Shades of Grey - Geheimes Verlangen
- Автор: Джеймс Эрика Леонард
- Серия: Shades of Grey #1
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Shades of Grey - Geheimes Verlangen». Краткое содержание книги:
»Taylor wartet schon seit neun Uhr auf mich. Sieh mich an.«
Ich überwinde mich, und als ich den Kopf hebe, sehe ich die Bewunderung in seinem Blick.
»Du hast nicht geweint«, stellt er fest, zieht mich unvermittelt an sich und küsst mich voller Hingabe. »Sonntag«, murmelt er dicht an meinem Mund. Seine Worte sind ein Versprechen und eine Drohung zugleich.
Ich sehe ihm nach, wie er die Einfahrt hinuntergeht und in den großen schwarzen Audi steigt. Er dreht sich nicht einmal um. Ich schließe die Tür und stehe hilflos im Wohnzimmer des Apartments, in dem ich nur noch zwei weitere Nächte verbringen werde. Ein Apartment, das fast vier Jahre lang mein Zuhause war … und in dem ich mich heute zum ersten Mal einsam und unwohl fühle. Meine eigene Gesellschaft ist mir unangenehm. Habe ich mich selbst so sehr verleugnet? Ich weiß genau, dass unter meiner scheinbar betäubten Oberfläche die Tränen lauern. Was tue ich hier eigentlich? Das Ironische an der Situation ist, dass ich mich noch nicht mal hinsetzen und mich ausheulen kann. Ich muss es im Stehen tun. Mir ist zwar klar, dass es schon spät ist, trotzdem rufe ich meine Mutter an.
»Schatz, wie geht’s dir? Wie war die Abschlussfeier?«, fragt sie. Ihre Stimme ist wie Balsam für mich.
»Tut mir leid, dass ich so spät noch anrufe«, flüstere ich.
Sie hält inne.
»Ana? Was ist denn?« Mit einem Mal ist sie todernst.
»Gar nichts, Mom. Ich wollte nur deine Stimme hören.«
Einen Moment lang herrscht Stille in der Leitung.
»Ana, was ist los? Bitte sag es mir.« Ihre Stimme ist sanft und beschwichtigend, und ich weiß, dass sie sich Sorgen um mich macht. Unvermittelt kommen mir die Tränen. Wie so oft in den letzten Tagen.
»Bitte, Ana.« Sie klingt so bedrückt, wie ich mich fühle.
»Oh, Mom, es geht um einen Mann.«
»Was hat er dir getan?«
Ich sehe sie förmlich vor mir, wie sie sich versteift.
»Das ist es nicht.« Obwohl … Mist. Ich will nicht, dass sie sich um mich sorgt. Ich brauche nur jemanden, an dessen Schulter ich mich für einen Augenblick anlehnen kann.
»Ana, bitte. Du machst mir Angst.«
Ich hole tief Luft. »Ich habe mich in ihn verliebt, aber er ist so ganz anders als ich, und ich weiß nicht, ob es das Richtige ist.«
»Oh, Schatz, ich wünschte, ich könnte bei dir sein. Es tut mir so leid, dass ich nicht zu deiner Feier kommen konnte. Du hast endlich jemanden gefunden. Schatz, Männer sind nun mal ein Fall für sich. Sie gehören einer anderen Spezies an, Liebes. Wie lange kennst du ihn schon?«
Christian gehört nicht nur einer anderen Spezies an, sondern lebt auf einem völlig anderen Planeten als ich.
»Seit knapp drei Wochen oder so.« »Ana, Schatz, das ist ja gar nichts. Wie willst du jemanden innerhalb so kurzer Zeit wirklich kennen lernen? Lass es locker angehen und mach dich rar, bis du dich entschieden hast, ob er dich überhaupt verdient.«
Wow … eigentlich nerven mich die klugen Ratschläge meiner Mutter, aber dafür ist es jetzt zu spät. Ob er mich überhaupt verdient.
Ein interessanter Denkansatz. Und ich zerbreche mir ständig den Kopf darüber, ob ich ihn verdiene.
»Du klingst so unglücklich, Schatz. Komm nach Hause. Du fehlst mir, Liebling. Und Bob würde dich auch gern wiedersehen. Damit würdest du ein bisschen Abstand bekommen und könntest die Dinge aus einer ganz neuen Perspektive betrachten. Ein kleiner Tapetenwechsel wäre genau das Richtige für dich, nachdem du so hart gearbeitet hast.«
Das klingt echt verlockend. Einfach nach Georgia abhauen. Ein bisschen Sonne tanken, Cocktails schlürfen. Die gute Laune meiner Mutter … mich in ihre liebevollen Arme fallen lassen.
»Ich habe aber am Montag zwei Vorstellungsgespräche in Seattle.«
»Oh, das ist ja wunderbar.«
Die Tür geht auf. Kate kommt strahlend herein, doch ihr Lächeln verfliegt sofort, als sie die Tränenspuren auf meinem Gesicht sieht.
