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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Der Oberst war reichlich verblüfft. Er hatte alles erwartet, nur nicht, daß ihm der Fürst an der Grenze entgegenkommen würde. Das war neu, verstieß gegen alle Regeln fürstlicher Trägheit in Indien. Noch nie war ein regierendes Oberhaupt — soweit sich Colonel McLee erinnern konnte — einem Gesandten der Kompanie entgegengeritten. Sollte dieses ungeschriebene Gesetz heute ohne Grund durchbrochen werden?

»Richte dem Radscha auch meine Grüße aus und sage ihm, daß ich das Fähnlein anführe, das Seine Herrlichkeit, Sir Warren Hastings, ausersehen hat, Bihar von Räuberbanden und Aufständischen zu säubern.«

Der Bote verneigte sich und ritt zurück.

Unterdessen waren die Offiziere herangekommen.

»Möchte wissen, was das bedeuten soll«, sagte der Oberst.

Da setzte sich der ganze Reiterhaufen in Bewegung. Vor dem Bannerträger ritt ein Jüngling, ganz in weiße Seide gehüllt. Hinter dem Bannerträger folgte mit Abstand von den anderen ein älterer Mann mit einem schneeweißen Bart.

Der Jüngling grüßte lässig, aber nicht unfreundlich.

»Ist dies das 2. Sipoy-Regiment zu Pferde?« fragte er.

»Yes«, meinte der Colonel verwundert.

»All right«, sagte Tscham, »ich bin der Radscha von Bihar. Wie heißt Ihr?«

»Colonel McLee«, verbeugte sich der Oberst mit anbefohlener Höflichkeit.

»Well, Oberst McLee, wir haben Euch gesucht. Wir haben eine Botschaft vom Attache Eures Gouverneurs erhalten. Wir wurden unterrichtet, daß Ihr zu unseremSchutz aufgebrochen seid.

Sagt Euerm Gouverneur, ich lasse ihm dafür danken; aber wir bedürfen dieses Schutzes nicht.

Wie Ihr seht, sind wir wohlbehalten.«

McLee war Soldat; aber kein Politiker. Er blickte seine Offiziere hilfesuchend an. Da ritt einer vor, ein Captain. Es war Steve Hawbury. Er grüßte kurz.

»Es freut uns, Sir«, sagte er zu Tscham und vermied es, diesen mit Hoheit anzusprechen, »daß Ihr Euch wohlbefindet. Aber wir sind vertragsgemäß verpflichtet, Euch zu schützen, wenn auch nur die geringste Gefahr besteht, daß Euch etwas geschehen könnte. Wir können Befehle nur von Seiner Herrlichkeit, dem Generalgouverneur, entgegennehmen.« Tschams Gesicht nahm einen zornigen Ausdruck an.

»Wir wissen nicht, wer Ihr seid. Wir sehen nur, daß Ihr ein kleiner Kapitän seid, der zu gehorchen hat. In unserem Land habt Ihr Euch höflich zu benehmen, merkt Euch das! Wir stehen vor Euch als der rechtmäßige Herrscher dieses Landes. Wir sind gewöhnt, daß man uns respektiert. Wir verhandeln nicht mit Flegeln.«

Steve wurde weiß wie eine Kalkwand. Die anderen Offiziere bissen sich vor Spannung auf die Lippen. Der Oberst war ratlos. Ein anständiger Angriff wäre ihm tausendmal lieber gewesen. Da wußte man schließlich, woran man war. Tscham wandte sich wieder an ihn.

»Wir bitten Euch, die Grenzen von Bihar wieder nach Süden zu überschreiten, Oberst. Der Vertrag zwischen meinem Vater und Euch besagt lediglich, daß Ihr uns zu schützen habt, wenn wir Euch rufen. Richtet Euerm Gouverneur Grüße aus und sagt ihm, daß wir die Auslagen, die der Marsch verursacht hat, auf sein Konto überweisen werden.« Er hob gebieterisch die Hand. »Nun geht!«

Er wandte sein Pferd und war mit seinem Gefolge in kürzester Zeit wieder hinter dem Hügel verschwunden.

»Verdammt«, sagte der Oberst. »Ziemlich deutlich«, knurrte der Adjutant.

