In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Beeil dich, Birgitte, dachte sie benommen. Bitte beeil dich.
Dann hüllte Dunkelheit sie ein.
10
Ein Plan hat Erfolg
Elayne schlug die Augen auf. Es war dunkel. Sie starrte auf verschwommene Schatten, die vor einer nebelhaften, bleichen Helligkeit tanzten. Ihr Gesicht war kalt, ihr Körper heiß und verschwitzt; etwas hielt ihre Arme und Beine fest. Einen Augenblick lang stieg Panik in ihr auf. Dann spürte sie Aviendhas Anwesenheit in dem Raum, eine einfache, tröstende Anwesenheit, und Birgitte, die wie eine Faust aus ruhigem, kontrolliertem Zorn war. Sie beruhigten sie, einfach, indem sie da waren. Sie befand sich in ihrem eigenen Schlafzimmer, lag unter den Decken in ihrem Bett und starrte auf den dicht gespannten Leinenbaldachin; neben ihr lagen Flaschen mit heißem Wasser. Die schweren Winterbettvorhänge waren an den gedrechselten Pfosten festgebunden, und das einzige Licht im Raum kam von den winzigen, flackernden Flammen im Kamin; es reichte gerade aus, um die Schatten mit Leben zu erfüllen und sie nicht zu verscheuchen.
Automatisch griff sie nach der Quelle und fand sie. Berührte erstaunt Saidar, ohne davon zu nehmen. Das starke Verlangen, tief davon zu schöpfen, stieg in ihr auf, aber sie zog sich zögernd zurück. Oh, sogar schrecklich zögernd, und nicht nur, weil das Verlangen, von dem wogenden Leben Saidars erfüllt zu sein, oft eine bodenlose Begierde war, die kontrolliert werden musste. Während dieser endlosen Minuten des Schreckens hatte ihre größte Furcht nicht dem Tod gegölten, sondern der Vorstellung, nie wieder die Quelle berühren zu können. Einst hätte sie das für seltsam gehalten.
Abrupt kehrte die Erinnerung zurück und sie setzte sich mühsam auf. Die Decken rutschten ihr bis zur Taille herunter. Sofort riss sie sie wieder hoch. Die Luft fühlte sich eiskalt auf ihrer nackten, verschwitzten Haut an. Sie hatten ihr nicht einmal ein Unterhemd gelassen, und so gern sie auch Aviendha und ihre Unbekümmertheit, sich vor anderen unbekleidet zu präsentieren, nachgeahmt hätte, konnte sie sich nicht dazu überwinden. »Dyelin«, sagte sie besorgt und verrenkte sich, um die Decken besser um den Körper drapieren zu können. Es war ein unbeholfenes Bemühen; sie fühlte sich ausgelaugt und mehr als nur etwas wackelig. »Und der Gardist. Sind sie...?«
»Der Mann hat keinen Kratzer abbekommen«, sagte Nynaeve und trat wie ein Schemen aus den tanzenden Schatten heraus. Sie legte eine Hand auf Elaynes Stirn und grunzte zufrieden, als sie sie kühl vorfand. »Ich habe bei Dyelin eine Heilung vollzogen, aber sie wird Zeit brauchen, bis sie wieder bei Kräften ist. Sie hat viel Blut verloren. Dir geht es übrigens auch gut. Eine Zeit lang dachte ich, du würdest Fieber bekommen. Das kann schnell geschehen, wenn man geschwächt ist.«
»Sie hat dir Krauter verabreicht, statt dich zu Heilen«, sagte Birgitte ungehalten von einem Stuhl am Fußende des Bettes. In der fast völligen Dunkelheit war sie nur ein kauernder, unheilvoller Umriss.
