In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Nynaeves Stuhl löste sich in Luft auf und sie landete mit einem deutlich hörbaren Aufprall auf dem Boden. Sie schien es kaum zu bemerken, denn sie blieb dort sitzen und starrte Egwene erstaunt an. »Sharina Melloy?«, sagte sie mit zitternder Stimme. »Sie ist Novizin?« Plötzlich trug sie ein Gewand, wie es Elayne noch nie zuvor gesehen hatte, mit fließenden Ärmeln und einem tiefen Ausschnitt, bestickt mit Blumenmustern und Zuchtperlen. Ihr Haar floss bis zur Taille, gehalten von einem Netz aus feinem, mit Smaragden und Mondsteinen besetztem Golddraht, der nicht dicker als ein Wollfaden war. Und an ihrem linken Zeigefinger steckte ein einfacher Goldring. Nur der Ki'sain und der Große Schlangenring hatten sich nicht verändert.
Egwene blinzelte. »Du kennst diesen Namen?«
Nynaeve erhob sich wieder auf die Füße und starrte ihre Kleidung an. Sie hielt die linke Hand hoch und berührte den schlichten Goldring beinahe zögernd.
Seltsamerweise ließ sie alles so, wie es war. »Möglicherweise handelt es sich um eine andere Frau«, murmelte sie. »Es kann nicht sein!« Sie erschuf einen Stuhl wie Egwenes und sah ihn stirnrunzelnd an, als würde sie ihm befehlen, sich keinesfalls von der Stelle zu rühren, aber als sie Platz nahm, wies er eine hohe Lehne auf. »Da gab es eine Sharina Melloy... Es war während meiner Prüfung zur Aufgenommenen«, stieß sie atemlos hervor. »Ich muss darüber nicht sprechen, so lautet die Regel!«
»Natürlich musst du das nicht«, erwiderte Egwene, obwohl der Blick, den sie Nynaeve zuwarf, mit Sicherheit genauso seltsam war wie der, mit dem Elayne sie ansah. Dennoch konnte man nicht mehr tun; wenn Nynaeve stur sein wollte, konnte sie Maultiere darin unterrichten.
»Da du die Kusinen angesprochen hast, Egwene«, sagte Elayne, »hast du dir weitere Gedanken über den Eidstab gemacht?«
Egwene hob eine Hand, als wollte sie sie aufhalten, aber ihre Erwiderung war ruhig und besonnen. »Darüber muss man nicht weiter nachdenken. Die Drei Eide, die auf den Eidstab abgelegt werden, machen uns zu Aes Sedai. Ich habe das zuerst nicht eingesehen, aber jetzt tue ich es. Am ersten Tag, an dem wir in der Burg herrschen, werde ich die Drei Eide auf den Eidstab schwören.«
»Das ist Wahnsinn!«, rief Nynaeve und beugte sich auf ihrem Stuhl vor. Überraschenderweise war es noch immer derselbe Stuhl. Und noch immer dasselbe Gewand. Sehr überraschend. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt, die auf ihrem Schoss ruhten. »Du weißt, was das zur Folge hat, die Kusinen sind der Beweis dafür! Wie viele Aes Sedai werden älter als dreihundert Jahre? Oder erreichen überhaupt dieses Alter? Und sag mir nicht, ich soll nicht über das Alter sprechen. Das ist ein lächerlicher Brauch und das weißt du. Egwene, sie haben Reanne zur Ältesten gemacht, weil sie die älteste Frau der Kusinen in Ebou Dar war. Die älteste überhaupt ist eine Frau namens Aloisia Nemosni, eine Ölhändlerin in Tear. Egwene, sie ist fast sechshundert Jahre alt! Wenn der Saal das hört, dann wette ich, dass die Schwestern bereit sind, den Eidstab auf ein Regal zu verbannen.«
»Dreihundert Jahre sind eine lange Zeit«, warf Elayne ein, »aber ich kann nicht behaupten, dass mich die Aussicht glücklich macht, möglicherweise meine Lebensspanne zu halbieren, Egwene. Und was ist mit dem Eidstab und deinem Versprechen gegenüber den Kusinen? Reanne möchte eine Aes Sedai sein, aber was geschieht, wenn sie die Eide schwört? Und Aloisia? Werden sie tot umfallen? Du kannst sie nicht um den Schwur bitten, wenn du es nicht weißt.«
»Ich bitte um nichts.« Egwenes Gesicht war noch immer unbewegt, aber sie saß aufrechter da und ihre Stimme war kühler. Und härter. Ihr Blick war bohrend. »Jede Frau, die Schwester werden will, wird die Eide schwören. Und jede, die sich weigert und sich trotzdem Aes Sedai nennt, wird die volle Macht der Burgjustiz zu spüren bekommen.«
Der kompromisslose Blick ließ Elayne schlucken. Nynaeve wurde blass. Egwenes Worte waren unmissverständlich. Jetzt hörten sie nicht ihre Freundin, sondern den Amyrlin-Sitz, und der Amyrlin-Sitz hatte keine Freunde, wenn die Zeit gekommen war, Recht zu sprechen.
