Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Wren beobachtete, wie Eowen ihr erschöpftes Gesicht kühlte, während Gavilan und die Elfenjäger das Lager errichteten. Garth war neben ihr. Sein dunkles Gesicht zeigte keine Regung, aber seine Augen waren von Zweifeln umwölkt. Als sie seinem Blick offen begegnete, schüttelte er kaum merklich den Kopf. Seine Finger gestikulierten. Ich kann die Zeichen nicht lesen. Ich kann sie nicht einmal finden.
Das war ein bitteres Eingeständnis. Garth war ein stolzer Mann, der eine Niederlage nicht leicht zugab. Sie schaute ihm in die Augen und berührte ihn leicht, als sie ihm antwortete. Du wirst einen Weg finden, signalisierte sie.
Sie aßen wieder, hauptsächlich, weil es notwendig war. Sie hockten zusammengekauert auf einem kleinen Flecken feuchter Erde, der trockener war als alles um sie herum. Ellenroh schlief, eingehüllt in zwei Decken, wurde von Kälte und Fieber geschüttelt, murmelte von Zeit zu Zeit etwas und warf sich in ihren Träumen hin und her. Wren wunderte sich über die Willenskraft Ihrer Großmutter. Während sie gegen ihre Krankheit ankämpfte, hatte sie ihren Griff um den Ruhkstab nicht ein einziges Mal gelockert. Sie preßte ihn noch immer an sich, als könne sie die Stadt und die Menschen, die in der Magie des Loden eingeschlossen waren, mit ihrem Körper beschützen. Gavilan hatte mehr als einmal angeboten, sie von ihrer Aufgabe, den Stab zu tragen, zu befreien, aber sie hatte sich standhaft geweigert, ihn aufzugeben. Es war eine Last, die sie auf sich genommen hatte, und niemand würde sie überzeugen können, sie abzulegen. Wren dachte darüber nach, was es ihre Großmutter gekostet haben mußte, so stark zu werden – den Verlust ihrer Eltern, ihres Mannes, ihrer Tochter, ihrer Freunde. Mit dem Auftauchen der Dämonen und der Aufgabe der Stadt Arborlon war ihr ganzes Leben umgeworfen worden. Alles, an das sie sich aus ihrer Kindheit auf Morrowindl erinnerte, war fort. Nichts blieb von den Versprechen der Zukunft, außer der Möglichkeit, daß die Elfen und ihre Stadt, durch ihren Entschluß und ihr Vertrauen, vielleicht in einer besseren Welt wiedererstehen würden.
In einer Welt der Unterdrückung durch die Föderation und der Angst vor den Schattenwesen, in einer Welt, in der der Gebrauch der Magie, wie in Morrowindl, irgendwie mißlungen war.
Wrens Lächeln kam zögernd und blieb bitter und ironisch.
Sie erkannte plötzlich die Ähnlichkeiten zwischen den beiden, der Insel und dem Festland, Morrowindl und den Vier Ländern. Sie waren verschieden und doch an derselben Art von Wahnsinn erkrankt. Beide Welten wurden von Kreaturen geplagt, die sich von Zerstörung nährten. Beide waren von einer Krankheit befallen, die die Erde und ihre Lebewesen falsch werden ließ. Was war Morrowindl anderes als die Vier Länder, nur in einem fortgeschrittenen Stadium des Verfalls? Sie fragte sich plötzlich, ob die beiden irgendwie miteinander verbunden waren, ob die Dämonen und die Schattenwesen irgendeinen gemeinsamen Ursprung hatten. Sie machte sich erneut Gedanken über das Geheimnis, was vor Jahren auf Morrowindl geschehen war und was die Elfen ihr vorenthielten.
Und sie fragte sich erneut: Was tue ich hier? Warum hat Allanon mich gesandt, die Elfen zurück in die Vier Länder zu bringen? Was können sie tun, was einen Unterschied ausmachen wird, und wie sollen wir jemals entdecken, was das genau ist?
