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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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Ja, der Aufbruch drängte. Was wäre aus Fräulein de Vaudreuil im geschlossenen Hause geworden, wenn ihr Vater seinen Wunden erlag, wenn sie dann allein stand in der Welt und nur diese bejahrte Frau zur Stütze hatte? An der Grenze, in Swanton oder in Plattsburg, mußte er seine Waffenbrüder, seine vertrauten Freunde finden. Und unter diesen war besonders Einer, dessen Gefühle Herr de Vaudreuil billigte. Er wußte, daß Vincent Hodge seine Clary liebte, und Clary würde sich nicht weigern, die Gattin Desjenigen zu werden, der sein Leben gewagt hatte, sie zu retten. Welchem edelmüthigeren, welchem aufrichtigeren Patrioten hätte sie wohl ihre Zukunft anvertrauen können? Er war ihrer ebenso würdig, wie sie seiner.

Mit Gottes Hilfe hoffte Herr de Vaudreuil die Kraft zu haben, sein Ziel zu erreichen. Er dachte nicht zu erliegen, ehe er nicht den Fuß auf amerikanische Erde gesetzt, wo die Ueberlebenden der Reformerpartei den Augenblick zur Wiederergreifung der Waffen erwarteten.

Das waren die Gedanken, welche Herrn de Vaudreuil lebhaft erregten, während Johann und Clary, an seinem Bette sitzend, nur wenige Worte wechselten.

Von Zeit zu Zeit erhob sich Johann und trat an das Fenster, welches nach der Straße hinauszu lag und dessen Läden geschlossen waren. Dort lauschte er, ob sich etwa ein Geräusch auf der Straße in der Nähe des Fleckens vernehmen ließe.

Nach zweistündiger Abwesenheit kehrte Bridget nach dem geschlossenen Hause zurück. Sie hatte sich, um einen Wagen und ein Pferd zu erhalten, an mehrere Leute wenden müssen. Wie verabredet, verhehlte sie dabei kaum ihre Absicht, St. Charles zu verlassen - worüber sich auch Niemand erstaunt zeigte. Der Besitzer einer benachbarten Farm, Luc Archambaut, hatte eingewilligt, ihr für guten Preis einen leichten Wagen zu überlassen, der bespannt und zum Abfahren fertig, gegen neun Uhr Abends nach dem geschlossenen Hause gebracht werden sollte.

Herr de Vaudreuil empfand eine wirkliche Erleichterung, als er hörte, daß Bridget Erfolg gehabt hatte.

»Um neun Uhr fahren wir ab, sagte er, und ich stehe auf, um selbst Platz zu nehmen.

- O nein, Herr de Vaudreuil! unterbrach ihn Johann. Sie dürfen sich nicht unnütz anstrengen. Ich werde Sie nach dem Wagen tragen, in dem wir ein weiches Strohlager zurecht machen und eine Decke aus Ihrem Bette darüber breiten. Dann fahren wir nur langsam, um alle Stöße zu vermeiden, und so werden Sie hoffentlich die Reise aushalten. Da die Luft jedoch ziemlich kalt ist, werden Sie die Vorsicht beachten, sich gut zuzudecken. Was die Besorgniß angeht, daß wir auf der Straße ein unangenehmes Zusammentreffen haben könnten. Du hast nichts Neues gehört, Mutter?

- Nein, antwortete Bridget, doch erwartet man jeden Tag eine zweite Heimsuchung durch die Königlichen.

- Und die Polizisten, die mich bis St. Charles verfolgten?.

- Von denen hab' ich keinen gesehen, und wahrscheinlich folgen sie längst einer falschen Fährte.

- Sie können aber zurückkehren, meinte Clary.

- Gewiß, und darum müssen wir wegfahren, sobald der Wagen vor der Thür steht, fiel Herr de Vaudreuil ein.

- Um neun Uhr, sagte Bridget.

- Bist Du des Mannes, der ihn Dir verkauft, auch sicher, Mutter?

- Ja, es ist ein ehrbarer Farmer, und was er zu thun versprochen, das wird er auch halten!«

Inzwischen wollte Herr de Vaudreuil sich ein wenig stärken. Mit Hilfe Clarys hatte Bridget sehr bald das einfache Frühstück hergerichtet, welches gemeinsam verzehrt wurde.

Die Stunden verliefen ohne Zwischenfall. Keine Störung von außen.

