Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Cornelia war ebenso außer sich wie ihre Kinder, als sie diese betäubenden Mißklänge vernahm. Sie hatten alle Luft, die Künstler auszupfeifen, die nach Clou-de-Girofles Ansicht »wie Seehunde« spielten.
Nun und - es war unglaublich! - Herr Cascabel lächelte diesen barbarischen Musikanten zu; er geizte weder mit Komplimenten noch mit Hurrarufen; er klatschte in die Hände; er schrie »Bravo! Bravo!« und erklärte wiederholt:
»Diese wackern Leute setzen mich wahrhaftig in Erstaunen!. Sie sind außerordentlich begabt für Musik, und wenn sie meiner Truppe beitreten wollen, so stehe ich ihnen für einen durchschlagenden Erfolg auf der Messe von Perm, wie auch später auf dem Kirchweihfeste von Saint-Cloud gut!«
Inzwischen wälzte der Zug sich unter entsetzlichem Getöse durch das Dorf auf die heilige Stätte zu, wo die Götzen der Huldigung ihrer Anbeter harrten. Tschu-Tschuk führte den Zug an. Herr Sergius und Herr Cascabel, dessen Familie und die beiden russischen Matrosen schritten dicht hinter ihm drein, gefolgt von der ganzen Bevölkerung Turkefs.
Der Zug hielt vor der Felsengrotte, in deren Hintergrunde die einheimischen Gottheiten emporragten, die zu Ehren des Festes frisch bemalt waren.
Nun betrat Tschu-Tschuk das Vorspük mit emporgehobenen Händen, beugte dreimal den Kopf und kauerte auf einem Teppich aus Renntierfell, der auf dem Boden ausgebreitet lag, nieder. So kniete man hierzulande.
Herr Sergius und seine Gefährten beeilten sich, dem Herrscher nachzuahmen und das Publikum warf sich hinter ihnen zu Boden.
Als eine andächtige Stille eingetreten war, richtete Tschu-Tschuk im Tone eines anglikanischen Predigers eine halb gesungene, halb gesprochene Rede an die drei Götzen, die in ihrem hieratischen Prunke herrlich dastanden.
Plötzlich antwortete ihm eine Stimme, - eine mächtige, wohltönende Stimme, die bis in die entlegensten Winkel der Grotte hallt.
O Wunder! Diese Stimme kommt aus dem Schnabel einer der Gottheiten, der rechts stehenden, und sie sagt in russischer Sprache:
»Ani sviati, eti innostranzi, katori ote zapada prichli! Zatcheme ti ikhe podirjai'che?«
Das bedeutet:
»Diese aus Westen gekommenen Fremdlinge sind heilig! Warum hältst du sie zurück?«
Diese Worte, welche alle Gläubigen deutlich vernahmen, riefen starres Erstaunen hervor.
Es ist das erste Mal, daß die Götter Neusibiriens mit ihren An betern zu konversieren geruhten.
Und nun dringt eine zweite, nachdrücklichere, eine befehlende Stimme aus dem Schnabel des links aufgepflanzten Götzen und spricht in vibrierendem Tone:
»Ja tibie prikajou etote arrestantof otpoustite. Tvoie narode doljne dlia ikhe same balchoie vajestvo imiete i nime addate vcie vieschtchi katori ou ikhe bouili vziati. Ja tibie prikajou ou siberskoie beregou ikhe lioksche vosvratitcia.«
Drei Sätze, die man folgendermaßen übersetzen mag und die offenbar an Tschu-Tschuk gerichtet waren:
»Du sollst diese Gefangenen in Freiheit setzen! Dein Volk soll ihnen die größte Rücksicht bezeigen, ihnen alles Geraubte zurückgeben! Ihr sollt ihnen die Rückkehr an die sibirische Küste erleichtern!«
Diesmal ging das Erstaunen in Schrecken über. Tschu-Tschuk hatte sich auf seinen zitternden Knieen erhoben, mit verstörtem Auge, aufgerissenem Munde und auseinander gespreizten Fingern, in einem Paroxysmus der Bestürzung. Auch die übrigen Eingeborenen hatten sich halb aufgerichtet, unschlüssig, ob sie sich niederwerfen oder die Flucht ergreifen sollten!