Sie beendete ihre Mahlzeit und setzte sich eine Weile zu ihrer Großmutter, wobei sie deren Gesicht im schwächer werdenden Licht betrachtete und versuchte, in den gramzerfurchten Zügen irgendeinen neuen Hinweis auf ihre Mutter zu finden, auf die Vision aus jenem lange vergangenen, fernen Traum, in dem ihre Mutter sie gebeten hatte: Erinnere dich an mich. Erinnere dich an mich. Solch eine zerbrechliche Angelegenheit war ihre Erinnerung, und sie war alles, was sie von beiden Eltern hatte, alles, was ihr von ihrer Kindheit geblieben war. Als sie so dasaß, den Kopf ihrer Großmutter in ihren Schoß gebettet, wollte sie eigentlich Garth bitten, ihr etwas mehr über das zu erzählen, was gewesen war, obwohl sie jetzt nicht mehr wirklich erwartete, daß es noch mehr zu erzählen gab. Sie wußte nur, daß sie sich leer und einsam fühlte und etwas brauchte, woran sie sich festhalten konnte. Aber Garth hielt Wache und war zu weit weg, als daß sie ihn hätte herbeirufen können, ohne die anderen zu stören. Innerlich war er auch zu fern, um wahren Trost spenden zu können. Statt dessen berührte sie wie schon so oft die Elfensteine in ihrem Lederbeutel, ließ die Fingerspitzen über ihre harte, glatte OberMache gleiten und rollte die Steine müßig unter dem Stoff ihrer Tunika hin und her. Sie waren das Vermächtnis ihrer Mutter an sie und das, worauf ihre Großmutter vertraute. Und trotz ihrer Zweifel darüber, welche Rolle sie in ihrem Leben einnehmen sollten, konnte sie sie nicht aufgeben. Nicht hier, nicht jetzt, nicht bis sie von dem Alptraum befreit war, in den sie so bereitwillig hineingereist war.
Ich habe dies erwählt, flüsterte sie sich selbst zu, und die Worte klangen verbittert und hart. Ich bin hierher gekommen, weil ich es wollte.
Um die Wahrheit zu erfahren, zu entdecken, wer und was sie war, um die Vergangenheit und die Zukunft ein für allemal zusammenzubringen.
Und was weiß ich jetzt von alledem? Was habe ich erfahren?
Eowen kam und setzte sich neben sie, und sie erkannte, wie müde sie geworden war. Sie übergab ihre Großmutter der rothaarigen Seherin und kroch leise fort zu ihrem eigenen Lager. Eingehüllt in ihre Decken lag sie da und starrte hinaus in die undurchdringliche Nacht, in den Sumpf, der wie ein Irrgarten war und der sie alle verschlingen und sich nicht darum scheren würde, was er getan hatte. Sie sah in diese Welt, die mit einer Decke der Gleichgültigkeit, der Hinterlist und so zahlreicher Gefahren, wie es Schatten um sie herum gab, des plötzlichen Todes und der verspottenden Geister dessen, was gewesen sein könnte, bedeckt war. Sie bemerkte, daß sie an die Jahre dachte, in denen sie von Garth ausgebildet worden war, an das, was er sie gelehrt hatte, an das, was sie gelernt hatte. Sie würde all das brauchen, wenn sie überleben wollte, das wußte sie. Sie würde alles an Kraft, Erfahrung, Können und Entschlossenheit brauchen, was sie aufbringen konnte, und sie würde mehr als nur ein wenig Glück brauchen.
Und noch mehr.
Ihre Finger strichen erneut über die Elfensteine und glitten dann ab, als hätte sie sich verbrannt. Sie konnte ihre Macht anrufen und ihr Befehle erteilen, wann immer sie es wollte. Zweimal hatte sie sie jetzt angerufen, um sie zu retten. Beide Male hatte sie dies entweder aus Unwissenheit oder aus Verzweiflung getan. Aber wenn sie erneut Gebrauch von ihnen machen würde, das spürte sie, wenn sie sie ein drittes Mal handhaben würde, jetzt, wo sie wußte, daß die Magie da war, und verstand, was es bedeutete, sie anzuwenden, riskierte sie, alles aufzugeben und jemand vollkommen anderer zu werden. Nichts würde für sie jemals wieder dasselbe sein, warnte sie sich. Nichts.
Und dennoch. Als sie sich vorstellte, daß ihr Kraft, Erfahrung, Übung und Entschlossenheit nicht mehr zu Hilfe kommen würden, wo sie das Fehlen jeglichen Glücks beklagen mußte, schien es, als ob die Macht der Steine alles sei, was ihr geblieben war.
Sie vergrub ihren Kopf in den Decken und schlief in einem Gespinst von Zweifeln ein.
17
Wren träumte, und ihre Träume handelten von dem Kommen und Gehen der Ohmsfords. Es war ein bruchstückhafter Wust von Bildern wie in einem Kaleidoskop, die explosionsartig aus ihrer Erinnerung hervorbrachen. Sie überrollten sie wie eine Lawine und rissen sie fort, als stürze und taumele sie auf einer Rutschpartie ohne Ende. Als Zuschauerin ohne Mitspracherecht beobachtete sie, wie die Geschichte ihrer Vorfahren stückweise in kurzen Zeitblitzen Gestalt annahm. Ereignisse wurden vor ihr ausgerollt, die sie niemals gesehen, sondern von denen sie nur gehört hatte, die Legenden der Vergangenheit, die in den Erzählungen von Par und Coll Ohmsford weitergetragen wurden.