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Электронная книга - «Der Findling». Краткое содержание книги:

Als ein umherziehender Schausteller in Irland seine beweglichen Puppen vorführt, kommt man schnell seinem Geheimnis auf die Spur: In einem winzigen Kasten muß ein Junge diese Figuren bedienen. Er kommt so zu einer wahren Hexe in die Obhut, in die Armenschule, dann zu einer reichen Schauspielerin, aber nirgends wird dem Findling eine echte Heimat geboten. So schlägt er sich wieder allein durchs Leben und beweist dabei bald seinen unternehmerischen Geist. Ein unaufhaltsamer Aufstieg aus dem Elend beginnt für ihn, bei dem ihm aber nichts geschenkt wird.
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Die Abfahrt von Millstreet erfolgte um zweieinhalb Uhr. Findling hatte sich wieder ans offne Fenster gesetzt. Der Zug rollte jetzt durch eine abwechslungsreiche, bergige Gegend hin. Das Wetter war schön, die Sonne nicht zu dicht verhüllt. Lord Piborne konnte sich beglückwünschen, für diesen Ausflug eine mehr trockene Periode getroffen zu haben, wo der Sonnenschirm der Marquise mehr Dienste leistete, als ihr Waterproof. Immerhin enthielt die Atmosphäre jene leichten Dünste, die den Berggipfeln, deren scharfe Linien sie abstumpfen, erhöhten Reiz verleihen. Findling konnte im Süden von der Bahnlinie die hohen Pics dieses Theiles der Grafschaft, den Caherbarnagh und den Paß erkennen, die bis zweitausend Fuß aufsteigen. Gerade in der Umgebung von Killarney treten die geologischen Umwälzungen in Irland am mächtigsten zu Tage.

Der Zug überschritt bald die Grenze zwischen den Grafschaften Cork und Kerry. Mit dem von seinem Herren verachteten Reiseführer in der Hand, verfolgte Findling voller

Interesse die Gelände neben der Bahnlinie. Hier erweckte schon der Name Kerry seine lebhaftesten Erinnerungen. Zwanzig Meilen weiter nördlich waren ihm die schönsten Jahre der Kindheit verflossen, dort in der jetzt leer stehenden Farm von Kerwan, woraus der mitleidlose Middleman die Familie Mac Carthy vertrieben hatte. Da wandte er die Augen von der Landschaft ab. Er blickte tief in sein Inneres, und der schmerzliche Eindruck davon hielt noch an, als der Zug im Bahnhofe von Killarney eintraf.

Für diesen kleinen Ort ist es ein von manchen Städten Europas empfundener Vorzug, am Ufer eines schönen Binnensees zu liegen, und Killarney verdankt sein glückliches Gedeihen ohne Zweifel der Kette von Wasserflächen, die sich von seinem Fuße aus hinzieht. Wegen seines Palastes, worin der katholische Bischof der Grafschaft residiert, wegen seiner Kathedrale oder wegen der hier befindlichen Irrenanstalt, auch wegen seines Franciscanerklosters oder seines Armenhauses strömen die Touristen in der schönen Jahreszeit hier wahrlich nicht zusammen. Nur seinen Seen verdankt es das Städtchen, der Sammelpunkt vieler Lustreisenden zu sein. Verlöre es seine herrliche Umgebung, so hätte Killarney sozusagen ausgelebt, was sehr zu bedauern wäre, vorzüglich für die Familie der Kenmare's, da dieses Städtchen einen Theil ihres neunzigtausend Hektar großen Besitzthums bildet. An Hotels hier und an dem eine Viertel stunde entfernten Ufer des Lough-Leane fehlt es nicht.

Lord Piborne hatte eines der bestempfohlenen ausgewählt; unglücklicher Weise war aber dieses Hotel gerade jetzt »boycoitiert«. Dieses neue irländische Wort stammt von dem Namen eines Capitäns Boycott her, der zur Einbringung seiner Ernte polizeiliche Hilfe herbeigerufen hatte, da die Arbeiter sich weigerten, auf seinen Feldern thätig zu sein. Das betreffende Hotel stand also in Acht und Bann, weil sein

Besitzer die gerichtliche Austreibung einiger seiner Pächter veranlaßt hatte. Jetzt gab es hier deshalb weder Kellner noch Köche, und kein Lieferant hätte gewagt, etwas dahin zu verkaufen.

