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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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»Sie wollen also Krieg«, sagte der Erste Konsul mit lauter Stimme, als hätte er die Antwort nicht gehört, wollte aber von allen Anwesenden gehört werden. »Wir haben einander zehn Jahre lang bekämpft, und Sie wollen, dass wir einander noch zehn Jahre länger bekämpfen! Wie konnte man sich zu der Lüge versteigen, Frankreich rüste? Man hat Europa belogen und der Welt Lügengeschichten erzählt! In unseren Häfen ankert kein einziges Kriegsschiff; alle diensttauglichen Kriegsschiffe wurden nach Santo Domingo geschickt. Das einzige vorhandene bewaffnete Schiff befindet sich in holländischen Gewässern, und jedermann weiß, dass es für Louisiana bestimmt ist. Es wurde das Gerücht verbreitet, zwischen Frankreich und England bestünden Meinungsverschiedenheiten. Ich weiß nichts davon; ich weiß nur, dass die Insel Malta nicht innerhalb der vereinbarten Zeitspanne geräumt wurde, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihre Minister der englischen Loyalität untreu werden wollen, indem sie sich weigern sollten, einen Vertrag einzuhalten. Ebenso wenig will ich glauben, dass Sie mit Ihrem Rüsten das französische Volk einzuschüchtern gedächten. Man kann es töten, Milord, aber einschüchtern? Niemals!«

»General«, warf der Botschafter ein, völlig benommen von diesem Ausfall Bonapartes, »es ist unser höchstes Bestreben, in gutem Einvernehmen mit Frankreich zu leben.«

»Aber dann«, rief der Erste Konsul voller Vehemenz, »müssen Sie die Verträge einhalten! Wehe dem, der die Verträge bricht! Wehe dem Volk, dessen Verträge mit einem schwarzen Schleier bedeckt werden müssen!«

Und indem er abrupt Miene und Ton wechselte, um Lord Whitworth deutlich zu machen, dass die soeben ausgesprochene Schmähung seiner Regierung und nicht ihm persönlich galt, sagte er: »Milord, erlauben Sie mir, mich nach Ihrer Gemahlin, der Herzogin von Dorset, zu erkundigen; nachdem sie den Winter in Frankreich verbracht hat, hoffe ich, dass sie die schöne Jahreszeit hier wird genießen können. Doch dies hängt nicht von mir ab, sondern von England; und sollten wir uns genötigt sehen, wieder zu den Waffen zu greifen, läge die Verantwortung dafür voll und ganz und in den Augen Gottes und der Meinen bei den Eidbrüchigen, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen wollten.«

Und er ging nach einem Gruß an Lord Whitworth und die übrigen Gesandten, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, und ließ das ganze ehrbare diplomatische Korps in der tiefsten Verwirrung zurück, die es seit Langem erlebt hatte.

31

Der Krieg

Das dünne Eis friedlichen Einvernehmens war gebrochen. Bonapartes Auftritt vor Lord Whitworth kam einer Kriegserklärung gleich.

In der Tat ließ England es sich von diesem Moment an angelegen sein, Malta zu behalten, obwohl es sich verpflichtet hatte, die Insel zu verlassen.

Unseligerweise besaß England seinerzeit eine jener Übergangsregierungen, die sich ihre wichtigsten Entscheidungen von der öffentlichen Meinung aufnötigen lassen, statt sie im Interesse des Staates zu treffen.

Es handelte sich um die Regierung Addingtons und Hawkesburys, die durch ihre Fehlentscheidungen seither zu so traurigem Ruhm gelangt ist.

George III. von England befand sich in einer eigenartigen Zwickmühle zwischen der Tory-Regierung Mister Pitts und der Whig-Regierung Mister Foxes. Mit Mister Pitt teilte er die politischen Ansichten, doch den Menschen konnte er nicht ausstehen. Mister Fox brachte er als Person die größte Hochachtung entgegen, doch seine politischen Ansichten waren ihm ein Gräuel. Und um weder auf den einen noch den anderen dieser Rivalen um das Regierungsamt zurückgreifen zu müssen, behielt er die Regierung Addington, die wie alles Provisorische zu einer Dauereinrichtung geworden war.

Am 11. Mai ersuchte der englische Botschafter um Pass und Reisepapiere.

Die Abreise Lord Whitworths erregte ein Aufsehen, wie man es bei einem ähnlichen Anlass noch nie erlebt hatte. Seit sich herumgesprochen hatte, dass er seine Reisepapiere beantragt hatte, warteten zwei- bis dreihundert Neugierige von morgens bis abends vor den Pforten des Stadtpalais, in dem er residierte.

