Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
»Canaillen!. Canaillen!« sagte er immer wieder, und selbst Herrn Sergius gelang es nicht, ihn zu beruhigen.
Indem sie sich derart in die Länge zog, begann die Situation entnervend zu wirken, die Tage und Wochen schlichen so langsam dahin! Und dann, wie würde das Ende sein, wenn es überhaupt ein Ende gab? Indessen ging die Zeit, die man nicht mehr auf Übungen verwenden konnte, - und Herr Cascabel fürchtete, daß sein Personal arg eingerostet nach Perm kommen werde, - diese Zeit ging nicht ganz nutzlos vorüber. Um der Entmutigung der Familie vorzubeugen, fesselte Herr Sergius seine Zuhörer unermüdlich mit Erzählungen und Belehrungen.
Dagegen hatte Herr Cascabel ihm mehrere Taschenspielerstückchen beigebracht - zu seinem Vergnügen, sagte er. Aber in Wahrheit konnte das Herrn Sergius nützlich werden, wenn er je die Rolle eines Gauklers spielen wollte, um die moskowitische Polizei zu täuschen. Was Jean betrifft, so war er damit beschäftigt, die Erziehung der jungen Indianerin zu vollenden. Unter der Anleitung ihres jugendlichen
Lehrmeisters übte die Schülerin sich im Schreiben und Lesen. Kayette besaß einen so lebhaften Verstand und Jean war so eifrig bemüht, ihn auszubilden! War es denn vom Geschick bestimmt, daß dieser wackere Junge, der das Studieren so leidenschaftlich liebte, der so reich begabt war, nie etwas anderes als ein armer Jahrmarktsgaukler sein sollte, daß es ihm nie gelingen sollte, auf der gesellschaftlichen Stufenleiter höher emporzuklimmen? Ah, das war ein Geheimnis, welches die Zukunft lösen würde; und welche Zukunft stand dieser Familie bevor, die sich an den äußersten Grenzen der bekannten Welt in der Gewalt eines wilden Stammes befand?
In der That schienen Tschu-Tschuks Forderungen nicht mäßiger werden zu wollen. Er würde seine Gefangenen nicht ohne Lösegeld ziehen lassen und es hatte nicht den Anschein, als ob ihnen von außen Hilfe kommen könnte. Wie aber sollte man sich das von dem habgierigen Beherrscher der Liakhoff-Inseln geforderte Geld verschaffen?
Freilich besaßen die Cascabels einen Schatz - ohne es selber zu wissen. Das war der Goldklumpen, der kostbare Goldklumpen des jungen Xander - wenigstens hegte der Bursche keinen Zweifel hinsichtlich seines Wertes. Wenn ihn niemand sah, zog er das Erz aus seinem Versteck hervor, betrachtete es, rieb es, glättete es. Gewiß, er würde nicht gezögert haben, es zu opfern, um Tschu-Tschuk umzustimmen und seine Familie loszukaufen. Aber ein Stück Gold in Form eines Kiesels würde der Tuck-Tuck seines Vaters nie statt barer Münze annehmen. Dann hing auch Xander an seiner Idee, die Ankunft in Europa abwarten zu wollen. Dort würde er seinen Goldklumpen schon gegen gemünztes Gold eintauschen und damit die in Amerika geraubten Dollars vorteilhaft ersetzen können!
Ein vortrefflicher Plan, wenn man nur die Ankunft in Europa zu bewerkstelligen vermochte. Es hatte wirklich nicht den
Anschein, als ob es bald dazu kommen würde. Und mit dieser Frage beschäftigten sich auch die beiden Missethäter, welche die Mißgunst des Schicksals der Familie Cascabel in den Weg geführt hatte.
Eines Tages - am dreiundzwanzigsten Januar - erschien Ortik in der Belle-Roulotte, um sich mit Herrn Sergius, Jean und dessen Vater über ihre Rückkehr in die Heimat zu besprechen. Sein eigentlicher Zweck aber war, in Erfahrung zu bringen, was die Gefangenen zu thun gedächten, falls Tschu-Tschuk sie von der Insel entließe.