Der Marquis und die Marquise Piborne mußten sich wohl oder übel nach einem andern Hotel begeben und ihre Abfahrt nach den Seen auf den nächsten Tag verschieben.

Nach Besorgung des Reisegepäcks seines Herrn erhielt der Groom Befehl, sich den ganzen Abend zu dessen Verfügung zu halten. So konnte dieser also das Vorzimmer nicht verlassen, während der junge Piborne inmitten der im Salon lesenden, plaudernden und spielenden Touristen den großen Herrn spielte.

Am folgenden Tage wartete ein Wagen vor dem Thore des Hotels. Es war das ein großer, bequemer Landauer, zum Niederschlagen des ganzen Verdecks eingerichtet und hinten mit einem schwebenden Sitze für John und Marion. Der Groom hatte auf dem Bocke neben dem Kutscher Platz zu nehmen. In den Koffern führte man außer Kleidungsstücken und Wäsche auch einen tüchtigen Vorrath an Speisen und Getränken mit, um gegen alle Zwischenfälle, wie Verzögerungen der Fahrt und Unzulänglichkeit der Gasthöfe, gerüstet zu sein, denn die regelmäßigen Mahlzeiten der vornehmen Familie durften auf keinen Fall in Frage gestellt sein. Ihre Herrlichkeiten verzichteten indeß beim Aufbruch aus Killarney auf die Benützung des Wagens.

Mit dem praktischen Verstande, dessen sich Lord Piborne -sogar in den Sitzungen des Oberhauses - zu rühmen pflegte, hatte er die Vergnügungsreise in zwei Abtheilungen zerlegt. Der erste Theil umfaßte den Besuch der Seen selbst, der zu Wasser abgemacht werden, und der zweite den der Grafschaft bis zur Küste, der zu Lande erfolgen sollte. Der Landauer hatte die vornehmen Touristen also erst während des letzten Theils der Reise aufzunehmen. Trotzdem fuhr er an diesem Morgen ab, um jene bei Brandonscottage, am Ende der Seen von Killarney, deren Ostufer er umfuhr, zu erwarten. Da der Lord Piborne in seiner Weisheit die Fahrt über die Seen auf drei Tage bemessen hatte, durften Kammerdiener, Zofe und Groom ihrer Herrschaft natürlich so lange Zeit nicht fern bleiben. Der Findling wenigstens freute sich auch herzlich, über diese glänzenden Wasserspiegel fahren zu sollen.

Das Meer war das freilich nicht, das unendliche Meer, das sich von einem Continente zum andern ausspannt, nur einige beschränkte Seen, die keine Handelsstraße bilden und nur von Touristenbooten durchschnitten werden. Doch auch das genügte schon unserm Findling. Gestern hatte er zum zweitenmale in einem Bahnzuge gesessen, heute sollte er zum ersten Male in einem Boote fahren.

Während John, Marion und der Groom sich zu Fuß nach dem eine Meile entfernten Nordende der Seenreihe begaben, führte den Marquis, die Marquise und deren Sohn eine leichte Kalesche nach derselben Stelle. An der Ecke eines Platzes erblickte Findling im Vorübergehen auch die Kathedrale, zu deren Besuch er keine Zeit gefunden hatte. Auf den Straßen waren nur wenige Leute, und unter diesen mehr Spaziergänger als Geschäftsleute. In Killarney beschränkt sich der regere Verkehr auf die wenigen Monate, während der aus dem Vereinigten Königreiche jährlich gegen zehn- bis zwölftausend Touristen hier eintreffen. Dann scheint die eingeborne Bevölkerung nur noch aus Kutschern und Bootsleuten zu bestehen, die sich um die Kundschaft streiten, welche ihre Dienste gehörig bezahlen muß.

Am Landeplatz erwartete ihre Herrlichkeiten ein Boot mit fünf Mann, vieren für die Ruder und einem für das Steuer. Polstersitze und ein abnehmbares Zeltdach gegen den Sonnenbrand oder gegen anhaltenden Regen sicherten den

Fahrgästen die nöthige Behaglichkeit. Lord und Lady Piborne nahmen auf den weichen Bänken Platz, der Graf Ashton neben ihnen, die Diener und der Groom setzten sich im Vordertheile des Fahrzeugs nieder. Nun wurde das Tau losgeworfen, die Ruder tauchten gleichmäßig ins Wasser und das Boot entfernte sich vom Ufer.

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