In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Und was ratet Ihr mir dazu?«, fragte sie, als er geendet hatte, obwohl sie seinen Rat nicht brauchte. In Wahrheit hatte sie ihn bei den anderen Dingen auch nicht gebraucht. Die Geschehnisse waren zu weit weg, um Andor zu betreffen, oder unwichtig, lediglich ein Überblick, was in anderen Ländern passierte. Aber es wurde von ihr erwartet, dass sie fragte, selbst wenn beide wussten, dass sie die Antwort bereits kannte — »Tut nichts« —, und er hatte prompt geantwortet. Murandy war jedoch weder weit weg noch unwichtig, aber diesmal zögerte er und schürzte die Lippen. Norry war langsam und methodisch, aber selten zögerlich.
»Was das angeht, nichts, meine Lady«, sagte er schließlich. »Normalerweise würde ich vorschlagen, Roedran einen Botschafter zu schicken, der seine Ziele und Beweggründe ergründen soll. Er mag die Geschehnisse im Norden fürchten oder die Überfalle der Aiel, von denen wir so viel hören. Andererseits, auch wenn er nie irgendwelche Ambitionen gezeigt hat, könnte er ein Unternehmen im nördlichen Altara planen. Oder unter diesen Umstände auch in Andor. Unglücklicherweise ...«Er drückte die Ledermappe weiterhin an die Brust, spreizte leicht die Hände und seufzte, vielleicht als Entschuldigung, vielleicht auch aus Besorgnis.
Leider war sie noch keine Königin und kein von ihr geschickter Botschafter würde auch nur in Roedrans Nähe gelangen. Falls sie mit ihrem Thronanspruch scheitern sollte und er ihren Botschafter empfangen hatte, könnte der erfolgreiche Thronfolger ein Stück aus Murandy herausschneiden, um ihm eine Lektion zu erteilen, und Lord Luan und die anderen hatten sich bereits Territorien genommen. Allerdings verfügte sie über bessere Informationen als der Erste Sekretär, und zwar von Egwene. Sie hatte nicht vor, ihre Quelle zu verraten, entschied sich aber, seine Sorgen zu beschwichtigen. Das musste der Grund gewesen sein, warum er den Mund so verzogen hatte: er wusste, was getan werden musste, sah aber keine Möglichkeit, es zu tun.
»Ich kenne Roedrans Ziele, Meister Norry, und er zielt auf Murandy selbst. Die Andoraner in Murandy haben Treueide von murandianischen Adligen im Norden entgegengenommen, und das macht den Rest nervös. Und da ist eine große Söldnerbande — in Wahrheit sind es Drachenverschworene, aber Roedran hält sie für Söldner —, die er im Geheimen angeheuert hat und die eine Bedrohung darstellen sollen, nachdem die anderen Heere abgezogen sind. Er will diese Bedrohungen dazu benutzen, die Adligen eng an sich zu binden, dass jeder von ihnen Angst bekommt, sich nach dem Ende aller Bedrohungen als Erster von ihm abzuwenden. Falls sein Plan Erfolg hat, könnte er in der Zukunft ein Problem darstellen, schließlich will er die nördlichen Ländereien zurückhaben, aber im Moment ist er für Andor keine unmittelbare Bedrohung.«
Norrys Augen weiteten sich und er legte den Kopf erst auf die eine und dann auf die andere Seite und musterte sie. Er befeuchtete sich die Lippen, bevor er sprach. »Das würde viel erklären, meine Lady. Ja, das würde es.« Seine Zunge fuhr erneut über die Lippen. »Mein Brieffreund in Cairhien hat noch einen anderen Punkt erwähnt, den ich ... äh, zu erwähnen vergaß. Wie Ihr vielleicht wisst, ist Eure Absicht, den Sonnenthron zu beanspruchen, dort wohlbekannt und findet auch breite Unterstützung. Anscheinend sprechen viele Cairhiener offen davon, nach Andor zu kommen und Euch bei der Erringung des Löwenthrons zu helfen, damit Ihr den Sonnenthron früher bekommt. Ich glaube nicht, dass Ihr meinen Rat braucht, was solche Angebote betrifft?«
Sie nickte und zwar unter diesen Umständen ziemlich gnädig, wie sie fand. Hilfe von Cairhien wäre schlimmer als die Söldner, denn es hatte zu viele Kriege zwischen Andor und Cairhien gegeben. Er hatte das nicht vergessen. Halwin Norry vergaß nie etwas. Warum hatte er sich dazu entschieden, es ihr zu sagen, statt sie eine Überraschung erleben zu lassen, vielleicht durch die Ankunft ihrer cairhienischen Anhänger? Hatte ihr Wissen ihn beeindruckt? Oder hatte es in ihm die Furcht geschürt, sie könnte erfahren, dass er es für sich behielt? Er wartete geduldig, ein vertrockneter Reiher, der auf einen ... Fisch von ihr wartete?
