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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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Ich setze mich auf, doch der Schmerz lässt mich zusammenzucken.

»Hast du eine Tablette genommen?«

Ich schüttle den Kopf.

Er kneift die Augen zusammen, steht auf und verlässt das Zimmer. Ich höre ihn mit Kate reden, verstehe aber nicht, was sie sagen. Kurz darauf kehrt er mit den Tabletten und einer Tasse Wasser zurück.

»Hier, nimm«, befielt er sanft und setzt sich auf meine Bettkante.

Ich gehorche.

»Erzähl mir, was los ist«, flüstert er. »Du hast gesagt, es wäre alles in Ordnung. Hätte ich gewusst, dass es dir so schlecht geht, hätte ich dich auf keinen Fall alleingelassen.«

Ich betrachte meine Hände. Was soll ich dazu noch sagen? Das genügt mir nicht. Ich will, dass er bleibt, weil er gern hier ist, und nicht, weil ich das heulende Elend bin. Und ich will nicht geschlagen werden. Ist das zu viel verlangt?

»Also war vorhin doch nicht alles in Ordnung, obwohl du es behauptet hast?«

Ich werde rot. »Ich dachte, es geht mir gut.«

»Es bringt doch nichts, mir eine Lüge aufzutischen, nur weil du denkst, dass ich sie gern hören will, Anastasia. Das ist unaufrichtig«, tadelt er. »Wenn du so etwas tust, kann ich dir doch kein Wort mehr glauben.«

Er sieht mich mit gerunzelter Stirn an und fährt sich mit den Händen durchs Haar. »Wie hast du dich gefühlt, als ich dich geschlagen habe und danach?«

»Es hat mir nicht gefallen. Es wäre mir lieber, du würdest es nicht mehr tun.«

»Es sollte dir auch nicht gefallen.«

»Aber wieso tust du es dann gern?« Ich sehe ihn an.

Mit dieser Frage hat er offenbar nicht gerechnet.

»Willst du das allen Ernstes wissen?«

»O ja, ich kann es kaum erwarten, glaub mir.« Vergeblich versuche ich, den Hauch von Sarkasmus in meiner Stimme zu unterdrücken.

Wieder mustert er mich mit zusammengekniffenen Augen. »Vorsicht«, warnt er.

Ich werde blass. »Schlägst du mich noch einmal?«

»Nein, heute Abend nicht.«

Puh … mein Unterbewusstsein und ich stoßen gleichermaßen einen erleichterten Seufzer aus.

»Also …«

»Es geht um die Kontrolle, Anastasia. Ich will, dass du ein bestimmtes Verhalten an den Tag legst, und wenn du es nicht tust, bestrafe ich dich dafür. Und du wirst lernen, dich so zu verhalten, wie ich es gern will. Ich genieße es, dich zu bestrafen. Schon seit du mich gefragt hast, ob ich schwul bin, freue ich mich darauf, dich zu versohlen.«

Die Erinnerung treibt mir die Schamesröte ins Gesicht. Nach dieser Frage hätte ich mir am liebsten selbst eine Tracht Prügel verpasst. Also ist Katherine Kavanagh an allem schuld. Wäre sie zu diesem Interview gegangen und hätte ihm die Frage gestellt, würde sie jetzt mit einem wunden Hintern hier sitzen. Die Vorstellung gefällt mir überhaupt nicht. Was mich ziemlich verwirrt.

»Also magst du mich nicht so, wie ich bin.«

Wieder starrt er mich fassungslos an. »Ich finde, du bist wunderbar, so wie du bist.«

»Wieso willst du mich dann verändern?«

»Ich will dich gar nicht verändern, sondern nur, dass du brav bist, dich an die Regeln hältst und mir nicht widersprichst. So einfach ist das.«

»Aber bestrafen willst du mich trotzdem.«

»Ja.«

»Und genau das verstehe ich nicht.«

Seufzend rauft er sich abermals das Haar. »So bin ich nun mal gestrickt, Anastasia. Ich brauche diese Kontrolle über dich. Es ist wichtig, dass du dich auf eine bestimmte Art und Weise verhältst, und wenn du es nicht tust … genieße ich es zuzusehen, wie deine wunderschöne Alabasterhaut unter meinen Händen heiß und rot wird. Es macht mich an.«

Allmählich kommen wir der Sache näher.

