In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Wir müssen so schnell wie möglich nach unten«, murmelte er. Ihnen begegnete noch immer kein Mensch, aber bereits hinter der nächsten Ecke konnten ihnen zehn Leute entgegenkommen. »Denk daran, frag den ersten Diener, den wir sehen, wo Nynaeve und Mat zu finden sind. Gib keine komplizierten Erklärungen ab, es sei denn, du bist dazu gezwungen.«
»Danke, nett, dass du mich daran erinnerst, Rand. Ich wusste doch, dass ich etwas vergessen habe, aber es wollte mir einfach nicht mehr einfallen.« Ihr rasches Lächeln war etwas zu angespannt und sie murmelte etwas, das er nicht verstand.
Rand seufzte. Das hier war zu wichtig, als dass sie hätte Spielchen spielen können, aber wenn er nicht Acht gab, würde sie genau das tun. Nicht, dass sie es so gesehen hätte. Doch manchmal unterschied sich ihre Vorstellung von dem, was wichtig war, von der seinen. Sogar sehr. Er durfte sie nicht aus den Augen lassen.
»Was denn, Frau Farshaw«, sagte da eine Frauenstimme hinter ihnen. »Ihr seid es doch, Frau Farshaw, oder?«
Die Ledertasche schwang herum und stieß hart gegen Rands Rücken, als er sich auf dem Absatz umdrehte. Die pummelige Frau mit dem grauen Haar, die Min erstaunt anstarrte, war neben Elayne und Aviendha so ziemlich die letzte Person, der er hatte begegnen wollen. Er nahm eine gekrümmte Haltung an und vermied es, sie direkt anzusehen; er war nur ein Tagelöhner, der seinen Pflichten nachging, kein Grund, ihm einen zweiten Blick zu widmen. Dabei fragte er sich, warum sie wohl einen roten Wappenrock mit einem weißen Löwen auf der Brust trug.
»Frau Harfor?«, rief Min aus und strahlte erfreut übers ganze Gesicht. »Ja, ich bin es. Und Ihr seid genau die Frau, die ich gesucht habe. Ich fürchte, ich habe mich verlaufen. Könnt Ihr mir sagen, wo ich Nynaeve al'Meara finde? Und Mat Cauthon? Dieser Bursche hier bringt etwas, worum Nynaeve gebeten hat.«
Die Haushofmeisterin betrachtete Rand mit einem kaum merklichen Stirnrunzeln, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Min richtete. Sie bedachte ihre Aufmachung mit einem missbilligenden Blick — vielleicht galt er auch dem Staub, der überall an der Kleidung haftete —, enthielt sich aber jeder Bemerkung. »Mat Cauthon? Ich glaube nicht, dass ich ihn kenne. Ist das einer der neuen Diener oder ein Gardesoldat?«, fragte sie zweifelnd. »Nynaeve Sedai ist sehr beschäftigt. Sie wird sicher nichts dagegen haben, wenn ich die Lieferung entgegennehme und in ihr Zimmer stelle.«
Unwillkürlich richtete sich Rand zu seiner vollen Größe auf. Nynaeve Sedai? Warum sollten die anderen, die echten Aes Sedai, diese Täuschung noch immer zulassen? Und Mat war nicht hier? Anscheinend war er überhaupt nicht hier gewesen! Farben wirbelten durch seinen Geist und verschmolzen beinahe zu einem greifbaren Bild. Es verschwand beim nächsten Herzschlag, aber er taumelte kurz. Frau Harfor bedachte ihn erneut mit einem Stirnrunzeln und schnupperte. Vermutlich hielt sie ihn für betrunken.
Auch Min hatte die Stirn in Falten gelegt, aber sie dachte nach und klopfte mit dem Finger gegen das Kinn. Es dauerte nicht lange. »Ich glaube, Nynaeve... Sedai wird ihn sehen wollen.« Das Zögern war kaum zu bemerken gewesen. »Könntet Ihr ihn zu ihren Gemächern führen lassen, Frau Harfor? Ich habe noch eine Besorgung zu erledigen, bevor ich gehe. Nuli, du benimmst dich jetzt und tust, was man dir sagt. Sei ein braver Junge.«
Rand öffnete den Mund; bevor er ein Wort hervorbringen konnte, eilte sie schon den Korridor entlang. Sie rannte beinahe. Sie bewegte sich so schnell, dass ihr Umhang hinter ihr herwehte. Verdammt, sie würde versuchen, Elayne zu finden! Sie konnte alles ruinieren!
Deine Pläne scheitern, weil du leben willst, du Verrückter. Lews Therins Stimme war ein raues, verschwitztes Flüstern. Akzeptiere, dass du tot bist. Akzeptiere es und hör endlich auf, mich zu foltern, du Narr! Rand unterdrückte die Stimme, bis sie nur noch ein gedämpftes Summen war, ein Summen in der Dunkelheit der Tiefe seines Bewusstseins. Nuli? Was für ein Name sollte das denn sein?
