In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Sie legte Perlenohrringe an und entließ Essande dann zu ihrer eigenen Feuerstelle in den Quartieren der Pensionäre. Die Frau hatte es abgelehnt, einer Heilung unterzogen zu werden, aber Elayne hatte den Verdacht, dass ihre Gelenke schmerzten. Wie dem auch war, sie selbst war fertig. Allerdings würde sie nicht das Diadem der Tochter-Erbin tragen; es konnte oben auf dem kleinen Schmuckkästchen aus Elfenbein auf ihrem Ankleidetisch liegen bleiben. Sie besass nicht viel Schmuck; die meisten Juwelen waren versetzt worden und der Rest würde das Hofgeschirr begleiten, wenn es so weit war. Sinnlos, sich jetzt darüber zu sorgen. Sie hatte nur wenige Augenblicke für sich selbst, dann musste sie sich wieder auf ihre Pflichten stürzen.
Ihr Wohnzimmer mit der dunklen Holzvertäfelung und den breiten Vogelfriesen enthielt zwei große Kamine mit aufwendig gestalteten Einfassungen, einen an jedem Ende, die ihrer Aufgabe des Wärmens besser nachkamen als der im Ankleidezimmer. Allerdings waren auch hier die Teppiche auf dem weißen Fliesenboden unumgänglich. Zu ihrer Überraschung befand sich auch Halwin Norry in dem Raum. Es sah so aus, als hätte sich die Pflicht auf sie gestürzt.
Der Erste Sekretär erhob sich bei ihrem Eintreten von einem Stuhl mit niedriger Lehne, drückte eine Ledermappe an die schmale Brust und wankte um den am Rand mit Schnörkelornamenten verzierten Tisch in der Mitte des Raums, um einen unbeholfenen Kratzfuß zu machen. Norry war groß und schlank, hatte eine lange Nase, und der spärliche Haarwuchs hinter seinen Ohren sprang hervor wie weiße Federbüschel. Er erinnerte Elayne oft an einen Reiher. Eigentlich hantierte eine Vielzahl von Schreibern unter seiner Führung mit den Federn, dennoch wurde der Saum seines scharlachroten Wappenrocks von einem kleinen Tintenfleck verunstaltet. Der Fleck sah ziemlich alt aus, und sie fragte sich, ob die Mappe weitere verbarg. Er hatte die Gewohntheit, sie vor seine Brust zu halten, erst angenommen, als er die formelle Uniform angelegt hatte; zwei Tage nach Frau Harfor. Ob er es als Ausdruck der Loyalität getan hatte oder bloß, um es der Haushofmeisterin nachzutun, war noch immer ein Gegenstand der Diskussion.
»Verzeiht mir meinen Überfall, meine Lady«, sagte er, »aber ich glaube, meine Angelegenheiten sind von einiger Wichtigkeit, wenn nicht sogar von Eile.« Wichtig oder nicht, sein Tonfall war noch immer monoton.
»Natürlich, Meister Norry. Ich würde Euch nicht zur Eile treiben wollen.« Er sah sie blinzelnd an, und sie versuchte, ein Seufzen zu unterdrücken. Nach der Art und Weise zu urteilen, wie er den Kopf leicht schiefhielt, um einen Ton besser aufschnappen zu können, war er mehr als nur etwas schwerhörig. Vielleicht war das der Grund, warum seine Stimme niemals ihre Tonlage veränderte. Sie sprach etwas lauter. Aber vielleicht war er auch einfach nur ein Langweiler. »Setzt Euch und berichtet mir von diesen wichtigen Angelegenheiten.«
Sie nahm sich einen der mit Schnitzereien versehenen Stühle vom Tisch und bedeutete ihm, sich ebenfalls einen zu nehmen, aber er blieb stehen. Das tat er immer. Sie lehnte sich zurück, um ihm zuzuhören, schlug die Beine übereinander und richtete ihre Röcke.
Er schaute nicht in seine Mappe. Alles, was dort auf dem Papier stand, befand sich auch in seinem Kopf; die Papiere waren nur für den Fall da, dass sie sie mit eigenen Augen sehen wollte. »Die dringlichste und vielleicht auch wichtigste Neuigkeit besteht darin, meine Lady, dass man auf Euren Gütern in Danabar große Vorkommen Alaun entdeckt hat. Alaun von erstklassiger Qualität. Ich glaube, dass die Bankiers meine Erkundigungen in Eurem Namen weniger ... zögerlich behandeln werden, sobald sie davon erfahren.« Er lächelte kurz, ein schnelles Verziehen dünner Lippen. Für ihn war das fast so viel wie ein Freudensprung.
