Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Alles ist gut, Graufreud. Hörst du die Stille? Du solltest trunken vor Freude sein. Du hast Winterfell mit weniger als dreißig Mann eingenommen, eine Leistung, über die man Lieder singen wird. Theon wollte schon zum Bett zurückkehren. Er würde Kyra herumdrehen und sie erneut nehmen, um die Gespenster zu vertreiben. Ihr Keuchen und Kichern würde der Stille ein Ende bereiten.
Da hielt er inne. An das Heulen der Schattenwölfe hatte er sich bereits so sehr gewöhnt, dass er es kaum mehr hörte … dennoch bemerkte irgendein Instinkt des Jägers in ihm seine Abwesenheit.
Urzen stand vor der Tür, ein sehniger Mann, der einen Schild über den Rücken gehängt hatte. »Die Wölfe sind still«, sagte Theon zu ihm. »Geh und sieh nach, was sie tun, und komm sofort zurück.« Bei dem Gedanken, dass die Schattenwölfe frei herumlaufen könnten, wurde ihm mulmig. Er erinnerte sich an den Tag im Wolfswald, an dem die Wildlinge Bran attackiert hatten. Sommer und Grauwind hatten die Angreifer in Stücke gerissen.
Als er Wex mit der Fußspitze anstieß, fuhr der Junge hoch und rieb sich die Augen. »Schau nach, ob Bran Stark und sein kleiner Bruder in ihren Betten sind, und beeil dich.«
»M’lord?«, fragte Kyra verschlafen.
»Schlaf weiter, das geht dich nichts an.« Theon schenkte sich einen Becher Wein ein und stürzte ihn hinunter. Die ganze Zeit lauschte er und hoffte, ein Heulen zu hören. Zu wenig Männer, dachte er säuerlich. Ich habe zu wenig Männer. Wenn Asha nicht kommt …
Wex kehrte als Erster zurück und schüttelte heftig den Kopf. Fluchend suchte Theon Hemd und Hose auf dem Boden zusammen, wo er sie in seiner Hast, Kyra zu nehmen, fallen gelassen hatte. Über das Hemd zog er ein Wams aus nietenbeschlagenem Leder, und um die Hüften schlang er den Gurt mit Langschwert und Dolch. Sein Haar war zerzaust, doch jetzt hatte er andere Sorgen.
Inzwischen war Urzen wieder da. »Die Wölfe sind verschwunden. «
Theon ermahnte sich, so kühl und bedächtig vorzugehen wie Lord Eddard. »Weckt die Burg«, befahl er. »Versammelt alle im Hof, alle, damit wir sehen, wer fehlt. Und Lorren soll die Tore überprüfen. Wex, du begleitest mich.«
Er fragte sich, ob Stygg wohl bereits Tiefwald Motte erreicht hatte. Der Mann war keineswegs ein so begnadeter Reiter, wie er behauptete – keiner seiner Eisenmänner saß besonders gut im Sattel –, allerdings hatte er inzwischen genug Zeit gehabt. Asha wäre vielleicht schon unterwegs. Und wenn sie erfährt, dass mir die Starks entkommen sind … Er konnte den Gedanken nicht zu Ende denken.
Brans Zimmer war leer, und Rickons eine halbe Treppe tiefer ebenso. Theon verfluchte sich selbst. Er hätte hier eine Wache postieren sollen; doch er hatte Männer auf den Mauern und an den Toren für wichtiger erachtet, als zwei Kinder bewachen zu lassen, von denen eins verkrüppelt war.
Draußen hörte er das Jammern der Burgbewohner, die aus den Betten gezerrt und in den Hof getrieben wurden. Ich werde ihnen Grund zum Jammern geben. Ich habe sie gut behandelt, und so haben sie es mir vergolten. Er hatte sogar zwei seiner Männer auspeitschen lassen, weil sie das Hundemädchen vergewaltigt hatten, um zu zeigen, dass er für Gerechtigkeit stand. Trotzdem geben sie mir die Schuld an der Vergewaltigung. Und an allem anderen. Das war nicht recht. Mikken hatte sein Leben mit seinem losen Mundwerk selbst verwirkt, genauso wie Benfred. Und was Chayle betraf, so hatte Theon schließlich irgendjemanden dem Ertrunkenen Gott opfern müssen, das erwarteten seine Männer von ihm. »Ich unterstelle Euch keine schlechten Absichten«, hatte er zu dem Septon gesagt, bevor er ihn in den Brunnen gestoßen hatte, »doch Ihr und Euer Gott habt an diesem Ort keinen Platz mehr.« Man sollte meinen, das gemeine Volk würde ihm dankbar sein, weil er keinen von ihnen ausgewählt hatte, aber nein! Wie viele hatten sich wohl an diesem Komplott gegen ihn beteiligt?
Urzen kehrte mit dem Schwarzen Lorren zurück. »Am Jägertor«, sagte Lorren. »Am besten kommt Ihr selbst und schaut es Euch an.«
Das Jägertor lag nah bei den Hundezwingern und der Küche. Es führte geradewegs in die Felder und Wälder hinaus und erlaubte Reitern Zutritt, ohne das Winterdorf passieren zu müssen, weshalb es bevorzugt von Jagdgesellschaften benutzt wurde. »Wer hat dort Wache gehalten?«, verlangte Theon zu wissen.