Frau Harfor starrte Min hinterher, bis sie um die Ecke bog, dann zupfte sie an ihrem Wappenrock herum, um ihn zu richten, dabei hatte er es gar nicht nötig. Selbst mit der Maske der Spiegel sah sie einen Mann vor sich, der sie hoch überragte, aber Ren ee Harfor war keine Frau, die sich auch nur einen winzigen Augenblick lang von einer so unwichtigen Sache aus dem Konzept bringen ließ. »Du siehst nicht vertrauenswürdig aus, Nuli«, sagte sie und kniff die Augen finster zusammen, »also überleg dir gut, was du tust. Und wenn du auch nur einen Funken Verstand hast, überlegst du es dir sogar sehr gut.«
Er hielt den Schulterriemen mit der einen Hand fest und strich sich mit der anderen eine Haarlocke aus der Stirn. »Ja, Herrin«, murmelte er mürrisch und mit verstellter Stimme. Die Haushofmeisterin kannte seine wahre Stimme und würde sie womöglich erkennen. Min hatte das Reden übernehmen sollen, bis sie Nynaeve und Mat fanden. Was beim Licht sollte er nur tun, wenn sie Elayne anschleppte? Und vielleicht auch Aviendha. Sie war möglicherweise auch hier. Licht! »Entschuldigt bitte, Herrin, aber wir sollten uns beeilen. Es ist wichtig, dass ich Nynaeve so schnell wie möglich sehe.« Er hob die Ledertasche ein Stück an. »Sie wollte das hier wirklich ganz dringend haben.« Wenn er bei Mins Rückkehr alles erledigt hatte, würden sie vielleicht von hier verschwinden können, bevor er sich den beiden anderen stellen musste.
»Falls Nynaeve Sedai dies wirklich so dringend haben musste«, sagte die pummelige Frau spitz und betonte den Ehrentitel, den er unterschlagen hatte, »hätte sie dein Kommen angekündigt. Und jetzt folge mir und behalte deine Ansichten bitte für dich.«
Ohne auf eine Erwiderung zu warten, setzte sie sich in Bewegung und rauschte mit würdevoller Anmut durch die Korridore. Was blieb ihm auch anderes übrig, als genau das zu tun, was sie ihm befohlen hatte? Soweit er sich erinnerte, war die Haushofmeisterin daran gewöhnt, dass jeder das tat, was man ihm befahl. Er bemühte sich, sie einzuholen, und verweilte nur einen Schritt lang an ihrer Seite, bis ihr überraschter Blick ihn zurückfallen, sich verlegen an der Haarlocke zupfen und eine Entschuldigung murmeln ließ. Er war es nicht gewöhnt, hinter jemandem hergehen zu müssen. Das war seiner Stimmung nicht gerade förderlich. Wie gewöhnlich war ihm noch immer etwas schwindelig und der Schmutz des Makels war auch noch zu spüren. In letzter Zeit schien er öfters schlecht als gut gelaunt zu sein, es sei denn, Min war an seiner Seite.
Sie hatten noch keine große Strecke zurückgelegt, als die Korridore auch schon von Scharen von Dienern bevölkert wurden, die das Mobiliar auf Hochglanz polierten und Staub wischten und umhereilten. Offensichtlich kam es nur selten vor, dass niemand in der Nähe war, so wie eben, als Min und er die Abstellkammer verlassen hatten. Wieder einmal der Einfluss des Ta'veren. Es ging eine schmale, in die Mauern eingebaute Dienstbotentreppe hinunter, und nun begegneten sie noch mehr Dienern. Und noch etwas war interessant, es gab viele Frauen, die keine Livree trugen. Kupferhäutige Domani, kleinwüchsige hellhäutige Cairhienerinnen, Frauen mit olivfarbener Haut und dunklen Augen, bei denen es sich eindeutig nicht um Andoranerinnen handelte. Sie ließen Rand lächeln; es war ein schmales, zufriedenes Lächeln. Keine von ihnen hatte ein Gesicht, das die Bezeichnung alterslos verdient hätte, und viele hatten Falten und Runzeln, die man niemals bei einer Aes Sedai gesehen hätte, aber bei einigen von ihnen bekam er im Vorbeigehen manchmal eine Gänsehaut. Sie konnten die Macht lenken oder zumindest Saidar ergreifen. Frau Harfor führte ihn an verschlossenen Türen vorbei, wo sich dieses Kribbeln ebenfalls bemerkbar machte. Hinter diesen Türen gab es andere Frauen, welche die Macht lenkten.