In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Zwei der Seanchanerinnen, Marille und Jillari, behaupten noch immer, dass sie es verdienen, an den Kragen gelegt zu werden, dass man sie an den Kragen legen muss.« Reanne vorzog vor Abscheu den Mund, aber sie hielt nur einen Moment inne. »Die Aussicht auf Freiheit schien sie wirklich zu entsetzen. Alivia hat damit aufgehört. Jetzt behauptet sie, sie hätte es nur gesagt, weil sie Angst hatte, wieder gefangen genommen zu werden. Sie sagt, sie hasst alle Sul'dam, und sie bietet ein gutes Schauspiel, knurrt sie an und verflucht sie, aber ...« Sie schüttelte zweifelnd den Kopf. »Elayne, sie erhielt den Kragen im Alter von dreizehn oder vierzehn, sie ist sich nicht sicher, und sie ist seit vierhundert Jahren eine Damane! Und davon abgesehen, ist sie... Alivia ist beträchtlich stärker als Nynaeve!«, sprudelte sie die letzten Worte hervor. Die Kusinen sprachen ganz offen über das Alter, aber sie teilten den Widerwillen der Aes Sedai, über die Stärke in der Macht zu sprechen. »Können wir es wagen, sie freizulassen? Eine seanchanische Wilde, die den ganzen Palast zerstören könnte?« Die Kusinen teilten auch die Ansicht der Aes Sedai über die Wilden. Jedenfalls die meisten von ihnen.
Schwestern, die Nynaeve kannten, hatten gelernt, in ihrer Gegenwart vorsichtig mit diesem Wort zu sein. Sie konnte ziemlich schnippisch reagieren, wenn es in einem verächtlichen Tonfall benutzt wurde. Aber jetzt starrte sie Reanne lediglich an. Vielleicht versuchte sie, die Antwort zu finden. Elayne wusste, wie ihre Antwort lauten würde, aber das hatte nichts mit der Beanspruchung des Throns oder Andor zu tun. Es war eine Entscheidung, die Aes Sedai zu treffen hatten und die hier getroffen werden musste, und das bedeutete, dass es Nynaeves Sache war.
»Wenn ihr es nicht tut«, sagte Lan leise von der Tür her, »könnt ihr sie genauso gut den Seanchanern zurückgeben.« Die finsteren Blicke der vier Frauen, denen seine tiefe Stimme wie das Dröhnen eines Beerdigungsgongs erschienen war, brachten ihn nicht im mindesten in Verlegenheit. »Ihr werdet sie im Auge behalten müssen, aber wenn ihr sie weiterhin den Kragen tragen lasst, obwohl sie frei sein will, dann seid ihr nicht besser als sie.«
»Das ist nicht Eure Entscheidung, Behüter«, sagte Alise entschieden. Er erwiderte ihren strengen Blick mit kühlem Gleichmut und sie grunzte angeekelt und warf die Hände in die Luft. »Ihr solltet mal ernsthaft mit ihm reden, wenn Ihr mit ihm allein seid, Nynaeve.«
Der Respekt, den Nynaeve vor dieser Frau empfand, musste in diesem Moment besonders ausgeprägt sein, denn ihre Wangen röteten sich. »Glaubt nicht, ich würde es nicht hin«, sagte sie leichthin. Sie würdigte Lan keines Blickes. Schließlich gestand sie sich die hier herrschende Kälte ein, zog die Stola über die Schultern und räusperte sich. »Aber er hat Recht. Wenigstens müssen wir uns wegen der beiden anderen keine Sorgen machen. Ich bin nur überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis sie aufhörten, die dummen Seanchanerinnen zu imitieren.«
»Da bin ich mir nicht so sicher«, seufzte Reanne. »Ihr müsst wissen, dass Kara auf der Halbinsel von Tomar so etwas wie eine Weise Frau darstellte. Sie war in ihrem Dorf sehr einflussreich. Natürlich war sie eine Wilde. Man sollte eigentlich denken, dass sie die Seanchaner gehasst hat, aber das tut sie nicht, zumindest nicht alle. Sie ist der Sul'dam, die mit ihr zusammen gefangen genommen wurde, sehr zugetan, und es liegt ihr viel daran, dass wir keiner der Sul'dam etwas antun. Lemore ist erst neunzehn, eine verwöhnte Adlige, die das Pech hatte, dass sich der Funken an genau dem Tag in ihr manifestierte, als Tanchico fiel. Sie sagt, sie hasst die Seanchaner und will sie dafür büßen lassen, was sie Tanchico angetan haben, aber sie hört genauso bereitwillig auf ihren Domäne-Namen Larie wie auf ihren richtigen Namen, und sie lächelt die Sul'dam an und lässt sich von ihnen liebkosen. Ich misstraue ihnen nicht, nicht so wie Alivia, aber ich habe meine Zweifel, ob sie sich gegenüber einer Sul'dam durchsetzen könnten. Ich glaube, wenn ihnen eine Sul'dam befiehlt, ihr zur Flucht zu verhelfen, dann werden sie es auch tun, und ich fürchte, sie würden keine große Gegenwehr leisten, wenn die Sul'dam erneut versucht, ihnen den Kragen anzulegen.«
Nachdem sie geendet hatte, legte sich Schweigen über den Raum.
