In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Ich gehe in mein Zimmer«, sagte Nynaeve steif. Sie schenkte sowohl Birgitte wie auch Aviendha einen strengen Blick. Irgendwie ließ der Ki'sain auf ihrer Stirn sie noch unnachgiebiger erscheinen. »Ihr beiden bleibt wach und haltet die Augen offen! Bis ihr sie mit diesen Frauen umgeben habt, schwebt sie noch immer in Gefahr. Wie auch danach, woran ich euch wohl nicht zu erinnern brauche.«
»Glaubst du, das wüsste ich nicht?«, protestierte Aviendha, während Birgitte gleichzeitig knurrte: »Nynaeve, ich bin keine Närrin!«
»Das sagst du«, entgegnete Nynaeve gleichzeitig an beide gemünzt. »Das hoffe ich, um Elaynes willen. Und um euretwillen.« Sie raffte ihr Schultertuch zusammen und rauschte so majestätisch aus dem Raum, wie es sich eine Aes Sedai nur wünschen konnte. In letzter Zeit wurde sie sehr gut darin.
»Man könnte glauben, sie wäre hier die verdammte Königin«, murmelte Birgitte.
»Sie ist hier diejenige, die zu stolz ist, Birgitte Trahelion«, knurrte Aviendha. »So stolz wie eine Shaido mit einer Ziege.« Sie nickten einander in perfekter Übereinstimmung zu.
Aber Elayne entging nicht, dass sie gewartet hatten, bis sich hinter Nynaeve die Tür geschlossen hatte. Die Frau, die immer so heftig bestritten hatte, eine Aes Sedai werden zu wollen, verwandelte sich sehr wohl in eine. Vielleicht hatte Lan etwas damit zu tun, der sie mit seiner Erfahrung lehrte. Manchmal musste sie sich noch immer bemühen, die Beherrschung nicht zu verlieren, aber seit ihrer seltsamen Hochzeit schien es ihr zusehends leichter zu fallen.
Der erste Schluck Wein schmeckte so, wie er sollte, es war ein sehr guter Wein, aber Elayne bedachte den Becher mit einem Stirnrunzeln und zögerte. Bis sie erkannte, was sie da tat und warum. Die Erinnerung an die in ihren Tee gemischte Spaltwurzel war noch immer stark. Was hatte Nynaeve hier reingetan? Natürlich keine Spaltwurzel, aber was dann? Den Becher zu heben, um einen großen Schluck zu nehmen, erschien sehr mühsam. Trotzig trank sie den Wein aus. Ich war durstig, das war alles, dachte sie und stellte den Becher wieder auf dem Silbertablett ab. Ich Iwbe bestimmt nicht versucht, etwas zu beweisen.
Die anderen beiden Frauen hatten sie beobachtet, aber als sie eine bequemere Position einnahm, um zu schlafen, sahen sie sich an.
»Ich halte im Wohnzimmer Wache«, erklärte Birgitte. »Dort stehen mein Bogen und mein Köcher. Du bleibst hier für den Fall, dass sie dich braucht.«
Statt zu streiten, zog Aviendha ihr Gürtelmesser und kniete an der Seite nieder, wo sie jeden, der durch die Tür kam, sehen würde, bevor derjenige sie sah. »Klopf zweimal, dann einmal und sag deinen Namen, bevor du eintrittst«, sagte sie. »Sonst gehe ich davon aus, dass es ein Feind ist.« Und Birgitte nickte, als wäre es das Vernünftigste auf der Welt.
»Das ist doch...« Elayne verbarg ein Gähnen hinter der Hand. »Albern«, setzte sie hinzu, als sie wieder sprechen konnte. »Niemand wird einen Versuch unternehmen...« Das nächste Gähnen, und diesmal hätte sie sich die Faust in den Mund stopfen können! Licht, was hatte Nynaeve in den Wein getan? »...mich heute Nacht zu töten«, sagte sie schläfrig, »und das wisst ihr beide...«-Ihre Lider waren wie Blei und senkten sich trotz aller Bemühungen, sie aufzuhalten. Unbewusst schmiegte sie das Gesicht ins Kissen und versuchte, den Satz zu beenden, aber...
Sie befand sich im Großen Saal, dem Thronsaal des Palastes. In der Widerspiegelung des Großen Saals im Tel'amn'rhiod. Hier schien der verdrehte Steinring, der in der Welt der Wachenden viel zu schwer für seine Größe zu sein schien, leicht genug zu sein, um zwischen ihren Brüsten hervorzuschweben. Natürlich gab es Licht, das von überall zugleich und von nirgendwo herzukommen schien. Es glich keinem Sonnenlicht, auch keinem Lampenlicht, aber selbst wenn es hier Nacht war, gab es immer noch genug von diesem seltsamen Licht, um etwas erkennen zu können. Wie in einem Traum. Das ständig gegenwärtige Gefühl, von unsichtbaren Augen beobachtet zu werden, war nicht wie im Traum — eher wie in einem Albtraum, aber daran hatte sie sich gewöhnt.
