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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Die Geräusche der Feierlichkeiten auf dem Berg waren verstummt, denn die Tänzer waren ermüdet, die Musiker heiser und erschöpft. Der Regen setzte wieder ein und trommelte über ihr auf das Zeltleinen, und grauer Nebel berührte mit kühlen, feuchten Fingern ihr Gesicht. Der Geruch des nassen Zeltleinens weckte in ihr die Erinnerung an die Campingausflüge, die sie als Kind mit ihrem Vater gemacht hatte, an das Gemisch aus Aufregung und Geborgenheit, das sie dabei empfunden hatte, und sie kuschelte sich fester an Rogers Körper und verspürte dabei ein ähnliches Gefühl des Trostes und der Vorfreude.

Es war noch früh, dachte sie. Sie hatten ihr ganzes Leben noch vor sich. Die Zeit der Hingabe würde sicher kommen.

Kapitel 17

Wachfeuer

Von der Stelle, an der sie lagen, konnte er durch eine Lücke in den Felsen bis zu dem Wachfeuer hinunter blicken, das vor Hayes’ Zelt brannte. Das große Feuer des gathering war bis auf die Glut niedergebrannt, sein Glühen eine schwache Erinnerung an die lodernden Flammen der Deklaration, doch das kleinere Feuer brannte stetig wie ein Stern in der kalten Nacht. Dann und wann erhob sich eine dunkle, mit einem Kilt bekleidete Gestalt, um Holz nachzulegen, stand kurz als grober Umriss vor dem hellen Licht und verschmolz dann wieder mit der Nacht.

Ihm war schwach bewusst, dass dahinrasende Wolken den Mond vernebelten, dass das Zeltleinen über ihm heftig im Wind flatterte und die Felsen des Berghangs tiefschwarze Schatten warfen, doch er hatte nur Augen für das Feuer unter ihm und das Zelt dahinter, ein weißer Fleck, formlos wie ein Geist.

Er hatte seinen Atem verlangsamt, die Muskeln seiner Arme und seiner Brust, seines Rückens, seiner Pobacken und Beine entspannt. Nicht, um zu schlafen; an Schlaf war nicht zu denken, und er hatte nicht vor, ihn krampfhaft zu erzwingen.

Auch versuchte er nicht, Claire vorzumachen, dass er schlief. So dicht an seinem Körper, so nah, wie sie seinen Gedanken war, würde sie wissen, dass er wachte. Nein, es war nur ein Zeichen für sie, eine stumme Übereinkunft, dass sie sich nicht um ihn zu kümmern brauchte. Sie konnte schlafen und würde wissen, dass er mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt war und keine unmittelbaren Ansprüche an sie stellte.

Kaum jemand schlief heute Nacht auf dem Berg, dachte er. Das Geräusch des Windes übertönte das Murmeln der Stimmen und das Rascheln der Bewegungen, aber seine Jägersinne registrierten Unruhe hier und da, identifizierten mit halbem Ohr gehörte Dinge, ordneten bewegten Schatten Namen zu. Schuhleder schabte über einen Felsen, eine Decke wurde dumpf klatschend ausgeschlagen. Das waren wohl Hobson und Fowles, die sich in der Dunkelheit leise davonmachten, weil sie Angst hatten, bis zum Morgen zu warten, falls man sie in der Nacht verriet.

Ein paar Töne einer Melodie kamen mit einem Windstoß von oben; Konzertina und Geige. Jocastas Sklaven, die keine Lust verspürten, diese seltene Gelegenheit zum Feiern ihrem Schlafbedürfnis oder den Wetterbedingungen zu opfern.

Das leise Jammern eines Säuglings. Jemmy? Nein, hinter ihm. Also die kleine Joan, und Marsalis Stimme, die leise und wohlklingend auf Französisch sang.

… Alouette, gentille alouette …

Da, ein Geräusch, auf das er gewartet hatte; Schritte, jenseits der Felsen, die den Unterschlupf seiner Familie eingrenzten. Rasch und leicht, bergab unterwegs. Er wartete mit offenen Augen, und ein paar Sekunden später hörte er den leisen Ruf eines Wachtpostens neben dem Zelt. Es erschien keine Gestalt im Schein des Feuers, doch der Zelteingang dahinter bewegte sich, klaffte auf und schloss sich wieder.

