Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #5
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamies Gesicht war von Schatten durchzogen, und der Feuerschein hob die Zeichen der Zeit und der Anstrengung auf seiner Haut hervor wie die Spuren von Wind und Regen auf einem Felsen.
»Viele von uns sind im Kampf gestorben«, sagte er, und seine Stimme ging im Knistern des Feuers fast unter. »Viele sind verbrannt. Viele von uns sind verhungert. Viele sind auf See gestorben, viele ihren Verletzungen und Krankheiten erlegen.« Er hielt inne. »Viele sind aus Gram gestorben.«
Seine Augen sahen für einen Moment über den vom Feuer erleuchteten Kreis hinaus, und ich glaubte, dass er vielleicht nach Abel MacLennans Gesicht suchte. Dann hob er seinen Becher und hielt ihn kurz zum Gruß hoch.
»Slainte!«, murmelten Dutzende von Stimmen, die sich erhoben wie der Wind.
»Slainte!«, wiederholte er – dann neigte er den Becher, so dass ein wenig Brandy in die Flammen lief, wo er kurz aufzischte und dann mit blauer Flamme verbrannte.
Er senkte den Becher und blieb einen Augenblick mit gesenktem Kopf stehen. Dann hob er den Kopf und prostete Archie Hayes zu, der ihm gegenüber auf der anderen Seite des Feuers stand. Sein Gesicht war unergründlich, und die Funken glitzerten auf seiner silbernen Halsberge und der Brosche seines Vaters.
»Wir trauern zwar um die, die wir verloren haben, doch genauso müssen wir auch euch Tribut zollen, die ihr nicht minder tapfer gekämpft und gelitten – und überlebt habt.«
»Slainte!«, kam der Salut der dröhnenden Männerstimmen, diesmal lauter.
Jamie schloss einen Moment die Augen, dann öffnete er sie wieder und sah zu Brianna hinüber, die bei Lizzie und Marsali stand, Jemmy auf dem Arm. Die Schärfe und Kraft seiner Gesichtszüge stand in auffallendem Kontrast zu den runden, unschuldigen Gesichtern der Kinder und der Sanftheit der jungen Mütter – obwohl, so dachte ich, bei all ihrer Zartheit der Feuerschein die Stränge aus schottischem Granit in ihren Knochen durchscheinen ließ.
»Wir zollen unseren Frauen Tribut«, sagte er und hob den Becher zunächst in Briannas, dann in Marsalis und dann, mit einer Drehung seines Körpers, in meine Richtung. Ein Lächeln umspielte kurz seine Lippen. »Denn sie sind unsere Stärke. Und unsere Rache an unseren Feinden wird schließlich aus unseren Wiegen kommen. Slainte!«
Unter den Rufen der Menge leerte er den Holzbecher und warf ihn in das Feuer, wo er ein paar Sekunden liegen blieb, ein dunkles Rund, und dann auf einmal in leuchtende Flammen ausbrach.
»Thig a seo!«, rief er aus und hielt mir seine rechte Hand entgegen. »Thig a seo, a Sorcha, nighean Eanruig, neart mo chridhe.« Komm her zu mir, sagte er. Komm zu mir, Claire, Tochter des Henry, Kraft meines Herzens. Ich spürte meine Füße kaum, geschweige denn die Füße, über die ich stolperte, als ich zu ihm trat und seine Hand ergriff, die sich kalt, aber kraftvoll um meine Finger schloss.
Ich sah, wie er den Kopf umwandte; hielt er nach Brianna Ausschau? Aber nein – er streckte seine andere Hand nach Roger aus.
»Seas ri mo làmh, Roger an t’òranaiche, mac Jeremiah MacChoinnich!« Steh mir zur Seite, Roger, der Sänger, Sohn des Jeremiah MacKenzie. Im ersten Moment stand Roger stocksteif da und sah Jamie mit dunklen Augen an, dann bewegte er sich wie ein Schlafwandler auf ihn zu. Die Menge war immer noch erregt, doch die Rufe waren verstummt, und die Leute reckten die Hälse, um zu hören, was gesagt wurde.
»Steh mir bei im Kampf«, sagte er auf Gälisch, die Augen auf Roger geheftet, die Linke ausgestreckt. Er sprach langsam und deutlich, um sicherzugehen, dass man ihn verstand. »Sei ein Schutzschild für meine Familie – und für die deine, Sohn meines Hauses.«
Rogers Gesichtszüge schienen sich plötzlich aufzulösen, wie ein Spiegelbild im Wasser, wenn man einen Stein hineinwirft. Dann verfestigten sie sich wieder, und er ergriff Jamies Hand und drückte sie fest.
