Der Findling
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Детские и приключения
Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:
Ermuthigt durch diesen Erfolg, dachte Findling daran, »sein Geschäft« auszudehnen. Dem Handel mit Büchern und Journalen fügte er noch Streichhölzer, Tabak, billige Cigarren und ähnliches hinzu. In Folge davon trug Birk allmählich einen ganzen Kramladen auf den Schultern. An manchem Tage vereinnahmte er sogar mehr als seine Herren, die deshalb nicht eifersüchtig wurden - im Gegentheil, Birk wurde vielmehr mit einem guten Futter und mit herzlicher Liebkosung belohnt. Die drei Genossen vertrugen sich vortrefflich, und es wäre ein Glück, wenn alle Familien so einig wären, wie hier der Hund und die beiden Kinder!
Findling hatte an Bob bald gute Anlagen und Wissensdrang bemerkt. Der siebenundeinhalbj ährige Knabe, von vielleicht minder praktischem Geiste als sein größerer Bruder, war dafür lustiger und ließ seiner natürlichen Fröhlichkeit gern freien Lauf. Da er weder lesen, schreiben noch rechnen konnte, unterließ es Findling selbstverständlich nicht, ihn bald darin zu unterrichten. Er mußte doch wenigstens die Titel der Blätter angeben und lesen können, die man von ihm verlangte. Die Sache gefiel ihm und er machte schnell Fortschritte. Nach den großen Buchstaben der Titel erlernte er die kleinen im Texte der Blätter. Dann ging's aus Schreiben und Rechnen, was ihm etwas mehr Schwierigkeiten machte. Dennoch überwand er diese schnell. Schon sah er sich als Gehilfe einer Buchhandlung, der den Verkaufsladen Findlings besorgte, welcher in der schönsten Straße von Cork eine weit leuchtende Firma mit »Bookseller« darauf hatte. Er verstand jetzt schon einen guten Verdienst zu machen, und in seiner Tasche befanden sich mehrere wohlverdiente Pence, auch weigerte er sich nicht, ein kleines Almosen zu geben, wenn Kinder bettelnd die Hand ausstreckten. Er erinnerte sich ja zu gut der Zeit, wo er auf der Landstraße hinter den Wagen hergelaufen war.
Seiner angebornen Neigung entsprechend, hatte Findling natürlich jeden Tag Buch und Rechnung geführt, und so und so viel für die Wohnung, für Essen und Trinken, für Wäsche und für Heizung und Licht ausgeworfen. Jeden Morgen schrieb er in sein Notizbuch die zum Einkauf von Waaren bestimmte Summe ein und stellte eine Bilanz mit den Ausgaben und Einnahmen auf. Er verstand bereits recht vortheilhaft ebenso einzukaufen, wie zu verkaufen. In Folge dessen hatte er mit Ende des Jahres 1882 schon ein Dutzend Pfund in der Casse -wenn er eine Casse besessen hätte. Dafür hatte ein wohlwollender Händler, bei dem er gewöhnlich ziemlich viel entnahm, ihm seinen Geldschrank zur Verfügung gestellt, und in diesen wurde jede Woche der erzielte Ueberschuß eingelegt, für den er sogar schon einige Zinsen erhielt.
Angesichts dieser durch seine Sparsamkeit und Intelligenz erzielten Erfolge regte sich in dem Knaben bald der gewiß nicht unberechtigte Ehrgeiz, seine Geschäfte zu vergrößern. Das wäre ihm, auch wenn er dauernd in Cork blieb, mit der Zeit wohl gelungen. Er sagte sich jedoch, nicht ohne Grund, daß eine bedeutendere Stadt, z. B. Dublin, die Hauptstadt Irlands, dafür günstigere Aussicht bieten müsse. In Cork laufen ja die Schiffe nur vorübergehend an und der Waarenumsatz ist verhältnißmäßig beschränkt, während Dublin, Dublin lag nur gar so weit von hier!, Doch das war ja zu überwinden. Wenn auch die Möglichkeit vorlag, daß der Knabe dabei den Sperling aus der Hand für die Taube auf dem Dache hingab, wenn er seine Träume für verwirklicht ansah, so kann man es einem halben Kinde doch schwerlich verwehren, zu träumen.