Elayne setzte sich sofort aufrecht hin, als er Alaun erwähnte, und ihr Lächeln war sehr viel breiter. Sie verspürte selbst Lust auf einen Freudensprung. Hätte ihr jemand anderes als Norry gegenübergestanden, hätte sie es vielleicht sogar getan. Ihre Freude war so groß, dass Birgittes Gereiztheit einen Augenblick lang in den Hintergrund verdrängt wurde. Färber und Weber verschlangen Alaun förmlich, genau wie auch die Glasbläser und Papiermacher. Die einzige Quelle für erstklassiges Alaun war Ghealdan — oder war es zumindest bis jetzt gewesen —, und allein die Steuern für den Handel hatten ausgereicht, um den Thron von Ghealdan für Generationen zu stützen. Was aus Tear und Arafel kam, war nicht ganz so rein, aber es brachte den Schatztruhen dieser Länder fast genauso viele Münzen ein wie Olivenöl oder Edelsteine.
»Das ist eine wichtige Neuigkeit, Meister Norry. Die beste, die ich heute gehört habe.« Vermutlich die beste seit ihrer Ankunft in Caemlyn, aber mit Sicherheit die beste am heutigen Tag. »Wie schnell könnt Ihr das ›Zö-gern‹ der Bankiers überwinden?« Es war eher so gewesen, als hätte man ihr die Tür vor der Nase zugeschlagen, nur etwas höflicher. Die Bankiers wussten bis auf den letzten Mann genau, wie viele Bewaffnete im Moment hinter ihr standen und wie viele hinter ihren Gegnern. Trotzdem hatte sie keinen Zweifel, dass der mit Alaun verbundene Reichtum ihre Einstellung ändern würde. Genauso wenig wie Norry.
»Ziemlich schnell, meine Lady, und ich glaube, zu guten Bedingungen. Sollten ihre besten Angebote nicht ausreichend sein, werde ich ihnen sagen, dass ich mich an Tear oder Cairhien wende. Sie werden das Risiko nicht eingehen wollen, den Handel zu verlieren, meine Lady.«
Und das alles mit dieser trockenen, ausdruckslosen Stimme, in der nicht einmal ein Hauch von Zufriedenheit zu hören war, die jeder andere Mann verspürt hätte. »Es wird sich natürlich um Darlehen aufgrund zukünftiger Einkünfte handeln und es werden Kosten entstehen. Der Abbau in den Minen. Transport. Danabar ist bergiges Gelände und ein gutes Stück von der Lugardstraße entfernt. Aber es dürfte ausreichen, damit Ihr Eure Ambitionen für die Garde erfüllen könnt, meine Lady. Und für Eure Akademie.«
»Ausreichend ist kaum das richtige Wort, falls Ihr versuchen wollt, mir meine Pläne für die Akademie auszureden, Meister Norry«, sagte sie und hätte beinahe gelacht. Er hütete Anders Staatsschatz so eifersüchtig wie eine Mutterhenne ihr einziges Küken, und er war strikt dagegen gewesen, dass sie die Schule übernommen hatte, die auf Rands Befehl hin in Caemlyn gegründet worden war, und er hatte seine Argumente so lange wiederholt, bis sich seine Stimme in einen Bohrer verwandelt zu haben schien, der sich in ihren Schädel fräste. Bis jetzt bestand die Schule aus ein paar Dutzend Gelehrten mit ihren Schülern, die in der Neustadt auf ein paar Gasthäuser verteilt waren, aber selbst im Winter kamen jeden Tag ein paar hinzu, und sie hatten angefangen, lautstark nach Räumen zu verlangen. Sie hatte nicht vorgeschlagen, ihnen einen Palast zu überlassen, das mit Sicherheit nicht, aber sie brauchten eine Unterkunft. Norry versuchte Andors Gold sparsam zu verwalten, aber sie sah in Andors Zukunft. Tarmon Gai'don näherte sich, aber sie musste fest daran glauben, dass es danach noch eine Zukunft gab, ob nun Rand die Welt zerstörte oder nicht. Ansonsten war es sinnlos, mit allem weiterzumachen, und sie konnte sich nicht einfach hinsetzen und abwarten.