Von Zeit zu Zeit öffnete Bridget ein wenig die Thür und warf einen schnellen Blick nach rechts und links. Jetzt herrschte eine lebhafte Kälte. Der gleichmäßig graue Himmel ließ auf vollkommene Ruhe der Atmosphäre schließen. Wäre freilich ein Südwestwind aufgesprungen und hätten sich die Dünste der Luft in Schneeform niedergeschlagen, so wäre die Fortschaffung des Herrn de Vaudreuil sehr erschwert worden -wenigstens bis zur Grenze der Grafschaft.

Trotzdem gestalteten sich alle Aussichten so, daß die Fahrt in erträglichen Verhältnissen zu verlaufen versprach, als gegen drei Uhr Nachmittags in St. Charles ein unerwarteter Zwischenfall eintrat. Von ferne her hörte man in der Richtung auf den Flecken zu scharfe Trompetentöne schallen.

Johann öffnete die Thür und horchte. Er konnte eine Bewegung, welche seinen Unmuth verrieth, nicht unterdrücken.

»Trompeten! rief er. Ohne Zweifel, ein Trupp Soldaten, der sich auf St. Charles zu bewegt?

- Was sollen wir thun? fragte Clary.

- Warten, antwortete Bridget. Vielleicht ziehen jene Soldaten nur durch den Flecken.«

Johann schüttelte den Kopf.

Da Herr de Vaudreuil unmöglich am lichten Tage fortgeschafft werden konnte, mußte man wohl warten, wie Bridget gesagt, wenn sich Johann nicht etwa entschlösse, doch allein zu entfliehen.

Wenn er das geschlossene Haus augenblicklich verließ und einen Weg durch die neben der Straße sich hinziehenden Wälder einschlug, konnte es ihm wohl gelingen, in Sicherheit zu kommen, ehe die Königlichen St. Charles besetzt hatten. Damit hätte er aber Herrn und Fräulein de Vaudreuil gerade zur Zeit der schlimmsten Gefahr im Stiche gelassen, und daran dachte Johann ganz und gar nicht. Doch wie konnte er sie vertheidigen, wenn ihr Versteck aufgefunden wurde?

Uebrigens sollte die Besetzung der Ortschaft sehr schnell vor sich gehen. Es war eine Truppenabtheilung Whiterall's mit dem Befehl, die Patrioten der Grafschaft zu verfolgen, welche längs des Richelieu hingezogen war und noch einmal ein Lager bei St. Charles beziehen sollte.

Im geschlossenen Hause hörte man schon den Klang der Trompeten, der näher herankam.

Endlich schwieg derselbe. Die Truppen waren am Ende der Ortschaft angelangt.

Da sagte Bridget:

»Noch ist nicht Alles verloren. Die Straße auf der Seite nach Laprairie ist noch offen und kann das vielleicht auch noch sein, wenn die Nacht kommt. Wir dürfen unsere Pläne nicht ändern. Mein Haus gehört nicht zu denjenigen, welches die Plünderer besonders anlocken wird. Es liegt vereinzelt und ihm bleibt vielleicht deren Heimsuchung erspart!«

Man konnte das wohl hoffen.

Es fehlte ja nicht an anderen Wohnungen, wo den Soldaten Sir John Colborne's offenbar eine reichere Beute winkte. Jetzt in den ersten Tagen des December mußte es auch bald Nacht werden, und damit bot sich vielleicht die Möglichkeit, doch noch, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, das Weite suchen zu können.

Die Vorbereitungen zur Abfahrt wurden also nicht unterbrochen. Galt es doch, sofort fertig zu sein, wenn der Wagen vor der Thür halten würde. War dann die Straße nur eine Stunde lang und auf die Strecke von drei Meilen frei, so gedachten die Flüchtlinge, im Falle der Zustand des Herrn de Vaudreuil das erforderte, in einer der Farmen der Grafschaft Unterkunft zu suchen.

Die Nacht kam ohne weitere Störung. Einige Abtheilungen Freiwilliger, die bis zum unteren Theil der Straße hinabgegangen waren, kehrten jetzt zurück. Das geschlossene Haus schien ihre Blicke nicht auf sich zu lenken. Die Hauptmacht der Colonne hatte sich in der Umgebung des Lagers von St. Charles festgesetzt. Dort herrschte ein wahrhaft betäubender Lärm, welcher für die Sicherheit der Bewohner nicht eben Gutes ahnen ließ.

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