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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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Am nächsten Tag stand Oblomow bleich und düster auf; auf seinem Gesicht waren die Spuren einer schlaflosen Nacht zu lesen; die Stirne war voller Furchen; in den Augen war kein Feuer und kein Wunsch. Das Selbstbewußtsein, der frische, belebte Blick, die mäßige, bewußte Schnelligkeit der Bewegungen eines beschäftigten Menschen, alles war verschwunden. Er trank träge Tee, rührte kein einziges Buch an, sondern rauchte nachdenklich eine Zigarre an und setzte sich auf das Sofa. Früher würde er sich hingelegt haben, aber jetzt war er es nicht mehr gewohnt, und es zog ihn nicht einmal zum Kissen hin; aber er stützte sich darauf mit dem Ellbogen, ein Anzeichen, das auf seine frühere Lebensweise hindeutete. Er war mißgestimmt, seufzte manchmal, zuckte plötzlich die Achseln und schüttelte betrübt den Kopf. In ihm arbeitete etwas angestrengt; es war aber nicht die Liebe. Oljgas Gestalt ist vor ihm; doch sie scheint in der Ferne, im Nebel und ohne Strahlen zu schweben, als wäre sie ihm fremd; er blickt sie schmerzlich an und seufzt.

»Man soll leben wie Gott befiehlt und nicht, wie man will, das ist eine weise Regel, aber ...« Er sann nach. »Ja, man kann nicht so leben, wie man will - das ist klar,« begann in ihm eine düstere, trotzige Stimme zu sprechen: »Man kommt in ein Chaos von Widersprüchen hinein, die kein Menschenverstand, wie tief und kühn er auch sein mag, lösen kann! Gestern hat man etwas gewünscht, strebt heute leidenschaftlich bis zur Ermattung zum Gewünschten hin und errötet übermorgen, weil man gewünscht hat, verwünscht das Leben, weil der Wunsch in Erfüllung gegangen ist - das kommt beim selbständigen und dreisten Schreiten durchs Leben, beim eigenmächtigen ›ich will‹ heraus. Man muß vorsichtig vorwärtsgehen, bei vielem die Augen schließen und nicht vom Glück träumen, nicht zu murren wagen, weil es entschwindet - das ist das Leben! Wer hat sich ausgedacht, daß es Glück und Genuß ist? Die Toren! Das Leben ist das Leben, ›die Pflicht‹, sagte Oljga, ›und eine Pflicht ist schwer. Wollen wir also unsere Pflicht erfüllen.‹ « Er seufzte. »Ich werde Oljga nicht mehr sehen ... Mein Gott, du hast mir die Augen geöffnet und mich auf meine Pflicht hingewiesen,« sagte er, gen Himmel blickend. »Wo soll ich denn die Kraft hernehmen? Mich von ihr trennen! Jetzt geht es noch, wenn es auch weh tut, dafür werde ich mir später nicht fluchen, sie nicht verlassen zu haben! Es wird gleich jemand von ihr kommen, sie wollte herschicken ... Sie erwartet das nicht ...«

Aus was für einem Grunde? Welcher Wind hatte Oblomow plötzlich angeweht? Was für Wolken hatte er gebracht? Und warum legte er sich ein so trauriges Joch auf? Er hatte ja erst gestern in Oljgas Seele geblickt und dort eine lichte Welt und ein lichtes Schicksal gesehen, er hatte ihr und sein Horoskop gelesen. Was war denn geschehen? Er hatte gewiß abends gegessen, und er war auf dem Rücken gelegen, und die poetische Stimmung hatte solch einen Schrecken zur Folge gehabt. Es kommt oft vor, daß man im Sommer an einem stillen, wolkenlosen Abend, bei glitzernden Sternen einschläft und daran denkt, wie schön morgen das Feld in den hellen Morgentönen erscheinen wird! Und wie lustig es sein wird, sich in das Waldesdickicht vor der Hitze zu verstecken ... Und plötzlich erwacht man beim Rieseln des Regens und sieht graue, traurige Wolken; es ist kalt und feucht ... Oblomow hatte des Abends wie gewöhnlich dem Klopfen seines Herzens gelauscht und sich in die Analyse seines Glückes vertieft, und plötzlich war er auf einen bitteren Tropfen gestoßen und hatte sich vergiftet. Das Gift wirkte stark und schnell. Er ließ im Geiste sein ganzes Leben an sich vorübergleiten; Reue und zu spätes Bedauern seiner Vergangenheit stiegen zum hundertsten Male in ihm auf. Er stellte sich vor, was er jetzt wäre, wenn er rüstig vorwärtsschreiten würde, um wieviel vielseitiger und inhaltsreicher sein Leben sich gestaltet hätte, wenn er tätig wäre, und ging zur Frage über, wie Oljga ihn lieben konnte, wofür? War das kein Irrtum? - tauchte es in ihm wie ein Blitz auf, und dieser Blitz hatte ihn ins Herz getroffen und es zerstört.

