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Pelagia und der rote Hahn

Электронная книга - «Pelagia und der rote Hahn». Краткое содержание книги:

Als ebenso kluge wie charmante Begleiterin ist Schwester Pelagia ihrem Bischof Mitrofani unentbehrlich geworden, und so begleitet sie ihn auf einer Schiffsreise von Moskau nach Zarinin. Schon bald werden ihre kriminalistischen Fähigkeiten auf eine erneute Probe gestellt: Ein Passagier wird nachts in seiner Kabine im Schlaf überrascht und umgebracht. Es handelt sich um den Anführer einer zum Judentum konvertierten Gruppe orthodoxer Russen, die auf dem Weg nach Jerusalem ist, ins Heilige Land. Diese Gruppe hatte dem Ermordeten nicht nur ihre gesamte Reisekasse anvertraut, sondern ihn auch als ihren »Messias« verehrt. Doch seinen bürgerlichen Namen und seine Herkunft scheint niemand auf dem Schiff zu kennen. So steuert man den nächsten Hafen an, wo Sergej Sergejewitsch Dolinin, ein hoher Beamter des russischen Innenministeriums, bereits auf Pelagia wartet, um mit ihr die Ermittlungen aufzunehmen. Er hat den Geburtsort des »Messias« in Erfahrung gebracht, und so machen sich die beiden zu diesem im Ural gelegenen Ort auf. Dort angekommen, finden sie schnell den eigentlichen Namen des Opfers heraus: Pjotr Scheluchin. Dolinin scheint sich mit dieser Auskunft zu begnügen und reist zurück nach St. Petersburg. Doch Pelagia kann sich damit nicht zufrieden geben: Die neugierige Nonne setzt ihre Nachforschungen fort – und wird selbst zur Gejagten, als man zum ersten Mal versucht, sie umzubringen. Der Mörder heftet sich fortan an ihre Fersen und zwingt sie zu einer weiten Reise, die sie bis nach Jerusalem führt . . .
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Golossowker hob bedeutungsvoll den Zeigefinger.

Matwej Benzionowitsch brachte seine Begeisterung für die Geschäftstüchtigkeit seines Zunftgenossen angemessen zum Ausdruck und hakte dann vorsichtig nach:

»Und wer hat nun den Wechsel bezahlt? Der ehrwürdige Rabbi Schefarewitsch?«

Ephraim Lejbowitsch setzte eine verächtliche Grimasse auf.

»Schefarewitsch soll einen Gendarmen freikaufen? A hiz in a parowos!«

»Hitze in einer Lokomotive?«, fragte Berditschewski verständnislos. »Was bedeutet dieser Ausdruck?«

Der Wucherer lachte:

»Sie mit Ihrem Familiennamen sollten das eigentlich wissen. Das kommt aus Berditschew, aus der Zeit, als man dort die Eisenbahnlinie gebaut hat. Ich meine damit: Schefarewitsch braucht diesen Gendarmen so wenig, wie eine Lokomotive überflüssigen Dampf.«

»Aber es könnte doch irgendeine besondere Verbindung zwischen den beiden geben, von der Außenstehende nichts wissen . . .«

»Nein, nein und nochmals nein«, fuhr ihm Golossowker brüsk ins Wort. »Zwischen den Menschen kann es natürlich alle möglichen Verbindungen geben, aber auch Schefarewitsch kann sich schließlich keine fünfzehntausend aus den Rippen schneiden. Wer wüsste das besser als ich. Schefarewitsch und fünfzehntausend! Da kann ich ja nur lachen! Einen solchen umsin kann nur jemand glauben, der in Sawolshsk lebt. Jagen Sie Razewitsch zum Teufel, er ist ein Schwindler. Er wird Ihnen das Geld nie zurückzahlen, und die Bürgschaft hat er gefälscht, vermutlich weiß er, dass Schefarewitsch abgereist ist und nie mehr wiederkommt. Da haben Sie meinen Rat im Werte von fünfundzwanzigtausend Rubel!«

Und das bekräftigte der Wucherer mit einer ausholenden Geste der Großzügigkeit.