Der Oberst kaute an seinem Schnurrbart. Diese Situation war in keinem Gespräch erörtert worden. Es waren keine dreißig Meilen mehr, und man wäre in der Stadt Bihar. »Wenn ich einen Vorschlag machen darf, Sir?« nahm Steve Hawbury das Wort. »Bitte.«

»Wir kümmern uns nicht um den Radscha. Wir reiten einfach weiter. Wir müssen den Lümmel zur Raison bringen.«

»Yes«, sagte der Oberst, gab aber nicht das Zeichen zum Weiterritt.

»Yes«, sagten auch die Offiziere. Und alles blieb, wie es war.

»Ich bin nicht abkommandiert worden, um Krieg zu führen. Hastings hätte mir einen deutlicheren Befehl geben müssen.«

»Well, Sir, der Generalgouverneur gibt nie zu deutliche Befehle. Aber hier kann nichts schiefgehen. Greifen sie uns an, so haben wir Grund, uns zu verteidigen. Greifen sie nicht an, so sind wir heute abend in Bihar. Und da sollen sie uns erst einmal wieder hinausjagen!« Niemand hatte Lust, den Marsch abzubrechen. So gab der Oberst den Befehl zum Weiterritt. Sie kamen über den Hügel. Den Weg säumten weiterhin Wald und Uferdickicht. Vom Radscha sah man nichts mehr.

Plötzlich erklang von irgendwo her der klagende Ruf einer alten Lure. Fast im gleichen Augenblick krachtenvon links und rechts Schüsse. Pferde wieherten. Soldaten schrien. Tote fielen aus den Sätteln.

»Also doch«, meinte der Oberst. »Meine Nase, idi wußte es ja.« »Soll ich zum Angriff blasen lassen?« »Wollt Ihr die Büsche attackieren?«

Eine neue Salve krachte. Die Verwirrung wurde größer. Die Schwadrons-Chefs hatten schon Absitzen befohlen und ihre Leute in Linie ausschwärmen lassen. Eine Schwadron ging gegen das Ufergebüsch vor, die andere gegen den Wald. Als sie dichter herankamen, verstummte das Feuer.

»Den Waldrand durchkämmen!« befahl Steve.

Seine Leute drangen ein, fanden aber weit und breit nicht eine Menschenseele. Eine Schwadron nach der anderen saß ab. Zum Schluß sicherte nur die erste zu Pferde noch die Spitze. Vereinzelt krachten noch Schüsse. Die Kugeln fanden ihre Opfer in den Reihen jener, die auf den Pferden geblieben waren. Die Unordnung wuchs.

»Nirgends ist jemand von den braunen Schuften zu sehen«, knurrte der Oberst. »Am besten ist, wir sitzen wieder auf und tragen einen frontalen Reiterangriff nach Norden. Es kann ja nicht der ganze Wald voller Gegner stecken.«

»Das Schießen hört auf«, sagte der Adjutant.

»Laßt zum Sammeln blasen!«

Der Hornist setzte die Trompete an. Dabei gingen seine Blicke in Richtung Norden. Er vergaß zu blasen. Niemand hatte auf die Staubwolke geachtet, die jetzt herankam und immer größer wurde.

»Colonel — Colonel! Blickt dort hinüber!« rief er und deutete nach Norden.

Der Oberst und sein Adjutant fuhren herum. Jetzt hoben sich bereits einzelne Reiter ab. Säbel blitzten in der Sonne. Das Dröhnen der Hufe war zu vernehmen.

»By God!« schrie der Oberst, »blast doch — blast!«

Der Hornist, ein Weißer übrigens, schmetterte den Hornruf hinaus. Die Sipoys ließen von Waldrand und Ufergebüsch ab. Steve Hawbury erkannte als erster die Gefahr. Die Soldaten hatten zum großen Teil noch nicht einmal ihre Pferde erreicht. Da war die erste Welle der Palastgarden heran und schlug auf die erste Schwadron ein. Langsam wichen die Sipoys zurück. Die Soldaten zu Fuß wurden strichweise niedergehauen. Zu irgendeiner Formierung blieb keine Zeit mehr.

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