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Pelagia und der rote Hahn

Электронная книга - «Pelagia und der rote Hahn». Краткое содержание книги:

Als ebenso kluge wie charmante Begleiterin ist Schwester Pelagia ihrem Bischof Mitrofani unentbehrlich geworden, und so begleitet sie ihn auf einer Schiffsreise von Moskau nach Zarinin. Schon bald werden ihre kriminalistischen Fähigkeiten auf eine erneute Probe gestellt: Ein Passagier wird nachts in seiner Kabine im Schlaf überrascht und umgebracht. Es handelt sich um den Anführer einer zum Judentum konvertierten Gruppe orthodoxer Russen, die auf dem Weg nach Jerusalem ist, ins Heilige Land. Diese Gruppe hatte dem Ermordeten nicht nur ihre gesamte Reisekasse anvertraut, sondern ihn auch als ihren »Messias« verehrt. Doch seinen bürgerlichen Namen und seine Herkunft scheint niemand auf dem Schiff zu kennen. So steuert man den nächsten Hafen an, wo Sergej Sergejewitsch Dolinin, ein hoher Beamter des russischen Innenministeriums, bereits auf Pelagia wartet, um mit ihr die Ermittlungen aufzunehmen. Er hat den Geburtsort des »Messias« in Erfahrung gebracht, und so machen sich die beiden zu diesem im Ural gelegenen Ort auf. Dort angekommen, finden sie schnell den eigentlichen Namen des Opfers heraus: Pjotr Scheluchin. Dolinin scheint sich mit dieser Auskunft zu begnügen und reist zurück nach St. Petersburg. Doch Pelagia kann sich damit nicht zufrieden geben: Die neugierige Nonne setzt ihre Nachforschungen fort – und wird selbst zur Gejagten, als man zum ersten Mal versucht, sie umzubringen. Der Mörder heftet sich fortan an ihre Fersen und zwingt sie zu einer weiten Reise, die sie bis nach Jerusalem führt . . .
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Malke brachte sie in den Han. Rahel sagte immer wieder: Ich schaff‘s schon, ich schaff s schon, lass mich, sonst kommen die Jungs vom Feld zurück, und wir haben das Mittagessen noch nicht fertig.

Magellan kam, fühlte ihr die Stirn und sprang sofort aufs Pferd und ritt nach Sichron Jakov, um Doktor Scherman zu holen. Am Abend, als der Arzt kam, war Rahel schon tot. Es gibt offenbar auch eine galoppierende Malaria.

Sie begruben sie im Dunkeln - die Schönste, die Beste –, beim Schein der Fackeln. Malke hatte den noch nicht erstarrten Leichnam gewaschen - weiß wie Schnee war er, ohne einen einzigen Leberfleck – und der Toten ein Seidenkleid und ihre feinen Stadtschuhe angezogen, die Rahel noch kein einziges Mal getragen hatte.

Unter einem Eukalyptusbaum am Flussufer hoben sie eine Grube aus. Die Kommunarden hatten den Baum erst vor einer Woche gepflanzt, er war noch ganz klein, aber irgendwann einmal würde er groß und mächtig werden.

In einiger Entfernung stand ein Grüppchen Araber aus dem Nachbardorf. Sie waren gekommen, um zuzuschauen, wie die Juden ihre Angehörigen bestatteten.

Aber da gab es nichts besonders Interessantes zu sehen.

Magellan trat vor und sagte: »Die Erste von uns ist gestorben, andere werden folgen. Lasst euren Mut nicht sinken.«

Dann warfen sie Erde auf den Leichnam, den sie in ein einfaches Leintuch gehüllt hatten, und kehrten zurück in den Han.

Und weil sie sich ein Alkoholverbot auferlegt hatten, gab es auch keine Trauerfeier, und sowieso, Magellan sagte: Kommt nicht infrage.

Malke nahm sich zusammen, solange es ging. Aber als sie fühlte, dass sie es nicht mehr aushielt, schnappte sie sich einen Eimer und ging nach draußen, als wollte sie Wasser holen.

Sie lief aus dem Han, lief immer weiter, bis sie weit genug weg war, und dann heulte sie sich die Seele aus dem Leib.

Auf dem Rückweg hörte sie irgendwo im Gestrüpp ein dumpfes Schluchzen und Seufzen. Wer mochte das sein? Wahrscheinlich Senja Lewin, er hatte Rahel immer mit solchen Augen angesehen. Aber eigentlich konnte es jeder der fünfundzwanzig Übriggebliebenen sein, sogar Magellan selbst.

Leise wie eine Maus huschte Malke an den Büschen vorbei.

Die Kommune »Neu-Megiddo« bestand seit genau einem Monat.

In dieser kurzen Zeit hatte man nicht wenig geschafft.

Erstens hatten sie den verfallenen Han, den sie zusammen mit dem Ackerland erworben hatten, wieder hergerichtet und bewohnbar gemacht. Ein Han ist eine befestigte Wohnanlage, ein fensterloses Geviert aus Lehmwänden mit einem einzigen Tor darin. In dem Han befindet sich an der einen Wand die Wohnbaracke, an der anderen der Viehstall, an der dritten der Geräteschuppen und an der vierten der Speicher.

Mischa der Agronom hatte ihnen gezeigt, wo man am besten Weizen anbaute, wo sie Orangenbäume und Mais anpflanzen und wo das Weideland anlegen sollten. Ihr Grundstück zog sich am Ufer des Flusses Kisson entlang und war gut und fruchtbar.