Also war es genauso, wie er gedacht hatte; die allgemeine Stimmung war vehement gegen die Aufrührer. Man betrachtete es nicht als Verrat an Freunden, sondern als unumgängliche Opferung einiger Krimineller zum Schutz all jener, die sich lieber an das Gesetz hielten. Es mochte zwar nicht ohne Zögern geschehen – die Zeugen hatten immerhin die Nacht abgewartet –, aber nicht im Verborgenen.

… je te plumerai la tête …

Er fragte sich plötzlich, warum Kinderlieder oft so brutal waren und warum niemand einen Gedanken an die Worte verschwendete, die die Kleinen mit der Muttermilch aufsogen. Die Melodien der Lieder waren für ihn nicht mehr als tonloser Gesang – vielleicht war das der Grund, warum er mehr als andere auf die Worte achtete.

Selbst Brianna, die aus einer Zeit stammte, die angeblich friedlicher war, sang dem kleinen Jemmy Lieder über Schrecken erregende Tode und tragische Verluste vor, und das alles mit dem zärtlichen Gesichtsausdruck einer Madonna mit dem Jesuskind. Dieser Text über die Köhlerstochter, die mit ihren Entlein ertrank …

Ihm kam der perverse Gedanke, was für Schreckenstaten wohl das Wiegenliederrepertoire der Mutter Gottes umfasst hatte; der Bibel nach zu urteilen, war das Heilige Land auch nicht friedlicher gewesen als Frankreich oder Schottland.

Er hätte sich zur Strafe für diesen Gedanken gern bekreuzigt, aber Claire lag auf seinem rechten Arm.

»Waren sie im Unrecht?«, ertönte Claires Stimme leise unter seinem Kinn, und er fuhr zusammen.

»Wer?« Er neigte ihr den Kopf zu und küsste ihre dichten, weichen Locken. Ihr Haar roch nach Holzrauch und dem scharfen, reinen Duft der Wacholderbeeren.

»Die Männer in Hillsborough.«

»Aye, ich denke schon.«

»Was hättest du getan?«

Er seufzte und zuckte mit einer Schulter.

»Kann ich das sagen? Aye, wenn ich der Betrogene wäre und es keine Hoffnung auf Wiedergutmachung gäbe, hätte ich vielleicht auch Hand an den Schuldigen gelegt. Aber was dort geschehen ist – du hast es ja gehört. Häuser niedergerissen und in Brand gesetzt, Männer auf die Straße gezerrt und besinnungslos geprügelt, und das nur des Amtes wegen, das sie bekleideten … nein, Sassenach, ich kann nicht sagen, was ich getan hätte, aber das nicht.«

Sie wandte den Kopf ein wenig, so dass er ihren hohen, geschwungenen Wangenknochen sah, der vom Licht umrandet wurde, und die Bewegung des Muskels vor ihrem Ohr, als sie lächelte.

»Das habe ich auch nicht gedacht. In einem Pöbel kann ich mir dich nicht vorstellen.«

Er küsste ihr Ohr, um nicht direkt zu antworten. Er konnte sich nur zu leicht in einem Pöbel sehen. Das war es, was ihm Angst machte. Er wusste nur zu gut, wie machtvoll ein solches Phänomen war.

Ein einzelner Highlander war zwar ein Krieger, aber auch der mächtigste Mann war nur ein Mann. Der Wahnsinn, der Männer gemeinsam ergriff, das war es, was tausend Jahre lang die schottischen Täler regiert hatte; dieses Kribbeln im Blut, wenn die Schreie der Kameraden erklangen, wenn man spürte, wie man von der Kraft des Ganzen mitgerissen wurde, und man sich unsterblich fühlte – denn wenn man selber fiel, wurde man dennoch weiter getragen, schrie der Geist des Gefallenen aus den Mündern derer, die an seiner Seite liefen. Erst später, wenn das Blut kalt in erschlafften Adern lag und taube Ohren die Frauen weinen hörten …

»Und wenn es kein Mann war, der dich betrogen hat? Wenn es die Krone war oder das Gericht? Keine Person, meine ich, sondern eine Institution?«

Er wusste, worauf sie hinauswollte. Er nahm sie fester in den Arm und spürte ihren warmen Atem auf den Knöcheln seiner Hand, die genau unter ihrem Kinn zusammengerollt war.

»Das ist es nicht. Nicht hier. Nicht jetzt.« Die Aufrührer hatten als Reaktion auf die Verbrechen von einzelnen Männern zugeschlagen, von Individuen; möglich, dass der Preis für diese Verbrechen mit Blut bezahlt werden würde, doch er würde keinen Krieg zur Folge haben – noch nicht.

»Nein«, sagte sie leise. »Aber es wird so kommen.«

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