Im Großen Saal wurden prächtige Audienzen abgehalten, ausländische Botschafter empfangen und den versammelten Würdenträgern wichtige Verträge und Kriegserklärungen verkündet; das lang gezogene Gemach passte zu seinem Namen und seiner Funktion. Jetzt, da es menschenleer war, erschien es wie eine Höhle. Zwei Reihen leuchtender weißer Säulen, die zehn Spannen hoch waren, säumten den Raum, und an einem Ende stand der Löwenthron auf einem Marmorpodest, dessen weiße Stufen, die von dem mit roten und weißen Fliesen ausgelegten Boden hinaufführten, mit rotem Teppich belegt waren. Der Thron hatte die richtige Größe für eine Frau, war aber mit den Beinen, die in stämmigen geschnitzten und vergoldeten Löwenpranken endeten, durchaus massiv; oben auf der hohen Lehne stach der aus Mondsteinen gefertigte Weiße Löwe aus einem Feld aus Rubinen hervor und verkündete allen, dass derjenige, der hier saß, eine mächtige Nation beherrschte. Aus hoch oben in der Kuppeldecke eingesetzten bunten Fenstern blickten die Königinnen, die Andor gegründet hatten, in die Tiefe; ihre Bilder wechselten sich mit dem Weißen Löwen und Szenen aus den Schlachten ab, die sie ausgefochten hatten, um Andor aus einer unbedeutenden Stadt in Artur Falkenflügels zerbrechendem Reich zu dieser Nation zu machen. Viele Länder, die aus dem Hundertjährigen Krieg hervorgegangen waren, gab es nicht mehr, aber Andor hatte die seitdem vergangenen tausend Jahre überstanden und war aufgeblüht. Manchmal hatte Elayne das Gefühl, dass diese Portraits sie einschätzten und für wert befanden, in ihre Fußstapfen zu treten.
Sie hatte sich kaum im Großen Saal eingefunden, als eine andere Frau auf dem Löwenthron erschien, eine dunkelhaarige junge Frau in fließender roter Seide, deren Ärmel und Säume mit silbernen Löwen bestickt waren, die eine Kette aus Feuertropfen so groß wie Taubeneier um den Hals trug und auf deren Kopf die Rosenkrone saß. Eine Hand leicht auf dem Löwenkopf am Ende der Thronlehne ruhend, ließ sie majestätisch den Blick durch den Saal schweifen. Dann entdeckte sie Elayne und zusammen mit Verwirrung kam die Erinnerung. Krone, Feuertropfen und Seide verschwanden, um von einfacher Wolle und einer langen Schürze ersetzt zu werden. Einen Augenblick später verschwand auch die junge Frau.
Elayne lächelte amüsiert. Selbst Tellerwäscherinnen träumten davon, auf dem Löwenthron zu sitzen. Hoffentlich war das Mädchen wegen der erlebten Überraschung nicht voller Furcht aufgewacht oder zumindest in einen anderen schönen Traum übergewechselt. Einen sichereren Traum als im Tel'aran'rhiod.
Im Thronsaal veränderten sich andere Dinge. Die kunstvollen Kandelaber, die in Reihen das Gemach säumten, schienen zu vibrieren. Die großen Flügeltüren standen in dem einen Augenblick offen, im nächsten waren sie wieder geschlossen. Nur Dinge, die für lange Zeit an ein und demselben Ort gestanden hatten, hatten in der Welt der Träume eine permanente Spiegelung.
Elayne stellte sich einen Spiegel vor und schon stand er vor ihr und zeigte ihr Abbild in einem hochgeschlossenen grünen Seidengewand, dessen Oberteil mit silbernen Mustern geschmückt war, mit Smaragdohrringen und kleineren Smaragden, die in ihre rotblonden Locken geflochten waren. Sie ließ die Smaragde aus ihrem Haar verschwinden und nickte. So passte es zu einer Tochter-Erbin und war nicht zu auffällig. Hier musste man vorsichtig sein, wie man sich selbst vorstellte, sonst... Ihr bescheidenes grünes Seidengewand wurde zu den eng anliegenden Falten einer tarabonischen Tracht, blitzte auf und wich dunklen, weit geschnittenen Meervolk-Hosen und nackten Füßen, komplett mit goldenen Ohrringen und Nasenring und einer Kette voller Medaillons und sogar dunklen Tätowierungen auf den Händen. Aber ohne Bluse, so wie das Atha'an Miere zur See fuhr. Mit geröteten Wangen machte sie hastig alles wieder ungeschehen und kehrte zur ursprünglichen Kleidung zurück, wechselte jedoch die Smaragdohrringe gegen schlichte Silberreifen aus. Je einfacher man sich seine Kleidung vorstellte, desto leichter war es, sie aufrechtzuerhalten.