Nynaeve schien in sich hineinzublicken, mit sich selbst zu ringen. Sie umklammerte ihren Zopf, dann ließ sie ihn los und verschränkte die Arme unter ihrer Brust, und die Fransen der Stola schaukelten hin und her. Sie schaute jeden an, mit Ausnahme von Lan. Ihm schenkte sie keinen Blick.
Schließlich holte sie tief Luft und wappnete sich, um sich Reanne und Alise zu stellen. »Wir müssen das Adam entfernen. Wir behalten die Frauen, bis wir uns ihrer sicher sein können — und Lemore bleibt danach weiter bei uns; sie muss das Weiß tragen! Wir werden dafür sorgen, dass sie nie allein sind, vor allem nicht in Gegenwart der Sul'dam, aber das A'dam kommt runter!« Sie sprach voller Leidenschaft, als würde sie mit Widerstand rechnen, aber auf Elaynes Gesicht zeigte sich ein breites Lächeln der Zustimmung. Die Verstärkung durch drei Frauen, denen sie nicht richtig vertrauen konnten, zählte kaum als gute Neuigkeit, aber es hatte keinen anderen Ausweg gegeben.
Reanne nickte bloß zustimmend — nach einem Augenblick des Zögerns —, aber eine lächelnde Alise kam um den Tisch herum, um Nynaeve auf die Schulter zu klopfen. Und Nynaeve errötete tatsächlich. Sie versuchte es mit einem Räuspern zu überspielen und blickte die Seanchanerin in ihrem Käfig aus Saidar mit einer Grimasse an, aber ihre Bemühungen waren nicht sehr effektiv, und Lan verdarb sie sowieso.
»Tai'sharManetheren«, sagte er leise.
Nynaeve klappte der Unterkiefer herunter, dann verzogen sich ihre Lippen zu einem breiten Lächeln. In ihren Augen funkelten plötzlich Tränen, als sie mit freudigem Gesicht zu ihm herumwirbelte. Er erwiderte das Lächeln und in seinen Augen war keine Kälte zu sehen.
Elayne musste sich beherrschen, ihn nicht anzustarren. Beim Licht! Vielleicht machte er aus dem Ehebett ja doch keinen kalten Ort. Der Gedanke trieb Hitze in ihre Wangen. Sie versuchte, die beiden nicht anzusehen, und ihr Blick fiel auf Marli, die noch immer an ihren Stuhl gefesselt war. Die Seanchanerin starrte stur geradeaus, während ihr Tränen die feisten Wangen herabliefen. Stur geradeaus. Auf die miteinander verwobenen Stränge aus Macht, die alle Laute von ihr fern hielten. Es war unmöglich, dass sie noch immer abstritt, sie sehen zu können. Aber als Elayne das sagte, schüttelte Reanne den Kopf.
»Sie weinen alle, wenn man sie dazu zwingt, ein Geflecht der Macht lange Zeit anzusehen, Elayne«, sagte sie müde. Und mit einem Hauch von Traurigkeit. »Aber sobald die Stränge wieder fort sind, überzeugen sie sich selbst davon, dass wir sie getäuscht haben. Versteht Ihr, sie können nicht anders. Sonst wären sie Damane und keine Sul'dam. Nein, es wird einige Zeit dauern, die Herrin der Hunde davon zu überzeugen, dass sie selbst eine Hündin ist. Ich fürchte, ich konnte Euch doch keine guten Neuigkeiten mitteilen, oder?«
»Nicht unbedingt«, sagte Elayne. Eigentlich sogar gar keine. Nur ein weiteres Problem, das sich zu den anderen gesellte. Wie viele schlechte Neuigkeiten konnte man aufeinander stapeln, bevor einen der Stapel unter sich begrub? Sie brauchte ein paar gute Neuigkeiten, und zwar bald.
9
Eine Tasse Tee
Als Elayne endlich in ihrem Ankleidezimmer war, zog sie mithilfe von Essande, der weißhaarigen Ruheständlerin, die sie sich als Zofe ausgesucht hatte, schnell ihr Reitgewand aus. Die schlanke, würdevolle Frau bewegte sich etwas langsam, aber sie kannte ihre Arbeit und verschwendete keine Zeit mit unnützem Geplauder. Tatsächlich sagte sie nur selten etwas, das über einen Bekleidungsvorschlag hinausging, sowie die täglich erfolgende Bemerkung, dass Elayne wie ihre Mutter aussah. In dem breiten Marmorkamin am anderen Ende des Raums tanzten Flammen auf den dicken Holzscheiten, aber das Feuer konnte der Luft kaum etwas von ihrer beißenden Kälte nehmen. Rasch zog sie ein schönes Gewand aus blauem Tuch mit an dem hohen Kragen und den Ärmeln aufgestickten Zuchtperlen über, dazu kamen der mit Silber durchwirkte Gürtel mit einem kleinen Dolch in einer Silberscheide und mit silbernem Muster verzierte blaue Samtschuhe. Vermutlich würde keine Zeit mehr bleiben, sich vor der Audienz mit den Kaufleuten erneut umzuziehen, und sie mussten von ihrem Anblick beeindruckt sein. Außerdem würde sie dafür sorgen müssen, dass Birgitte dabei war. Birgitte sah in Uniform äußerst beeindruckend aus. Und Birgitte würde eine Unterredung mit Kaufleuten als Pause betrachten. Der feurigen Gereiztheit nach zu urteilen, die sich in Elaynes Hinterkopf bemerkbar machte, fand der Generalhauptmann der Königlichen Garde diese Berichte keine leichte Lektüre.