönen, ehrwürdigen Greisenhaupt und sagte:

„Ja, ich habe einmal mit einem Professor darüber gesprochen, der ein sehr berühmter Psychologe war. Ich glaube, dieses Wort bedeutet Menschenkenner oder Seelengrübler. Dieser Mann sagte, daß besonders unter jungen Damen, unter den sogenannten Backfischen, viele seien, welche am liebsten einen Mann mit grauen Haaren haben möchten. Später aber ändert sich diese Gesinnung und sie gehen doch in die Falle, welche ihnen ein junger, schmucker Jäger gestellt hat. Unsereiner muß sich also jetzt begnügen, für einen anderen Kastanien aus dem Feuer zu holen, wie zum Beispiel ich für den Lieutenant da.“

„So bin ich also die Kastanie?“ lachte Margot.

„Ja, und zwar eine Kastanie zum Anbeißen. Ich würde – ich möchte – hm, Donnerwetter, ich wollte, ich dürfte auch einmal anbeißen!“

„Exzellenz sehen aber gar nicht so bissig aus!“

„Meinen Sie?“ lachte er fröhlich. „Nun, da irren Sie sich sehr, und das werde ich Ihnen sogleich beweisen. Ein jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert, sagen wir Deutschen. Ich habe mich nun ganz fürchterlich abgemüht, um euch zusammenzubringen; belohnt muß ich also werden. Und was denkt ihr wohl, was ich verlangen werde?“

Margot errötete. Sie ahnte, was nun kommen werde.

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