Triumph der Emanzipation

»Moment, Moment«, rief Matwej Benzionowitsch erregt, dessen zweite und letzte Version damit in sich zusammenfiel. »Sie sagen, dass ›Goel-Jissrael‹ kein Geld hatte, um Razewitsch freizukaufen. Das ist schwer zu glauben. So ein angesehener Mann wie Rabbi Schefarewitsch braucht doch kein eigenes Kapital. Er muss nur mit dem kleinen Finger winken, und die reichen Juden geben ihm, so viel er haben will. Ich habe von einer Person, die vollstes Vertrauen verdient, gehört, der ehrenwerte Rabbi solle dem Propheten Ezechiel ähneln. Man sagt, einen so strengen und kämpferischen Juden habe es seit den Zeiten von Judas Makkabäus nicht mehr gegeben, und in Rabbi Schefarewitsch sei die Kraft und der Zorn Israels wiedererstanden.«

»Spucken Sie dem, der Ihnen das gesagt hat, ins Gesicht. Schefarewitsch ist ein ganz gewöhnliches Großmaul, wie sie die dürre Erde der Diaspora in Massen hervorbringt. Die lassen ihre Bärte zittern, rollen die Augen und stoßen wilde Drohungen aus, in Wirklichkeit aber sind sie wie die Ringelnattern, die zwar viel Gezischei machen, deren Biss aber vollkommen harmlos ist.« Golossowker seufzte schwer. »Es gibt allerdings neue Makkabäer, nur, die tragen keine Schläfenlocken und heiligen nicht den Schabbat, das können Sie mir glauben.«

»Sie meinen die Zionisten?«

»Einige von ihnen.« Der Wucherer schielte zu dem jungen Mann und senkte die Stimme zu einem Flüstern. »Wissen Sie, wofür ich die fünfzehntausend ausgegeben habe, und sogar noch fünftausend mehr?« Er breitete die Hände zu einer leidvollen Geste. »Sie werden es mir nicht glauben. Für die Trockenlegung irgendwelcher Sümpfe in einem Tal in Palästina. Was halten Sie davon? Wo ist Ephraim Golossowker, und wo sind diese Sümpfe, frage ich Sie?«

»Nun, eine edle Tat«, antwortete Berditschewski zerstreut. Er war mit seinen Gedanken schon woanders.

»Wenn man so nachdrücklich darum gebeten wird, wird jeder zum Wohltäter, och-n-wej . . .«

Der Tonfall, in dem diese Bemerkung ausgesprochen wurde, ließ den Staatsrat aufhorchen.

»Hat man Sie gezwungen? Wurden Sie etwa erpresst?«

»Nein«, entgegnete Ephraim Lejbowitsch bitter. »Dieser Herr hat mich nicht erpresst. Er ist einfach zu mir ins Hotel gekommen, ein höflicher junger Mann im Cutaway und mit Krawatte, und hat ganz freundlich zu mir gesagt: ›Sie sind ein reicher Mann, Monsieur Golossowker, und Sie sind im Wesentlichen dadurch reich geworden, dass Sie den armen Juden das Blut ausgesaugt haben. Jetzt ist die Zeit gekommen, mit Ihrem Volk zu teilen. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie in den nächsten drei Tagen zwanzigtausend Rubel in die Kasse der Kommune ›Megiddo-Hadasch‹ einzahlten. Zahlen Sie nicht, müssten wir uns noch einmal wieder sehen.‹ Und dabei ist er nicht einmal laut geworden, wissen Sie, ganz anders als Rabbi Schefarewitsch. Ich dachte: Das ist eine Schlange, die nicht zischt, aber wenn sie beißt, dann neschine gedacht. Ich hatte nicht das geringste Bedürfnis, diesen jungen Mann noch einmal wieder zu sehen.«

»Wann war das? Und wo? Wer war dieser Mensch?«

»Wann, fragen Sie? Vor vier Monaten. Wo? In Odessa, sol doch farchapt wem. Ich war in geschäftlichen Angelegenheiten dort.«

»Und wer war nun dieser Bandit?«, fragte Matwej Benzionowitsch noch einmal.