»Nynaeve al'Meara ist klug genug, um zu wissen, was sie nicht tun darf«, sagte Aviendha in einem ruhigen Tonfall. Eigentlich war von ihr nur ihre weiße Bluse und ein silbernes Aufblitzen zu sehen, und zwar ganz unten an der Wand. Wie gewöhnlich zog sie den Boden einem Stuhl vor. »Sie erkannte den Geschmack von Spaltwurzel im Tee, wusste jedoch nicht, welches Gewebe aus Macht sie dagegen weben sollte, also ging sie keine unbedachten Risiken ein.«
Nynaeve gab ein deutlich hörbares Schnauben von sich. Zweifellos genauso wegen Aviendhas Verteidigung wie Birgittes Schärfe. Wegen Letzterem vielleicht sogar noch mehr. Nynaeve wäre es lieber gewesen, man hätte nicht erwähnt, wo ihr Wissen Lücken aufwies und was sie nicht tun konnte. Und in letzter Zeit war sie empfindlicher als gewöhnlich, was das Heilen anging. Vor allem seit offensichtlich wurde, dass mehrere der Kusinen ihre Fähigkeiten bereits übertrafen. »Du hättest es selbst erkennen müssen, Elayne«, sagte sie brüsk. »Auf jeden Fall hätten dich Grünkraut und Ziegenzunge schlafen lassen, aber sie sind besser bei Magenkrämpfen. Ich dachte, du würdest den Schlaf vorziehen.«
Unwillkürlich erschauderte Elayne, während sie die Lederflaschen mit dem siedend heißen Wasser unter den Decken hervorzog, um nicht weiter gegart zu werden. Die Tage, nachdem Ronde Macura Nynaeve und sie unter Spaltwurzel gesetzt hatte, waren eine Qual gewesen, die sie zu verdrängen versucht hatte. Welche Krauter ihr Nynaeve auch immer verabreicht hatte, sie fühlte sich nicht schwächer, als es bei der Spaltwurzel der Fall gewesen wäre. Sie glaubte laufen zu können, so lange es keine große Strecke war oder sie lange stehen musste. Und sie konnte klar denken. Die Fensterläden ließen nur bleiches Mondlicht durch. Wie spät in der Nacht war es überhaupt?
Sie griff erneut nach der Quelle und lenkte vier Stränge aus Feuer, um zuerst eine Stehlampe und dann die zweite zu entzünden. Die kleinen, von Spiegeln verstärkten Flammen rissen den Raum aus der Dunkelheit und Birgitte hielt sich eine Hand vor die Augen. Der Mantel des Generalhauptmanns stand ihr großartig; sie hätte die Kaufleute nachhaltig beeindruckt.
»Du solltest noch nicht die Macht lenken«, schalt Nynaeve und blinzelte wegen der plötzlichen Helligkeit. Sie trug noch immer das blaue Gewand mit dem tiefen Ausschnitt, in dem Elayne sie früher am Tag gesehen hatte, das mit gelben Fransen versehene Schultertuch lag in ihren Ellenbeugen. »Am besten wären ein paar Tage Ruhe, um wieder zu Kräften zu kommen.« Sie bedachte die Lederflaschen auf dem Boden mit einem Stirnrunzeln. »Und du musst dich warm halten. Es ist besser, ein Fieber zu vermeiden, als es Heilen zu müssen.«
»Ich glaube, Dyelin hat heute ihre Loyalität bewiesen«, sagte Elayne und zog die Kopfkissen zurecht, damit sie sich gegen das Kopfteil lehnen konnte. Nynaeve warf angewidert die Hände hoch. Auf einem der Nachttische stand ein kleines Silbertablett mit einem silbernen Becher, der dunklen Wein enthielt. Elayne warf ihm einen misstrauischen Blick zu. »Auf eine harte Art und Weise. Aviendha, ich glaube, ich schulde ihr Toh.«
Aviendha zuckte mit den Schultern. Nach ihrer Ankunft in Caemlyn hatte sie sich mit beinahe lächerlicher Hast auf Aiel-Kleider gestürzt und Seide gegen Algode-ßlusen und dicke Wollröcke getauscht, so als würde Feuchtländer-Luxus sie ängstigen. Mit dem dunklen Schultertuch, das sie zusammengefaltet um die Taille geknotet hatte, und dem dunklen Tuch, mit dem ihr Haar zusammengebunden war, bot sie das perfekte Bild der Schülerin einer Weisen Frau, auch wenn ihr einziger Schmuck aus einer Halskette bestand, einer komplizierten Silberschmiedearbeit aus miteinander verbundenen Scheiben; es war ein Geschenk von Egwene. Elayne konnte ihre Eile noch immer nicht verstehen. Solange sie die Kleidung der Feuchtländer trug, hatten Melaine und die anderen scheinbar nichts dagegen einzuwenden gehabt, dass sie ihren eigenen Weg ging, aber jetzt hatten sie Aviendha wieder so fest im Griff wie die Aes Sedai ihre Novizinnen. Es gab nur einen Grund, warum sie ihr überhaupt erlaubten, im Palast — oder in der Stadt, was das anging — zu bleiben: Elayne und sie waren Erstschwestern.
»Wenn du das glaubst, dann tust du es auch.« Ihr Tonfall, mit dem sie das Offensichtliche erklärte, verwandelte sich zu liebevoller Schelte. »Aber nur ein kleines Toh, Elayne. Du hattest Gründe für deinen Zweifel. Du kannst dich nicht für jeden Gedanken verpflichtet fühlen, Schwester.« Sie lachte, als wäre ihr plötzlich ein wunderbarer Witz klar geworden. »Auf diesem Weg liegt zu viel Stolz, und ich muss dann wegen allem, was du tust, übermäßigen Stolz zeigen, aber die Weisen Frauen werden dich dafür nicht zur Rechenschaft ziehen können.«