In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Unwillkürlich keuchte Elayne auf. Er hatte sich nicht zufällig ins Tel'aran'rhiod hineingeträumt, sonst wäre er längst verschwunden gewesen, aber sie konnte die Laute seiner Stiefel hören, die von den Bodenfliesen widerhallten. Entweder war er ein Traumgänger — die es den Weisen Frauen zufolge nur selten gab —, oder er besaß ein eigenes Ter'angreal.
Sie sprang auf und rannte ihm hinterher, aber so schnell sie auch war, Egwene war schneller. In dem einen Augenblick befand sie sich hinter ihnen, im nächsten stand sie an der Tür und sah in die Richtung, in der der Mann verschwunden war. Elayne versuchte, sich neben Egwene hinzudenken, und schon stand sie da. Im Korridor herrschte nun Stille, er war bis auf die flackernden Kandelaber und Truhen und Wandbehänge leer.
»Wie habt ihr das gemacht?«, wollte Nynaeve wissen, die mit geschürzten Röcken angelaufen kam. Sie trug rote Strümpfe, aus Seide! Als sie bemerkte, dass Elayne ihre Strümpfe bemerkt hatte, ließ sie die Röcke hastig fallen und spähte in den Korridor. »Wo ist er hin? Er könnte alles gehört haben! Habt ihr ihn erkannt? Er hat mich an jemanden erinnert, ich weiß nur nicht, an wen.«
»An Rand«, sagte Egwene. »Er hätte Rands Onkel sein können.«
Aber natürlich, dachte Elayne. Falls Rand einen bösartigen Onkel gehabt hätte.
Am anderen Ende des Thronsaals ertönte ein metallisches Geräusch. Die hinter dem Podest befindliche Tür zu den Ankleidezimmern schloss sich. Im Tel'aran'rhiod standen Türen entweder offen oder geschlossen, manchmal waren sie auch angelehnt; aber sie schwangen niemals zu.
»Beim Licht!«, murmelte Nynaeve. »Wie viele Leute haben uns denn belauscht? Ganz zu schweigen, wer und warum?«
»Wer auch immer sie sind«, erwiderte Egwene beherrscht, »anscheinend kennen sie das Tel'aran'rhiod nicht so gut wie wir. Und man kann mit Sicherheit sagen, dass es keine Freunde waren, andernfalls hätten sie nicht gelauscht. Und ich glaube auch nicht, dass sie Freunde waren, warum hätten sie sonst von entgegengesetzten Enden des Raums lauschen sollen? Der Mann trug einen schienarischen Mantel. In meinem Heer sind Schienarer, aber die kennt ihr ja alle. Keiner von ihnen ähnelt Rand.«
Nynaeve schnaubte. »Nun, wer auch immer es ist, mir lauschen zu viele Leute hinter Ecken. Das ist jedenfalls meine Meinung. Ich will in meinen Körper zurück, wo ich mir bloß wegen Spionen und vergifteten Dolchen Sorgen machen muss.«
Schienarer, dachte Elayne. Grenzländer. Wie hatte ihr das nur entfallen können? Nun, da war diese kleine Angelegenheit mit der Spaltwurzel gewesen. »Da ist noch etwas«, sagte sie mit lauter, aber beherrschter Stimme, von der sie hoffte, dass sie nicht weit tragen würde, und berichtete von Dyelins Nachricht über die Grenzländer im Braem-Wald. Sie fügte auch Meister Norrys Brieffreunde hinzu, während sie die ganze Zeit sowohl den Korridor als auch den Thronsaal im Auge zu behalten versuchte. Sie wollte nicht noch von einem anderen Spion überrascht werden. »Ich glaube, diese Herrscher sind im Braem-Wald«, endete sie. »Alle vier.«
»Rand«, hauchte Egwene; es klang gereizt. »Selbst wenn er unauffindbar ist, macht er die Dinge komplizierter. Was meinst du, sind sie gekommen, um ihm ein Bündnis anzubieten, oder wollen sie ihn Elaida übergeben? Sonst wüsste ich keinen Grund, warum sie tausend Meilen reisen sollten. Mittlerweile müssen sie doch ihre Schuhe essen! Hast du auch nur eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, ein Heer auf dem Marsch zu versorgen?«
»Ich glaube, das kann ich herausfinden«, sagte Elayne. »Ich meine, den Grund ihres Kommens. Und gleichzeitig... Egwene, du hast mich auf eine Idee gebracht.« Unwillkürlich musste sie lächeln. Der heutige Tag hatte doch etwas Gutes gebracht. »Ich glaube, ich könnte sie dazu benutzen, den Löwenthron zu sichern.«