»Herr Sergius,« fragte er vor allem, »war es Ihre Absicht, als Sie Port-Clarence verließen, in Sibirien zu überwintern?«
»Ja,« antwortete Herr Sergius;»wir wollten irgend einen Marktflecken zu erreichen suchen, wo wir bis zum Anbruch der schönen Jahreszeit Aufenthalt genommen hätten. Warum fragen Sie das, Ortik?«
»Weil ich wissen möchte, ob Sie zu Ihrem anfänglichen Reiseplane zurückzukehren gedenken, falls diese verwünschten Eingeborenen uns freigeben.«
»Nein,« erwiderte Herr Sergius?« denn das hieße einen ohnedies langen Weg nutzlos verlängern. Meiner Ansicht nach wäre es besser, die Richtung nach der russischen Grenze zu nehmen, um einen der Uralpässe zu gewinnen.«
»Im Norden der Bergkette?.«
»Freilich, da wir den kürzesten Weg durch die Steppe einschlagen würden.«
»Und Ihr Wagen, Herr Sergius?« fuhr Ortik fort. »Würden Sie den zurücklassen?.«
Herr Cascabel hatte diese Frage augenscheinlich verstanden, denn er beeilte sich, zu erwidern:
»Die Belle-Roulotte zurücklassen!. Nein, gewiß nicht, wenn ich mir ein Gespann verschaffen kann; und in kurzem. hoffe ich.«
»Haben Sie einen Einfall?.« fragte Herr Sergius.
»Nicht den Schatten von einem Einfall; aber Cornelia sagt mir unaufhörlich, daß mir schon einer kommen wird, und Cornelia täuscht sich nie. Das ist eine hervorragende Frau, und sie kennt mich gut, Herr Sergius!«
Immer derselbe, dieser erstaunliche Cäsar Cascabel, immer seinem Sterne vertrauend und der entschiedenen Ansicht, daß vier Franzosen und drei Russen doch mit einem Tschu-Tschuk fertig werden müßten.
Herr Sergius hatte Ortik die Meinung des Herrn Cascabel in Bezug auf die Belle-Roulotte mitgeteilt.
»Aber um Ihren Wagen mitzunehmen,« begann der russische Matrose wieder, beharrlich auf diesen Punkt zurückkommend, »werden Sie eines Renntiergespanns bedürfen.«
»Allerdings.«
»Und Sie glauben, daß Tschu-Tschuk Sie mit einem solchen versehen werde?«
»Ich glaube, daß Herr Cascabel ein Mittel finden wird, ihn dazu zu zwingen.«
»Und dann werden Sie die sibirische Küste zu erreichen suchen, indem Sie über das Eisfeld fahren?«
»So ist's.«
»In diesem Falle wäre es notwendig, Herr Sergius, vor dem Eintritt von Tauwetter aufzubrechen, also vor Ablauf von drei Monaten.«
»Offenbar.«
»Und wie?«
»Vielleicht werden die Eingeborenen sich dann dazu verstehen, uns ziehen zu lassen.«
»Ich glaube nicht, da es unmöglich sein wird, das geforderte Lösegeld zu bezahlen.«
Herr Cascabel, dem Ortiks Bemerkung verdolmetscht wurde, antwortete sogleich: »Wenn anders die Dummköpfe nicht dazu gezwungen werden!«
»Gezwungen?. Durch wen?« fragte Jean.
»Durch die Umstände!«
»Die Umstände, Vater?«
»Ja! Davon hängt alles ab. Die Umstände, mein Sohn, die Umstände!«
Und er kratzte sich den Kopf so heftig, daß er sich beinahe das Haar ausriß; aber es gelang ihm nicht, demselben einen Gedanken zu entlocken.
»Sehen Sie, meine Freunde,« sagte Herr Sergius, »die Hauptsache ist, für den Fall vorbereitet zu sein, wo die Eingeborenen uns nicht freigeben wollen. Werden wir nicht versuchen, ohne ihre Einwilligung ans Ziel zu gelangen?«