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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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Elf Männer, zwei Jungen und ein Dutzend Hunde überquerten den Burggraben. Jenseits der Außenmauer waren die Spuren im weichen Boden leicht zu erkennen; die Pfotenabdrücke der Wölfe, Hodors schwere Tritte, die flacheren Eindrücke der beiden Reets. Unter den Bäumen im Laub und auf dem steinigen Boden wurde es schwieriger, doch inzwischen hatte Farlens rote Hündin die Witterung aufgenommen. Die restlichen Hunde folgten dichtauf, schnüffelten und bellten, und zwei riesige Mastiffs bildeten die Nachhut. Deren Größe und Wildheit würden vielleicht das Zünglein an der Waage sein, wenn die Schattenwölfe in die Enge gedrängt worden waren.

Er hätte gedacht, dass Osha nach Süden zu Ser Rodrik fliehen würde, doch die Fährte führte in nördliche und nordwestliche Richtung, mitten hinein in den Wolfswald. Theon gefiel das ganz und gar nicht. Es wäre bitterste Ironie des Schicksals, wenn die Starks nach Tiefwald Motte flohen und somit Asha geradewegs in die Hände liefen. Lieber hätte ich es, wenn sie tot wären, dachte er. Es ist besser, als grausam zu gelten denn als töricht.

Zwischen den Bäumen hingen bleiche Nebelfäden. Wachbäume und Soldatenkiefern standen hier dichter, und nichts war so düster und dämmerig wie ein immergrüner Wald. Der Boden war uneben, die gefallenen Nadeln täuschten weiche Erde vor, waren jedoch für die Pferde tückisch, daher ging es nur langsam voran. Aber nicht so langsam wie ein Mann, der einen Krüppel trägt, oder ein mageres Weibsstück, das einen Vierjährigen auf dem Rücken hat. Er zwang sich zur Geduld. Noch vor dem Ende des Tages würde er sie gefunden haben.

Maester Luwin schloss zu ihm auf, während sie einem Wildpfad am Rand einer Schlucht entlang folgten. »Bisher scheint sich die Jagd kaum von einem Ritt durch den Wald zu unterscheiden, Mylord.«

Theon lächelte. »Sicherlich gibt es da gewisse Ähnlichkeiten. Aber eine Jagd endet stets mit Blutvergießen.«

»Muss es so kommen? Diese Flucht war eine große Torheit, aber könntet Ihr nicht Gnade walten lassen? Es sind Eure Pflegebrüder, die wir suchen.«

»Kein Stark außer Robb hat mich je brüderlich behandelt, trotzdem sind Bran und Rickon lebendig für mich wertvoller als tot.«

»Das Gleiche gilt für die Reets. Maidengraben liegt am Rand der Sümpfe. Lord Holand kann die Besetzung Eures Onkels zu einem Besuch in der Hölle machen, wenn er sich dazu entschließt, aber solange Ihr seine Erben in der Hand habt, muss er sich zurückhalten.«

Darüber hatte Theon noch gar nicht nachgedacht. Eigentlich hatte er an die Schlammmenschen keinen Gedanken verschwendet, nur auf Meera hatte er einen oder zwei Blicke geworfen und sich gefragt, ob sie wohl noch Jungfrau war. »Vielleicht habt Ihr Recht. Wir werden sie verschonen, falls es uns möglich ist.«

»Und Hodor ebenfalls, hoffe ich. Der Junge hat nur wenig Verstand, das wisst Ihr. Er tut, was man ihm sagt. Wie oft hatte er Euer Pferd gestriegelt, Euren Sattel geputzt, Eure Rüstung poliert?«

Hodor bedeutete ihm gar nichts. »Wenn er nicht gegen uns kämpft, wird ihm auch kein Leid geschehen.« Theon richtete den Finger auf Luwin. »Doch solltet Ihr mich jetzt auch noch um das Leben der Wildlingsfrau bitten, dürft Ihr mit ihr sterben. Sie hat mir einen Eid geleistet und darauf gepisst.«

Der Maester neigte den Kopf. »Für Eidbrüchige setze ich mich nicht ein. Tut, was Ihr tun müsst. Ich danke Euch für Eure Gnade.«

Gnade, dachte Theon, während sich Luwin zurückfallen ließ. Das ist eine verdammte Falle. Zu viel davon, und sie nennen dich schwach, zu wenig, und du bist ein Ungeheuer. Dennoch hatte der Maester ihm guten Rat gegeben. Sein Vater dachte nur in den alten Begriffen von Eroberung, doch was brachte es ein, wenn man ein Königreich eroberte und es nicht halten konnte? Zwang und Furcht führten nur bis zu einem bestimmten Punkt zum Erfolg. Wie schade, dass Ned Stark seine Töchter mit nach Süden genommen hatte; ansonsten hätte Theon seinen Anspruch auf Winterfell durch die Heirat mit einer der beiden untermauern können. Sansa war doch ganz hübsch, und inzwischen vermutlich alt genug fürs Bett. Doch leider war sie tausend Meilen entfernt in den Fängen der Lennisters. Schade.

