Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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»Doch, ich verstehe«, antwortete sie, obwohl sie es eigentlich nicht richtig begriff.
Der Lorathi hatte es ihr offenbar angesehen. »Die Ziege kennt keine Treue. Bald wird ein Wolfsbanner hier gehisst, denke ich. Aber zuerst möchte der Mann, dass ein bestimmter Name zurückgenommen wird.«
»Ich nehme den Namen zurück.« Arya biss sich auf die Unterlippe. »Habe ich immer noch einen dritten Tod?«
»Das Mädchen ist gierig.« Jaqen berührte eine der toten Wachen und zeigte ihr seine blutigen Finger. »Hier ist die Drei und dort die Vier, und unten liegen noch acht. Die Schuld ist bezahlt.«
»Die Schuld ist bezahlt«, stimmte Arya widerwillig zu. Sie war ein bisschen traurig. Jetzt war sie wieder eine Maus.
»Dem Gott wurde Genüge getan. Und jetzt muss der Mann sterben.« Ein eigentümliches Lächeln machte sich auf Jaqen H’ghars Lippen breit.
»Sterben?«, fragte sie verwirrt. Was meinte er damit? »Aber ich habe den Namen zurückgenommen. Du brauchst nicht mehr zu sterben.«
»Doch. Meine Zeit ist um.« Jaqen strich sich mit der Hand von der Stirn zum Kinn über das Gesicht, und wo seine Hand vorbeikam, verwandelten sich seine Züge. Seine Wangen wurden voller, seine Augen rückten enger zusammen, seine Nase wurde zur Hakennase, auf der rechten Wange tauchte plötzlich eine Narbe auf, wo die Haut zuvor glatt gewesen war. Und als er den Kopf schüttelte, verschwand sein halb rotes und halb weißes langes glattes Haar und enthüllte einen schwarzen Lockenkopf.
Arya stand der Mund offen. »Wer bist du?«, flüsterte sie, und vor Erstaunen verspürte sie keine Angst. »Wie hast du das gemacht? War das schwer?«
Er grinste und zeigte dabei einen glänzenden Goldzahn. »Nicht schwerer, als einen neuen Namen anzunehmen, wenn man weiß, wie es geht.«
»Zeig es mir«, platzte sie heraus. »Ich möchte das auch können.«
»Wenn du es lernen willst, musst du mit mir kommen?«
Arya zögerte. »Wohin?«
»Weit, weit fort, bis jenseits der Meerenge.«
»Das kann ich nicht. Ich muss nach Hause. Nach Winterfell. «
»Dann trennen sich unsere Wege«, sagte er, »denn auch ich habe Pflichten zu erfüllen.« Er nahm ihre Hand und legte eine kleine Münze hinein. »Hier.«
»Was ist das?«
»Eine Münze von großem Wert.«
Arya biss darauf. Sie war so hart, dass es sich nur um Eisen handeln konnte. »Ist sie genug wert, um ein Pferd zu kaufen?«
»Sie ist nicht dazu bestimmt, Pferde zu kaufen.«
»Und wofür ist sie dann gut?«
»Du kannst genauso gut fragen, wofür das Leben gut ist, und wofür der Tod. Sollte der Tag kommen, an dem du nach mir suchst, gib diese Münze irgendeinem Mann aus Braavos und sag die folgenden Worte zu ihm – valar morghulis.«
»Valar morghulis«, wiederholte Arya. Das war nicht schwer. Sie schloss die Finger um die Münze. Auf der anderen Seite des Hofes hörte sie Männer sterben. »Bitte geh nicht, Jaqen.«
»Jaqen ist genauso tot wie Arry«, sagte er traurig, »und es gibt Versprechen, die ich einhalten muss. Valar morghulis, Arya Stark. Wiederhole es noch einmal.«
»Valar morghulis«, sagte sie erneut, und der Fremde in Jaqens Kleidung verneigte sich vor ihr und schritt mit wehendem Mantel durch die Dunkelheit davon. Sie war allein mit den Toten. Sie hatten den Tod verdient, redete sich Arya ein und erinnerte sich an all die Menschen, die Ser Amory Lorch in dem Bergfried am See umgebracht hatte.
Der Keller unter dem Königsbrandturm war verlassen, als sie zu ihrem Strohbett zurückkehrte. Sie flüsterte die Namen in ihr Kissen, und nachdem sie damit fertig war, fügte sie mit leiser Stimme »Valar morghulis« hinzu und fragte sich, was es wohl bedeutete.