Asne musterte den vor ihr stehenden großen Stickrahmen und stieß ein Seufzen aus, das zu einem Gähnen wurde. Die flackernden Lampen verbreiteten für diese Arbeit zu wenig Licht, aber das war nicht der Grund, warum ihre Vögel alle Schlagseite zu haben schienen. Sie wünschte sich, in ihrem Bett zu liegen, und sie verabscheute Stickereien. Aber sie musste wach bleiben und das war die einzige Möglichkeit, einer Unterhaltung mit Chesmal zu entgehen. Was Chesmal Unterhaltung nannte. Die arrogante Gelbe saß auf der anderen Seite des Raums konzentriert über ihre eigene Stickerei gebeugt, und sie glaubte, dass jeder, der eine Nadel ergriff, auch ein tiefes Interesse an dieser Handarbeit hatte. Andererseits wusste Asne genau, dass wenn sie nun von ihrem Stuhl aufstehen würde, Chesmal sie in kürzester Zeit mit Geschichten über ihre eigene Wichtigkeit erfreuen würde. In den Monaten seit Moghediens Verschwinden hatte Asne die Geschichte, wie Chesmal dabei geholfen hatte, Tamra Ospenya der Befragung zu unterziehen, mindestens zwanzigmal gehört, und wie sie die Roten veranlasst hatte, Sierin Vayu zu ermorden, bevor sie ihre Verhaftung befehlen konnte, mindestens fünfzigmal! Wenn man Chesmal so zuhörte, hatte sie die Schwarze Ajah im Alleingang gerettet, und sie würde es erzählen, wenn sie die Gelegenheit erhielt. Diese Art von Gesprächen waren nicht nur langweilig, sie waren auch gefährlich! Sogar tödlich, wenn der Hohe Rat davon erfuhr. Also unterdrückte Asne ein neuerliches Gähnen, betrachtete die Arbeit mit zusammengekniffenen Augen und stieß die Nadel durch das fest aufgespannte Leinentuch. Vielleicht würde sie, wenn sie das Rotkehlchen größer machte, auch die Schwingen größer machen können.
Das Klicken des Türriegels ließ beide Frauen aufsehen. Die beiden Diener wussten, dass man sie nicht stören durfte, außerdem waren die Frau und ihr Mann schon längst am Schlafen. Asne umarmte Saidar und knüpfte ein Gewebe, das einen Eindringling bis auf die Knochen verbrennen würde, und auch Chesmal wurde von dem Glühen umgeben. Falls die falsche Person durch diese Tür schritt, würde sie es bereuen, bis sie starb.
Es war Eldrith; in der Hand hielt sie ihre Handschuhe, und ihr dunkler Umhang lag noch immer über ihren Schultern. Auch das Gewand der untersetzten Braunen war dunkel und schmucklos. Asne hasste es, einfache Wollkleider zu tragen, aber sie durften kein Aufsehen erregen. Die schmucklose Kleidung passte zu Eldrith.
Sie blieb bei ihrem Anblick stehen und blinzelte, auf ihrem runden Gesicht spiegelte sich momentane Verwirrung. »Du meine Güte«, sagte sie. »Was habt ihr geglaubt, wer ich bin?« Sie warf die Handschuhe auf den kleinen Tisch neben der Tür, dann wurde sie sich plötzlich ihres Umhangs bewusst und runzelte die Stirn, als wäre ihr erst jetzt klar geworden, dass sie ihn oben getragen hatte. Sie öffnete sorgfältig die Silberbrosche an ihrem Hals und warf den Umhang auf einen Stuhl, wo er in einem unordentlichen Haufen liegen blieb.
Das Licht Saidars um Chesmal verlosch, als sie den Stickereirahmen zur Seite schob, damit sie aufstehen konnte. Ihr strenges Gesicht ließ sie größer erscheinen, als sie war, und sie war eine große Frau. Die hellbunten Blumen, die sie gestickt hatte, hätten in einem Garten stehen können. »Wo seid Ihr gewesen?«, verlangte sie zu wissen. Eldrith nahm unter ihnen den höchsten Rang ein, außerdem hatte Moghedien ihr das Kommando übergeben, aber Chesmal nahm das, wenn überhaupt, nur flüchtig zur Kenntnis. »Ihr solltet heute Nachmittag zurück sein und jetzt ist die halbe Nacht vorbei!«
»Ich habe die Zeit vergessen«, erwiderte Eldrith scheinbar in Gedanken verloren. »Es ist lange her, seit ich das letzte Mal in Caemlyn war. Die Innenstadt ist faszinierend, und ich habe großartig in einem Gasthaus gegessen, an das ich mich erinnerte. Obwohl ich sagen muss, dass es früher dort weniger Schwestern gab. Jedoch hat mich niemand erkannt.« Sie schaute die Brosche an, als würde sie sich fragen, wo sie herkam, dann steckte sie sie in ihre Gürteltasche.