Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Indessen begann der Hunger sich fühlbar zu machen, und die Eingeborenen schienen sich nicht um die Ernährung ihrer Gefangenen zu kümmern. Zum großen Glücke hatte der umsichtige Clou die Vorsicht gehabt, seine Taschen mit Lebensmitteln zu versehen. Er zog einige Büchsen mit Konserven hervor, welche vorderhand hinreichen würden. Dann rollten sich alle in ihre Pelze und schliefen so gut es ging in einer Atmosphäre, welche der Rauch des Herdfeuers fast unatembar machte.
Am nächsten Morgen - fünften Dezember - wurden Herr Sergius und seine Gefährten aus ihrem Gelasse hervorgezogen; es war ihnen eine unaussprechliche Erleichterung, sich in frischer Luft zu befinden, wenngleich die Kälte äußerst streng war.
Man führte sie vor den Häuptling.
Dieser Potentat, ein Mann von listiger und nicht eben anziehender Physiognomie, hatte eine Art unterirdischer Wohnung inne, welche geräumiger und bequemer als die Erdnester seiner Unterthanen war. Diese Hütte war in den Fuß eines großen, felsigen Hügels gegraben, der in Schnee gehüllt war und dessen Gipfel ziemlich genau dem Kopfe eines Bären glich.
Tschu-Tschuk mochte etwa fünfzig Jahre zählen. Sein glattes, von kleinen, funkelnden Äuglein erhelltes Gesicht bekam durch die scharfen Fangzähne, die seine Lippe hinauszogen, etwas sozusagen tierisches. Auf einem Pelzhaufen sitzend, in Renntierfell gekleidet, Stiefel aus
Seehundsleder an den Füßen und eine Pelzmütze auf dem Kopfe, wiegte er sich langsam hin und her.
»Sieht der wie ein alter Gauner aus!« murmelte Herr Cascabel.
Zu seinen Seiten standen zwei, drei Vornehme des Stammes. Draußen harrten etwa fünfzig Eingeborene, die ungefähr ebenso wie ihr Häuptling gekleidet waren und deren Geschlecht in der einförmigen Tracht der neusibirischen Männer und Frauen nicht zu unterscheiden war.
Tschu-Tschuk wandte sich zuerst zu Herrn Sergius, dessen Nationalität er zweifelsohne erraten hatte und fragte ihn in sehr verständlichem Russisch:
»Wer bist du?«
»Ein Unterthan des Zars,« antwortete Herr Sergius in der Hoffnung, daß dieser kaiserliche Titel vielleicht Eindruck auf den Inselherrscher machen werde.
»Und diese da?« fuhr Tschu-Tschuk fort, auf die Mitglieder der Familie Cascabel deutend.
»Franzosen!« antwortete Herr Sergius.
»Franzosen?.« wiederholte der Häuptling.
Und es schien, daß er nie etwas von einem Volke oder einem Stamme dieses Namens gehört habe.
»Nun ja!. Franzosen. Franzosen. aus Frankreich, Canaille!« rief Herr Cascabel.
Aber er sagte das in seiner eigenen Sprache und mit der Freimütigkeit eines Mannes, welcher die Gewißheit hat, nicht verstanden zu werden.
»Und jene dort?« fragte Tschu-Tschuk, auf Kayette deutend, denn es war ihm nicht entgangen, daß das junge Mädchen von fremdartiger Rasse sein müsse.
»Eine Indianerin,« antwortete Herr Sergius.
Und nun entwickelte sich ein ziemlich lebhaftes Gespräch zwischen Tschu-Tschuk und ihm - ein Gespräch, dessen Hauptinhalt Herr Sergius der Familie Cascabel verdolmetschte.
Schließlich ergab sich aus diesem Gespräche, daß die Schiffbrüchigen sich als Gefangene zu betrachten hätten und solange auf der Kotelnii-Insel bleiben müßten, bis sie ein Lösegeld von dreitausend Rubel in guter russischer Münze erlegten.