Der Wald wurde immer undurchdringlicher. Die Kiefern und Wachbäume machten riesigen dunklen Eichen Platz. Weißdornbüsche verbargen trügerische Gräben und Furchen unter sich. Es ging steinige Hügel hinauf und hinunter. Sie passierten eine Pächterhütte, die verlassen und überwuchert war, und umrundeten einen gefluteten Steinbruch, dessen stilles Wasser grau wie Stahl schimmerte. Als die Hunde zu bellen anfingen, glaubte Theon, dass die Flüchtlinge in der Nähe sein mussten. Er trieb seinen Lächler an, doch er fand lediglich den Kadaver eines jungen Elchs … oder was davon übrig geblieben war.

Er stieg ab und sah sich das tote Tier genauer an. Es war noch frisch und offensichtlich von Wölfen zur Strecke gebracht worden. Die Hunde schnüffelten gierig daran herum, und einer der Mastiffs biss in einen Schenkel, doch Farlen rief ihn zurück. Nichts ist herausgeschnitten worden, fiel Theon auf. Die Wölfe haben gefressen, aber die Menschen haben sich nicht daran gütlich getan. Obwohl Osha bestimmt kein Feuer riskieren wollte, hätte sie ihnen in jedem Fall ein paar Stücke herausgeschnitten. Es hatte schließlich keinen Sinn, so gutes Fleisch verrotten zu lassen. »Farlen, bist du wirklich sicher, dass wir auf der richtigen Fährte sind?«, wollte Theon wissen. »Könnten die Hunde die falschen Wölfe verfolgt haben?«

»Meine Hündin kennt den Geruch von Sommer und Struppi sehr gut.«

»Das hoffe ich. Um deinetwillen.«

Keine Stunde später führte der Weg hinunter zu einem schlammigen Bach, der durch die Regenfälle der letzten Zeit stark angeschwollen war. Dort verloren die Hunde die Spur. Farlen und Wex wateten mit den Hunden hindurch und kamen kopfschüttelnd zurück, während die Tiere am anderen Ufer hin und her liefen und schnüffelten. »Sie sind hier hineingegangen, M’lord, aber wo sie herausgekommen sind, kann ich nicht erkennen«, erklärte der Hundemeister.

Theon stieg ab, kniete neben dem Bach nieder und tauchte die Hand ins Wasser. Es war kalt. »Sie werden nicht lange drin geblieben sein«, sagte er. »Nehmt die eine Hälfte der Hunde bachabwärts, ich gehe in die andere …«

Wex klatschte laut in die Hände.

»Was ist denn?«, wollte Theon wissen.

Der stumme Junge zeigte auf etwas.

Der Boden am Bach war nass und schlammig. Die Spuren, die die Wölfe hinterlassen hatten, waren deutlich genug. »Pfotenabdrücke, ja. Und?«

Wex trat mit dem Absatz in den Matsch und drehte seinen Fuß hin und her. Er hinterließ ein tiefes Loch.

Joseth begriff. »Ein Mann von Hodors Größe hätte eine deutliche Spur im Schlamm hinterlassen«, sagte er. »Vor allem, da er noch den Jungen auf dem Rücken trägt. Trotzdem sind außer unseren eigenen Abdrücken keine anderen zu finden. Seht nur selbst.«

Erschrocken erkannte Theon, dass Joseth Recht hatte. Nur die Wölfe waren in das angeschwollene braune Wasser gestiegen. »Osha muss schon vorher abgebogen sein. Vermutlich vor dem Elch. Sie hat die Wölfe allein weitergeschickt und gehofft, wir würden ihnen hinterherjagen.« Er drehte sich zu den Jägern aus Winterfell um. »Wenn ihr beide ein falsches Spiel mit mir getrieben habt …«

»Wir haben nur die eine Spur gefunden, Mylord, ich schwöre es«, beteuerte Gariss. »Und die Schattenwölfe würden sich niemals von den Jungen trennen. Jedenfalls nicht für lange Zeit.«

Das stimmt, dachte Theon. Sommer und Struppi waren vielleicht auf der Jagd gewesen, doch früher oder später würden sie sich wieder zu Bran und Rickon gesellen. »Gariss, Murch, nehmt vier Hunde, geht zurück und sucht die Stelle, an der wir sie verloren haben. Aggar, du bewachst sie, ich dulde keinen Verrat. Farlen und ich folgen den Schattenwölfen. Stoßt ins Horn, wenn ihr die Spur wieder aufgenommen habt. Zwei Stöße, wenn ihr die Tiere selbst findet. Wenn wir erst einmal herausgefunden haben, in welche Richtung sie gelaufen sind, werden sie uns zu ihren Herren führen.«

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