Als zuletzt die Wagen herausfuhren, wurde dem scheidenden Botschafter seitens der Zuschauer lebhafteste Sympathie bekundet, denn jedermann wusste, dass er sich bis zuletzt für den Frieden eingesetzt hatte.

Wie alle tatkräftigen Menschen hatte Bonaparte, sobald er sich für den Frieden entschieden hatte, dessen Vorzüge zu schätzen gewusst und die Vorteile, die er für Frankreich daraus beziehen konnte, in den leuchtendsten Farben gesehen. Unversehens mit aller Gewalt in die entgegengesetzte Richtung genötigt, gelangte er zu dem Schluss, wenn er nicht der Wohltäter Frankreichs und der ganzen Welt sein könne, wolle er sie wenigstens das Staunen lehren. Die dumpfe Abneigung, die er England schon immer entgegengebracht hatte, verwandelte sich nun in überschäumenden Hass, begleitet von größenwahnsinnigen Zukunftsplänen. Die Meerenge zwischen Dover und Calais war keine größere Entfernung als die Strecke, die er beim Überqueren des Sankt Bernhard zurückgelegt hatte, und er dachte sich, wenn er die Alpen bezwungen hatte, im tiefsten Winter, vorbei an Abgründen und oft ohne erkennbaren Weg, über schneebedeckte Berge, die als unüberwindlich galten – wenn all das also nur eine Frage des Transports war, warum sollte ihm dann die Eroberung Englands nicht ebenso gelingen können wie die Eroberung Italiens, vorausgesetzt, er brachte genug Schiffe auf, um eine Armee von hundertfünfzigtausend Mann über den Ärmelkanal zu transportieren? Er ließ die Personen in seiner Umgebung vor seinem inneren Auge Revue passieren und erwog, auf wen er sich verlassen konnte und vor wem er sich in Acht nehmen musste. Die Gesellschaft der Philadelphes war noch immer eine Geheimgesellschaft, doch das Konkordat hatte den Hass der republikanischen Generäle erneut geschürt und vermehrt. All die Apostel der Vernunft – ob Dupuis, Monge oder Berthollet -, die man mit Mühe und Not dazu bewegen konnte, Gott eine gewisse Göttlichkeit zuzuerkennen, waren keineswegs bereit, dem Papst einen besonderen Status einzuräumen. Als halber Italiener war Bonaparte vielleicht nur bedingt religiös, doch abergläubisch war er immer gewesen. Er glaubte an Vorahnungen, Voraussagen, Wahrsager; und wenn er sich dazu hinreißen ließ, in Joséphines engerem Kreis über die Religion zu sprechen, waren seine überspannten Ideen für die Zuhörer nicht selten verstörend.

Eines Abends sagte Monge zu ihm: »Citoyen Erster Konsul, hoffen wir nur, dass wir nicht zum Beichtzettel zurückkehren.«

»Das kann man nie wissen«, erwiderte Bonaparte ungerührt.

Das Konkordat hatte Bonaparte mit der Kirche ausgesöhnt, aber es hatte ihn mit einem Teil seiner Armee entzweit. Die Philadelphes schöpften Hoffnung und wähnten den Moment gekommen, der ein Handeln erforderlich machte. Eine Verschwörung gegen den Ersten Konsul wurde angezettelt.

Die Verschwörer beabsichtigten, Bonaparte während einer Truppeninspektion und vor den Augen seines Gefolges aus Generälen und Ordonnanzen vom Pferd zu stoßen und unter den Pferdehufen zu Tode treten zu lassen. Große Hoffnungen setzten die Verschwörer bei all ihren Projekten stets in Bernadotte, den Kommandanten der Armee im Westen, der sich zurzeit allerdings in Paris aufhielt, und in Moreau, der auf seinem Landgut Grosbois schmollte, weil ihm sein glänzender Sieg bei Hohenlinden, der den Krieg mit Österreich beendet hatte, mit Undank gelohnt worden war.

Daraufhin gelangten drei Schmähschriften nach Paris, die in Form einer Ansprache an die französischen Armeen gehalten waren. Sie kamen aus dem Generalquartier in Rennes, das heißt von Bernadotte. In ihnen wurde der korsische Tyrann verunglimpft, der feige Mörder Klébers, denn die Nachricht von dessen Tod verbreitete sich gerade in Paris, und nicht nur wahrheitswidrig, sondern sogar gegen jede Wahrscheinlichkeit wurde dieser gewaltsame Tod demjenigen angelastet, dem der eine Teil Frankreichs alles Gute zuschrieb, was sich ereignete, und der andere Teil alles Böse. Nach diesen blutigen Themen wurden Bonapartes capucinades mit beißendem Spott bedacht, und das Ganze gipfelte in einem Aufruf, sich gegen ihn zu erheben und ihn mitsamt seiner korsischen Sippschaft vom Erdboden zu tilgen.

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