Schließlich nimmt die dritte, die mittlere Gottheit ihrerseits das Wort. Aber ihre Stimme ist schrecklich, zornvoll, drohend! Und mit welch tragischem Nachdruck sie die Silben artikuliert und dieselben wie Donnergerolle dröhnen läßt!
Dies sind die Worte, welche sie unmittelbar an Seine neusibirische Majestät richtete:
»Jesle ti take nie sdielele elote toje same diene, kakda eti s viati tchelovieki boudoute jelaite tchorte s'tvoie oblacte!« Nämlich:
»Wenn dies nicht an dem Tage geschieht, wo diese heiligen Männer es wollen, so soll dein Stamm dem himmlischen Zorn verfallen!«
Jetzt röchelten König und Unterthanen vor Entsetzen, und lagen regungslos wie Leichen auf der Erde, während Herr Cascabel seine beiden Arme dankbar gegen die Götzen ausstreckte und ihre mächtige Intervention pries.
Und derweil hielten seine Gefährten sich die Seiten, um nicht in Lachen auszubrechen.
Eine einfache Bauchrednerscene, das war es, was dieser erstaunliche Mann, dieser unvergleichliche Künstler ersonnen hatte, um »seinen wackern Tuck-Tuck« kirre zu machen!
Und in der That bedurfte es keiner weiteren Anstrengung, um die abergläubischen Eingeborenen zum besten zu haben! »Die aus Westen gekommenen Fremdlinge,« - welch eine treffliche Bezeichnung Herr Cascabel da gefunden hatte! - »die aus Westen gekommenen Fremdlinge sind heilig!. Warum hält Tschu-Tschuk sie zurück?«
Nun denn, nein! Tschu-Tschuk würde sie nicht zurückhalten! Er würde sie ziehen lassen, sobald sie Luft dazu verspürten, und die Eingeborenen würden ihnen die Rücksicht bezeigen, welche solchen sichtlich unter himmlischem Schutze stehenden Männern gebührte!
Und während Ortik und Kirschef, die nichts von Herrn Cascabels Begabung zur Bauchrednerei wußten, ihr Staunen nicht verhehlten, sagte Clou begeistert:
»Welch ein Genie der Herr Direktor ist!. Welch ein Gehirn!. Welch ein Mensch!. wenn er nicht etwa.«
»Wenn er nicht etwa ein Gott ist!« fiel Cornelia ein, indem sie sich vor ihrem Manne verneigte.
Der Streich war gespielt. Und er war gelungen, dank der außerordentlichen, jeder Schilderung spottenden Leichtgläubigkeit der Neusibirier. Diese Leichtgläubigkeit hatte Herr Cascabel wohl bemerkt; sie hatte ihm den Gedanken eingegeben, sein Bauchrednertalent zu allgemeinem Nutz und Frommen zu verwenden.
Selbstverständlich wurden er und seine Gefährten mit all den Ehrenbezeigungen ins Lager zurückgeleitet, welche ihnen in ihrer Eigenschaft als heilige Männer gebührten. Tschu-Tschuk erschöpfte sich in Begrüßungen und Komplimenten, denen eine tüchtige Dosis von Furcht und Achtung zu Grunde lag. Er war nahe daran, der Familie Cascabel und den Götzen von Kotelnii eine und dieselbe Anbetung zu zollen. Schließlich, wie hätte die so unwissende Bevölkerung von Turkef auf den Gedanken kommen sollen, daß sie das Opfer einer Mystifikation geworden sei? Kein Zweifel, die Gottheiten des Vorspük hatten wirklich ihre furchtbaren Stimmen erschallen lassen! Jene auf gut Russich erteilten Befehle waren wirklich aus ihren bisher stummen Schnäbeln gekommen! Und übrigens, war nicht bereits ein Präcedenz vorhanden? Sprach der Papagei Jako nicht auch? Hatten die Eingeborenen nicht voller Verwunderung den aus seinem Schnabel kommenden Worten gelauscht? Nun, was ein Vogel konnte, das würden Götter mit Vogelköpfen doch auch wohl im stande sein!