Er stöhnte: »Ein Irrtum! Ja ... das ist es!« wälzte sich der furchtbare Gedanke durch seinen Kopf. »Ich liebe, ich liebe, ich liebe« - ertönte es plötzlich in seiner Erinnerung, und das Herz begann sich zu erwärmen; doch dann erkaltete es wieder. Und was war dieses dreifache »Ich liebe« von Oljga? Eine Täuschung ihrer Augen, das tückische Flüstern des noch feiernden Herzens; keine Liebe, sondern nur eine Vorahnung von Liebe. Diese Stimme würde einst erwachen und so mächtig ertönen, in einen solchen Akkord ausklingen, daß die ganze Welt erbeben würde! Selbst die Tante und der Baron würden es erfahren, und der Klang dieser Stimme würde einen lauten Widerhall wecken! Jenes Gefühl würde nicht so still wie ein Bach vorwärtsschreiten, der sich im Grase verbirgt und kaum hörbar plätschert. Sie liebt jetzt ebenso, wie sie auf Kanevas stickt. Das Muster kommt langsam und träge zum Vorschein, sie rollt es noch träger auf, bewundert es, legt es dann fort und vergißt es. Ja, das war nur eine Vorbereitung zur Liebe, ein Experiment, und er war ein Objekt, das ihr zuerst unterkam und zu einem gelegentlichen Versuche ganz tauglich war ... Ein Zufall hatte sie zueinander geführt und sie einander nahegebracht. Sie hätte ihn nicht bemerkt; Stolz hatte sie auf ihn hingewiesen und das junge, empfängliche Herz mit seiner Teilnahme angesteckt, in ihr war Mitleid mit seiner Lage und der eitle Wunsch erwacht, den Schlaf von seiner trägen Seele abzuschütteln, um ihn dann zu verlassen. »So ist es also!« sprach er entsetzt, sich vom Bette erhebend und mit zitternder Hand die Kerze anzündend. »Es ist und war nichts anderes! Sie war zur Empfängnis der Liebe bereit, ihr Herz wartete gespannt, sie ist ihm zufällig begegnet und hat sich ihm irrtümlicherweise zugewendet ... Es brauchte nur ein anderer zu erscheinen, und sie würde entsetzt und ernüchtert ihren Irrtum einsehen! Wie würde sie ihn dann anblicken und sich abwenden ... Das wäre furchtbar! Ich stehle fremdes Gut. Ich bin ein Dieb! Was tue ich? Was tue ich? Wie verblendet ich bin - o Gott!«

Er blickte in den Spiegel; er war blaß und gelb, seine Augen waren trüb. Er dachte an jene glücklichen Jünglinge, die einen feuchten, sinnenden, aber tiefen und mächtigen Blick mit dem zitternden Funken im Auge hatten wie sie, die ein siegesbewußtes Lächeln, einen so rüstigen Gang und eine klangvolle Stimme besaß. Und er würde es erleben, daß so einer erschien, sie würde plötzlich Feuer fangen, ihn anblicken und ... auflachen!

Er blickte wieder in den Spiegel. »Solche liebt man nicht!« sagte er.

Dann legte er sich hin und preßte das Gesicht aufs Kissen. »Leb wohl, Oljga, sei glücklich!« schloß er.

»Sachar!« rief er des Morgens. »Wenn jemand von Iljinskys mich holen kommt, sage, daß ich nicht zu Hause bin, daß ich in die Stadt gefahren bin.«

»Zu Befehl!«

»Nein ... Ich schreibe ihr lieber,« sagte er zu sich selbst, »sonst wird es ihr wunderlich erscheinen, daß ich plötzlich verschwunden bin. Eine Erklärung ist unvermeidlich.«

Er setzte sich an den Tisch und begann rasch, leidenschaftlich und mit fieberhafter Schnelligkeit zu schreiben, ganz anders, als er Anfang Mai an seinen Hausherrn geschrieben hatte. Es kam kein einziges Mal eine unangenehme und zu nahe Begegnung zweier »welcher« und »daß« vor.

