Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Dennoch zögerte er kurz, denn es widerstrebte ihm, den Frieden des Ortes zu brechen. Aus dem Augenwinkel bemerkte er eine winzige Bewegung, und er bückte sich und blinzelte in den zunehmenden Schatten unter einem Stechpalmenbusch.
Sie saß erstarrt da und verschmolz perfekt mit ihrem dämmerigen Hintergrund. Er hätte sie niemals gesehen, hätte sein Jägerauge nicht ihre Bewegung aufgefangen. Ein winziges Kätzchen, dessen grauer Pelz aufgeplustert war wie eine Wollgrasblüte, die enormen Augen weit offen und reglos, beinahe farblos im Zwielicht unter dem Strauch.
»A chait«, flüsterte er und streckte langsam den Finger nach dem Tierchen aus. »Was machst du denn hier?«
Zweifellos eine verwilderte Katze, deren Mutter aus der Blockhütte irgendeines Siedlers davon gelaufen und sich längst aus der Falle der Domestizität befreit hatte. Er streichelte den feinen Pelz auf der Brust des Kätzchens, und unvermittelt senkte es seine Zähne in seinen Daumen.
»Au!« Er fuhr zurück und betrachtete den Blutstropfen, der aus der kleinen Bisswunde quoll. Er funkelte die Katze ein paar Sekunden an, doch sie starrte nur zurück und machte keine Anstalten, davonzulaufen. Er hielt inne, dann fasste er einen Entschluss. Er schüttelte den Blutstropfen von seinem Finger in das Laub, eine zusätzliche Opfergabe zu dem Whisky, den er vergossen hatte, ein Geschenk an die Geister dieses Ortes – die offenbar beschlossen hatten, ihm ebenfalls ein Geschenk zu machen.
»Also gut«, murmelte er. Er kniete sich hin und streckte die Hand aus, die Handfläche nach oben gewandt. Ganz langsam bewegte er erst einen Finger, dann den nächsten, dann den nächsten und den nächsten und wieder von vorn, mit einer wogenden Bewegung wie Seetang unter Wasser. Die großen, hellen Augen starrten gebannt auf seine Bewegung, beobachteten ihn wie hypnotisiert. Er konnte sehen, wie der winzige Schwanz ganz leicht zuckte, und lächelte bei diesem Anblick.
Wenn er eine Forelle betören konnte, und das konnte er, warum dann nicht auch eine Katze?
Er zischte leise durch die Zähne, ein flüsterndes Geräusch wie entferntes Vogelgezwitscher. Das Kätzchen starrte fasziniert auf die sanft wogenden Finger, die langsam näher kamen. Auch als er schließlich erneut seinen Pelz berührte, rührte es sich nicht zur Flucht. Ein Finger schlich sich unter das Fell, ein anderer glitt unter die kleinen, kalten Polster einer Tatze, und dann ließ es sich sanft in die Hand nehmen und vom Boden aufheben.
Er hielt es einen Augenblick an seine Brust und streichelte es mit einem Finger. Er fuhr an seinem seidigen Kinn entlang, an den zarten Öhrchen. Die kleine Katze schloss die Augen und begann ekstatisch zu schnurren. Auf seiner Handfläche grollte es wie ferner Donner.
»Oh, dann kommst du also mit mir, ja?« Da von der Katze kein Widerspruch kam, öffnete er den Kragen seines Hemdes und steckte das Tierchen hinein. Es pikste ihn eine Weile in die Rippen, dann rollte es sich an seiner Haut zusammen, und sein Schnurren reduzierte sich auf ein geräuschloses, angenehmes Vibrieren.
Gideon schien die Pause gut getan zu haben; er setzte sich willig in Bewegung, und innerhalb einer Viertelstunde hatten sie die anderen eingeholt. Angesichts der letzten, anstrengenden Steigung verflog die vorübergehende Friedfertigkeit des Hengstes jedoch.
Nicht, dass das Pferd mit dem steilen Pfad nicht fertig wurde; was es nicht leiden konnte, war, einem anderen Pferd zu folgen. Ganz gleich, ob Jamie den Wunsch hatte, die anderen heimzuführen oder nicht – wenn es nach Gideon ging, würden sie die Kolonne nicht nur anführen, sondern ihr mehrere hundert Meter vorauseilen.
Die Kolonne der Reisenden verteilte sich über eine halbe Meile, und jede Familie bewegte sich mit der ihr eigenen Geschwindigkeit: Frasers, MacKenzies, Chisholms, MacLeods und Aberfeldys. Sobald sich der Pfad verbreiterte und genug Platz war, drängte Gideon rücksichtslos nach vorn, indem er sich an den Lastmulis, Schafen, Fußgängern und Stuten vorbeischob; er verscheuchte sogar die drei Schweine, die langsam hinter Großmutter Chisholm hertrotteten und unter panischem Gequieke ins Gebüsch brachen, als Gideon über sie kam.
