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Электронная книга - «Die Familie ohne Namen». Краткое содержание книги:

1825 wird eine franko-kanadische Verschwörung gegen die englische Regierung in Kanada verraten. Aber der Verräter verzweifelt an seiner Schuld und erschießt sich. Nun setzt die Familie alles daran, dieses Verbrechen zu sühnen, bis ihr guter Name wieder hergestellt ist. In spannenden Episoden schildert uns Verne das Schicksal der beiden Söhne des Verräters, die für ein freies Kanada kämpfen -bis zum bitteren Ende. Ein Abenteuerroman vor historischem Hintergrund, bei dem auch die kanadischen Indianer eine wichtige Rolle spielen.
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»Möge Nicolas Sagamore geruhen, dem Rathe eines Bleichgesichtes zu folgen, antwortete Lionel.

- Von welchem Bleichgesicht sprichst Du? fragte Meister Nick, der ihn nicht verstand.

- Von Ihrem ergebenen Diener, großer Häuptling.

- Nun, dann nimm Dich in Acht, daß ich aus Deinem bleichen Gesichte nicht mit einer gepfefferten Ohrfeige ein rothes mache!«

Lionel hielt es nicht für nothwendig, dieser Drohung die geringste Aufmerksamkeit zu schenken, und fuhr unbeirrt fort:

»Möge Nicolas Sagamore niemals vergessen, daß ich ihm stets tief ergeben bin! Fiele er je in die Gefangenschaft der Sioux, der Oneidas, der Irokesen oder anderer Wilder, wäre er schon an den Marterpfahl gefesselt, so würde ich es sein, der ihn gegen jede Gewaltthat, gegen die Klauen der alten Weiber schützte, und nach seinem Tode würde ich es sein, der seine Axt und seine Friedenspfeife in sein Grab niederlegte.«

Meister Nick wollte Lionel nach Belieben schwatzen lassen, da er sich schon vorgenommen hatte, das Gespräch auf eine Art zu beendigen, von der Lionels Ohren noch lange Zeit die Spuren zeigen sollten.

So begnügte er sich denn zu antworten:

»Es handelt sich also darum, mich den Wünschen der Mahogannis geneigt zu machen?

- Ja, den Wünschen des Stammes.

- Nun gut, es sei darum. Wenn es nicht anders geht, werd' ich dem Feste beiwohnen.

- Sie hätten es gar nicht abschlagen können, da ja das Blut der Sagamores in Ihren Adern fließt.

- Das Blut der Sagamores gemischt mit dem Blute eines Notars!« knurrte Meister Nick.

Darauf berührte Lionel den kitzlichsten Punkt der Sache.

»Einverstanden, sagte er, der große Häuptling wird der Feierlichkeit beiwohnen. Doch um sich dort in seinem Range entsprechender Erscheinung zu zeigen, wird es nöthig sein, daß er sich auf dem Schädeldache ein Büschel Haare nach oben hin in eine Spitze auslaufend ordnen läßt.

- Und warum?

- Aus Rücksicht auf die Ueberlieferungen.

- Was?. Die Ueberlieferungen verlangten, daß.

- Ja; und wenn der Chef der Mahogannis jemals auf dem Kriegspfade fiele, so muß ihn doch, als Zeichen des Sieges, ein Feind regelrecht skalpiren können.

- Richtig! antwortete Meister Nick. Es ist nothwendig, daß meine Feinde mich skalpiren können. Da faßt er dann wohl an jenem Haarschopf an?.

- Das ist Indianersitte, und kein Krieger würde von derselben abgehen. Jede andere Haartracht müßte die Kleidung beleidigen, welche Nicolas Sagamore am Tage der Feierlichkeit anlegen wird.

- Ach, ich werde mich schmücken mit.

- Die Leute arbeiten augenblicklich an diesem Feierkleide. Es wird prächtig ausfallen, das Wams aus Damhirschfell, die Mocassins aus Naturleder, der Mantel, den der Vorgänger Nicolas Sagamore's trug, ohne die Bemalung des Gesichts zu rechnen.

- Das Gesicht wird dazu auch noch bemalt?

- Erst nachdem die berühmten Künstler des Stammes die Tätowirung der Arme und der Brust vollendet haben.

- Fahre nur fort, Lionel, antwortete Meister Nick mit zusammengepreßten Zähnen, Du rufst mein lebhaftestes Interesse wach. Die Gesichtsmalerei, der Haarschopf, die Mocassins aus Naturleder, die Tätowirung der Brust. Du hast doch nichts vergessen?

- Nichts, versicherte der junge Schreiber, und wenn der große Häuptling sich dann in der Tracht, die seine Vorzüge nur noch mehr hervorheben wird, den versammelten Kriegern zeigt, so zweifle ich keinen Augenblick, daß die schönsten Indianerinnen sich darum streiten werden, seinen Wigwam mit ihm theilen zu dürfen.

- Wie? Die Indianerinnen sollten kämpfen um die Gunst?.

- Und um die Ehre, dem Erwählten des großen Geistes eine lange Nachkommenschaft zu sichern!