»Lasst ein Schreiben für meine Unterschrift und mein Siegel vorbereiten, Meister Norry, das jedem wichtigen Haus in Cairhien zugestellt werden soll. Stellt zu Beginn mein Recht als Tochter von Taringail Damodred auf den Sonnenthron dar, und führt aus, dass ich meinen Anspruch anmelden werde, sobald in Andor wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Schreibt, dass ich keine Soldaten mitbringen werde, da ich weiß, dass andoranische Soldaten auf cairhienischem Boden ganz Cairhien gegen mich aufbringen würde und das mit Recht. Endet damit, dass ich die mir von vielen Cairhienern angebotene Unterstützung zu schätzen weiß und dass ich hoffe, dass jegliche Zerwürfnisse innerhalb Cairhiens auf friedliche Weise beigelegt werden können.« Die Intelligenten würden die Botschaft zwischen den Zeilen erkennen und mit etwas Glück denjenigen erklären, die nicht klug genug waren.
»Eine geschickte Erwiderung, meine Lady«, sagte Norry und krümmte die Schultern zu etwas, das so ähnlich wie eine Verbeugung aussah. »Ich werde es wie gewünscht in die Wege leiten. Darf ich meine Lady fragen, ob Ihr Zeit hattet, die Haushaltsbücher abzuzeichnen? Ah. Das macht nichts. Ich werde später jemanden schicken.« Er verbeugte sich richtig, wenn auch kaum weniger unbeholfen als zuvor, schickte sich an zu gehen, verharrte dann aber. »Verzeiht mir meine Offenheit, meine Lady, aber Ihr erinnert mich sehr an Eure Mutter, die verstorbene Königin.«
Elayne sah zu, wie sich hinter ihm die Tür schloss, und sie fragte sich, ob sie ihn zu ihrem Lager zählen konnte. Caemlyn oder gar Andor ohne Sekretäre zu verwalten war unmöglich, und der Erste Sekretär hatte die Macht, die Königin auf die Knie zu zwingen, wenn man nicht auf der Hut war. Ein Kompliment war nicht das Gleiche wie ein Treueschwur.
Sie konnte nicht lange über diese Fragen nachsinnen, denn nur Augenblicke nachdem er gegangen war, traten drei livrierte Dienerinnen ein, die mit Silberschüsseln bestückte Tabletts trugen, die sie in einer Reihe auf die lange Anrichte an der Wand abstellten.
»Die Haushofmeisterin sagte, die Lady hätte vergessen, nach ihrem Mittagessen zu schicken«, erklärte eine rundliche, grauhaarige Frau und machte einen Hofknicks, während sie ihren jüngeren Begleiterinnen das Zeichen gab, die Schüsseln abzudecken. »Also hat sie der Lady eine Auswahl bringen lassen.«
Eine Auswahl. Elayne schüttelte den Kopf, als sie die Tafel betrachtete und ihr einfiel, dass sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte, und das war bei Sonnenaufgang gewesen. Da waren ein Hammelrücken in Senfsauce und gebratener Kapaun mit getrockneten Feigen, Kalbsbries mit Piniennüssen und eine cremige Kartoffelsuppe, Kohlrouladen mit Rosinen und Pfeffer und ein Kürbiskuchen, ganz zu schweigen von einer kleinen Platte Apfeltörtchen und einer weiteren mit Mandelküchlein mit Sahnehäubchen. Aus zwei silbernen Weinkrügen stieg Dampf auf, nur für den Fall, dass sie eine Würzung der anderen vorzog. Ein dritter Krug enthielt heißen Tee. Und verächtlich in die Ecke eines Tabletts geschoben stand die Mahlzeit, die sie sonst immer Mittags bestellte, klare Brühe und Brot. Reene Harfor missbilligte das; sie behauptete, Elayne sei »so dünn wie eine Geländerstrebe«.
Die Haushofmeisterin hatte ihre Meinung weiterverbreitet. Die grauhaarige Frau setzte eine tadelnde Miene auf, als sie Brühe, Brot und Tee zusammen mit einer weißen Leinenserviette auf einen Tisch in der Mitte des Raums aufdeckte, dazu kamen noch eine Tasse aus dünnem blauen Porzellan mit der dazugehörigen Untertasse und ein Silbertopf mit Honig. Und ein paar Feigen auf einem kleinen Teller. Ein voller Magen zur Mittagszeit sorgte für einen trägen Kopf am Nachmittag, wie Lini immer zu sagen pflegte. Allerdings wurden Elaynes Ansichten nicht geteilt. Die Dienerinnen waren sämtlich gut gepolsterte Frauen, und selbst die jüngeren von ihnen sahen enttäuscht aus, als sie mit den restlichen Gerichten wieder gingen.