Jamie konnte sich ein gewisses Verständnis für das Pferd nicht verkneifen; er war genauso begierig, nach Hause zu kommen, und er strengte sich genauso an, verärgert über alles, was ihn zurückzuhalten drohte. Im Augenblick bestand das Haupthindernis seines Fortkommens in Claire, die – es war einfach nicht zu glauben – ihre Stute vor ihm angehalten hatte und gerade abstieg, um wieder einmal ein Kräutlein am Wegesrand zu sammeln. Als wäre nicht sowieso schon das ganze Haus von der Türschwelle bis zum Dachstuhl mit Pflanzen gefüllt, ganz zu schweigen von ihren ausgebeulten Satteltaschen!
Gideon, der die Stimmung seines Reiters blitzschnell erfasste, reckte den Hals und zwickte die Stute in den Hintern. Die Stute buckelte, quietschte auf und schoss mit hängenden Zügeln den Pfad hinauf. Gideon gab ein tiefes, zufriedenes Kollern von sich und machte Anstalten, ihr nachzusetzen, fand sich aber abrupt zum Stehen gebracht.
Claire war bei dem Getöse mit großen Augen herumgefahren. Sie blickte zu Jamie auf, sah ihrem verschwundenen Pferd nach, dann wieder zu ihm. Sie zuckte entschuldigend mit den Achseln, die Hände voller zerfledderter Blätter und angegammelter Wurzeln.
»Tut mir leid«, sagte sie, doch er sah, wie sich ihr Mundwinkel verzog und ihr die Röte in die Wangen stieg. Ein Lächeln glitzerte in ihren Augen wie Morgenlicht auf einem Forellenbach. Ganz gegen seine Absicht spürte er, wie die Anspannung in seinen Schultern nachließ. Er hatte vorgehabt, ihr eine Strafpredigt zu halten; wollte es eigentlich immer noch, aber die Worte wollten ihm einfach nicht über die Lippen.
»Na dann herauf mit dir, Frau«, sagte er stattdessen schroff und wies kopfnickend hinter sich. »Ich will mein Essen.«
Sie lachte ihm zu, schürzte ihre Röcke und kletterte auf das Pferd. Mürrisch über diese zusätzliche Last, fuhr Gideon herum, um nach irgendetwas Erreichbarem zu beißen. Jamie war darauf vorbereitet; er klatschte dem Hengst das Zügelende fest auf die Nase, worauf dieser überrascht schnaubend zurückfuhr.
»Dir werd ich’s zeigen, du alter Schuft.« Er zog sich den Hut in die Stirn und sorgte dafür, dass seine Frau sicher saß, die flatternden Röcke unter den Oberschenkeln festgesteckt, die Arme um seine Taille gelegt. Sie ritt ohne Schuhe und Strümpfe, und ihre entblößten, langen Unterschenkel hoben sich weiß von Gideons dunkelbraunem Fell ab. Er nahm die Zügel auf und gab dem Pferd etwas fester als unbedingt notwendig die Fersen.
Gideon stellte sich prompt auf die Hinterbeine, ging rückwärts, wand sich und versuchte, sie beide an einem tief hängenden Pappelast abzustreifen. Das Kätzchen, das sich unsanft aus dem Schlaf geweckt fand, senkte sämtliche Klauen in Jamies Bauch und jaulte alarmiert auf, doch das Geräusch ging in Jamies sehr viel lauterem Schrei völlig unter. Fluchend riss er den Kopf des Pferdes halb herum und trat mit dem linken Bein nach dessen Hinterhand.
Gideon, der nicht so leicht aufgab, machte einen Satz wie ein Korkenzieher. Es ertönte ein leiser Aufschrei, gefolgt von einem plötzlichen Gefühl der Leere hinter ihm, und Claire landete wie ein Mehlsack im Gebüsch. Das Pferd gab plötzlich dem Ziehen in seinem Maul nach und schoss in die falsche Richtung über den Pfad, stürzte sich mitten in ein Brombeergebüsch und machte dann eine Vollbremsung, bei der es beinahe auf dem Hintern landete und einen Schauer von Drecksklumpen und Laub auslöste. Dann richtete es sich wie eine Schlange gerade, schüttelte den Kopf und trottete völlig ungerührt zwecks gegenseitigen Beschnupperns zu Rogers Pferd hinüber, das am Rand der Lichtung stand und die Darbietung mit demselben perplexen Ausdruck betrachtete wie sein abgestiegener Reiter.
»Alles in Ordnung da drüben?«, fragte Roger und zog eine Augenbraue hoch.
»Sicher doch«, erwiderte Jamie und versuchte, gleichzeitig nach Luft zu schnappen und sich ein würdevolles Aussehen zu geben. »Und selbst?«