»Und wo will er, daß wir die hernehmen, dieser Polarbär?« rief Herr Cascabel. »Die Lumpen haben sicher alles gestohlen, was noch von Ihrem Gelde übrig war, Herr Sergius!.«
Tschu-Tschuk gab ein Zeichen und die Gefangenen wurden hinausgeführt. Man gestattete ihnen, frei im Dorfe umherzugehen, unter der Bedingung, daß sie sich nicht daraus entfernen würden; und sie gewahrten vom ersten Tage an, daß man sie sorgfältig bewachte. Übrigens wäre es ihnen um diese Jahres, zeit, im tiefsten Winter, sowieso unmöglich gewesen, sich auf das Festland hinüber zu flüchten.
Herr Sergius und seine Gefährten hatten sich sofort zur Belle-Roulotte begeben. Dort drängte sich eine dichte Menge in hellem Entzücken um John Bull, der sie mit seinen prächtigsten Grimassen regalierte. Da sie nie einen Affen gesehen hatten, bildeten sie sich wahrscheinlich ein, daß dieses vierhändige rothaarige Geschöpf zur menschlichen Rasse gehöre.
»Gehören sie doch dazu!« bemerkte Cornelia.
»Jawohl. und gereichen ihr zur Schande!« versetzte Herr Cascabel.
Dann besann er sich.
»Ich habe sogar unrecht gehabt,« fügte er hinzu, »diese Wilden Affen zu nennen! Sie stehen denselben in jeder Hinsicht nach und ich bitte dich deshalb um Verzeihung, mein kleiner John Bull!«
John Bull bedankte sich mit einem Purzelbaum. Aber als einer der Eingeborenen seine Hand ergreifen wollte, biß er ihn bis aufs Blut.
»Bravo, John Bull!. Beiße sie!. Beiße sie gehörig!« rief Xander.
Indessen hätte die Sache ein schlimmes Ende für den Affen nehmen können und sein Biß wäre ihm vielleicht teuer zu stehen gekommen, wenn die Aufmerksamkeit der Wilden nicht durch Jakos Erscheinen abgelenkt worden wäre, dessen Käfig man geöffnet hatte und der gravitätisch einherwatschelte.
In Neusibirien waren die Papageien ebensowenig bekannt wie die Affen. Nie hatte man einen Vogel dieser Art erblickt, einen Vogel mit solch buntem Gefieder, solch runden, schneebrillenförmigen Augen und so hakenartig gekrümmtem Schnabel.
Und welchen Eindruck Jako erst machte, als einige deutlich artikulierte Worte aus seinem Schnabel erklangen! Das ganze Repertoire des gesprächigen Vogels wurde erschöpft - zum starren Erstaunen der Eingeborenen. Ein redender Vogel!. Abergläubisch wie sie waren, warfen sie sich so erschrocken zur Erde, als ob diese Worte aus dem Munde ihrer Götzen gekommen wären. Und Herr Cascabel belustigte sich damit, seinen Papagei anzueifern.
»Nur zu, Jako!« rief er ermunternd. »Geniere dich nicht, Jako; sag diesen Dummköpfen deine Meinung!«
Und Jako gehorchte mit Vergnügen. Und er stieß ein solches Trompetengeschmetter aus, daß die Eingeborenen mit den Zeichen des größten Schreckens davonliefen. Wie herzlich da die »Familie«, wie ihr berühmtes Oberhaupt sie nannte, trotz ihrer Besorgnisse lachte!
»Ja!. ja!« sagte Herr Cascabel, ein wenig von seiner guten Laune wiederfindend; »es müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn es uns nicht gelingen sollte, mit dieser Herde von Einfaltspinseln fertig zu werden!«
Die Gefangenen waren allein geblieben, und da Tschu-Tschuk die Belle-Roulotte zu ihrer Verfügung zu lassen schien, konnten sie nichts besseres thun, als sich wieder in ihrer alten Wohnung zu installieren. Ohne Zweifel fanden die Neusibirier, daß dieselbe sich nicht mit ihren Löchern unterm Schnee messen könne.