»Ich muss Schluss machen, Mom. Ich werde es mir überlegen. Danke.«
»Schatz, lass nicht zu, dass dir eine Beziehung so an die Nieren geht. Dafür bist du noch viel zu jung. Und jetzt amüsier dich.«
»Ja, Mom. Ich hab dich lieb.«
»Ich dich auch, Ana. Sehr sogar. Pass auf dich auf, Schatz.«
Ich lege auf und sehe Kate an, die mit finsterer Miene vor mir steht.
»Hat dich dieser obszön reiche Drecksack etwa zum Weinen gebracht?«
»Nein … na ja … irgendwie … ja.«
»Sag ihm einfach, er soll die Kurve kratzen, Ana. Seit du ihn kennst, bist du komplett durch den Wind. Ich habe dich noch nie so erlebt.«
In der Welt von Katherine Kavanagh gibt es nur Schwarz und Weiß. Für die undurchsichtigen, geheimnisvollen, vagen Grauschattierungen, wie sie in meiner Welt existieren, ist dort kein Platz. Willkommen in meiner Welt.
»Setz dich hin. Lass uns eine Flasche Wein aufmachen. Oh, du hast Champagner getrunken.« Sie liest das Etikett. »Und noch dazu einen wirklich edlen Tropfen.«
Ich lächle halbherzig und beäuge misstrauisch die Couch. Hm … hinsetzen?
»Alles klar?«
»Ich bin hingefallen und ziemlich unsanft auf dem Hintern gelandet.«
Sie denkt nicht einmal im Traum daran, meine Erklärung in Zweifel zu ziehen, weil ich einer der tollpatschigsten Menschen in ganz Washington bin. Ich hätte nie geglaubt, dass ich diese Eigenschaft irgendwann mal als Segen betrachten würde. Vorsichtig lasse ich mich aufs Sofa sinken und stelle erstaunt fest, dass es weniger wehtut, als ich gedacht hatte. Ich muss wieder an den Morgen in seiner Suite im Heathman denken – Wenn du mir gehören würdest, könntest du nach dem, was du dir gestern geleistet hast, eine Woche lang nicht sitzen.
Schon damals hat er es angekündigt, aber ich hatte nur einen Gedanken: möglichst schnell ihm zu gehören. All die Warnschilder gab es damals schon, nur war ich zu unbedarft und viel zu fasziniert von ihm, um sie zu bemerken.
Kate kehrt mit einer Flasche Rotwein und den beiden ausgespülten Tassen ins Wohnzimmer zurück.
»Hier, bitte.« Sie reicht mir eine Tasse voll Wein. Er wird bestimmt nicht so lecker schmecken wie der Champagner.
»Ana, wenn der Typ nur ein Arschloch mit Bindungsangst ist, dann schieß ihn ab. Andererseits würde es mich wundern, denn vorhin im Zelt hat er dich ja praktisch mit Argusaugen bewacht. Wenn du mich fragst, war er hin und weg von dir, aber vielleicht hat er eben eine seltsame Art, es zu zeigen.«
Hin und weg? Christian? Eine seltsame Art, es zu zeigen?
»Es ist ziemlich kompliziert, Kate. Wie war dein Abend?«, frage ich.
Ich kann nicht mit Kate darüber reden, ohne zu viel preiszugeben, aber eine kurze Frage nach ihrem Tag genügt schon, und Kate beginnt wie ein Wasserfall zu reden. Es tut gut, einfach nur dazusitzen und ihrem Geplapper zu lauschen. Die große Neuigkeit des Tages ist, dass Ethan nach ihrem gemeinsamen Urlaub vielleicht zu uns zieht. Das wird bestimmt ein Riesenspaß – Ethan ist ein echter Knaller. Ich runzle die Stirn. Das wird Christian garantiert nicht gefallen. Tja … Pech gehabt. Diese Kröte wird er wohl oder übel schlucken müssen. Ich trinke noch ein paar Schluck Wein und beschließe, es für heute gut sein zu lassen. Es war ein langer Tag. Kate umarmt mich und schnappt sich das Telefon, um Elliot anzurufen.
Ich putze mir die Zähne und checke meine E-Mails. Eine von Christian ist in meinem Posteingang.
Von: Christian Grey
Betreff: Sie
Datum: 26. Mai 2011, 23:14 Uhr
An: Anastasia Steele
Sehr geehrte Miss Steele,
Sie sind absolut exquisit. Die schönste, intelligenteste, witzigste und tapferste Frau, die mir je begegnet ist. Nehmen Sie eine Schmerztablette – das ist keine Bitte. Und Finger weg von Ihrem Käfer. Verlassen Sie sich drauf, ich finde es heraus, wenn Sie’s nicht tun.
CHRISTIAN GREY