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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Don Alfonso freute sich seiner schönen Töchter. Er war der alten Königin Ellinor dankbar, daß sie diese Verschwägerung mit Francien in die Wege geleitet hatte; es war gut, daß in dieser Zeit des großen Krieges die Verbundenheit der christlichen Fürsten gefestigt wurde. Er sah das nicht schöne, doch kühne und gescheite Gesicht seiner Ältesten, seiner Berengaria, sah mit einer kleinen Heiterkeit, doch auch mit leisem Ärger den unbändigen Hochmut darauf. Sie verschloß sich jetzt vor ihm noch strenger als früher. Sie verdachte es ihm, daß er »sich verlegen« hatte, sie fühlte sich sichtlich schon als Königin von Aragon und sah in ihrem Vater einen Mann, der ihr Erbe sträflich schlecht verwaltete.

Doña Leonor trug ein rotes Gewand aus schwerem Damast mit einem silbernen Saum, in den Löwen eingewirkt waren; sie wußte, dieses Kleid stand ihr nicht gut, aber heute legte sie’s darauf an, sich von ihren Töchtern überstrahlen zu lassen. Sie war stolz auf diese Töchter, von denen nun zweie auf hohen Thronen Europas sitzen werden. Die Welt wurde klein ohne die Länder, über welche sie, ihre Mutter, ihr Bruder, ihre Töchter Gewalt hatten.

Die alte Ellinor betrachtete mit harten, hellen Augen, die sich nichts vormachen ließen, ihre beiden Enkelinnen. Im stillen hatte sie bereits ein neues Projekt ausgedacht. Diejenige, die sie nicht nach Francien vergibt, wird sie auf den Thron von Portugal setzen; Portugal, infolge seiner guten Häfen, war wichtig für Engelland. Sie wog also: welche paßt besser nach Paris, welche nach Lissabon? Sie prüfte die beiden Mädchen mit fast ungeschliffener Gründlichkeit. Richtete unverblümte Fragen an sie, hieß sie näher kommen, um ihren Gang zu beobachten, hieß sie ein weniges singen, fragte sie aus lateinisch und provençalisch. »Nette Mädchen«, sagte sie schließlich zu Doña Leonor, doch so laut, daß jeder es hören konnte, »erfreuliche Prinzessinnen. Sie haben einiges von Alfonsos kastilischen Vätern, mehr von meinen Vätern von Poitou und merkwürdig wenig von den Plantagenets.« Dann wandte sie sich nochmals an die Infantinnen und fragte die ältere: »Wie heißt du doch, Prinzessin?« – »Urraca, Frau Großmutter und Königin«, erwiderte sie, und die andere sagte: »Ich bin Doña Blanca, Frau Königin.«

Später waren Ellinor, Alfonso und Leonor allein mit dem Bischof von Beauvais, dem Sondergesandten des Königs von Francien. »Welche hat dir besser gefallen, Hochwürdigster?« fragte Ellinor den Bischof. Höflich und vorsichtig antwortete der Prälat: »Jede verdient, Königin zu sein.« – »Das finde ich auch«, sagte Ellinor. »Aber da ist eines zu erwägen. In Francien wird man Schwierigkeiten haben, den Namen Urraca auszusprechen. Das mindert die Popularität dieser Infantin. Ich denke, wir geben deinem Erbprinzen Louis unsere Doña Blanca.«

So wurde entschieden. Kaum ein Tag verging, ohne daß der Hof von Burgos ein Fest zu Ehren der Dame Ellinor und der Neuvermählten gab. Die alte Königin zog sich besser an und richtete sich geschickter her als viele Damen, welche ihre letzten Jahre nicht im Gefängnis verbracht hatten, sondern in Kreisen, welche Stoffe, Kleider, Schmuck und Schminke gründlich studierten und diskutierten. Sie schritt im Tanz kundig und geschmeidig wie eine Junge. Sie hatte kennerische Freude an Speisen und Weinen. Sie saß gut zu Pferde und bewährte sich auf der Jagd. Auch wenn sie auf der Tribüne den Kampfspielen zuschaute, bezeigte sie Sachverständnis. Und unbestritten war ihr Urteil, wenn die Damen die Dichtungen der Troubadours und Conteurs zu werten hatten.

So viel Kraft sie brauchte für Jagd und Tanz und Fest und Lied, die Aufmerksamkeit und Energie, mit der sie den Anschluß der Allianz betrieb, wurde dadurch nicht geringer. Sie ging methodisch vor. Erst einmal hatten sich Don Alfonso und Don Pedro feierlich durch Unterschrift und Siegel verpflichten müssen, sich ihrem, Ellinor de Guiennes, Schiedsspruch zu fügen; sie hatte sich eine solche Erklärung auch von Doña Leonor und vorsichtshalber sogar von Doña Berengaria ausstellen lassen. Dann beschied sie die vornehmsten Räte der beiden Könige zu sich, jeden zunächst einzeln, stellte ihnen kurze, gescheite Fragen, konfrontierte die Minister, deren Aussagen und Meinungen einander widersprachen, erkundete, was immer zur Sache gehörte.