»Das Wort haben Sie gebraucht, nicht ich«, sagte der Wucherer und blickte zur Tür, obwohl es von Odessa bis hierher gut fünfhundert Werst waren. »Viele Juden halten ihn für einen Helden. Tja, Helden und Banditen backt man aus demselben Teig, wenn Sie mich fragen. Aber das nur nebenbei. Der höfliche junge Mann, der mich aufsuchte, hieß Magellan. Ich habe einige Erkundigungen über ihn eingezogen, und was ich da zu hören bekam, das klang nicht gut. Also, denke ich, Sümpfe hin oder her, zwanzigtausend Rubel sind zwar sehr viel Geld, aber was kann ein Toter damit anfangen?«

»So schlimm?«, grinste Berditschewski, den diese Geschichte amüsierte. Wer hätte gedacht, dass der Shitomirer Gobsek so leicht zu beeindrucken war?

»Ich werde Ihnen nicht alles im Einzelnen erzählen, was mir über den Juden namens Magellan berichtet wurde, das würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen und Ihnen mit Sicherheit nur unerfreuliche Albträume bescheren; und wer wünscht sich schon Albträume in der Nacht auf den Schabbat? Ich werde Ihnen nur das erzählen, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, und dann können Sie meinetwegen sagen ›So schlimm?‹ und grinsen, so viel Sie wollen. Recht so?« Es fröstelte Golossowker bei den unerfreulichen Erinnerungen. »Sie glauben, ich sei so meschugge, dass ich einfach mir nichts dir nichts, oder weil irgendein Kasper mir einen Schrecken einjagt, zwanzigtausend Rubel in die Sümpfe schicke? Zwei Tage sind zwei Tage, dachte ich mir, in zwei Tagen hat Gott das Licht von der Finsternis getrennt und das Land vom Wasser – da wir schon mal von Sümpfen reden. In der ›Odessaer Zeitung‹ las ich, dass diese ›Megiddo-Hadasch‹ am folgenden Tage eine Kundgebung abhalten würde, und beschloss, mir mal anzuschauen, was das für Leute sind. Im schlimmsten Falle wollte ich mich noch am selben Tag nach Shitomir absetzen, und dann könnte Monsieur Magellan mich lange suchen. Ansonsten, dachte ich, würde ich erst meine Geschäfte in Odessa abschließen und mich dann aus dem Staub machen.

Ich ging also hin. Es war eine Kundgebung wie jede andere. Ein Jude steht auf einem Podest und schreit, und die anderen hören zu. Dann tritt ein zweiter vor und schreit auch irgendwas, und dann noch einer, der schreit lange und so laut er kann, trotzdem hört ihm kaum einer zu, weil die Juden gerne selber reden und weniger gern anderen zuhören. Und dann kam Magellan. Er sprach leise und nicht lange, aber man hörte ihm so zu, wie man bei uns in der Synagoge dem Kantor Seewson zuhört, wenn er mit seinem Chor aus Kiew kommt. Und als Magellan geendet hatte und sagte: ›Wer mit uns ist, soll die Charta unterschreiben« (sie hatten da so eine Charta, eine Schwur – oder Eides-Charta), da bildete sich eine ganze Schlange von jungen Burschen und Mädchen. Alle wollten Sümpfe trockenlegen und sich mit arabischen Banditen raufen. Da dachte ich mir: Zum Kuckuck mit meinen Geschäften in Odessa, heute noch reise ich ab nach Shitomir. Da drängte sich plötzlich Fira Dorman durch die Menge und ergriff ebenfalls das Wort. Fira Dorman kennen Sie doch, oder?«

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