Dann wandte sich Jamie der Menge zu und begann, die Anwesenden aufzurufen. Ich hatte schon einmal gesehen, wie er das tat, viele Jahre zuvor in Schottland. Es war eine formelle Einladung und Benennung der Pächter durch den Gutsherrn, eine kleine Zeremonie, die oftmals am Quartalstag oder nach der Ernte stattfand. Hier und dort erhellte sich ein Gesicht, als es den Brauch wiedererkannte; viele der Highlandschotten kannten ihn, wenn er ihnen auch in diesem Land bis heute Abend noch nicht untergekommen war.
»Komm zu mir, Geordie Chisholm, Sohn des Walter, Sohn von Connaught, dem Roten!
Steht mir bei, a Choinneich, Evan, Murdo, ihr Söhne des Alexander Lindsay of the Glen!
Kommt an meine Seite, Joseph Wemyss, Sohn des Donald, Sohn des Robert!« Ich lächelte, als ich sah, wie Mr. Wemyss auf uns zukam, verlegen, aber überglücklich darüber, in aller Öffentlichkeit als dazugehörig zu gelten. Er trug den Kopf stolz erhoben, und sein blondes Haar wehte wild im Wind des großen Feuers.
»Steh mir bei, Josiah, der Jäger!«
War Josiah Beardsley hier? Ja, da war er; eine schlanke, dunkle Gestalt glitt aus dem Schatten hervor und nahm schüchtern ihren Platz in der Gruppe ein, dicht bei Jamie. Ich fing seinen Blick auf und lächelte ihm zu; er wandte hastig den Blick ab, doch ein kleines, verlegenes Lächeln haftete an seinen Lippen, so als hätte er vergessen, dass es da war.
Als Jamie fertig war, war es eine beeindruckende Gruppe geworden – fast vierzig Männer, die Schulter an Schulter standen und nicht nur vom Whisky, sondern auch vor Stolz gerötet waren. Ich sah, wie Roger einen langen Blick mit Brianna wechselte, die ihn über das Feuer hinweg anstrahlte. Sie senkte den Kopf, um Jemmy etwas zuzuflüstern, der in seine Decken gewickelt im Halbschlaf auf ihrem Arm lag. Sie ergriff eine seiner kleinen Pfoten und winkte Roger schlaff damit zu. Roger lachte.
»…earbsachd a tha thu.« Abgelenkt wie ich war, hatte ich Jamies abschließende Rede nicht gehört und nur die letzten Worte aufgefangen. Doch was er gesagt hatte, stieß auf Beifall; die Männer ringsum ließen ein leises Brummen ernster Zustimmung hören, dann folgte ein Moment der Stille.
Jamie ließ meine Hand los, bückte sich und hob einen trockenen Ast vom Boden auf. Er entzündete ihn und hielt ihn hoch, dann warf er den flammenden Stock hoch in die Luft, so dass er sich wieder und wieder überschlug, bevor er geradewegs ins Herz des Feuers stürzte.
»Die Frasers von Fraser’s Ridge sind hier!«, gellte er, und auf der Lichtung brach gewaltiger Beifall aus.
Auf dem Rückweg zur Fortsetzung der unterbrochenen Festlichkeiten weiter oben auf dem Hang fand ich mich neben Roger wieder, der fröhlich vor sich hinsummte. Ich legte ihm eine Hand auf den Ärmel, und er sah lächelnd zu mir herunter.
»Herzlichen Glückwunsch«, sagte ich und erwiderte das Lächeln. »Willkommen in der Familie – Sohn des Hauses.«
Er grinste breit.
»Danke«, sagte er. »Mum.«
Wir erreichten eine ebene Stelle und gingen einen Moment nebeneinander her, ohne etwas zu sagen. Dann sagte er in völlig verändertem Tonfalclass="underline" »Das war … etwas ganz Besonderes, nicht wahr?«
Ich wusste nicht, ob er etwas historisch Besonderes oder etwas in persönlicher Hinsicht Besonderes meinte, doch er hatte in jedem Fall Recht, und ich nickte.
»Ich habe allerdings den Schluss nicht ganz mitbekommen«, sagte ich. »Und ich weiß nicht, was earbsachd bedeutet – du vielleicht?«
»Oh … aye. Das weiß ich.« Hier zwischen den Feuern war es völlig dunkel; alles, was ich von ihm sehen konnte, war ein dunkler Fleck vor dem schwarzen Hintergrund der Büsche und Bäume. Doch es lag ein seltsamer Ton in seiner Stimme. Er räusperte sich.
»Es ist eine Art Eid. Er – Jamie – er hat uns einen Eid geschworen, seiner Familie und seinen Pächtern. Unterstützung, Schutz und so weiter.«