Berief einen Kronrat ein, alle Minister der Länder Aragon und Kastilien. Es fehlten nur Don Jehuda und Don Rodrigue; sie wurden in Toledo festgehalten durch die Verwaltung des Reiches.

»Ich gebe jetzt mein Arbitrium bekannt«, erklärte Ellinor. Sie nahm vor jenes alte, ehrwürdige Schriftstück, welches die Lehenshoheit Kastiliens über Aragon festsetzte, und entfaltete das nun gebrechliche, vergilbte Pergament, von welchem groß die beiden Siegel hingen und das alle sogleich erkannten. »Zuerst einmal«, verkündete sie, »erkläre ich das hier für ungültig. Non valet, deleatur«, und mit festen Händen zerriß sie das Pergament in zwei Fetzen. »Deletum est«, stellte sie fest.

Don Alfonso hatte seinerzeit, als Jehuda den König Heinrich zum Schiedsrichter vorschlug, dessen Urteil mit schlechtem Gewissen angerufen; Ellinor hingegen war ihm als die von Gott geschickte Richterin erschienen. Nun aber, da er sah, wie das teure Pergament, das ihm Macht gab über den Fant, vernichtet wurde, dieses berühmte, verhängnisvolle Schriftstück, um welches so viele Ritter und Pferde hatten sterben müssen, war ihm, als rissen die Hände dieser alten Frau an seinem lebendigen Leib.

Ellinor ging jetzt ein auf jene neunzehn wirtschaftlichen Streitfragen, von denen damals Jehuda erklärt hatte, ihre Entscheidung bestimme, welchem der beiden Länder die Vorherrschaft auf der Halbinsel zufallen werde. Auf den Sueldo genau grenzte sie Rechte und Pflichten Kastiliens und Aragons ab. Kastilien und Aragon hörten zu, bald zufrieden, bald unmutig.

Zuletzt verkündete die alte Fürstin ihr Urteil über die Ansprüche des Gutierre de Castro. Don Alfonso solle ihm eine Buße – sie vermied nicht das harte Wort – von zweitausend Goldmaravedi zahlen. Das war eine außerordentlich hohe Buße, die Hörer verbargen kaum ihre Erregung. »Andernteils«, fuhr Ellinor beiläufig fort, »bleibt jenes Castillo in Toledo, auf welches der Castro Rechte zu haben glaubt, Eigentum Don Alfonsos, beziehungsweise des Mannes, der es mittels gültigen Kaufvertrags erworben hat. Es bleibt Castillo Ibn Esra.« Doña Leonor konnte nicht verhindern, daß ihr Gesicht blaß wurde vor Empörung. Alfonso aber, der diesen Bescheid nicht zu erhoffen gewagt hatte, atmete erleichtert auf; es wäre ihm eine sehr unwillkommene Verpflichtung gewesen, dem Juden gerade jetzt das Castillo wegzunehmen.

»Ich denke, wir sind zu Ende«, sagte die Dame Ellinor. »Ich habe die einzelnen Schriftstücke ausarbeiten lassen und bitte die zuständigen Herren, sie ihren Königen zur Unterzeichnung vorzulegen. Es ist aber, was darin verfügt wird, durch meine Unterschrift unter dem Schiedsspruch schon heute Gesetz.«

Später – sie hatte die zornige Überraschung Doña Leonors sehr wohl bemerkt – erklärte sie ihr: »Du bist immer noch nicht klug geworden, kleine Tochter. Dir schwemmt noch immer Leidenschaft die Vernunft weg. Versuche doch zu begreifen, daß es der Gipfel der Torheit wäre, wenn wir, du und ich, dem Juden Krieg ansagten. Und wünschest du etwa, daß der Castro versöhnt werde? Sieh lieber zu, daß er auch in Zukunft dem Juden an den frech herausgestreckten Hals will.«

Sie wartete, bis sich ihre Worte in Leonor eingesenkt hatten. »Mach dir’s zum Grundsatz, Tochter von Kastilien«, mahnte sie dann, »einem Fordernden niemals alles zu geben, was er verlangt. So hab ich’s von der Mutter meines Heinrich gelernt, der hochseligen Kaiserin Mathilde. Sie hat mir’s eingeprägt: ›Wer von seinem Falken guten Dienst haben will, darf ihm den Fraß nicht geben, er muß den Fraß vor ihm baumeln lassen.‹ Laß das Castillo vor dem Castro baumeln, Doña Leonor.«

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