Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
Jetzt war es Zeit, ans Essen zu denken. Der Hund bekam auch seinen Antheil an Brod und Kartoffeln - zwar nicht viel, doch er beklagte sich deshalb nicht. Sein junger Herr streckte sich nun in dem hohlen Buchenstamme aus und schlief, den Arm um den Knaben gelegt und vom treuen Birk bewacht, auch endlich ein.
Am nächsten Tage, dem 18. September, erwachte das Kind zuerst, höchst verwundert, in einem so guten Bette zu liegen. Birk kläffte es schweifwedelnd an, er hatte sich doch auch um die Rettung des Kleinen verdient gemacht.
Findling schlug sofort die Augen auf, und der Knabe warf sich ihm um den Hals.
»Wie heißest Du? fragte er.
- Findling. Und Du?,
- Bob.
- Nun so komm, Bob, zieh' Dich an.«
Bob ließ sich das nicht zweimal sagen. Er erinnerte sich kaum daran, gestern ins Wasser gegangen zu sein. Jetzt hatte er ja eine Familie, einen Vater, der ihn nicht verlassen würde, wenigstens einen großen Bruder, der ihn einmal auf der Straße nach Trelingar-castle mit einer Handvoll Coppers erfreut hatte. Er ließ sich mit der seinem Alter eignen Vertrauensseligkeit gehen, mit jener natürlichen Vertraulichkeit, die man bei irischen Kindern gewöhnlich antrifft. Andrerseits erschien es Findling, daß das Zusammentreffen mit Bob ihm nun Pflichten, gleichsam Vaterpflichten, auferlegt habe.
Und wie glücklich war Bob, ein weißes Hemd unter seinen trocknen suchen zu fühlen! Wie machte er die Augen - doch auch den Mund - weit auf vor einer Schnitte Brod, einem Stück Käse und einer warmen Kartoffel, die in der Asche des Feuers geröstet worden war! Dieses Frühstück zu zweien war vielleicht das beste, das er seit seiner Geburt genossen hatte.
Seit seiner Geburt?, Seinen Vater hatte er zwar nicht, wohl aber - glücklicher als Findling - seine Mutter gekannt, die vor zwei bis drei Jahren, genauer wußte Bob es nicht, aus Mangel und Entbehrung gestorben war. Nachher hatte man ihn in der Armenanstalt einer nicht zu großen Stadt, auf deren Namen er sich nicht besann, untergebracht. Später war jene Anstalt wegen fehlender Geldmittel geschlossen worden, und Bob sah sich, er wußte nicht warum, auf die Straße geworfen, ebenso wie die andern Kinder, die meist auch keine Eltern hatten. Von da an lebte er auf der Landstraße, schlief wo er ging und stand, und aß, wenn, er konnte, bis zu dem Tage, wo ihm nach achtundvierzigstündigem Fasten der Gedanke kam, in den Tod zu gehen.
Das war seine Geschichte, die er erzählte, während er die große Kartoffel verzehrte, und diese Geschichte klang ja nicht neu für einen früheren Pflegling der Hard, der darauf bei Thornpipe »zur Kurbel« erniedrigt und schließlich als »Zögling« in die Ragged-School gesteckt worden war.
Mitten im Plaudern veränderten sich plötzlich die Gesichtszüge Bobs, seine sonst so lebhaften Augen erloschen und er wurde ganz bleich.
»Was fehlt Dir? fragte Findling theilnehmend.
»Du läßt mich nicht wieder allein, nicht wahr?« murmelte er.
Das war seine schlimmste Befürchtung.
»Nein, Bob.
- Und, wohin führst Du mich denn?
- Ja, dahin, wohin ich selbst gehe!«
Das Wohin verlangte Bob nicht weiter zu wissen, ihm war's ja genug, daß Findling ihn mitnahm.
»Doch Deine Mama, Dein Papa?,
- Ich habe keine,.
- O, rief Bob, da werd' ich Dich desto mehr lieb haben dürfen.
- Ich Dich auch, mein Junge; wir wollen schon versuchen, zusammen durchzukommen.
- Ei, Du sollst einmal sehen, sagte Bob, wie ich den Wagen nachlaufe, und was ich da an Coppers bekomme, das geb' ich Dir.«
Der Knabe hatte bisher nichts andres zu thun gewußt.
»Nein, Bob; den Wagen muß man nicht nachlaufen.
- Warum denn nicht?
- Weil es nicht recht ist, zu betteln.
- Ach!, stieß Bob nachdenklich werdend hervor.
- Sag' mir, hast Du ein Paar gute Beine?
- Ja, aber groß sind sie nicht.
- Nun, wir haben heute einen tüchtigen Marsch vor uns, wenn wir die Nacht schon in Cork schlafen wollen.
- In Cork?,
- Ja freilich, das ist eine schöne Stadt da unten, mit Schiffen,
- Schiffen, ja ich weiß.
- Und am Meere gelegen. Hast Du das Meer schon gesehen?
- Nein, noch nicht.
- Das wirst Du auch zu sehen bekommen, o, das ist groß!, Nun vorwärts!«
Beide brachen auf und Birk trabte lustig vor ihnen her.
Zwei Meilen weiter hin verläßt die Straße das Ufer der Dripsey und begleitet dafür das der Lee, die in der Bai von Cork ausmündet. Hier erschienen einige Wagen mit Touristen, die sich nach den Berggegenden der Grafschaft begaben.
Aus alter Gewohnheit sprang Bob diesen nach und rief: »Copper, Copper!«
Findling holte ihn zurück.
»Ich habe Dir gesagt, Du sollst das unterlassen, sagte er.
- Warum denn?
- Weil es unrecht ist, um Almosen zu betteln.
- Auch wenn man's thut, um etwas zu essen zu haben?«
Findling antwortete nicht und Bob fühlte sich sehr beunruhigt
wegen seines Frühstücks, bis er in einem Gasthause der Landstraße am Tische saß. Hier thaten sich für sechs Pence drei - der große Bruder, der kleine Bruder und der Hund -gütlich.
Bob konnte kaum seinen Augen trauen: Findling besaß ja einen Geldbeutel mit Schillingen darin, und von diesen blieb noch übrig, als die Rechnung des Wirthes bezahlt war.
»Woher hast Du denn das schöne Geld?
- Das hab' ich verdient, Bob, durch ehrliche Arbeit,.
- Durch Arbeit?, O, ich möchte wohl auch arbeiten, ich weiß aber nicht, wie ich's anfangen soll.
- Das werd' ich Dir lehren, Bob.
- Gleich jetzt?
- Nein; erst wenn wir da unten sind.«
Wollten sie am Abend in Cork eintreffen, so war keine Minute zu verlieren. Findling und Bob machten sich also wieder auf den Weg und gingen so schnell, daß sie zwischen vier und fünf Uhr in Woodside waren. Hier kehrten sie nicht wieder ein, da es gerathener schien, nun gleich bis zu der nur noch drei Meilen entfernten Hafenstadt zu wandern.