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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Steves Leute hatten die Pferde erreicht. Aber zwischen seiner Schwadron und den Angreifern war höchstens noch ein Abstand von zweihundert Metern.

Die Schwadron sammelte sich.

»Rückzug!« befahl Steve.

Leutnant Draper sah ihn entgeistert an.

»Wollt Ihr den Kameraden nicht helfen, Captain?«

»Rückzug!« befahl Steve erneut.

Die Schwadron setzte sich in gestrecktem Galopp ab. Fünfhundert Meter — tausend Meter — zweitausend Meter, bis hinter den Hügel, über den vorhin der Radscha gekommen war. »Halt!« befahl Steve. »Eskadron - kehrt! - Legt die Lanzen ein! — In einer Linie ausschwärmen! — Arbeitstempo Trab!«

Vorn war die Situation verzweifelt geworden. Der Oberst, sein Adjutant und ein kleines Häuflein hielten sich tapfer.

»Mensch, daß die Sache so ausgehen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten«, meinte McLee. »Woher hat der Radscha die vielen Reiter? Seht, da hinten noch eine große Staubwolke.«

»Gute Nacht, Old-England«, sagte der Adjutant und schlug einen Angreifer vom Pferd. Hier und da hatten sich kleinere Einheiten gesammelt und widerstanden tapfer dem Ansturm. Aber lange würden sie sich nicht mehr verteidigen können.

Da brauste Hawburys Schwadron in großer Attacke heran. Wie ein Unwetter kam sie über die Inder. Die aufgelöste Schlachtordnung hatte einem entfalteten Kavallerieangriff mit Lanzen nichts entgegenzusetzen.

In wenigen Minuten waren die Engländer Herren der Lage. »Das war zur rechten Zeit«, sagte McLee zu Steve. »Ihr seid ein tüchtiger Soldat.« Unterdessen näherte sich die zweite Staubwolke. Die geschlagenen Inder setzten sich ab und rasten auf diese zu.

»Verfolgt sie nicht!« schrie der Oberst. »Sitzt ab und formiert euch in drei Reihen! Dort kommt die Hauptmacht!«

Die Offiziere nickten und ließen das Regiment in eine geschlossene Dreireihenphalanx gehen. Nur Steves Schwadron stand zum Angriff bereit, falls die Schützen doch überritten werden sollten.

Alles wartete in höchster Spannung. Aber die Staubwolke kam nicht näher. Sie drehte nach Osten ab und war bald verschwunden.

»Das verstehe ich nicht«, meinte der Oberst später, als das Regiment schon wieder auf dem Marsch war. »War doch die beste Gelegenheit, uns gänzlich fertigzumachen.«

Auch der Adjutant zuckte die Schultern.

»Na, wir werden noch auf alles mögliche gefaßt sein müssen.«

49

Tscham brach den Angriff ab, als die ersten seiner geschlagenen Reiter zurückkehrten und von der großen Staubwolke aufgenommen wurden.

»Es hat keinen Zweck, Sadharan«, meinte er. »Wir sind viel zu wenig.«

Die Leute, die die Staubwolke verursacht hatten, waren noch nicht achtzig Mann stark. Aber jeder schleifte große Zweige hinter sich her, so daß die Engländer denken mußten, es stünde ihnen eine überlegene Streitmacht gegenüber. Tscham, der kaum achtzehnjährige Knabe, hatte es verstanden, einen Oberst McLee zu bluffen.

Sadharan sagte ernst:

»Es ist zu Ende, Tscham. Sie werden wie die Geier über Bihar herfallen.«

»Wir werden Widerstand leisten. Ich mache aus dem Palast eine Festung. Wir haben jetzt auch die Thags auf unserer Seite. Es soll den Feinden jedenfalls nicht leicht werden, Bihar in Besitz zu nehmen!«

Und so geschah es.

Die Sipoys brauchten drei Tage, bis sie Bihar erreichten. Aus jedem Haus krachten ihnen Schüsse entgegen. Die Bauern hatten sich bewaffnet, als es zum Endkampf kam. Die Sipoys selbst wurden müde. Sie waren ja schließlich auch Inder. Und sie konnten nicht einsehen, weshalb man sie unermüdlich gegen den zäh verteidigten Palast anrennen ließ. — General Hawbury saß schweren Herzens in seinem Bungalow. Michel und Ojo waren bei ihm. »Wie können wir die Situation retten?« fragte der General.Michel schüttelte den Kopf. »Es gibt nichts zu retten. Sie haben Artillerie angefordert. Morgen oder übermorgen werden die Kanonen da sein. Und dann ist es aus.« Hawbury seufzte schwer.

»Ich habe eine neue Botschaft von Hastings bekommen. Ich soll Tscham und seine Ratgeber verhaften und nach Kalkutta bringen. Sie sollen bestraft werden. Bestraft, hat er geschrieben!« Michel strich sich über die Haare.

»Ihr müßt mir einen Gefallen tun, Sir. Es ist die einzige Möglichkeit, Tscham zu retten. Meldet, daß ich entführt worden sei. Ich werde Tscham herausholen und mit ihm fliehen. Ojo geht mit uns. — Wollt Ihr diesen — hm — Verrat unterstützen?« Hawbury reichte ihm die Hand.

»Seid sicher, daß auch dieser zweifelhafte Sieg unserer Truppen nicht mein innerstes Gefühl zu wandeln vermag.« Es klopfte. Steve kam.

»Hallo, Gentlemen«, rief er mit leuchtenden Augen. »Ich bin soeben zum Major befördert worden.«

Sie gratulierten ihm.

»Und morgen«, fuhr er fort, »morgen, wenn die Feldschlangen eintreffen, werden wir die Ratten ausräuchern.« —

Und dann begann der letzte Akt des Dramas.

Die Kanonen donnerten; Stück um Stück brachen die Marmorsäulen des Palastes zusammen. Dann stürzte die Decke ein und begrub ein Dutzend Angehörige der Palastgarden unter sich. »Das Ende«, sagte Tscham zu Sadharan, der ihm während der ganzen Tage nicht von der Seite gewichen war.

»Es ist wieder ein Stück Untergang des Geistes. Die Gewalt wird vorläufig weiterhin obsiegen. Aber einmal wird sich die Welt wandeln.«

»Wann?« schrie Tscham; denn weitere Kugeln schlugen in den Palast ein und erfüllten die brennenden Mauern mit donnerndem Getöse.

Sadharan stürzte zu Boden. Er blutete aus einer klaffenden Stirn wunde. Aufschluchzend warf sich Tscham über ihn. »Sadharan — weiser Mann!« rief er. Aber Sadharan lächelte nur.

»Wir können den Gang der Weltgeschichte nicht aufhalten. Noch sprechen die Kanonen das entscheidende Wort. Aber in zweihundert oder dreihundert Jahren wird es anders sein.« »Und was tue ich ohne dich?« »Fliehen«, sagte eine Stimme hinter ihm. Er fuhr herum.

»Mein Freund« — er richtete sich auf — »du kommst spät.«

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