»Es wundert Sie, Oljga Sjergejewna,« schrieb er,»statt meiner diesen Brief zu sehen, da wir so oft zusammenkommen. Lesen Sie bis zu Ende, und Sie werden sehen, daß ich nicht anders handeln konnte. Wir hätten mit diesem Briefe beginnen sollen, dann wären uns beiden in Zukunft viele Gewissensbisse erspart; es ist aber auch jetzt noch nicht zu spät. Wir haben einander so plötzlich und schnell liebgewonnen, als ob wir beide plötzlich erkrankt wären, und das hat mich daran verhindert, früher zur Besinnung zu kommen. Wer würde übrigens, ganze Stunden lang Ihren Anblick genießend und Ihnen lauschend, gutwillig die schwere Pflicht, sich vom Zauber zu ernüchtern, auf sich nehmen? Wo könnte man einen genügenden Vorrat an Vorsicht und Willenskraft ansammeln, um bei jedem Abhange stehenzubleiben und sich nicht herablocken zu lassen? Ich habe jeden Tag gedacht: Ich lasse mich nicht weiter hinreißen, und ich bleibe stehen; es hängt ja von mir ab, und ich habe mich hinreißen lassen, und jetzt beginnt ein Kampf, in dem ich Ihren Beistand fordere. Ich habe erst heute in dieser Nacht begriffen, wie schnell meine Füße herabgleiten; es ist mir erst gestern gelungen, tiefer in den Abgrund zu schauen, in den ich falle, und ich habe beschlossen, stehenzubleiben. Ich spreche nicht aus Egoismus immer von mir, sondern weil Sie, während ich in der Tiefe dieses Abgrundes liegen werde, immer noch wie ein reiner Engel in der Höhe schweben und wohl schwerlich einen Blick hineinwerfen wollen. Hören Sie mich an, ich sage es Ihnen einfach und geradeheraus, ohne alle Anspielungen. Sie lieben mich nicht und können mich nicht lieben. Hören Sie auf meine Erfahrenheit und glauben Sie mir unbedingt. Mein Herz hat ja schon längst zu schlagen begonnen, wenn sein Schlag auch falsch und unregelmäßig sein mochte, doch gerade das hat mich gelehrt, sein regelrechtes Schlagen von einem zufälligen zu unterscheiden. Sie können nicht, aber ich kann und muß missen, wo die Wahrheit und wo die Verirrung ist, und es ist meine Pflicht, denjenigen, der noch nicht Zeit hatte, es zu erfahren, zu warnen. Und ich warne Sie also: Sie haben sich verirrt, blicken Sie zurück! Solange die Liebe uns in Gestalt einer unbestimmten lächelnden Vision erschien, solange sie in Casta diva erklang und im Dufte eines Fliederzweiges, in der unausgesprochenen Teilnahme, im schüchternen Blicke vor uns schwebte, vertraute ich ihr, indem ich sie für ein Spiel der Phantasie und ein Flüstern der Eitelkeit hielt. Doch jetzt ist das Spiel zu Ende; ich bin an der Liebe erkrankt und fühle die Symptome der Leidenschaft in mir. Sie sind nachdenklich und ernst geworden. Sie widmen mir Ihre freie Zeit; Ihre Nerven sind gespannt; Sie sind aufgeregt und dann, das heißt jetzt erst, bin ich erschrocken und habe gefühlt, daß mir die Pflicht, stehenzubleiben und zu sagen, was das ist, zufällt. Ich habe Ihnen gesagt, daß ich Sie liebe, und Sie erwidern dieses Gefühl - hören Sie, was für einen Mißklang das ergibt? Hören Sie es nicht? Dann werden Sie es später hören, wenn ich mich schon im Abgrunde befinden werde. Schauen Sie mich an, denken Sie sich in mein Leben hinein. Können Sie mich denn lieben, lieben Sie mich denn? ›Ich liebe, ich liebe, ich liebe!‹ haben Sie gestern gesagt. Nein, nein, nein! antworte ich überzeugt. Sie lieben mich nicht, aber Sie lügen nicht - beeile ich mich hinzuzufügen -, Sie betrügen mich nicht; Sie können nicht ja sagen, wenn in Ihnen ein ›Nein‹ erklingt. Ich will Ihnen nur beweisen, daß Ihr jetziges ›ich liebe‹ keine wahre Liebe ist, sondern eine zukünftige; das ist nur ein unbewußtes Bedürfnis zu lieben, das in Ermangelung von wirklicher Nahrung, von echtem Feuer als ein falsches Licht ohne Wärme brennt, das sich bei manchen Frauen in Zärtlichkeit Kindern gegenüber oder einfach in Tränen oder hysterischen Anfällen äußert. Ich hätte Ihnen gleich am Anfange streng sagen sollen: Sie haben sich geirrt; vor Ihnen steht nicht derjenige, den Sie erwartet und von dem Sie geträumt haben. Warten Sie, er wird kommen, und dann werden Sie erwachen. Sie werden sich Ihres Irrtums schämen und sich darüber ärgern, und mir wird dieser Ärger und diese Scham weh tun - das hätte ich Ihnen sagen sollen, wenn ich von Natur aus weitsichtiger und mutiger und endlich aufrichtiger wäre ... Ich habe es Ihnen gesagt, aber Sie werden sich noch erinnern wie: mit Angst, Sie könnten es glauben und es könnte eintreffen; ich habe Ihnen im voraus alles gesagt, was Ihnen später die andern sagen könnten, um Sie darauf vorzubereiten, nicht zuzuhören und nicht zu glauben, und dabei habe ich mich beeilt, Sie zu sehen und gedacht: ›Wer weiß, wann der andere kommt, vorläufig bin ich glücklich.‹ So ist die Logik der Liebe und der Leidenschaften!

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