»Also geht es gar nicht um den Schmerz, den du mir zufügst?«

Er schluckt. »Doch, auch ein bisschen. Ich will sehen, ob du ihn aushältst, aber das ist nicht der Hauptgrund. Es geht darum, dass du mir gehörst und tun musst, was ich für richtig halte. Es geht um die ultimative Kontrolle über einen anderen Menschen. Genau das törnt mich an. Und zwar unglaublich, Anastasia. Es fällt mir schwer, genau zu erklären, was ich dabei empfinde … bisher musste ich das noch nie tun. Bislang habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht, weil ich immer nur mit Gleichgesinnten zu tun hatte.« Er zuckt entschuldigend mit den Schultern. »Außerdem hast du meine Frage immer noch nicht beantwortet. Wie ging es dir danach? Wie hast du dich gefühlt?«

»Ich war durcheinander.«

»Es hat dich sexuell erregt, Anastasia.« Er schließt für einen Moment die Augen. Als er sie wieder öffnet, sehe ich die Leidenschaft darin flackern.

Sein Blick berührt mich, jenen dunklen Teil, der in meinem Unterleib schlummert – meine Libido, von ihm zum Leben erweckt und bezähmt und dennoch nach wie vor unersättlich.

»Sieh mich nicht so an«, murmelt er.

Ich runzle die Stirn. Was habe ich jetzt schon wieder angestellt?

»Ich habe kein Kondom dabei, Anastasia, außerdem bist du völlig durcheinander. Ich bin kein Sex-Ungeheuer, auch wenn deine Mitbewohnerin anderer Meinung sein mag. Zurück zum Thema. Du warst also durcheinander.«

Ich winde mich unbehaglich unter seinem eindringlichen Blick.

»In deinen Mails fällt es dir offenbar überhaupt nicht schwer, mir genau zu erklären, was in dir vorgeht. Wieso schaffst du es dann nicht, wenn ich vor dir stehe? Hast du so große Angst vor mir?«

Ich zupfe einen unsichtbaren Fussel von dem blau-cremefarbenen Quilt, den mir meine Mutter geschenkt hat.

»Ich bin restlos verzaubert von dir, Christian. Überwältigt. Ich fühle mich wie Ikarus. Als würde ich der Sonne zu nahe kommen«, flüstere ich.

»Wenn du mich fragst, ist es genau umgekehrt.«

»Was?«

»Oh, Anastasia, du hast mich regelrecht verhext. Sieht man das nicht?«

Nein, ich nicht. Verhext … meiner inneren Göttin fällt die Kinnlade herunter. Nicht einmal sie kauft ihm das ab.

»Aber du hast meine Frage nach wie vor nicht beantwortet. Schreib mir eine Mail. Bitte. Aber jetzt wird erst einmal geschlafen. Kann ich hierbleiben?«

»Willst du das denn?«, frage ich mit unüberhörbarer Hoffnung in der Stimme.

»Du wolltest doch, dass ich hier bin.«

»Du hast meine Frage nicht beantwortet.«

»Ich werde dir eine E-Mail schreiben.«

Er steht auf und beginnt, seine Hosentaschen zu leeren – BlackBerry, Schlüssel, Brieftasche und Münzen. Da behaupte noch einer, Männer hätten nie etwas in den Taschen. Er zieht Schuhe und Socken aus, legt seine Uhr ab, schlüpft aus seinen Jeans und legt sein Jackett über den Stuhl. Dann tritt er auf die andere Seite des Bettes und legt sich neben mich.

»Leg dich hin«, befiehlt er.

Langsam rutsche ich unter die Decke, zucke vor Schmerz zusammen und sehe ihn an. O Mann … er bleibt tatsächlich hier. Ich bin wie betäubt vor Schock, vor Freude. Er stützt sich auf einen Ellbogen und sieht auf mich herunter.

»Wenn du weinen musst, dann tu es vor mir. Ich muss wissen, was in dir vorgeht.«

»Du willst, dass ich weine?«

»Nein, eigentlich nicht. Ich will nur wissen, wie du dich fühlst. Ich will nicht, dass du mir entgleitest. Und jetzt mach das Licht aus. Es ist schon spät, und wir müssen morgen beide zur Arbeit.«

Er ist hier … und kommandiert mich wie gewohnt herum. Er liegt in meinem Bett. Ich verstehe es immer noch nicht so recht … vielleicht sollte ich ja häufiger in Tränen ausbrechen. Ich knipse die Nachttischlampe aus.

»Leg dich auf die Seite, mit dem Rücken zu mir«, murmelt er in der Dunkelheit.

Ich verdrehe die Augen, wohl wissend, dass er es nicht mitbekommt, gehorche jedoch. Vorsichtig rückt er näher, legt die Arme um mich und zieht mich an sich.

»Schlaf jetzt, Baby«, flüstert er. Ich spüre, wie er die Nase in mein Haar steckt und tief einatmet.

Wow. Christian Grey schläft in meinem Bett. In der tröstlichen Wärme seiner Umarmung falle ich in einen tiefen, friedlichen Schlaf.

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