Anscheinend zufrieden mit dem, was sie sah, entspannte sich Egwene. »Ich kenne das Problem«, sagte sie in einem gelasseneren Tonfall. Gelassener, das schon, aber er lud nicht zur Diskussion ein. »Ich erwarte von jeder Frau, die im Novizinnenbuch steht, dass sie so weit geht, wie sie kann, dass sie sich die Stola verdient, wenn sie kann, und als Aes Sedai dient, aber ich will nicht, dass einer dafür stirbt, wenn er sonst leben könnte. Sobald der Saal von den Kusinen erfährt und sobald sie sich wieder beruhigt haben, werde ich ihnen wohl die Zustimmung abringen können, dass eine Schwester, die sich zur Ruhe setzen will, das auch tun kann. Von den Eiden entbunden.« Sie waren vor langer Zeit zu dem Schluss gekommen, dass der Stab auch dazu benutzt werden konnte, jemanden von seinen Eiden zu entbinden; wieso hätten die Schwarzen Schwestern sonst lügen können?
»Ich schätze, das wäre in Ordnung«, gestand ihr Nynaeve verständnisvoll zu. Elayne nickte bloß; sie war sich sicher, dass da noch mehr kam.
»Sich bei den Kusinen zur Ruhe setzt, Nynaeve«, ergänzte Egwene sanft. »Auf diese Weise sind die Kusinen ebenfalls an die Burg gebunden. Natürlich werden sie weiterhin ihren Regeln folgen, aber sie werden sich einverstanden erklären müssen, dass ihr Nähkränzchen unter der Amyrlin anzusiedeln ist, wenn nicht sogar unter dem Saal, und dass Kusinen unter den Schwestern stehen. Ich will, dass sie ein Teil der Burg werden und nicht ihre eigenen Wege gehen. Aber ich glaube, dass sie darin einwilligen.«
Nynaeve nickte erneut, diesmal glücklich, aber ihr Lächeln verschwand, als ihr die volle Tragweite bewusst wurde. Sie stotterte indigniert. »Aber...! Bei den Kusinen bestimmt das Alter die Stellung! Du wirst dann Schwestern haben, die Befehle von Frauen annehmen müssen, die es nicht einmal bis zur Aufgenommenen geschafft haben!«
»Ehemalige Schwestern, Nynaeve.« Egwene spielte an dem Großen Schlangenring an ihrer rechten Hand herum und seufzte leise. »Selbst Kusinen, die sich den Ring verdient haben, tragen ihn nicht. Also werden wir auch das aufgeben müssen. Wir werden dann Kusinen sein, Nynaeve, keine Aes Sedai mehr.«
Sie hörte sich an, als könnte sie diesen fernen Tag und den Verlust, den er bringen würde, bereits spüren, aber sie ließ den Ring los und holte tief Luft. »Nun, gibt es sonst noch etwas? Ich habe noch eine lange Nacht vor mir, und ich würde gern etwas echten Schlaf mitbekommen, bevor ich mich wieder den Sitzenden stellen muss.«
Nynaeve hatte stirnrunzelnd die Faust geballt und die andere Hand darübergelegt, um die Ringe zu verbergen, aber sie schien bereit zu sein, nicht weiter wegen den Kusinen zu diskutieren. Zumindest für den Augenblick. »Machen dir deine Kopfschmerzen noch immer zu schaffen? Ich finde, wenn die Massagen dieser Frau etwas helfen würden, hättest du sie nicht mehr.«
»Halimas Massagen wirken Wunder. Ohne sie könnte ich überhaupt nicht schlafen. Nun, gibt es noch...« Sie verstummte und starrte auf den Eingang zum Thronraum und Elayne drehte sich um und folgte ihrem Blick.
Ein Mann stand dort und beobachtete sie, ein Mann, der beinahe so groß wie ein Aiel war. Er hatte dunkelrotes Haar, in dem sich ein paar weiße Strähnen abzeichneten, aber kein Aiel hätte je diesen blauen Mantel mit hohem Kragen getragen. Er wirkte muskulös und sein hartes Gesicht kam ihnen irgendwie bekannt vor. Als er bemerkte, dass sie ihn gesehen hatten, drehte er sich um und rannte in den Korridor hinein, bis er aus ihrer Sicht verschwunden war.