Im Morgengrauen waren Triefauge und die anderen wieder da, alle außer einem Jungen, der aus irgendeinem Grund bei den Kämpfen ums Leben gekommen war. Triefauge ging allein nach oben, um zu schauen, wie die Dinge bei Tageslicht besehen standen, und klagte den ganzen Weg nach oben darüber, wie beschwerlich die Stufen für seine alten Knochen waren. Bei seiner Rückkehr erklärte er ihnen, Harrenhal sei gefallen. »Dieser Blutige Mummenschanz hat einige von Ser Amorys Männern im Bett und den Rest am Tisch getötet, als sie betrunken waren. Der neue Lord wird noch vor Tagesende mit seinem Heer hier eintreffen. Er stammt aus dem wilden Norden, wo die Mauer ist, und es heißt, er sei ein harter Kerl. Ob nun dieser Lord oder jener Lord, die Arbeit muss getan werden. Wer Unfug anstellt, dem ziehe ich das Fell ab.« Er sah Arya an, während er das sagte, doch er fragte sie nicht, wo sie sich in der vergangenen Nacht herumgetrieben hatte.
Den ganzen Morgen über beobachteten sie die Männer des Blutigen Mummenschanzes dabei, wie sie den Toten ihre Habseligkeiten abnahmen und die Leichen auf den Fließsteinhof schleppten, wo ein Scheiterhaufen aufgeschichtet wurde, um sich ihrer zu entledigen. Shagwell der Narr hackte zwei toten Rittern die Köpfe ab, schwenkte sie an den Haaren, tanzte mit ihnen durch die Burg und ließ sie miteinander reden. »Woran seid Ihr gestorben?«, fragte der eine Kopf. »An heißer Wieselsuppe«, antwortete der Zweite.
Arya bekam den Auftrag, das getrocknete Blut aufzuwischen. Niemand sagte mehr zu ihr als sonst, doch häufig bemerkte sie, wie die Leute sie eigentümlich anstarrten. Robett Glauer und die anderen Männer, die sie befreit hatten, mussten erzählt haben, was im Kerker passiert war, und dann hatte Shagwell mit seinen dummen sprechenden Köpfen von der Wieselsuppe angefangen. Sie hätte ihm gesagt, er solle damit aufhören, doch sie hatte Angst. Der Narr war halb wahnsinnig, und sie hatte gehört, dass er einmal einen Mann umgebracht hatte, weil dieser nicht über seine Scherze gelacht hatte. Er sollte lieber den Mund halten, sonst setze ich ihn auch auf meine Liste, dachte sie und schrubbte an den rötlich braunen Flecken herum.
Es war schon fast Abend, als der neue Herr von Harrenhal eintraf. Er hatte ein schlichtes, bartloses Gesicht, in dem allenfalls die seltsam hellen Augen auffielen. Er war weder dick noch dünn noch muskulös, trug ein schwarzes Panzerhemd und einen fleckigen rosafarbenen Umhang. Das Wappen auf seinem Banner sah wie ein Mann aus, der in Blut getaucht worden war. »Auf die Knie vor dem Lord von Grauenstein! «, rief sein Knappe, ein Junge in Aryas Alter, und Harrenhal kniete nieder.
Vargo Hoat trat vor. »Mylord, Harrenhal ift Euer.«
Der Lord antwortete, doch zu leise, als dass Arya ihn hätte verstehen können. Robett Glauer und Ser Aenys Frey gesellten sich, frisch gebadet und in neuen Kleidern, zu ihnen. Sie redeten kurz miteinander, dann führte Ser Aenys sie zu Rorge und Beißer. Arya war überrascht, dass die beiden noch hier waren; irgendwie hatte sie erwartet, sie würden mit Jaqen verschwinden. Arya hörte Rorges scharfe Stimme, verstand jedoch abermals nicht, was gesagt wurde. Dann tänzelte Shagwell auf sie zu und zerrte sie hinaus auf den Hof. »Mylord, Mylord«, sagte er und zog sie am Handgelenk, »hier ist das Wiesel, das die Suppe gekocht hat.«
»Lass mich los«, rief Arya und entwand sich seinem Griff.
Der Lord betrachtete sie. Dabei bewegten sich nur seine Augen; sie waren sehr hell und hatten die Farbe von Eis. »Wie alt bist du, Kind?«
Sie musste einen Moment lang überlegen. »Zehn.«
»Zehn, Mylord«, erinnerte er sie. »Magst du Tiere?«
»Manche, Mylord.«
Ein dünnes Lächeln trat auf seine Lippen. »Aber keine Löwen, scheint mir. Und auch keine Mantikore.«