»Drennan und Schieler.«
Drennan war einer der Männer, die Palla vergewaltigt hatten. »Falls sie die Jungen haben entkommen lassen, werden sie diesmal kaum noch Haut auf dem Rücken behalten, das schwöre ich.«
»Das wird nicht notwendig sein«, antwortete der Schwarze Lorren knapp.
Das war es auch nicht. Schieler schwamm mit dem Gesicht nach unten im Burggraben, und seine Gedärme trieben hinter ihm her wie ein Nest heller Schlangen. Drennan lag halb nackt im Torhaus, in dem kleinen Raum, wo die Zugbrücke bedient wurde. Seine Kehle war von einem Ohr zum anderen aufgeschlitzt. Ein zerlumptes Hemd verbarg die kaum verheilten Narben auf seinem Rücken, seine Stiefel lagen achtlos auf den Binsen und die Hose hing ihm um die Knöchel. Auf einem kleinen Tisch neben der Tür stand Käse neben einem Krug Wein. Mit zwei Bechern.
Theon nahm einen in die Hand und schnupperte an den Weinresten. »Schieler war oben auf dem Wehrgang, oder?«
»Ja«, antwortete Lorren.
Theon schleuderte den Becher in den Kamin. »Ich würde sagen, Drennan hat sich gerade die Hose runtergezogen, um eine Frau zu stechen, als diese ihn gestochen hat. Mit seinem eigenen Käsemesser, scheint es. Jemand soll eine Pike holen und den anderen Narren da aus dem Graben fischen.«
Der andere Narr war in wesentlich schlechterem Zustand als Drennan. Der Schwarze Lorren zog ihn aus dem Wasser. Man hatte ihm den einen Unterarm abgerissen, die Hälfte seinen Halses fehlte, und wo sein Bauch gewesen war, klaffte ein riesiges Loch. Die Pike schnitt durch die Eingeweide, als Lorren den Leichnam heraushievte. Der Gestank war ekelhaft.
»Die Schattenwölfe«, entfuhr es Theon. »Beide, nehme ich an.« Angewidert ging er zur Zugbrücke. Winterfell wurde von zwei massiven Granitmauern geschützt, zwischen denen der breite Burggraben lag. Die äußere Mauer war fünfundzwanzig Meter hoch, die innere über dreißig. Da es Theon an Männern fehlte, hatte er nur die innere Mauer bemannen können. Er wollte es nicht riskieren, seine Leute auf der falschen Seite des Grabens zu haben, falls sich die Burgbewohner gegen ihn erhoben.
Es müssen zwei oder mehr gewesen sein, entschied er. Während die Frau Drennan abgelenkt hat, haben die anderen die Wölfe befreit.
Theon rief nach einer Fackel und führte die Männer zum Wehrgang hinauf. Er hielt die Fackel dicht über dem Boden vor sich und suchte nach … da. Auf der Innenseite des Wehrgangs zwischen zwei Zinnen entdeckte er es. »Blut«, verkündete er, »nur flüchtig fortgewischt. Vermutlich hat die Frau Drennan ermordet und die Zugbrücke heruntergelassen. Schieler hat die Ketten gehört und kam herbei, um nachzuschauen. Bis hierher hat er es geschafft. Sie haben die Leiche zwischen den Zinnen in den Graben hinuntergeworfen, damit keiner der anderen Wächter sie bemerkt.«
Urzen spähte die Mauer entlang. »Die anderen Wachtürme sind nicht weit. Ich kann die Fackeln sehen …«
»Fackeln, aber keine Wachen«, erwiderte Theon gereizt. »Winterfell hat mehr Türme als ich Männer.«
»Vier Wachen am Haupttor«, sagte der Schwarze Lorren, »und außer Schieler fünf auf den Mauern.«
Urzen sagte: »Wenn er wenigstens ins Horn gestoßen hätte …«
Meine Männer sind Dummköpfe. »Stell dir mal vor, du wärst an seiner Stelle gewesen, Urzen. Es ist dunkel und kalt. Du bist seit Stunden unterwegs und freust dich auf das Ende deiner Wache. Dann hörst du ein Geräusch und gehst zum Tor, und plötzlich siehst du Augen oben an der Treppe, die grün und golden im Licht der Fackeln leuchten. Zwei Schatten springen auf dich zu, schneller, als du zu glauben vermagst. Du erhaschst einen Blick auf Zähne, willst noch deinen Spieß senken, und dann haben sie dich schon erreicht, werfen sich auf dich und reißen dir den Bauch auf, zerfetzen das Leder wie Baumwolle.« Er stieß Urzen heftig an. »Und du gehst rücklings zu Boden, deine Eingeweide fallen dir aus dem Bauch, und eine der Bestien bohrt ihre Zähne in deinen Hals.« Theon packte den hageren Mann am Hals, schloss die Finger und lächelte. »Sag mir, in welchem Moment würdest du, während das alles passiert, in dein verdammtes Horn stoßen? « Er stieß Urzen grob zur Seite, sodass der gegen eine Zinne taumelte. Der Mann rieb sich den Hals. Ich hätte die Tiere umbringen sollen, nachdem wir die Burg eingenommen haben, dachte Theon verärgert. Ich hätte sie töten lassen sollen, ich wusste doch, wie gefährlich sie sind.