Der Winter war nicht streng, weder in den letzten Monaten des Jahres 1882, noch in den ersten des nachfolgenden Jahres. Findling und Bob brauchten jetzt ja auch nicht mehr unter Leiden und Entbehrungen vom Morgen bis zum Abend auf den Straßen umherzulaufen. Immerhin ist es beschwerlich, mitten im scharfen Winde auf Plätzen und an Straßenecken längere Zeit auszuhalten. Sie waren das indeß von früher Jugend an gewöhnt, und wenn es ihnen auch zuweilen hart ankam, so wurden sie wenigstens nicht krank, obgleich sie sich in keiner Weise schonten. Bei jeder Witterung standen sie Tag für Tag mit dem Morgenrothe auf, kauften dann ihre Vorräthe ein, um diese schleunigst wieder abzusetzen, wozu sich auf dem Perron des Bahnhofs bei Ankunft und Abgang der Züge die beste Gelegenheit bot, und wanderten dann durch verschiedene Stadttheile, während Birk seinen Schaukasten ohne Murren auf dem Rücken trug. Nur des Sonntags, wenn im Vereinigten Königreich alle Städte, Flecken und Dörfer feiern, gönnten sie sich einige Ruhe, besserten die Kleidung aus, räumten zu Hause auf und stellten ihre Dachkammer so sauber wie möglich her, wonach der eine seine Buchführung in Ordnung brachte und der andre sich im Lesen, Schreiben und Rechnen übte. Am Nachmittage gingen sie dann in Begleitung Birks bis hinunter nach Queenstown - zwei wackre kleine Bürger, die nach einer Woche fleißiger Arbeit zur Erholung lustwandelten.
Eines Tages gestatteten sie sich, in einem Boote um die Bai zu fahren, und hier erblickte Bob zum ersten Male das grenzenlose Meer.
»Und weiter draußen, fragte er, wenn man auf dem Wasser immer, immer weiter fährt, was findet man denn da?
- Ein großes Land, Bob.
- Größer als unsres?,
- Tausendmal so groß, Bob, und die großen Schiffe, die Du siehst, brauchen zur Reise dahin wenigstens acht volle Tage!
- Giebt's denn in jenem Lande auch Zeitungen?
- Zeitungen, Bob?, O, zu hunderten, Zeitungen, die das Stück sogar mit sechs Pence verkauft werden.
- Das weißt Du bestimmt?
- Ganz bestimmt, ich weiß auch, daß man Monate brauchen würde, um sie alle durchzulesen!«
Bob betrachtete mit Bewunderung den erstaunlichen Findling, der im Stande war, so etwas zu versichern. Bezüglich der gewaltigen Schiffe, der mächtigen Dampfer, die gewöhnlich in Queenstown vor Anker gingen, fühlte er das lebhafteste Verlangen, einmal deren Deck zu betreten und auf den Masten herumzuklettern, während Findling es sicherlich vorgezogen hätte, den Laderaum und die Fracht in Augenschein zu nehmen.
Bisher hatten aber beide nicht gewagt, an Bord eines solchen zu gehen ohne Erlaubniß des Kapitäns - einer Persönlichkeit, von der sie sich die übertriebensten Vorstellungen machten. Ihn zu fragen, dazu fehlte ihnen der Muth. Der Kapitän ist auf dem Schiffe ja »der Nächste nach Gott«, wie es Findling gehört und es Bob wieder gesagt hatte.
So blieb der Wunsch der beiden Knaben noch immer unbefriedigt. Hoffentlich sollte er noch einmal in Erfüllung gehen, gleich den andern Wünschen, die in ihnen erwachten.
Achtes Capitel