- Da wird es also rathsam, daß ich eine Huronin heirate? fragte Meister Nick.

- Ja, könnte es um der Zukunft der Mahagannis willen denn anders sein? Sie haben übrigens schon eine Sqwaw von edler Geburt ausgewählt, die sich dem Glücke des großen Häuptlings weihen wird.

- Und kannst Du mir auch sagen, wer die rothhäutige Prinzessin sein wird, die sich zu opfern bereit wäre?.

- O, gewiß! antwortete Lionel, sie ist der Ahnenreihe der Sagamore ganz würdig!

- Und wer ist sie?

- Die Witwe des Vorgängers.«

Es war ein Glück für die Wangen des jungen Schreibers, daß er diese in respectvoller Entfernung von Meister Nick hielt, denn dieser holte zu einer wirklich preiswerthen Ohrfeige aus. Diese gelangte nur nicht an ihre Adresse, da Lionel die Entfernung weislich berechnet hatte, und sein Herr mußte sich wohl oder übel begnügen, ihn anzudonnern:

»Höre wohl auf, Lionel, wenn Du jemals auf diese Geschichte zurückkommst, zerre ich Dir die Ohren so lang, daß Du Methusalems Esel, sowie den David La Gamme's um die seinigen nicht mehr zu beneiden brauchst!«

Nach diesem Vergleiche, der im letzten Theile Lionel an einen alten Helden von Cooper's »Letzten der Mohikaner« erinnerte, zog sich dieser, da er seine Mittheilungen beendet hatte, wohlweislich zurück. Meister Nick hingegen war nicht weniger wüthend auf seinen Schreiber, wie auf alle Vornehmen des Stammes. Er. er sollte zu jener Ceremonie ganz die Mahogannitracht anlegen! Er sollte gezwungen werden, sich das Haar anders ordnen, sich aufputzen, ausmalen und tätowiren zu lassen, wie es seine Vorfahren gethan und gelitten hatten!

Und doch sah der höchst ärgerliche Meister Nick keinen Ausweg, sich den begleitenden Anforderungen seiner dermaligen Stellung zu entziehen. Und je mehr der große Tag herannahte, desto mehr quälte ihn die Frage, ob er es wagen sollte und könnte, den Blicken seiner Krieger in diesem Notaranzuge, vielleicht die friedlichste Tracht aller jener, welche die Tradition den Männern des Gesetzes je aufgezwungen, gegenüberzutreten.

Inzwischen traten - zum Glück für den Erben der Sagamores - sehr ernsthafte Ereignisse ein, welche die Pläne der Mahogannis in weitere Ferne zu rücken versprachen.

Am 23. gelangte eine wichtige Nachricht nach Walhatta. Die Patrioten von St. Denis hatten - wie im Vorhergehenden geschildert - die von dem Obersten Gore befehligten Truppen zurückgeschlagen.

Diese Neuigkeit erregte unter den Huronen laute Ausbrüche der Freude. Wir sahen schon, damals bei der Farm von Chipogan, daß ihre Sympatien der Sache der Unabhängigkeit zugewendet waren, und es bedurfte gewiß nur der passenden Gelegenheit, um sie zum Anschluß an die französischen Canadier zu bewegen.

Dieser Sieg freilich war es nicht - das wußte Meister Nick nur zu gut - der die Krieger seines Stammes veranlassen konnte, die Vorbereitungen zu dem ihm zu Ehren geplanten Feste aufzugeben. Im Gegentheile würden sie dasselbe nur mit noch mehr Begeisterung feiern und ihr Häuptling konnte dann einer Art Krönung unmöglich aus dem Wege gehen.

Drei Tage später folgten diesen guten Neuigkeiten aber die schlechten. Nach dem Siege von St. Denis die Niederlage von St. Charles.

Und als sie von den blutigen Repressalien hörten, zu denen sich die Loyalisten hatten hinreißen lassen, welche Ueberschreitungen diese begangen, wie sie geplündert, Brand gelegt, gemordet und zwei Ortschaften zerstört hatten, da konnten die Mahogannis ihre Wuth kaum noch zurückhalten. Von hier aus aber bis zu einer Massenerhebung, um den Patrioten zu Hilfe zu eilen, das war dann nur noch ein Schritt, und Meister Nick konnte fürchten, daß sie auch diesen unverzüglich thun würden.

Das legte dem Notar, der gegenüber den Behörden in Montreal schon etwas compromittirt war, die Frage nahe, ob er sich damit nicht das eigene Grab graben würde. Wenn er sich nun gar gezwungen sah, an die Spitze seiner Krieger zu treten und gemeinschaftliche Sache mit den Aufständischen zu machen? Jedenfalls konnte unter solchen Verhältnissen wenigstens von der großen Festlichkeit nicht mehr die Rede sein. Doch welchen Empfang bereitete er Lionel, als der junge Schreiber mit der Meldung kam, die Stunde habe geschlagen, um den Tomahawk auszugraben und ihn auf dem Kriegspfade zu schwingen!

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