Magellan hatte alles klug durchdacht und geplant. Sogar Eukalyptussetzlinge hatte er gekauft; die sollten die überschüssige Feuchtigkeit aus dem sumpfigen Boden ziehen. Und wie viel Geld er für die Kommune aufgetrieben hatte! Er war der reinste Zauberkünstler. Davon hatten sie nicht nur ein großes Stück Land kaufen können, sondern auch noch die notwendigen Ackergeräte, einige Vorräte, zwei Fuhrwerke, vier Pferde, zwei Kühe und eine zerlegbare mechanische Mühle.

Laut Charta waren alle Güter Gemeineigentum. Alle Kommunarden waren gleich, alles gehörte ihnen zu gleichen Teilen. Gleich auf der ersten Versammlung hatten sie auch beschlossen: Keine Flirts und keine Liebeleien. Nicht aus moralischen Gründen, sondern einfach, weil es nur zwei Mädchen auf fünfundzwanzig Burschen gab; rührselige Romanzen und Eifersüchteleien konnte man da wirklich nicht brauchen. Und für Kinder war es in der künftigen Stadt des Glücks sowieso noch zu früh. Also verschob man die Liebe auf später, bis sie sich eingelebt hatten und aus Russland noch mehr Frauen gekommen waren.

Für Malke und Rahel wurde ein kleiner Winkel mit einem Vorhang abgetrennt – das war auch schon die ganze Geschlechtertrennung. Ihre Kleidung war die gleiche wie die der Männer, Vergünstigungen verlangten sie nicht, und sie bekamen auch keine.

Schwieriger war die Realisierung eines anderen Beschlusses: ausschließlich Hebräisch miteinander zu reden. Nur einer der Kommunarden, nämlich der Jeschiwa-Schüler Isja, beherrschte das Althebräische. Jeden Abend gab er den anderen Unterricht, und alle bemühten sich redlich, aber tagsüber sprachen sie doch fürs Erste Russisch. Wie sagt man auf Hebräisch »Streichhölzer«, oder »Flinte«? Isja erfand irgendwelche neuen Worte, wie »Feuerspan« oder »Donnerstock«, aber das war kein Althebräisch mehr, sondern weiß der Teufel was.

Was gab es noch für Beschlüsse?

Keine Hilfe von Baron Rothschild annehmen, nicht so wie die anderen Siedler. Erstens war Rothschild ein Kapitalist und Ausbeuter, und zweitens wollten sie lernen, sich in allen Dingen auf sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten zu verlassen.

Keine Tagelöhner – den Boden nur mit den eigenen Händen bestellen. Sie hatten doch diese Kommune nicht gegründet, um Schmarotzer der einheimischen Proletarier zu sein! (Damit verdarben sie es sich allerdings sofort mit ihren Nachbarn im nächstgelegenen arabischen Dorf; die Fellachen hatten gehofft, dass die Juden ihnen Arbeit geben würden.)

Am fatalsten erwies sich aber ihr Beschluss, auf »Wachen« zu verzichten, denn die hier ansässigen Tscherkessen, Beduinen und Araber hatten sich schon seit langem an diese Einkommensquelle gewöhnt und stritten sogar untereinander um das Recht, die jüdischen Siedlungen zu schützen.

In der Kommune »Neu-Megiddo« erschienen Sendboten aus dem Beduinenlager, aus dem tscherkessischen Aul und vom arabischen Scheich, aber Magellan ließ sie alle abblitzen und sagte: Wir haben Waffen und können uns selbst verteidigen. Die Folge davon war, dass sie leben mussten wie in einer belagerten Festung.

Die Araber waren am erträglichsten, sie stibitzten einfach nur, was sie kriegen konnten; aber die Beduinen und die Tschekessen waren waschechte Räuber.

Einmal nachts veranstalteten sie draußen vor dem Han ein Riesengeschrei und feuerten aus dem Dunkel in die Wände. Die Kugeln schlugen ekelhaft schmatzend in den Lehm, es war schrecklich. Aber Magellan blieb eiskalt, er verteilte Gewehre und ließ eine Salve abfeuern. Das half – die Schreie verstummten.

Am anderen Morgen stellten sie fest, dass drei ihrer Zugpferde, die draußen auf der Weide gestanden hatten, verschwunden waren. Auch das Beduinenlager war verschwunden. Die Nomaden hatten ihre Zelte abgebaut und waren in unbekannte Richtung weitergezogen. Magellan wollte ihnen sofort auf dem einzigen verbliebenen Pferd hinterherjagen, er war kaum davon abzubringen.

Die Beduinen waren also weg. Aber die Araber und Tscherkessen waren noch da und warteten nur auf ihre Stunde.

Doktor Scherman, der in der Rothschild’schen Siedlung Sichron Jakov wohnte, sagte zu Magellan: »Tun Sie es nicht dem biblischen König Josia gleich, junger Mann. Er wollte sich dem Pharao nicht unterwerfen und ist zu Grunde gegangen, und mit ihm das ganze Königreich Juda. Übrigens, die verhängnisvolle Schlacht fand genau in diesem Tal von Megiddo statt, wo wir uns jetzt befinden.«

Darauf entgegnete Magellan: »Hier wurde unser Königreich vernichtet, hier wird es wieder auferstehen.« Das war eine gute Antwort, eine wunderschöne Antwort.

Aber heute, als sie Rahel in der sumpfigen Erde begruben, fing der Doktor wieder an, Magellan zuzureden; und diesmal schwieg er, denn er wusste nichts darauf zu antworten.

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